LIFESTYLE: ICH BIN EIN STAR, HOLT MICH HIER RAUS 2022 * EIN ABGESANG?

Als bekennender IBES-Fan, der allerdings auch so langsam dem Trash-TV gegenüber Müdigkeitserscheinungen entwickelt, bin ich derzeit unschlüssig: Ist das eine der besten und entlarvendsten Folgen in der Geschichte der „Dschungelshow“, oder der endgültige Abgesang?

 

 

Ja ja, dieses Dschungelcamp, ich weiß, wie kann man nur. Aber hey, ein Laster darf man doch wohl noch haben? Und dem Alkohol musste ich eh schon abschwören.

Ausserdem beobachte ich das alles ja auch nur auf der schnöseligen Ironie-Ebene und mache mir Meta-Gedanken über die Meta-Aussage der Meta-Ebene dieser Fernsehshow der Trash-Kultur. (Merke: Meta macht gleich alles viel wertvoller)

Doch in diesem denkwürdigen Jahr (2022) bröckelt bei mir die Euphorie – noch stärker als in den vergangenen Jahren.

Überall holpert und klemmt es

Zuerst stand der Beginn der Show unter einem denkbar schlechten Stern: Ein Großteil der sogenannten „Stars“ konnte erst gar nicht vor die Kameras treten. Sei es, weil Impfzertifikate wohl scheinbar gefälscht wurden (irgendeine Textilphobikerin namens Christin Alpaka, oder so), oder gleich mit ner ordentlichen Corona-Viruslast angereist wurde (der Sohn von Costa Cordalis).

Und dann wirft sich eine Hauptdarstellerin auch noch gleich selbst raus, weil ihr (nicht sonderlich hoch gesicherter) Sicherungskasten in Gänze durchbrennt.

Durch eine rassistische Beleidigung musste (Qualifikation: Ex Dieter Bohlen-Gespielin) Janina Youssefian die Festspiele der Kakerlakenliebhaber verlassen. Das war für den Sender RTL glasklar, sowas geht nicht.

Was ganz prima funktionierte, war, dass RTL die Beleidigung (und Beleidigungen – der Eklat war nämlich beileibe keine Einbahnstraße) mehrfach wiederholte und unkommentiert den Zuschauern auf dem Friss-das!-Tablett servierte.

Kleinlaut trollte sich Youssefian von dannen, während das tagelange manipulative Mobbing ihrer Widersacherin Linda Dingens völlig unreflektiert blieb. Das passiert also, wenn die politische Korrektheit sich selbst kontrolliert. Sowas kann auf beiden Seiten nicht Sinn der Sache sein.

Bei mir bröckelt die Zustimmung…

…denn was früher ein klein wenig teuflische Schadenfreude und Fremdscham war, weicht heute einer dumpfen Mobbing- und Beleidigungsorgie.

Die Schar der Stars setzt sich zudem aus immer mehr Social-Media-Glühwürmchen zusammen, wohingegen tatsächliche „Stars“ nun doch einen großen Bogen um das Psycho-Format machen, aus welchen Gründen auch immer.

Sie tun gut daran, wie man derzeit an Anouschka Renzi sehen kann, die durchaus eine respektable Schauspielerin ist (war?), aber nun meint, sie nähme an den Anouschka Renzi Festspielen teil, und dazu gleich in arger Dschungel-Verblendung ihre eigene Laudatio hält: „Ich bin wenigstens ein Star, und ihr nicht.“

Da kommt die Retourkutsche gleich einer kalten Dusche: „Und trotzdem sitzt Du hier. Wie scheiße, was?“

War sonst noch was?

Tja, wohin soll man als (immer noch) geneigter Zuschauer seine Gunst wenden? Zu Herrn Glöööckler, dem man (trotz „mentalem Vakuum“) an den Schlauchbootlippen hängt, weil alle anderen Teilnehmenden (wie gut dieses sterilisierte Wort hier passt!) entweder gar nichts sagen, oder sich wüst beschimpfen?

Oder doch zum ätherischen Tattoo-Model, Tanz-Talent oder Soap-Darsteller Eric Stehfest, der immer klingt, wie eine Mischung aus Hamlet und Heilerde, nach einer Überdosis Yoga.

Da lob ich mir doch das österreichische Starlet Tara Tarantula, oder so, die wenigstens grundehrlich bekennt, warum sie sauer ist, von den Zuschauern aus dem Camp gewählt worden zu sein: „Och Scheißä, ich hab doch noch net g`nug abg`nommän.“

Die Zukunft des Dschungelcamps?

Irgendwo stellte mal jemand die Frage nach der Zukunft des Dschungelcamps. Nachdem ja endlich auch Dieter Bohlen und seine Beleidigungs-Verhaltensauffälligkeit aus dem Fernsehen verschwunden ist, fragt man sich doch, wie zeitgemäß noch diese Krawallformate eigentlich sind.

IBES hat da weiterhin einen festeren Stand, denn irgendwie erkennt man noch die Qualität der Produktion. Allein der legendäre Wortwitz der schadenfreudigen Moderatoren (und deren Autoren) ist ein Zuschauen wert. Doch der Lack bröckelt.

Und da der Cast zukünftig wohl immer mehr aus der Riege der unerschöpflichen Social-Media-Gosse rekrutiert werden wird, sehe ich schwarz für die Zukunft, denn Beschimpfungen im Hardcore-Style wirken mittlerweile so schrecklich gestrig. Wenn man sich vorkommt wie im „Gerichtssaal“ bei Barbara Salesch der Neunzigerjahre, dann stimmt da was nicht.

Der Zauber der würgend verspeisten Känguru-Hoden ist wohl verflogen. Aber wir lesen uns dann hier bei der Glosse zu Germanys Next Topmodel wieder. Ein bisschen Trash muss sein…*träller* 🙂

 

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(Nachtrag: Hat noch jemand die kleinen Andeutungen von Daniel Hartwich bemerkt, dass er die Show womöglich verlässt?)

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(Foto: Konsumkaiser.  Keinerlei Sponsoring)


3 Gedanken zu “LIFESTYLE: ICH BIN EIN STAR, HOLT MICH HIER RAUS 2022 * EIN ABGESANG?

  1. Ich habe nur eine Schlagzeile gelesen und wegen der rassistischen Beschuldigung neugierig einen yt Ausschnitt dieser Szene gesehen. Weshalb guckt man sich solche Sendungen an? Man liegt, wie man sich bettet … Ich kann echt nur mit dem Kopf schütteln, dass die Medien die Menschen mit so etwas ködern können.

  2. Aber… ohne Alkohol 🥴 kann man das doch gar nicht schauen? (Scherz.)

    Nicht so ganz mein Genre, habe ich mir gestern die Aufnahme von GNTM 1. Staffel 2021 angesehen, aus gegebenem und traurigem Grund (Angel’n’Star Thierry Mugler starb vor einer Woche 💔). Zum Glück war das eine Aufnahme von Donnerstagnacht – so konnte man weit über eine Stunde den Schnelldurchlauf starten, bis überhaupt einmal i r g e n d e t w a s passierte.

    Allerdings war das – mit Vorspulen freilich – ein recht netter Einblick in eine (Fernseh-)Welt, die mir bis dato neu war. Man muss wirklich anerkennen, dass die Stylisten der Sendung gute Arbeit leisten. Die drei Mädchen, die sich Mugler aussuchte, hätte ich auch genommen, solch wunderschöne, anmutige, starke Grazien auf dem Cat Walk.

    Was Mugler betonte, kann ich ebenso nur unterstreichen: Stärke, Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit machen den Unterschied. Ach ja, und in diesen Stelzen laufen und Treppen nehmen zu können natürlich.

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