LIFESTYLE: TRENDBAROMETER 04.12.2020

Das Trendbarometer gleitet geschmeidig in die Vorweihnachtszeit, und es geht weiterhin um Dinge, die mich in der vergangenen Woche bewegt, belustigt oder erschüttert haben. Aber nichts folgt einem festen Schema, es kommt wie es kommt. Hauptsache ein bunter Mix, unterhaltsam, lustig, manchmal nachdenklich, oder auch böse… 

 

Corona-Tagebuch

Nein, keine Angst, ich führe kein Corona-Tagebuch, und ich werde dieses nervenaufreibende Thema hier auch nicht überstrapazieren, aber dennoch…“Corona“ gehört mittlerweile zu unserem Alltag. Allgegenwärtig ist das Virus, viele unserer täglichen Entscheidungen treffen wir mit der Pandemie im Hinterkopf. Das nervt derweil gehörig, aber ungeduldig werden ist nicht zielführend.

Obwohl ich die ganze staatlich erlaubte Lockerungsnummer zu Weihnachten nun wirklich nicht verstehen kann. Das fiese Virus kennt nun mal keine Feiertage, und es freut sich wohl schon auf Ansammlungen von Menschen in mehr oder weniger engen Räumen (10 pro Treffen x 3 Feiertage, plus wahrscheinlich Sylvester, da kann man ja locker eine Großfamilie zum Fest treffen), dazu herzliche Umarmungen, von all denen mal ganz abgesehen, die diese Regeln nicht wirklich ernst nehmen werden.

Ausbaden dürfen das daraus resultierende Steigen der Infektionszahlen dann die üblichen Verdächtigen: Die, die wir eh gerade zwangsarbeitslos sind. Freizeitbetriebe, Gastronomie, Kultur, usw.

Aber zurück zum „Tagebuch“, das braucht man nämlich mittlerweile. Die Tage ziehen mitunter völlig konturenlos vorbei, man verliert sich in den Tagen, Wochen, Monate. Es fehlen die markanten Eckpfeiler in diesem „verkehrsberuhigten“ Leben. Ich habe mich heute auf dem Weg in die Küche verlaufen, und es hat mich weder gewundert noch geärgert. Einfach wieder zurück ins Bett. Danach war alles wieder im Normalmodus – nur mit Dämmerschlafautomatik.

Ich bin schon fast dafür, die Sylvesterknallerei in diesem Jahr per Gesetz anzuordnen, dann weiß ich wenigstens, wann das Jahr endlich vorbei ist, und das neue beginnt. Fehlende Umgebungsreize zur zeitlichen Verortung – klarer Fall. Und jetzt mal ohne Quatsch: Der Anstieg der psychischen Erkrankungen wird wohl sehr viel deutlicher ausfallen, als wir es uns im Frühling noch vorstellen konnten.

Wenigstens können wir nun seit dem 1. Dezember täglich ein Türchen öffnen und eine Schokofigur „befreien“…im Lockdown. Irgendwie lustig bis zynisch dieser Gedanke.

 

 

Der Pandemiemüdigkeit trotzen

Das Wort des Jahres ist bei mir mittlerweile „Pandemiemüdigkeit“, das kommt daher, dass der Mensch nicht auf „Daueralarm“ ausgelegt ist. Ehrlich gesagt war der erste Lockdown im Frühjahr etwas Neues, das kannte man nicht, es war seltsam, aber auch irgendwie faszinierend.

Jetzt ist es einfach nur noch zum Kotzen. Ein ganz natürlicher Gedanke, man nennt es auch „Pandemic Fatigue“. Wenn wir also denken, wir hätten etwas Schlimmes, sehr Negatives überstanden – und dann kommt es zurück.

Laut der WHO unterstützt noch ein Großteil der Europäer die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, aber das Vertrauen der Menschen zu verlieren, besteht durchaus. Menschen könnten anfangen, die Restriktionen als einen zu hohen Preis für die Eindämmung des Virus zu betrachten.

Können wir also die derzeitige Situation und die dazugehörigen Gefühle als Normalzustand akzeptieren? Das wäre äusserst schwierig.

Was kann man also tun, um der Pandemiemüdigkeit entgegen zu treten?

Es ist essentiell, dass wir unsere Emotionen nicht nur erkennen und kontrollieren kontrollieren, sondern auch ausdrücken, bevor sie sich aufstauen und uns oder andere Menschen verletzen. Dazu ist es wichtig, zB. Routinen beizubehalten und Freunde und Verwandte weiterhin zu kontaktieren. Telefon, Chat, Video, die Möglichkeiten nutzen, auch wenn es sich so „minderwertig“ anfühlt. Auszeiten zu definieren gehört auch dazu.

Nicht den kursierenden Falschinformationen Glauben schenken. Unsere Situation fördert den Glauben an solche Fake News und märchenhaften Theorien, das muss man sich zwischendurch immer wieder klar machen. Gute Fakten dafür aber auch nicht grenzenlos konsumieren, lieber einmal am Tag umfassend und abwechslungsreich informieren, das kann Angstgefühle vermindern.

Regierungen müssen die Bevölkerung als Teil der Lösung ansehen und behandeln. Zwang und Spionage sind kein erfolgreiches Mittel in unseren Gesellschaften um Risiken zu minimieren. Die massiven Anstrengungen und Verzichte der Bevölkerung müssen zudem Anerkennung finden. Leider bröckeln diese Empfehlungen der WHO mittlerweile auch bei uns, wenn man sich ansieht, wie bereits jetzt über die nächsten Hilfen für die zwangsarbeitslosen Branchen verhandelt wird.

Das hört sich mittlerweile bei der Bundesregierung dermaßen eingeschnappt und genervt an, als würden wir uns alle selbst diesen tollen, langen „Urlaub“ gönnen. Hinzu kommt die immer noch nicht weitreichende Würdigung der super-systemrelevanten Branchen. Und damit meine ich jetzt nicht die Tourismusbranche, sondern eher zum Beispiel die Krankenschwester auf Intensiv.

Bleibt uns allen dann dazu noch ein gesundes Maß an Akzeptanz. Manche Dinge, und dazu gehört auch ein fieser Virus-Ausbruch, kann man ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nicht mehr ändern. Sich auf gesunde Weise mit etwas abfinden, ist ein Wesenszug, den wir in unserer Gesellschaft wohl auch wieder akzeptieren müssen. dagegen dann Energien lieber in Dinge investieren, die man tatsächlich verändern kann.

Und sollte der Punkt kommen: Hilfen auch mal annehmen (oder suchen).

 

 

Schöne Ablenkung

Im letzten Jahr hatte ich die kleine skandinavische Adventsserie „Weihnachten zu Hause“ auf Netflix empfohlen. Ein lustiges Spiel mit vielen Vorurteilen zur Weihnachtszeit, besonders für Singles.

Was passiert, wenn man krampfhaft DEN Mann sucht, den man den Eltern (endlich) zu Weihnachten präsentieren kann, sorgt in dieser Mini-Serie für echt gute Laune und trotzdem ein wenig weihnachtliche Stimmung.

Und nun kommt doch tatsächlich zum 18. Dezember eine zweite Staffel hinzu. Da freue ich mich aber total auf ein Wiedersehen mit Johanne und ihrer chaotischen Art.

 

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Einen schönen 2. Advent!

 

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(Fotos: Konsumkaiser  Keinerlei Sponsoring)

 


22 Gedanken zu “LIFESTYLE: TRENDBAROMETER 04.12.2020

  1. Hallo zusammen! Es gab also doch tatsächlich ein paar mehr Bewerbungen zur Verschenkaktion gestern 😉 Also musste der Zufallsgenerator ran. Die Mails an die zwei Gewinnerinnen wurden gerade verschickt.
    Liebe Grüße
    KK

  2. Immer dieses Gejammer über den Mini-Lockdown. Man spürt doch garnichts dvon!! Wer sich da eingeschränkt fühlt hat ein zu überfülltes Leben, mal an Minimalismus gedacht? Bei mir ändert sich garnichts und das kann gerne so bleiben.

    1. wenn guse recht hätte, würde ich jetzt denken: mein leben war total überfüllt mit arbeit, theater, konzerten, kino, sport, museen, reisen und völlerei in lokalen.

    2. Schön für dich, wenn du nichts spürst. Mein Partner arbeitet im Hotel und das bedeutet momentan wegen Kurzarbeit einen Arbeitstag pro Woche und eine enorme Gehaltseinbuße. Wenn das nichts ist, weiß ich auch nicht.

    3. Hallo Guse,

      natürlich kann man mit dem Mini- Lockdown leben! Ich vermisse zwar Kino, Sportstudio, Theater und das Treffen mit Freunden….allerdings ist es nicht überlebenswichtig. Hast Du mal an die Menschen gedacht, die in Ihrer Existens bedroht sind? Zum Beispiel K.K. – und wir lesen hier auch noch kostenlos und bekommen dafür so einen informativen und vielseitigen Blog!

      Allen ein schönes Wochenende und bleibt gesund!

    4. Das ist schön für dich, dass du einerseits keine Einschränkung spürst, andererseits aber auch nicht existentiell betroffen bist. Du kannst wirklich froh sein. Sei doch eher dankbar dafür, als genervt vom Gejammere wirklich Betroffener zu sein! Inhaber von Fitness Studios, Kosmetik Studios, selbstständige Trainer, Künstler, die Gastronomie, Hotels, Besitzer von Markt Ständen, Fahrzeugbetriebe auf Festen, die gesamte Veranstaltungsbranche (Techniker, Planer etc), Freizeitparks, Tierparks etc sind massiv betroffen! Alleine Disneyland muss nächstes Jahr über 30000 Mitarbeiter kündigen. Existenzen sind betroffen. Da empfinde ich deine Aussage wirklich befremdend. Ein bisschen über den eigenen Tellerrand schauen, nicht nur ichbezogen denken-dann sähe die Welt schon anders aus!

    5. Oder sagen wir es mal anders herum, liebe/r Guse: verglichen mit dem Leben von Risikopatienten – Minimalismus ist m.E. da nicht ganz der treffende Ausdruck – seit Frühjahr ist der sog. Slow Down sanft. Auch wenn er hart trifft.

    6. Hallo Guse, ich kann verstehen, dass sich für viele Menschen die Situation kaum zum Normalzustand unterscheidet. Ich finde aber das Ausblenden der anderen Mitmenschen, die nun arge Probleme haben, und auch den Kommentar arg zynisch.
      Wenn man sich partout nicht für andere Menschen interessiert, kann man tatsächlich derzeit ein tiefenberuhigtes Leben führen. Beneidenswert…ich könnte das in drei Leben nicht.
      LG
      KK

    7. @Guse: Es macht mich traurig, soetwas zu lesen. Ich empfinde dein Zeilen als sehr emphatielos und kurzsichtig. Ich bezeichne das mal als „psychischen Minimalismus „. Nur, weil du selbst die momentane Situation nicht schlimm findest, muss dies noch lange nicht für alle gelten. Mir und meiner Familie geht es, zum Glück, sehr gut. Wir können alle noch arbeiten und haben aktuell keine finanziellen Verluste zu beklagen. Dennoch mache ich mir Sorgen um diejenigen, die momentan kein Geld verdienen, die ihre Mitarbeiter vielleicht in der Zukunft nicht mehr halten können, die ggf. ihr Unternehmen und damit ihre Lebensgrundlage verlieren. All jene, die viel für unser aller Wohlstand getan haben, weil sie Steuern zahlen (konnten). Finden solche Gedanken Platz in deinem „Minimalismus“?

  3. Thanksgiving war am 26.11. – die Amerikaner haben es sich „nicht nehmen lassen“ und sind kreuz und quer durch das Land gefahren und geflogen.

    Wenn wir die Ergebnisse dieser privaten Menschenansammlungen noch vor Weihnachten erfahren, werden vielleicht einige ihre Pläne doch noch ändern.

    Es soll ja auch noch vernünftige Leute geben.

  4. Mir reicht es auch, sehr. Ein Haushalt voller Risikopatienten, selbst auch wohl betroffen (wer halbwegs Gesundes mit den üblichen Befindlichkeiten weiß das schon genau?), seit März supervorsichtig, nicht gereist, nicht ins Restaurant, selten zum Einkauf und wenn dann nur mit FFP2- oder jetzt seit Herbst mit FFP3-Maske – und wirklich vieles, das dieses Jahr schief lief, auch aufwendige, notwendige Arbeiten am Haus. So viele Tote dieses Jahr, die ich kannte und liebte, und das alles war noch ohne Covid.

    Nun aber:
    ist noch der Mann einer Freundin an Covid verstorben, sie ist in Quarantäne und durfte nicht zu seiner Beerdigung. Die beiden waren sehr vorsichtig.

    Ich gestehe, dass ich Angst habe und wirklich nicht mehr mag.

    1. Liebe Hasio815,

      wie schlimm, das tut mir sehr leid. Mein herzliches Beileid für all Deine Verluste.

      Eine Umarmung und liebe Grüße
      Doro

      1. Herzlichen Dank, liebe Doro. Es muß ja. Für meine Freundin ist es schlimm, einen schönen Mann nach langer und sehr guter Ehe zu verlieren. Sie ist nun ganz allein, versucht aber tapfer zu bleiben.

    2. Angst empfinde ich zum Glück noch nicht. Wir haben „mit Covid“ einen älteren Onkel verloren und sind seither wirklich vorsichtig. Und ich nehme die Einschränkungen einfach hin. Meinen Friseur, meine Fahrkarte und mein Fitnessstudio zahle ich einfach weiter. Ich hatte bei der Berufswahl vor 30 Jahren einfach schnödes Glück. Dass ich das mal im Homeoffice machen würde, wäre mir damals mit Sicherheit nicht in den Sinn gekommen.
      Letztlich regt mich das Gejammere auf. Nicht derer, deren Existenz durch die Umstände bedroht ist. Sondern von denen, wo die Gesellschaft „Rücksichtnahme“ erwartet und „Unverständnis“ erntet. Stellt Euch vor kein Skiurlaub. Die Welt geht unter.
      Die „verordneten“ Maßnahmen sind ohnehin nicht wirklich durchdacht. Wenn ich mich eine Woche täglich mit einer anderen Person treffe, und die sich untereinander ebenfalls einzeln, hätte man auch gleich zusammen kommen können. Die Maßnahmen sind hilflose Versuche etwas einzudämmen und im selben Zug die Wirtschaft am Laufen zu halten.
      Auf die Maßnahmen verlasse ich mich also nicht. Sondern auf meinen gesunden Menschenverstand. Ich hoffe einfach ich „entkomme“ dem Virus. Ich möchte nämlich nicht hören, sorry, für Sie ist kein Platz auf der Intensivstation, da liegen nämlich schon die, die es nicht glauben wollten und den Virus für eine Erfindung der „Elben/Zwergen/Zauberer/Bäume/Hobbits“ gehalten haben.
      In diesem Sinne. Bleibt gesund. Haltet durch. Und zahlt vor allem die weiter die Leute, deren Leistungen Ihr in guten Zeiten in Anspruch genommen habt, wenn Ihr es Euch nur irgendwie leisten könnt.
      Bleibt gesund und positiv. Es kommen sicher auch wieder bessere Zeiten.
      BG Sunny

  5. Ich bin, wie oft, sehr spät dran.
    Ich finde, es gibt verschiedene Situationen. Mein Mann und ich, spüren die Situation tatsächlich auch kaum, ist auch leichter, wenn man im öffentlichen Dienst oder in der eigener Praxis arbeitet. Home Office für ihn, volle Praxis für mich. Sowas ist dann natürlich auch leichter auszuhalten, als wenn man in einer anderen Branche tätig wäre. Und das ist, was mir oft begegnet. Dass die Menschen, die abgesichert sind, tatsächlich kaum etwas von der aktuellen Situation merken, weil es das Konto nicht besonders berührt. Und dann kann man ja auch besser damit leben, als wenn man alleinerziehend und in Kurzarbeit wäre.
    Ich höre immer häufiger die Meinungen, dass ein härter Lockdown besser wäre, wäre vll auch schneller vorbei. Und im Sinne der Psychologie der Massen würden alle ein ähnliches Interesse an der Verbesserung der Situation haben.
    Ansonsten merke ich 2 Tendenzen in der Praxis. Weihnachten scheint bei vielen Patienten in diesem Jahr nicht mehr so viele Bauchschmerzen zu bereiten, weil man die Familie zum Teil nicht sieht und das entlastet. Dafür hatte ich den ersten stockdepressiven Künstler zur Beratung, der nicht klar kommt damit, dass er seit Monaten nicht arbeiten kann und nicht weiß, wann es wieder geht. Und das ist furchtbar. Für ihn als Betroffenen und für mich als Behandler, weil ich kaum was an seiner Situation ändern kann. Und ich denke, das ist nur der Anfang. Ich rechne auch mit einer Welle der traumatisierten Mediziner, die durch die Situation belastet sind und irgendwann anfangen werden zusammen zu klappen. Das Blöde ist nur, dass wir auch zu anderen Zeiten eine Wartezeit für eine Psychotherapie von einem halben Jahr haben und die aktuell noch größer wird. Also, werden wir irgendwie auch die psychischen Folgen ausbaden müssen. Und das macht mir Sorge.
    Und ich muss sagen, das sind die Gründe, warum ich mich zurück nehme. Ich möchte, dass meine Feinde, die Kinder haben, nicht wieder eine Doppeltbelastujg haben, dass meine Tanzlehrerin wieder live unterrichten kann und dass andere Menschen es wirtschaftlich und psychisch schaffen.
    Bleibt gesund und menschlich.

    1. Ich vermute sehr, daß Deine Praxis sich über mangelnden Zulauf echt nicht beklagen kann. Was sagt man den Leuten, die in dieser Zeit vor dem Trümmern ihres Berufs stehen.

      Was ich mich frage, wie man es schafft, wenn man ohnehin schon schwerste gesundheitliche Probleme vor Augen hat, die ganz ohne die Seuche sehr belasten, gut durch die Zeit der Pandemie zu kommen und diese Angst, diese Belastung niederzukämpfen, wenn keine Zeit für eine Auszeit, Buch lesen, baden, Gedanken schweifen lassen und Tagebuch schreiben bleibt und sich diese Zeit auch nicht schaffen läßt, weil man tatsächlich für andere da sein muß. Man klappt nur nicht zusammen, weil man es nicht darf, aber das schon seit über einem Jahr. Das geht doch sicherlich ganz vielen ähnlich.

      Vernunft, ein Gefühl für Mathematik, Statistik und den wissenschaftlichen Ansatz sowie Zusammenreißen und die ehrliche Antwort auf die Frage, wer sonst all das machen soll, hilft, aber es gibt Gelegenheiten, da ist der Mensch eher verzweifelt und fragt sich, was wirklich werden wird. Dass das Leben ungewiß ist, ist klar. Ich fürchte, dass Beschwichtigungen und die Ermunterung, das Positive zu denken, schlicht nicht heraus helfen.

      Man tut, was man tun muss, aber wenn die Pandemie mal vorbei ist – geht es weiter mit großen Operationen usw. Und nicht etwa mit einem langen Erholungsurlaub, der auch für einen selbst wäre.

      1. Unsere Ausbildung dauert nach dem Studium noch 5-6 Jahre, in denen man auch die eigene Therapie absolviert. Und das ist enorm wichtig. Denn so kann ich mich vom Patienten unterscheiden und springe nicht in sein sinkendes Boot, sondern bleibe am Ufer und begleite ihn und hole im Zweifelsfall Hilfe. Das ist mein Bild für Mitgefühl. Wir können nicht die Probleme wegmachen, aber wir können die Gefühle teilen, besprechen, entlasten, erklären, manchmal auch sagen, dass nicht die Person verrückt geworden ist, sondern, die Welt, und die depressive Reaktion tatsächlich häufig ein Schutzmechanismus ist. Häufig ist es wichtig, die Situation gemeinsam auszuhalten und dabei im Gespräch zu bleiben. Ähnlich wie es die Eltern bei den Dreimonatskoliken tun. Sie können es auch nicht weg machen, aber wenn dan dabei bleibt und mit dem Kind den Kontakt hält, spürt das Kind, dass die Situation nicht tödlich ist. Das kann schon sehr entlasten. Und dann schauen wir, was man trotzdem machen kann, wo man noch die Kontrolle über sein Leben hat, im Zweifel bei einfachen Sachen, wie Essen, Kleidung, vll was anderes. Ich schicke viele Patienten spazieren, weil es auf verschiedenen Ebenen gut tut.
        Und ich achte auf mich. Gehe auch raus, versuche zu schlafen, wenn mein Körper es braucht, mache Sport, lese irgendwelche Romane, gucke so gut wie keine Nachrichten und lasse mich trösten, wenn ich mich überfordert fühle. Es ist wichtig, auch in der Krise kleine Momente der Freude zuzulassen, und seien es nur die 3 Minuten, wenn man ein schönes Lied im Radio hört.
        Häufig denke ich an das Buch bzw Zitat von Viktor Frankl, der als Häftling im KZ den anderen Menschen psychologische Hilfe geleistet hat und ein Buch darüber geschrieben hat, „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes wie“ . Solange ich den Sinn in der Tätigkeit sehe, kann ich viel leichter mich darauf einlassen, diese auszuführen.

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