LIFESTYLE: UND WAS WAR SONST SO…? (27.02.2022)

„Und was war sonst so…?“ ist eine neue Rubrik, die ab sofort das KK-Trendbarometer ablöst. Auch hier geht es um Dinge, die mich in den vergangenen Tagen bewegt, belustigt oder nur erschüttert haben, aber nicht mehr Freitags, sondern immer (mal) wieder Sonntags. Herzlich Willkommen!

 

Ich bin wie gelähmt und ratlos

Hätten wir uns wirklich vorstellen können, dass es hier im Kern Europas jemals wieder Krieg geben könnte? Sicherlich hat man darüber diskutiert, jeder hat da so seine Vorstellungen, aber wirklich ernst hat man die Möglichkeit doch eigentlich nicht genommen.

Krieg – das ist etwas, das wir hier meist nur aus bewegenden Erzählungen der Eltern und Großeltern kannten, von verschwommenen und vergilbten schwarz-weiß Fotos, aus seltsam ruckelnden Filmen mit komisch quäkenden Sprechern und schriller Orchestermusik untermalt.

Und jetzt steht der Krieg (zwei Flugstunden von uns entfernt) sozusagen vor der Tür. Ich glaube es nicht. Ich bin erschüttert.

Irgendwie kann ich derzeit keinen gänzlich klaren Gedanken fassen. Einerseits empfinde ich tiefstes Mitgefühl mit den Menschen in der Ukraine, zumindest so weit man sich in diese dermaßen unwirkliche Situation einfühlen kann. Andererseits erfasst mich die Wut, dass es heutzutage noch möglich ist, dass ein Wahnsinniger so einfach die Welt möglicherweise an den Abgrund bringen kann. Das Gefühl der Wut, und dennoch wie paralysiert zu sein – DAS kenne ich von mir noch nicht. Es beängstigt mich.

 

Erklärungsversuche finde ich mühselig. Nur so viel: Ist der Präsident Russlands (wie gemunkelt wird) tatsächlich sterbenskrank, und er versucht nun noch vor seinem Tod den Karren vollends an die Wand zu fahren, um möglichst viele mit ins Verderben zu ziehen? Mit normalem Menschenverstand ist das alles doch nicht mehr zu erklären, oder?

 

Derzeit ist eine Menge Lebensfreude, Aktivität und Zuversicht aus meinen Knochen gewichen. Ich fühle mich betäubt, alles funktioniert irgendwie, aber was wird aus Europa? Aus der Welt, wie wir sie kannten. Geht es schnell vorbei? Wird es ein Flächenbrand?

Und haben wir auf dieser Erde nicht schon genug Probleme? Die Pandemie ist noch längst nicht vollends beherrschbar. Die Umwelt braucht Hilfe. Ungerechtigkeiten sind überall größer denn je. Und dann sowas.

Große Dinge im Weltgeschehen erzeugen ja oft genug ein Gefühl von Hilflosigkeit. Jetzt erreiche ich bei diesem unangenehmen Gefühl jedoch einen Höchststand. Was bleibt noch? Als klarer Atheist mit dem Beten beginnen? Was kann man tun, dass wir und die uns folgenden Generationen kein physisches wie moralisches Trümmerfeld erwartet?

Bitte entschuldigt, dass es hier und heute keine locker-flockigen Themen gibt, aber das Trendbarometer, wie auch „Und was war sonst so…?“) spiegeln ja immer auch ein wenig meine Person wider, und in diesen Tagen verändert sich plötzlich so vieles unglaublich schnell. Ich denke, wir alle müssen uns erst einmal in dieser Situation neu finden, auch wenn der Krieg entfernt scheint. Schwerwiegende Änderungen werden wir alle verspüren. Und wieder einmal sind wir (nach Beginn der Corona-Pandemie) mitten in der Geschichtsschreibung dabei. Wie sehr könnte ich darauf verzichten!

 

Bleibt gesund und haltet die Ohren steif!

 

 

.

 

 

(Keine Fotos, kein Sponsoring, natürlich)

 


20 Gedanken zu “LIFESTYLE: UND WAS WAR SONST SO…? (27.02.2022)

  1. Lieber KK, ich kann jedes Wort genauso „unterschreiben“ und fühle mit dir. Mir fehlen die Worte und ich kann es einfach nicht fassen, was schon wieder in unserer Welt passiert.
    😦

  2. Stimmt! Und ich habe Angst. Wenn ich die Stimmen der Rechten lese, frage ich mich, was uns erwartet. Trump bezeichnet Putin als genial, die Schweiz verhält sich neutral, hat aber einen Roger Köppel, Lukaschenko möchte ich nicht erwähnen.
    Ich sehe es momentan so, dass die Demokratie der Welt in Gefahr ist. Erdogan, Lukaschenko, Kim, Putin, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Alte, machtgeile Männer. Und ich habe Angst. Zermürbte schon Corona, kommt nun das Nächste.

    1. Genau das. Unterschreibe jedes Wort, Cara. Ebenso das, was du schreibst, KK. Ein fluffig-leichter Text wäre zwar schöner gewesen, nur wie soll man die momentan schreiben? Oder Spaß daran haben? Einfach nur beängstigend und traurig.

  3. Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich bin kein ängstlicher Mensch, denke immer, dass es schon irgendwie weitergeht. Aber im Moment habe ich große Angst und fühle mich wirklich verzweifelt, wie wohl alles weitergeht 😔

  4. Guten Morgen,
    ganz genau, das Hauptproblem sind die alten machtgeilen Männer. Die gehören in eine Einrichtung und nicht in die Politik. Was noch schlimmer ist das die ganze westliche Welt mal wieder zuschaut. Alles vergeigt, unser Militär zu Tode gespart wie alles andere auch. Wie peinlich das ist, besonders Herr Schröder. Ganz Deutschland ist ein Sanierungsfall und nun kommt der Krieg noch dazu. Ich bin seit Jahrzenten in zwei Hilfsorganisationen und habe den Kanal voll wie alles zuschaut. Habe Lust alles hinzuschmeißen und mich nur noch um mich zu kümmern. Inzwischen bin ich nur noch versteinert. Erst Pandemie, dann einen sterbenden Schwerstpflegefall in der Familie, der sich seit Monaten quält und der Liebe Gott hat kein Einsehen und jetzt Krieg. Wie das weitergeht ist doch klar, Kostenexplosionen und Armutsrenten für uns alle. Haben wir ja jetzt schon und das wird noch schlimmer.
    Mir fällt heute keine Grußformel ein, sorry.

  5. Es ist 30 Jahre her, und trotzdem spüre ich die Feuchtigkeit des Kellers in meinen Knochen. Damals, als wir in Kroatien Angst hatten vor den Scharfschützen auf den Dächern der umliegenden Häuser. Ich sehe meinen Freund aus Kindertagen, der dort auf dem Bürgersteig sein Ende fand, Teile seines *** an der Hauswand hinter ihm (ich kann es nicht ausschreiben, aus Rücksichtnahme vor Euch).

    Ich bete heute für die Menschen in der Ukraine. Das ist alles, was ich an einem Sonntag machen kann.

    Am Freitag allerdings habe ich mich beim zuständigen Ordnungsamt meines Bezirks in Berlin gemeldet, und unsere kleine Ferienwohnung offiziell für eine ukrainische Familie zur Verfügung gestellt. Bedingungslos.

    Und ich werde in unserem Haus zwei Gästezimmer bereitstellen, auch dies habe ich gemeldet.

    Bitte lasst uns zusammen halten 💛💙
    Wir haben nur dieses eine Leben, diese eine Welt.

    1. liebe johhana,
      kellergeruch in haaren, feuchtigkeit in knochen, „waffengebell“ in ohren …
      bleirende müdigkeit und unendliche trauer… DAS und mein zweijähriges kind was alles was ich vor 30 jahren aus meiner lieber heimatland, kroatien, bis hier brachte.
      nur eine flugstunde von hier…
      trauma ist für immer geblieben… verändertes leben, gebrochene pläne.
      so geht es unglücklichen ukrainern heute… und morgen?
      ich bete auch für die traurige aber ganz tapfere und stolze menschen in der ukraine.
      und für eine bessere welt…
      für uns alle.

  6. Hallo! Ja. Ich bin auch extrem traurig und wütend. Bis Donnerstag hätte ich nie gedacht, dass es so eskalieren könnte. Was für eine Verschwendung von Leben… die Bilder der extrem jungen Soldaten und der unglaublich (!) mutigen Freiwilligen (zB. 45-jähriger Geschichtslehrer in Jeans mit automatischem Gewehr), Menschen die ihr liebevoll eingerichtetes Zuhause verlieren, diese ganzen Schicksale, es ist wirklich zum Verzweifeln. Ich finde darüber zu schreiben spiegelt gar nicht wieder wie düster es sich anfühlt. Trotz unserem ganzen Fortschritt sind wir wieder da angekommen?! Man zweifelt am Mensch.
    Irgendwie muss man sich ein starkes Herz bewahren. Ich schreibe das, weil meine Oma dies als Kind unter den Nazis auch geschafft hat und ich dieses Kommentar nicht so düster enden möchte. Sach- und Geldspenden, Ukrainern helfen, auf Demos in die Stadt gehen. Juckt Putin zwar nicht- aber ist immerhin konstruktiv. Schöne Grüße Marie

  7. Nerven und Ruhe zu bewahren hat man leider wegen der Pandemie noch mehr üben müssen als ohnehin schon (und noch, sie ist ja nicht vorbei), und jetzt erst recht.

    Ich vermute schwer, dass das, was man aus den Medien hört, gelinde gesagt nicht für einhundertprozentig wahre Münze zu nehmen ist – dazu sind die Informationen, die sie selbst erhalten, zudem verkürzt, einseitig und interessengeleitet, und selbst fachkundige Analyse, so vorhanden, kann Verzerrungen unterliegen. Immer jeweils 14 Tage später dürfte man mehr wissen (wie auch schon bei der Pandemie).

    Und jetzt wird reagiert. Nun mal eben 100 Mia locker zu machen, nachdem der Bereich Pflege genauso jahrzehntelang verschlafen wurde. Und der Bereich Energie. Wäre ja Arbeit gewesen. Ich bin mir sehr sicher, dass in den verschiedenen Bereichen hohe Kompetenz vorhanden ist, aber wie die Entscheiderïnnen sie nutzten, scheint doch fragwürdig, gelinde gesagt. Das fällt einem jetzt auf die Füße.
    Ich fühle mich nicht gerade von rationaler Entscheidungskompetenz und Umsetzungsfähigkeit umzingelt.
    Dann sind die neuen Waffen ja in drei bis sieben Jahren da. Reicht doch. Ironie off.

    Nebenbei gesprochen steht zu vermuten, dass man keinen bewaffneten Konflikt beginnt, den man nicht genau in x Versionen plant und vom Ende her denkt. Niemand Rationales startet ein Projekt ohne Zielformulierung, erst recht nicht ein solches, und geistige Umnachtung – das neue ‚Narrativ‘ – vermute ich mal (für uns alle hoffend) nicht.
    Vermutlich kommt da noch einiges auf uns zu.

  8. Putin versetzt seine Nuklearstreitkräfte in Einsatzbereitschaft.
    Ich finde keine Worte für diese Schreckensmeldung und trotz meines Unglaubens versuche ich zu hoffen.
    Für uns Alle.

  9. Ja, bei dieser Meldung wird einem wirklich schlecht, nicht nur sinnbildlich! Wir können nur alle gemeinsam hoffen, dass ihn jemand stoppt!

  10. Es ist alles gesagt von Euch und ich bedanke mich dafür ganz herzlich!
    Ich kann da gar nichts mehr ausführen, außer das auch bei uns 2 Zimmer zur Verfügung stehen.
    Ich bete für diese armen Menschen und hoffe, dass dieser Irre doch noch irgendwie gestoppt werden kann.
    Im Moment ist das Gefühl der Ohnmacht einfach übermächtig!

  11. Lieber KK,

    auch ich würde alles unterschreiben. Stimme Dir voll zu. Als ob es nicht schon genug Probleme gibt.
    Ich denke Putin hat schon lange seinen Plan in der Tasche, nur es ergab sich noch nicht der richtige Zeitpunkt der Umsetzung. Er plant, sitzt in seinem Palast und schaut sich alles aus der Ferne an, und andere Menschen müssen seinen Plan ausführen. Ihm ist es egal, ob sie ihr Leben lassen, alles verlieren …
    Warum geht er nicht selbst und kämpft, hat er Angst ihm könnte etwas passieren, dann wäre wenigstens der Krieg schnell zu Ende (sorry, wenn ich das so schreibe).
    Vor seinen Augen sieht er nur sein Ziel und sonst nichts. Nun geht es ihm nicht schnell genug, deswegen kommt er mit der Drohung „Atomstreitkämpfe in Alarmbereitschaft“.
    Ich habe bei ihm noch nie einen freundlichen Gesichtszug gesehen (falls es den überhaupt bei ihm gibt), sowie ein Glänzen in den Augen. Er gehört zu denen, denen man den Rücken nicht kehren darf. Wie kann solch ein Mensch nachts noch schlafen, nur wenn man gefühlskalt ist und nur Macht haben will.
    Ich schaue heute viel NTV, schlimm was dort gesprochen und gezeigt wird, ein reinstes Gefühlschaos. Und ich hoffe, dass sich alles so schnell wir möglich zum Guten wendet.

    Lieben Gruß
    Iris

  12. Ja, ja, das hoffen wir doch alle. Und jede(r) ist betroffen und bla, bla,bla…

    Soll Putin doch die Atombombe schmeißen, dann brauchen wir uns wenigstens wegen der Klimakrise keine Sorgen mehr zu machen.

    So, das war jetzt der Zyniker, der von dieser Welt und den Menschen sowieso nichts hält.

      1. Chère empreinte, non, il n’est pas cynique. Il est complètement cinglé dans le sens médical.
        Mon héros, c’est Selenskiy. J’espère qu’il va durer. Et que Putin aille à l’enfer.

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