LIFESTYLE: SO – WEIHNACHTEN IST VORBEI * EINE NACHLESE…

Weihnachtslieder und Weihnachtsgans sind in diesem Jahr nun Geschichte, das rauschende Fest ist vorüber und der Tannenbaum im Wohnzimmer nadelt schon nah an unseren Nerven. Alles gut gegangen? Überlebt? Dann lest doch mal kurz, was ich so getrieben habe…

„Ach, der KK hat sicher so ein traditionelles Weihnachtsfest mit Gänsebraten und teuren Geschenken unterm Weihnachtsbaum gefeiert!“ Ist das so? Nicht so ganz. Meine Familie ist weit verstreut in der Welt und man trifft sich auch zu Weihnachten nicht gerne, zu weit sind die Wege, auch die in den Köpfen.

Meine Mutter lebt aber in der Nähe und mit ihr verbringe ich den Vormittag des 24.12. regelmäßig mit Kaffe, Plätzchen, Erinnerungen an meinen Vater (der an einem 24.12. an einem Herzinfarkt verstarb), und einer kleinen Bescherung, bei der wir uns viele, viele „Kleinigkeiten“ schenken, die man allesamt laaangwierig auspacken muss, einfach weil´s so schön ist.

Danach geht es dann zu meinem „Zweitjob“ zu Weihnachten. Seit vielen Jahren engagiere ich mich zur Weihnachtszeit in einer ortsansässigen Suppenküche, die gerade zu Weihnachten Obdachlosen und den wirklich armen Menschen in unserer Stadt einen warmen Zufluchtsort bietet. Nein, ich dekoriere nicht die Räumlichkeiten weihnachtlich, sondern ich stehe bis zum Nachmittag in der anliegenden Küche, koche und brutzle gefühlte 2000 Portionen Hühnchenschnitzel mit Reis und gebackenem Gemüse. Danach wird mit ausgeteilt und dabei mit jeder anwesenden Person ein kleines aber möglichst persönliches Gespräch geführt.

KK Suppenküche1

Übrigens habe ich mich für die Art des Essens eingesetzt, da besonders die ärmsten Menschen unter einem erschreckenden Proteinmangel leiden. Krankenhäuser und Altenheime tun das ihre dazu: Dort ist die Kost so, so, so schlecht bilanziert, es wird nur Wert auf Kohlehydrate und Fett gelegt, weil es schnell sättigt. Wichtiges und wertvolles Eiweiß fällt grösstenteils unter den Tisch! Dementsprechend geschwächt (Muskelatrophie, geschwächte Abwehr) sind viele der dort anwesenden Menschen.

Wer jetzt denkt, es sei ein zutiefst befriedigendes und erhebendes Gefühl den Ärmsten der Armen zu Weihnachten unter die Arme zu greifen, der sollte seine romantischen Vorstellungen kurz einmal gerade rücken. Betrunkene, Schlägereien, Pöbeleien, Messerstechereien, usw. All das ist menschlich und es kommt vor, auch zu Weihnachten! Abends im trauten Heim fühlt man sich wie nach einem Kampfeinsatz. Immer wieder werden auch Helferinnen und Helfer angegriffen, niedergestochen oder gerne mal verbal beleidigt. Und trotzdem komme ich in jedem Jahr wieder, und helfe wo ich kann, denn es gibt ihn noch, den kleinen, schwach glimmenden Funken Menschlichkeit, auch in einem Millieu welches manchmal für Aussenstehende „unmenschlich“ erscheint. Dankbare Blicke sind unser Lohn am Ende des Tages. Besonders wenn die Menschen satt geworden sind. Dann sinkt das Aggressionspotential dramatisch und eben noch aufrührerische Junkies sind ganz ruhig und schauen versonnen in den Kerzenschein, der auf jedem Tisch leuchtet.

Danach müssen wir die meisten dann wieder in ihr Leben entlassen, einige Härtefälle bekommen Unterkünfte angeboten, die meisten wollen aber für sich sein. Uns bleibt noch das zu spülende Geschirr (Spülmaschine, was ist das?), und jede Menge Erzählstoff.

Warum ich das mache? Bei all den Dingen, die man für sich, seinen Körper und Geist tut, einschliesslich Meditation und Selbstfindung, ist für mich immer EIN Gefühl dabei: „Hör auf mit diesem pseudo-wichtigen Ego-Scheiss und kümmere Dich wenigstens einmal im Jahr um das echte Leben!“ Und wenn ich am Heiligabend hundemüde in mein Bett falle, dann habe ich mehr eigene Seelenpflege betrieben als so mancher Selbstfindungs- und Meditationstrip es jemals könnte. Ich erhalte somit viel mehr zurück als ich an diesem einen Tag gegeben habe – Danke!

22 Kommentare

  1. Ja das ist sicher eine sehr befriedigende Arbeit . Ich kann gut verstehen wie es Dir geht . Gerade bei solchen Ehrenämtern ist es so das man unglaublich geerdet wird .
    Mit meiner Hundeline besuche ich schon mal die Älteren im Seniorenheim oder auch die Leute die so ganz ohne Familie und Besuch leben . Da bin ich immer ganz fasziniert wie wenig es braucht um andere glücklich zu machen .
    Toll das Du Dir dafür die Zeit nimmst . Große Klasse
    LG und einen schönen Abend
    wünscht Dir Heidi

  2. Lieber KK,
    ich finde dein Engagement in der Suppenküche so toll. Schön dass es solche Menschen wie dich gibt.
    Bin gerade wirklich sehr berührt.
    Vielen Dank
    Lissy

  3. Lieber Kaiser, was fuer ein wunderschoener Artikel, sitz hier und heul. Kann es gerade nicht in Worte fassen , es hat mich umgehauen !
    Und das will was heißen !
    Danke, dass du sowas tust und es so wunderbar in Worte fassen kannst!

  4. Lieber Konsumkaiser,
    sehr gerne lese ich schon seit längerer Zeit dein Blog und freue mich immer wieder darauf, da es ja vielseitig, edukativ und hilfreich sowie interessant aber auch amüsant ist. Spontan melde ich mich gerade heute, wahrscheinlich wegen deines Mitgefühls, um dir zu sagen, dass du mir geholfen hast das Weihnachtsgeschenk für meinen Sohn souverän 😉 auszuwählen und möchte mich dafür bei dir herzlichst bedanken – ich habe ihm einen Braun-Rasierapparat Serie7 (leider gibt es bei uns die S9 noch nicht) – und er ist sehr, sehr zufrieden und glücklich und ich mit ihm zusammen 🙂 Vielen, vielen Dank! Sorry, für eventuelle Fehler, Deutsch ist doch eine Fremdsprache für mich.
    Ganz liebe Grüße
    Mimi

  5. Hey du Lieber,
    ich weiß nicht, ob ich das könnte. Habe den Artikel schon mal gelesen und mir meinen Teil gedacht. Jetzt komme ich noch mal wieder und sende dir ganz liebe Grüße. Ich finde nicht immer die richtigen Worte.

    Alles Liebe

    Sabine

    http://www.blingblingover50.de

  6. Lieber Konsumkaiser,
    dieser Artikel hat mich sehr berührt. Leider bin ich in diesem Jahr schwer erkrankt und habe festgestellt das nicht alle Freunde wirklich Freunde sind, habe dafür neue Freunde dazu gewonnen wo ich es nie vermutet hätte. Alles in allem wurde mein Freundeskreis ordentlich durchgeschüttelt. Am Heiligabend war meine Familie bei mir, es war wunderschön, ein wenig sentimental und ein paar Tränen sind aufgrund der besonderen Situation auch gekullert. Daher weiß ich wie schön es ist wenn andere Menschen für einen da sind und helfen. Ich finde es ganz toll das Du dieser „Ersatz“ für die Leute bist, die niemand anderen mehr haben und für mich ist es Anstoß darüber nachzudenken wie ich in Zukunft mehr helfen kann.
    Danke für diesen Artikel.
    Sandra

  7. Hallo Jörg,
    schön das du das machst, da geht einem das Herz auf und ich sollte selbst sowas (endlich) auch tun, weil ich das schon immer vorhabe; vielleicht nicht nur zu Weihnachten…
    Ganz super toll von dir

    liebe Grüße und alles Gute für 2015 🙂

  8. Ich suche bereits seit erscheinen dieses Postings nach einer Antwort die in Worte fasst was ich denke. Es will mir nicht gelingen, nur so viel ich bin sehr ergriffen. Es ist ein harter Kontrast zwischen den schönen Dingen im Leben, die oft oberflächlicher nicht sein könnten und dem harten Leben derer die sich wahlweise nicht fangen lassen wollten oder die nicht aufgefangen wurden, von einer Gesellschaft die immer egoistischer zu werden droht. Um so wunderbarer das es Menschen mit Arsch in ihrer Hose gibt, die einfach machen und eine Brücke schlagen obwohl es nicht immer Dankbar ist. Menschen die ihre Komfortzone verlassen um etwas für andere zu tun. Danke das du gutes tust und drüber sprichst. Es regt zum Nachdenken an.

  9. vielen dank für eure lieben kommentare. ich rede offen darüber, weil in einer zeit in der die öffentliche wahrnehmung durch die medien so oft verfälscht wird, auch über gute dinge gesprochen werden muss!
    wenn alle denken, dass niemand hilft, protestiert oder seine meinung sagt, dann lassen es alle sein. aber meist ist es dann doch anders als wir denken, das habe ich auch bezwecken wollen mit meiner kleinen „beichte“. 😉
    „pseudo-understatement“ ist heutzutage einfach fehl am platze, die (auch weiterhin guten dinge, die geschehen) müssen sich gegen gangstarapper, wutbürger, pegida, usw, usf. bemerkbar machen. wir brauchen nicht nur gegen alles mögliche wütend zu sein, wir können hier und da auch etwas bewegen. jeder nach seinen möglichkeiten.

  10. ja, wo hab ich denn meine Augen gehabt und diesen bericht nicht gelesen? Hut ab und toll, dass du das machst. ich bin ergriffen und schweige… Sue

    1. Du hast mich an diesen Film erinnert:Weihnachtszauber – ein Kuss kann alles verändern Weihnachtsfilm USA 2011, also , der Mann hilft da auch im Obdachlosenheim …und dann noch Weihnachtszeit ..Sue

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