SKINCARE: LOHNEN SICH BEAUTYPRODUKTE MIT AKTIVKOHLE?

Schon mal eine Gesichtsmaske mit Aktivkohle ausprobiert? Schnell aufgetragen, und schon ist der Shock groß, denn das sieht ganz schön unheimlich aus. Hinterher ist die Haut quietschsauber. Aber auch in Zahncreme und anderen Produkten feiert Aktivkohle derzeit eine Wiederauferstehung. Lohnt sich das wirklich?

 

 

Mal ganz klipp und klar zuerst: Als Medikament ist Aktivkohle meist durchaus wirksam und sinnvoll. Bei Durchfallerkrankungen streitet man sich ein wenig, denn es herrschet eigentlich die Meinung vor, dass man froh sein sollte, zB. Bakterien (und deren Toxine) schnell wieder auszuscheiden (eben durch Durchfall), statt sie durch die Kohle noch ein längere Zeit an sich zu binden.

Bei einigen akuten Vergiftungsformen (nicht wirksam bei allen Vergiftungen!) ist die Kohle aber sehr wirksam, da sie die Gifte an sich bindet (Adsorption), diese nicht weiter in den Organismus gelangen können, und dann unverdaut ausgeschieden werden. Um das zu beschleunigen, gibt man manchmal noch ein Abführmittel.

Das funktioniert, weil die medizinische Kohle eine unglaublich poröse Struktur besitzt, die einer inneren Oberfläche von etwa 1000-2000 m2 pro Gramm entspricht.

Adsorbiert werden können aber auch nutzvolle und lebenswichtige Substanzen, wie zB. Vitamine, Nährstoffe, oder gar Wirkstoffe von Medikamenten (in welchem Umfang, ist noch relativ unerforscht). Die Aktivkohle kann also nicht „intelligent“ entscheiden, ob es sich um Giftstoffe oder nutzvolle Substanzen handelt. Aktivkohle in sog. Functional-Food ist somit weder sinnvoll, noch notwendig, eher sogar auf Dauer schädlich.

 

 

Die Adsorptionskräfte möchte man sich auch bei den kosmetischen Anwendungen zunutze machen. Zum Beispiel schwarze Zahnpasta, die unschöne Verfärbungen von den Zähnen aufsaugen soll. Oder eben Gesichtsmasken und Reinigungsprodukte, die überschüssiges Öl, Verunreinigungen, Mitesser, Schlacken (uaah), Giftstoffe, und was weiß ich noch alles entfernen sollen.

Theoretisch ist es denkbar, dass das funktioniert. Es gibt jedoch ein großes ABER

Aktivkohle braucht nämlich (um ihre „Superkräfte“ zu nutzen) nicht nur ihre poröse Struktur, sondern auch eine gewisse mechanische Aktivierung, die dazu auch noch eine gewisse Zeit benötigt. Im Labor wird Aktivkohle zum Beispiel benutzt um spezielle Verunreinigungen aus Lösungen zu beseitigen.

Dazu wird Aktivkohle hinzugegeben. Dann muss das Ganze aber mehrere Minuten geschüttelt und gerührt werden (nicht wie bei Bond), sodass all die Oberfläche der Kohle auch mit der Lösung üppigst in Berührung kommen konnte, sonst funktioniert die „Anziehungskraft“ nicht.

Man kann sich denken worauf ich hinaus will: Nur eine kurze Reinigung unter fliessendem Wasser, oder eine Maske, die antrocknet und nur wenige Minuten starr auf der Haut verweilt, wird wohl kaum die Wirkung erreichen, die man uns bei solchen Produkten verspricht.

Mal ganz davon abgesehen, dass es keine Aktivkohle braucht, um diese ominösen „Schlacken“ und „Giftstoffe“ abzuwaschen, die angeblich so üppig auf unserer Haut lagern. Das wäscht sich ruck-zuck mal eben ab.

Warum hat man dann dennoch ein so besonders „sauberes Gefühl“ nach der Verwendung solcher Produkte? Nun, meist werden sie recht langwierig abgewaschen, weil sie ja antrocknen. Dazu wird oftmals warmes Wasser verwendet. Das bedeutet, dass man der Haut recht schnell einen gewissen Teil des hauteigenen Fettes entzieht. Die Haut wirkt „quietschsauber“.

Prinzipiell ist das aber alles kein Vorteil zu jeder gewöhnlichen Reinigung mit Tensiden. Womöglich ist es sogar eher noch belastender für die Haut (siehe „Hautpflege in Zeiten der Maskenpflicht“).

 

 

Sehr belastend kann die Aktivkohle auf längere Sicht auch in Zahnpflegeprodukten sein. Dass die Aktivkohle gewisse Verfärbungen von den Zähnen „saugt“ ist hier schon realistischer, weil man sich ja minutenlang sehr feucht die Zähne putzt. Trotzdem kann das reizend für Zähne und Zahnfleisch sein. Ausserdem schrubben Menschen mit dem Wunsch nach weisseren Zähnen nachweislich rabiater an ihren Zähnen herum.

Wissenschaftliche Untersuchungen zu Aktivkohle und weisseren Zähnen gibt es aber noch keine, und ich persönlich hatte auch noch kein Aha-Erlebnis mit solchen Produkten. Dagegen durchaus mit intensiv blau gefärbten Zahncremes, die optisch und temporär weißere Zähne vorgaukeln.

Wer mich fragt: Produkte für die Heimanwendung mit Aktivkohle braucht man nicht.

 

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(Fotos: Konsumkaiser    Keinerlei Sponsoring   Q.: Brooks, J. K., Bashirelahi, N., & Reynolds, M. A. (2017). Charcoal and charcoal-based dentifrices: A literature review. The Journal of the American Dental Association, 148(9), 661-670.)

 

 

 

 


9 Gedanken zu “SKINCARE: LOHNEN SICH BEAUTYPRODUKTE MIT AKTIVKOHLE?

  1. Moin lieber Konsumkaiser!

    Ich habe so ein Zeug auch Zuhause stehen. Habe es zweimal benutzt und kann gar nicht genau sagen, warum ich mich nicht wohl damit gefühlt habe. Vielleicht die fiese, klebrige Konsistenz? Die erschreckende Farbe? Der unangenehme Geruch? Oder tatsächlich das von dir auch beschriebene Gefühl von „quietschsauber“. Das erscheint mir im Gesicht irgendwie nicht erstrebenswert.
    Ich nehme deinen heutigen Artikel zum Anlass, es zu entsorgen und sage dir herzlichen Dank für ein bisschen mehr Platz in meinem Badezimmerschrank!

    1. Guten Morgen zusammen,

      mich schreckt schon die Farbe und die Vorstellung der „Sauerei“ in meinem Waschbecken, wenn ich das Zeug wieder abspüle. Irgendwie stelle ich mir auch die Konsistenz unangenehm vor. Mir mit dem schwarzen Zeug meine Zähne zu putzen, kann ich mir auch nicht vorstellen. *Grrrr*

      Viele Grüße
      Aline

      1. Ich habe es ja gestern für die Fotos nochmals ins Gesicht geschmiert, und das geht wirklich nur unter Dusche vollständig ab. Ansonsten saut man sich seinen Waschplatz ein. Hinterher musste ich meine Haut erst einmal ordentlich pampern, so ausgetrocknet war sie, weil man ja so lange abwaschen muss. Nee, braucht man nicht. Und deine Aversion gegen die schwarze Paste kann ich total nachvollziehen. Brrr.
        Viele Grüße!
        KK

  2. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Aktivkohleprodukte wieder so einen Hype erleben. Ich konnte das Zeugs noch nie ausstehen. Aber bei Vergiftungen und so, das wusste ich noch gar nicht. Ich hatte auch mal so einen Drink damit. Gut, dass ich jetzt weiß, dass das nicht so richtig gut für mich ist.
    Aber die Fotos sind schon lustig. Das Monster aus der grünen Lagune? Und das auf der Zahnbürste sieht auch nicht vertrauenserweckend aus… 🙂 Hihihihi….
    Bald ist Wochenende!! 😉

  3. Guten Morgen, vielen Dank für deinen, für mich sehr informativen, Bericht.
    Ich bin genau deiner Meinung. Begeistert nutze ich die von dir vorgestellte Ultraschallzahnbürste der Zahnhelden. Bei der letzten Bestellung habe ich mir gleich 2 Tuben der schwarzen Zahnpasta mitbestellt. Nach 4 wöchigen Benutzung habe ich sie entsorgt. Hat mir ausser einen schwarz gepunktetes Waschbecken und Gesicht nichts gebracht. Selbst zum Zweckentfremden( Toilette reinigen) mochte ich sie nicht nehmen.
    Da bleibe ich lieber bei meiner Paradontax Zahncreme, die mir über die Jahre strahlende Zähne und gesundes Zahnfleisch beschert hat. Einmal im Jahr bleiche ich mit meiner angepassten Schiene vom Zahnarzt.

    1. Oh ja, die Zahnhelden Zahnbürste ist genial. So wenig Stromverbrauch, fast schon unheimlich. Und die schwarzen Pünktchen überall kenne ich… 😉 Blödes Zeugs. 🙂
      Liebe Grüße!
      KK

  4. Lieber KK,

    auch wenn die Haut quietschsauber wirkt, nee Aktivkohle braucht man nicht. Ich sage dazu nur bäh. 🙂
    Ich würde sie mir nicht im Gesicht auftragen und auch nicht die Zähne damit putzen.
    Wenn ich richtig sehe, hast Du Deinen Bart auch eingecremt. War wohl nicht leicht sie zu entfernen.
    Aktivkohle werde ich auf jeden Fall nicht ausprobieren. 🙂

    Lieben Gruß
    Iris

  5. Lieber KK,
    die Kosmetikindustrie muss leben ! Also wird dauernd was „bahnbrechendes Neues“ erfunden. Erinnere mich noch an den Teebaumölwahnsinn, alles war mit Teebaumöl. Meine Tierärztin hat gleich davor gewarnt- sehr stark reizend. Das habe ich dann auch bei gleich bei einem Shampoo zu spüren bekommen. Kurz und knackig und ich war raus. Dann kam Aktivkohle- Trend hält bis jetzt, nun muss alles mit Hanfsamenöl sein. Mit neuen Produkten generiert man Umsatz, nicht mit alten ! Erst Gehirn einschalten, dann kaufen. Die Industrie will nur unser Bestes – unser Geld.
    Von der von Dir fotografierten Marke Biorè habe ich allerdings das „Backpulver Peeling „, gibt es leider fast gar nicht mehr ausser im Outlet. Das ist spottbillig und absolut super- knatter- geil. Haut ist mega sauber & weich und es reizt gar nicht. Mild und trotzdem sehr gründlich. Kann nur jedem empfehlen, der es ergattern kann, zuzugreifen. Alternative zu Enzympeeling.

    Liebe Grüße

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