LIFESTYLE: DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 08.11.2019

Das Trendbarometer gleitet geschmeidig in den Herbst, und es geht weiterhin um Dinge, die mich in der vergangenen Woche bewegt, belustigt oder erschüttert haben. Aber nichts folgt einem festen Schema, es kommt wie es kommt. Hauptsache ein bunter Mix, unterhaltsam, lustig, manchmal nachdenklich, oder auch böse… 

 

Hartzer, diese faulen Säcke

Das Bundesverfassungsgericht hat Rechtssicherheit zu Hart 4 geschaffen, und damit wohl durchaus auch einen Beitrag zum sozialen Frieden geleistet. Kann man doch nicht von „Existenzminimum“ sprechen, und das dann gleichzeitig (irgendwann) per Sanktionierung streichen, und damit einem Menschen gewissermaßen die Lebensgrundlage entziehen.

Nun denken viele Menschen, es würde bei Sanktionen seitens des Jobcenters der unendliche Geldwasserhahn zugedreht, und die faulen Säcke müssten nun auf Alkohol, Zigaretten und Besuche im Swingerclub verzichten. Recht so, hört man die Bildzeitung zündeln (die, die so stolz auf sich sind) – „Jetzt gibts Hartz IV auf dem Silbertablett“.

Nein gab es nicht, und gibt es nicht!

Durch meine frühere Arbeit bei der Tafel bin ich für dieses Thema stark sensibilisiert. Es leiden nicht die paar Sozialschmarotzer, die tatsächlich existieren, sondern all die vielen unterschiedlichen Schicksale, die den Großteil der Leistungsempfänger ausmachen.

Leider wird immer wieder ein falsches Bild vermittelt, so auch in der Berichterstattung des ZDF letztens zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts: „Sozialleistungen von durchschnittlich 800 Euro“ hätten die Empfänger zur Verfügung. Und auch die Bild kokettiert immer wieder mit dieser Zahl, die sich aus dem eigentlichen Anteil zusammensetzt, den ich „zur Verfügung habe“ nämlich 424 Euro im Monat für eine alleinstehende Person. Davon zahlt der Empfänger alle weiteren laufenden Kosten, wie Strom, Telekommunikation, Mobilität, Kleidung, Möbel, „Weiße Ware“, Arzneimittel und Hilfsmittel (bis zu einer gewissen Grenze), Bildung, und dann erst kommen Essen, Trinken und das ebenfalls lebenswichtige soziale Leben.

Die Wohnkosten (warm) werden dann dazu gezahlt, allerdings nur bis zu einer „angemessenen Summe“, ist das zu viel (das kann eine Miete über 300 Euro monatlich sein), muss man umziehen (mach das mal als 75 jährige, alleinstehende GrundsicherungsempfängerIn), oder den Differenzbetrag vom Existenzminimum selbst dazuschustern. Und das bei Mieten, die ins Unermessliche steigen, sodass sogar doppelverdienende Familien schon arge Probleme bekommen. Sozialer Wohnungsbau ist zudem bei uns kaum noch existent.

Da zählt, wie man ganz offensichtlich sieht, jeder Cent! Und dann kommt eine Notlage. Ganz oft psychischer Natur. Menschen neigen bei Aussichtslosigkeit zur Depression, und Hartz 4 ist nun wahrlich keine rosige Aussicht, das möchte niemand freiwillig beziehen, glaubt mir. Der Teufelskreis beginnt: Der Kunde fällt in ein psychisches Loch, meldet sich nicht mehr bei seinem Sachbearbeiter, reagiert auch nicht auf wiederholte Mahnungen und Androhungen von Sanktionen, und schon sind 30% des Geldes futsch. Drei Monate lang!

Bleibt der Empfänger weiterhin „uneinsichtig“ (oder eben auch krank und ohne Hilfe) konnte bislang der gesamte Satz einbehalten werden. Das wiederum endet dann aller Voraussicht nach in Wohnungslosigkeit und völliger Verwahrlosung. So viel geifern kann der Mob auf der Straße gar nicht, wie sehr hier dann doch der gesunde Menschenverstand einspringen müsste, damit es nicht dazu kommt.

„Ja, wer sich nicht helfen lassen will, dem kann man nicht helfen“ höre ich dazu oft als Gegenargument. Sagen diese Menschen das auch zu einem Menschen, der sich das Leben genommen hat? Weil niemand von seiner inneren Aussichtslosigkeit etwas ahnte? Hätte die Person ständig um Hilfe schreien müssen, während man in einer Depression zwar schreit, man aber den Hals zugeschnürt hat, geradezu handlungsunfähig ist?

Es geht nicht darum, das Prinzip von „Fördern und Fordern“ abzuschaffen, das hat auch das Bundesverfassungsgericht so dargelegt. Vielmehr gibt es für die mit schwächsten Glieder der Gesellschaft ein wenig mehr Sicherheit. Und eben auch deren Würde sollte ihnen selbst die Bildzeitung gewähren, ansonsten können wir das Grundgesetz abschaffen und durch Game of Thrones ersetzen.

 

 

Osten und Westen

Nun ist es schon fast 30 Jahre her, dass die unsägliche Mauer, die Deutschland so entsetzlich entzweit hat, durchlässig wurde. So viel Schlaues, aber auch Belangloses wurde in den letzten Tagen darüber gesagt und geschrieben, ich möchte mich da diesmal nicht auch noch erschöpfend drüber auslassen.

Aber eins bleibt in mir felsenfest bestehen: Ich bin mehr als glücklich über das Zusammenwachsen Deutschlands, auch wenn es ein langer und schwerer Weg war und ist. Und ich bin stolz auf meine Mitmenschen, die damals durch die friedliche Revolution für die Öffnung der Grenze gesorgt haben. Ob das nun auch in den Köpfen schon weitestgehend passiert ist, wage ich auf beiden Seiten zu bezweifeln, aber das ist ein Generationending.

Doch ich mahne auch: Lasst im Nachhinein die alten Schergen nicht triumphieren. Gerade für die ist die immer noch existente Spaltung zwischen Ost und West Quell ihrer Genugtuung. Gebt ihnen kein Futter, lasst diese übrig gebliebenen Menschen, die von Hass innerlich verfault sind, einfach auflaufen und schaut zu euren Kindern und Enkelkindern. Für die gibt es Ost und West immer weniger, und auch wenn es schwer erscheint, ein „WIR“ wird uns immer weiter bringen als ein „ich“.

 

 

Beauty-Shopping

Foto: Breuninger

Ein Kommentar auf einem anderen Blog hat mich letztens nachdenklich werden lassen. Da erzählte eine Leserin, dass so viele Kosmetikfirmen in den USA für sie nicht erhältlich seien, das höchste der Gefühle sei zB. der Duft von Britney Spears.

Da meckere ich manchmal wohl doch auf hohem Niveau, oder um es ehrlicher auszudrücken: auf ganz schön hohem Ross. Die Off- und Onlineshop-Landschaft hierzulande ist ja schon toll, wenn man sich das mal vor Augen führt. Sicherlich gibt es hier auch einige Marken nicht, aber eigentlich ist so gut wie alles bestellbar.

EU sei Dank, ist der Warenverkehr hier auch kein Problem mehr, und in den allermeisten Fällen bezahlbar. Gerade Kosmetikprodukte sind bei uns mittlerweile günstig wie nie zu bekommen. Was habe ich früher immer auf den Kanarischen Inseln gehamstert, heute sind die teurer! Ob das wirklich immer Sinn macht, ausgerechnet Kosmetikprodukte aus aller Welt zu verschicken, bleibt mal dahingestellt, aber wer möchte, der kann dann eben auch.

Und da sind dann die deutschen Shops auch ziemlich weit vorne, besonders wenn es um Service geht. Ungute Beispiele fallen mir meist nur zu ausländischen Onlineversendern ein, wie zB. lookfantastic, die meinen Bestellungen wirklich noch nie nur ein einziges, mickriges Pröbchen beigelegt haben.

Oder gerade aktuell Facetheory, die eine dermaßen grottige Verpackung liefern, dass die Hälfte eines Peelings ausgelaufen war, ein anderer Spender hatte keine Kappe und es war auch hier Creme ausgetreten. Umpf, muss doch nicht sein.

Ganz besonders enttäuscht bin ich ja vom Onlineauftritt (aber auch von einigen Ladengeschäften hier bei uns) von Sephora. DER mega Platzhirsch weltweit, und dann solch eine mehr als magere Performance vom deutschen Ableger. Es ist geradezu bemitleidenswert, wie dieser Onlineshop dahindümpelt. Es gab auch einmal ein Ladengeschäft hier bei uns. Klein, schlecht sortiert, unaufgeräumt, genervtes und unfähiges Personal. Es hat sicherlich niemanden gewundert, dass Sephora eine zeitlang aus Deutschland verschwunden war. Doch der Neustart ist auch nicht gerade besser geworden.

Wenn ich mir das vor Augen führe, kann ich doch ganz froh sein, dass es den guten alten Douglas gibt, oder die Inhaber geführten Privatparfümerien. Diese sind leider selten geworden, aber wie gut, dass es noch welche gibt. Ich besuche auch immer wieder einmal eine Stammparfümerie, nur um das Ladengeschäft zu unterstützen.

Also, wenn ich demnächst mal wieder meckern sollte, dass Douglas und Co. in meinen Augen irgendwas falsch machen, dann haut mir auf die Finger und erinnert mich an diesen Text. 🙂

Edit: Worüber ich mich dann aber doch aufrege, und da bin ich ganz offensichtlich nicht allein: wenn die Kosmetikfirmen nicht einmal ihre Social Media Auftritte professionell bespielen können. Ich mag ja nicht mit Vorurteilen um mich werfen, aber die Generation Praktikum muss dringend auf ihrem ureigensten Spielfeld akkurat und sauber arbeiten, ansonsten wird man den Ruf eines Dilettanten nicht mehr los, und das überträgt sich auch auf die zu verkaufenden Produkte. Also danke liebe Jasmin für den Hinweis, dass Paulas Choice auf Instagram mal wieder demonstriert haben, wie stümperhaft man Social Media Accounts managen kann. Seine „eigenen“ Produkte sollte man schon kennen, und gerade bei Retinolprodukten ist korrekte Information für die Kunden ganz besonders wichtig. Umpf Nr. 2!

 

 

Was macht eigentlich ein Donut, wenn er unbeobachtet im Backregal liegt?

Ertappt!

 

 

Noch ein Song fürs Wochenende

Rumst ganz nett, und die Editors hören sich irgendwie immer mehr wie Depeche Mode (früher) an. Selbst der Sänger hat sich wohl Dave Gahans Moves abgeguckt? Aber nicht übel…

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Pixabay, Breuninger   Keinerlei Sponsoring)

 


57 Gedanken zu “LIFESTYLE: DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 08.11.2019

  1. Guten Morgen KK. Es ist echt noch früh, aber bei ungenauer Berichterstattung zum Kaffee muss ich immer mit dem Kopfschütteln, und dabei kann ich meinen Kaffee nicht trinken. Die Rentnerin mit 75 Jahren bekommt kein ‚Hartz IV‘ sondern Grundsicherung im Alter und ist von möglichen Sanktionen in keinster Weise betroffen. Sanktionen sind im SGB II verankert und treten eigentlich nur bei fehlender Kommunikation mit dem Amt ein. Und ja, dies kann auch krankheitsbedingt sein, was besonders tragisch ist.

    1. Hmm, das Kopfschütteln ist ganz auf meiner Seite: Es steht genau im Absatz mit der Rentnerin, dass diese eine „Grundsicherungsempfängerin“ ist, womöglich auch alleinstehend, und es bezieht sich einzig auf das vom Amt verordnete Umziehen in eine billigere Wohnung. Daher ist das Beispiel auch in Klammern gesetzt worden, es bezieht sich nicht direkt auf Hartz4. Obwohl das Hartz und Grundsicherung gleichermaßen betrifft.
      Schade, dass dich ein paar Sätze, die Du falsch aufgefasst hat, dermaßen aufregen.
      Viele Grüße!
      KK

      1. Lieber KK, in dem Zusammenhang muss ich leider doch zur Klarheit beitragen. Bei der Grundsicherung im Alter gibt es keine Sanktionen. Richtig ist jedoch, dass die Mietobergrenze für Beide Grundsicherungsleistungen die Gleiche ist und dies doch zu manchen Härten führt, wie zB einem Umzug. Manche Kommunen können es sich bei der Grundsicherung im Alter leisten großzügiger zu sein und Härten anzuerkennen, dies ist für ALG II Bezieher leider nur in den Optionskommunen möglich.
        Ich möchte Dir aber meinen Dank aussprechen, dass Du Dich so deutlich zum Thema positionierst. Da wird auch noch in anderen Bereichen das Menschenrecht mit Güßen getreten, denn das Uteil gilt zunächst mit für Bezieher unter 25. Da bleibt nur zu hoffen, dass gleiches Recht für Alle angewandt wird
        Vielen Dank

        1. Warum „leider“? Ist doch schön, wenn Leserinnen und Leser das Puzzle vervollständigen.
          Wie oben bereits von mir geschrieben, ist das Beispiel mit der Grundsicherungsempefängerin durch Klammern vom Hartz4 Beispiel abgetrennt, und steht für sich allein, einfach als Beispiel, wo die Fallstricke lauern können, mit Sanktionen habe ich die alte Dame gar nicht in Verbindung gebracht, und die Fakten sind mir dazu auch bekannt.
          Insgesamt finde ich die Aufnahme meines Beitrags heute auch etwas aussergewöhnlich, wahrscheinlich habe ich mich wohl zu unverständlich ausgedrückt.
          Im Prinzip geht es mir überhaupt nicht ums Procedere, sondern einfach nur um das kleine Bisschen Sicherheit durch das Urteil, die den Menschen hilft, zu wissen, dass man ihnen nicht das Geld vollständig aberkennen kann, egal warum! Es geht um Menschenwürde, das scheint hier etwas sehr unterzugehen, nicht um die technischen Fakten. Menschenwürde hält Menschen in einem lebenswürdigen Zustand, egal was sie womöglich getan haben oder nicht, das ist bedingungslos und unveräußerlich.
          Sollte man das tatsächlich diskutieren, können wir uns wohl demnächst auch wieder über die Todesstrafe unterhalten.
          Viele Grüße!
          KK

      2. Lieber KK,
        ich kann Dir erklären, woher mein Kopfschüttelimpuls heute früh kam, ersichtlich ist es auch in den folgenden Beiträgen. Wie Du sicher lesen konntest, sind heute hier mehr als eine Mitarbeiterin aus Jobcentern am Start, ich gehöre auch dazu. 🤗Erkennbar ist wahrscheinlich aus unseren Beiträgen, dass wir unsere Arbeit engagiert ausüben um im Rahmen der gesetzlichen Regelungen zu versuchen Menschen den Weg zurück in die Arbeitswelt zu ermöglichen – und das mit sehr langem Atem. Unser Problem ist aber auch, dass alles was im deutschen Sozialsystem schlecht oder ungerecht ist in einem großen Topf kräftig verrührt wird – und wer hat Schuld? Die Jobcenter! Ob Presse oder Politik – immer wird kräftig gemixt. Gegen dieses Image müssen wir täglich arbeiten und bekommen aufgrund der bestehenden Vorurteile manchmal noch nicht einmal eine Chance zu helfen. Und das nervt. Ich hoffe ich konnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken, ich hatte aber nicht im Sinn Dir persönlich auf die Füße zu treten, falls es doch so angekommen ist, möchte ich mich bei Dir vielmals entschuldigen🙏

        1. Alles gut. 🙂 Dein Kopfschütteln bezog sich ja laut deiner Aussage mehr auf die Grundsicherung, und da war meine Formulierung korrekt, daher wollte ich auch nur hinweisen, dass du da wohl nicht aufmerksam gelesen hattest, oder ich vielleicht missverständlich formuliert habe.
          Bei den JobCentern bin ich ganz bei dir. Es ist eben so wie überall im Leben: es gibt engagierte Mitarbeiter, und enttäuschte, demotivierte und verbitterte. Und das Umfeld dient sicherlich nicht dazu, freudestrahlend am Abend nach Hause zu gehen.
          Das Problem, dass alle „Schuld“ den Jobcentern zugewiesen wird, ist aber ebenso ungerecht, wie das Vorurteil, dass alle die Hilfe beziehen faule Betrüger seien. Vorurteile sind nun mal ungerecht, da kann man sich als Jobcentermitarbeiter leider auch nicht von frei machen. Der Hilfeempfänger hat allerdings noch deutlich weniger Argumente auf seiner Seite, um sich zu rechtfertigen (was prinzipiell schon eine Gemeinheit ist), wenn er nicht gerade vor aller Welt seine Lebensgeschichte ausbreiten möchte.
          was die Presse anbelangt, schau doch mal gestern und heute in die Bildzeitung. Die Hetze auf menschen, die staatliche Hilfe empfangen ist unerträglich. Jobcentermitarbeiter habe ich da noch nicht am Pranger gesehen, und da gäbe es auch einige Beispiele, wie menschenverachtend man seinen Job ausüben kann. Seinen wir froh, dass wir einen Job haben, und nicht einmal bedürftig werden. Was uns dann allerdings wieder zu den Kommentaren zur Altersarmut bringt. Ganz anderes Thema, mindestens genauso traurig.
          Liebe Grüße!
          KK

    2. Hallo ManuS, hoffentlich ist dir der Kaffee nicht gleich aus der Hand gefallen heute Morgen. Schon doof, wenn man schlecht geschlafen hat. 😉 😉

      1. Hallo Petra P.,
        Noch nicht mal ein Fleck auf dem T-Shirt😉🤫. Aber danke der Nachfrage. Falls Du Tipps für guten Schlaf hast, immer her damit👍😃

  2. Guten Morgen!

    Stimmt, Aussehen (und auch das Video) erinnern an Dave Gahan nach begonnener Metamorphose in „Suffer Well“ 😉 …

    Hartz 4 entspricht in etwa der österr. Notstandshilfe, und ich bin ebenfalls immer wieder ernüchtert, gegen welche – in den meisten Fällen unberechtigten – Anwürfe und Vorurteile sich deren Bezieher zur Wehr setzen müssen.

    Kein Wunder bei einer Sozialministerin (bis vor kurzem, d.h. bis es unsere vorletzte Regierung spektakulär zerrissen hat), die allen Ernstes behauptet hat, man könne von EUR 150,– im Monat „problemlos“ leben (die ihr angetragene „150 Euro-Challenge“ wo sie beweisen sollte, dass sie ohne fremde Hilfe damit auskomme, im Übrigen aber empört abgelehnt hat.).

    Dein Aufruf zum WIR statt ICH ist in allen Bereichen ungebrochen aktuell, denn es wird erkennbar kälter – und damit meine ich jetzt nicht die Jahreszeit.

  3. Guten Morgen,

    ich bin schon länger Editors Fan, da mich als leidenschaftliche Hobbysängerin die fantastische Stimme und der enorme Stimmumfang von Tom Smith immer wieder beeindruckt. Und ja, ich war auch schon gefühlt immer Depeche Mode Fan. Mein Mann und ich haben letztens den uralten Klassiker Photographic gecovert. Das waren noch Zeiten 🙂
    Ich habe als altes „DDR Kind“ in Oberbayern fast immer ein WIR statt ein ICH erfahren und fühle mich schon seit fast 20 Jahren sehr wohl. Sicher gibt es noch ein paar „Alteingesessene“ die anders denken, aber die gibt es ja überall. In meiner Heimatstadt habe ich auch die Kehrseite kennengelernt. Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, nur die „alten“ bleiben da. Daher ist mir sehr wohl bewusst, was ich als eigentlich „normaler“ Mensch doch für ein privilegiertes Leben führe.
    Ich wünsche allen und ein schönes Wochenende. 🙂

  4. Guten Morgen, ich geh da, was die Entscheidung zu den Sanktionen betrifft, total mit! Ich bin Vermittlerin im Jobcenter für die jungen Leute! Glaube mir, ich hatte schon einigen Ärger , weil ich die Sanktionen nicht verhängt habe und immer wieder nachsichtig war, damit sie den Forderungen wie Bewerbungen, Teilnahme an Maßnahmen, die jungen Menschen wirklich helfen, nachzukommen! Aber es gibt auch genügend Empfänger, die sich die Hände reiben und sich kaputt lachen, dass ich jeden Morgen für mein Geld um sechs Uhr im Büro sitze und versuche, meine Arbeit ordentlich zu erledigen. Das sind dann die, die ordentlich nebenbei mit Schwarzarbeit dazu verdienen und mich frech angrinsen! Leider gibt es dafür nicht genug Mittel, dem Einhalt zu gebieten und leider auch genug Arbeitgeber , die das ausnutzen! Viele sind aber auch einfach nur zu faul und haben sich mit ihrem Leben arrangiert!

    1. Ja natürlich gibt es die Sozialschmarotzer. Es gibt auch zig Arbeitnehmer, die ihre Arbeitgeber bescheissen. Aber die Verallgemeinerungen nerven mich dann doch. Es sind nun mal nicht alle faul, und nicht jeder kann sich einen schwarz bezahlten Job angeln. Ähnlich sieht es mit den Maßnahmen aus, die sind ja ehrlich gesagt oftmals auch nur Aufbewahrungsstationen für die Empfänger, und so ganz nebenbei auch noch Kosmetik für die Statistiken. Nicht falsch verstehen, es gibt auch Sinnvolles, und Langzeitarbeitslose muss man auch wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen, da ist so gut wie jede Maßnahme wirksam, die täglich morgens beginnt. Trotzdem sehen die meisten Menschen nur den faulen Betrüger, der IHR Steuergeld verschleudert. Und das kann nicht sein, denn ein Sozialsystem können wir uns leisten, um das sehen zu können, muss man nicht einmal bei den Linken Mitglied sein.
      Viele Grüße!
      KK

      1. Ich verstehe das nicht falsch!!!! Du hast Recht! Man muss das aus vielerlei Sicht betrachten! Was ich als ganz schlimm empfinde, ist die Tatsache, dass fast alle 15jährigen, die in meine Betreuung kommen, „nur“ noch die Förderschulen besuchen und ganz selten jemand einen Schulabschluss besitzt von den 18 bis 25 jährigen. Das war früher nicht so und ich mache den Job seit 2005! Da sind natürlich auch oft die Eltern gefragt, besonders bei den Schulverweigerern! Allen ein schönes Wochenende und liebe Grüße!

        1. Genau, das ist auch schon wieder ein Generationending. Die Zweiklassengesellschaft wird immer deutlicher sichtbar, eben besonders bei der Bildung. Und die Hartz Karrieren werden oftmals durch das Elternhaus eingeleitet, eben weil Bildung dort einen geringeren Stellenwert hat. Aber manchmal habe ich das ungute Gefühl, dass gerade die soziale Durchlässigkeit, also durch die sozialen Schichten, gewollt immer weniger durchdringbar werden. Sorry für die Verschwörungstheorien, aber was du täglich siehst, sehe ich auch oft.

    2. …danke für den Ärger, den Du einfach trägst 🙂
      Ich glaube, wenn man die auf eine Waagschale brächte, die wg. HartzIV vor Kummer und Sorgen krank werden, und die, die grinsen, auf die andere Seite — ist klar, auf welcher Seite die Schale zu Boden schlüge… oder? Gesetze werden natürlich ‚gegen‘ gemacht und nicht ‚für‘.

    3. Stimmt alles!

      Ich hatte letzten Winter Pech und Glück zugleich, aus gesundheitlichen Gründen meinen Gewerbeschein ruhend gemeldet und vom Arbeitsamt (Glück, aufgrund meiner früheren unselbstständigen Tätigkeit Anrecht auf Unterstützung zu haben) in ein Programm aufgenommen worden, das speziell Frauen beim Weg in die oder zurück in die Arbeitswelt förderte.

      In meinem Kurs waren alle Alters- und Ausbildungsklassen vertreten, und ich habe selbst gesehen, dass viele wirklich dringend „wollen“, andere aber lieber weiter nahezu unerfüllbaren „Traumberufen“ (selbst den klassisch ganz, ganz schlecht bezahlten!) nachhängen, und alle alternativen Angebote nicht einmal ansehen wollten. Und das waren durchwegs wirklich interessante und auf dem Arbeitsmarkt gefragte Optionen mit Perspektive, mit entsprechend guten Aussichten bei der Bezahlung! Sogar die Kosten für die Ausbildung (im Schnitt 1 1/2 bis 2 Jahre), samt Geld für die Kinderbetreuung wären vom AMS übernommen worden, sowie für die gesamte Ausbildungsdauer Arbeitslosengeld in voller Höhe ausbezahlt worden, auch für jene, die bereits auf Notstand heruntergestuft waren!

      Rückmeldungen auf diese Angebote – Null!

      Wenn ich etwas jünger gewesen wäre, wäre ich überglücklich über diese Optionen gewesen (ich alte Schachtel war mit damals fast 58 zufälligerweise sogar die erste, die den Kurs aus eigener Kraft = Job gefunden – verlassen hat).

  5. Guten Morgen!
    Was mich auch oder noch mehr beunruhigt ist, das die Altersarmut in den nächsten Jahren drastisch zunehmen wird! Auch ich mache mir da schon Gedanken drüber ob meine Rente zum Leben ausreichen wird.
    Es ist leider nicht selten dass Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, am Ende doch bei der Tafel landen, weil das Geld zum Leben nicht mehr ausreicht….Und das regt mich massiv auf!!
    Ich habe, wenn ich in Rente gehe, ohne Unterbrechung seit meinem 19. Lebensjahr Vollzeit gearbeitet. Da sollte man sich eigentlich keine Gedanken machen müssen ob die Rente ausreicht.
    Sicher wird es reichen um über die Runden zu kommen. Aber um den Lebensabend zu genießen, noch ein paar Reisen zu machen, wird es schon knapp.
    Deshalb versuche ich, so weit es finanziell geht, so viele Reisen und Erlebnisse jetzt schon zu machen.
    An die Frauen die Kinder bekommen haben und zu Hause geblieben sind, vielleicht max. einen Halbtagsjob gemacht haben, will ich gar nicht denken. Die rutschen da voll rein 😦
    Die sitzen dann mit 70 in irgendeinem Supermarkt an der Kasse, wenn sie Glück haben und das noch können, damit sie Geld zum leben haben…sofern sie so einen Job dann überhaupt noch bekommen…

    Zu den Onlineshops, da haben ich erst gestern eine schöne positive Erfahrung gemacht.
    Ich hatte ein paar Korea Produkte auf meinem Zettel die ich mal testen wollte. Aber Bestellungen in einem Shop von dort wollte ich nicht machen. Ich bin da immer etwas misstrauisch…
    Bei Irit habe ich dann den deutschen Shop LoveMyCosmetic entdeckt.
    Die hatten grade eine 20% Aktion, was natürlich perfekt passte. Jetzt bin ich aber ab 12.11. für 6 Tage weg.
    Also hab ich die kontaktiert und gefragt ob das noch hinhauen würde mit der Lieferung.
    Die Antwort kam schnell, und sie sagten dass sie meine Bestellung dann sofort bearbeiten und gleich versenden würden. Also hab ich bestellt, und bekam gleich die Nachricht dass die Bestellung bearbeitet wurde.
    Wenn sie jetzt auch noch rechtzeitig ankommt, bin ich begeistert.

    1. Hallo Icefighter,

      meine Rente wird nicht zum Leben reichen… Ich muss arbeiten, bis ich tot bin. E i n e fette Lebenskrise, aus der ich nicht als Superwoman wieder auferstanden bin, sondern als Mensch mit Kraftverlusten — und die Leistungsmaschine für die Gesellschaft läuft nicht wie geölt. Pech gehabt!

      1. Genau sowas macht mich unglaublich wütend!
        Ich kenne eine Frau die ein Kind hat (und wie es früher oft so war auch lange Erziehungsurlaub gemacht hat), geschieden ist, in ihrem Job nie viel verdient hat, spät noch aus gesundheitlichen Gründen eine Umschulung hat machen müssen, dann keinen Job mehr bekommen hat und letztendlich auch noch Brustkrebs bekommen hat. Sie ist jetzt 54, und wie es dann später aussieht muss ich wohl nicht sagen….
        Das ist echt alles traurig.
        Irgendwie will ich gar nicht wissen wie das in Zukunft aussieht….schön wird es nicht, das steht fest.
        Am besten ist, man denkt nicht zu viel darüber nach und versucht sein Leben JETZT zu genießen.

      2. Ich werde auch bis zum Umfallen arbeiten – Aber das ist ok. Denn ich gehöre leider zu den Menschen, die nicht die Ausdauer haben, immer wieder privat dafür Sorge zu tragen, sich abzusichern. Ich steige teilweise durch den Papierkram nicht durch und habe wahrscheinlich zu wenig Sicherheiten angelegt. Ich versuche mich zwar schlau zu machen/halten… Aber naaaaajaaaa…. Dafür muss ich aber sagen: Ich liebe meinen Job unglaublich. Ja und das ist wahrscheinlich das größte Glück in meinem Leben. Ich stehe jeden morgen gerne auf und arbeite auch gerne länger. Mir macht der Gedanke nix aus, das Licht quasi dann dort im Büro mit fast 70 ggf. auszumachen. Mein Job ist relativ sicher – IT Bereich. Man kann sich in alle Richtungen weiterbilden und er ist bequem; Was ich dankbar als großen Luxus ansehe. Ich sitze halt den ganzen Tag im warmen Büro mit Kaffee und arbeite meine To-Dos ab. Rente macht mir ein bisschen Angst….Weil die Arbeit mir ein Sozialleben gibt. Ich hab kaum Freunde und zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren nicht so. Die Arbeit hat bei mir aber immer funktioniert und ich hab einfach das Gefühl: Ich werde gebraucht. Ich weiß…auch irgendwie arm… Aber so ist es.
        Bei Netflix habe ich neulich eine Doku gesehen, über Straßenessen in asiatischen Ländern. Da habe ich schon über unsere Renter gegrübelt. Immerhin waren da die Straßenköche weit über 80 Jahre. Die denken nicht ans Aufhören, obwohl sie es könnten. Eine Dame war 102 und eigentlich sollte sie ihre Tochter einarbeiten und zur Ruhe kommen. Aber sie meinte, sie hat eine großen Leidenschaft für ihren Stand und es ist noch nicht an der Zeit, in den Ruhestand zu gehen. Ja und sie verdient bestimmt weniger als westliche Frauen in Lohn und Brot und ernährt eine ganze Familie davon. Die Arbeit ist sicherlich auch nicht leicht, körperlich. Klar; Die Lebenshaltungskosten sind halt geringer dort. Aber auch die Einstellung? Sicher gehört halt dann doch der richtige Job und das passende Umfeld auch dazu. Auf der anderen Seite natürlich: Das jemand im Straßenbau oder in der Krankenpflege irgendwann durch ist, kann ich vollständig nachvollziehen.

    2. Hallo Icefighter,
      ich empfehle den IAMLOVESHOP ( über E-Bay ). Da habe ich schön öfters koreanische Kosmetik bestellt und bin sehr zufrieden. Und so viel Proben dazu gibt es hier niemals.
      Beste Empfehlung.

  6. Danke, Danke, Danke für Deinen Kommentar zur Gerichtsentscheidung.

    Ich hatte schon mehr Geld in meinem Leben und weniger. In kurzen Zeiten der Arbeitslosigkeit, aus denen ich mich immer selbst in die nächste Beschäftigungsphase gebracht habe, und durch Anwaltsschlachten um Unterhalt weiß ich, was finanzielle Sorgen und Existenzängste mit einem machen.

    Das Wort ‚Sozialschmarotzer‘ ist verbale Gewalt, wie ‚Leistungsempfänger‘ eine Lüge ist. Jedem Leistungsempfänger bleibt das Lachen im Hals stecken, wenn er die ‚Leistung‘ benennen sollte, die hinter einem ExistenzMINIMUM steht. Eine echte Leistung wäre, jedem Menschen in einer Lebenskrise alle Unterstützung zur Bewältigung dieser zur Seite zu stellen. Das Gegenteil passiert in unserer Gesellschaft: Wenn ein Mensch am schwächsten ist — und nicht (mehr) ordentlich liefert —, durch Krankheit oder Trauer oder ‚ungenügende‘ Bildung oder sonst einen tiefgreifenden Veränderungsprozess, müsste er eigentlich kämpfen wie ein Löwe, um Hilfe zu erhalten. Je schwächer man ist, desto schwerer wird es einem gemacht. Wie soll DAS bitte funktionieren??

    Ich habe dafür ermüdend viele konkrete Beispiele.
    Und schwanke diesbezüglich ebenso ermüdend zwischen Wut, Traurigkeit und Resignation.
    Links wählen ist auch keine Lösung. Ich tue, was ich kann, um zu helfen, wenn ich SEHE. Wenn ich Kraft dazu habe… 😉

    1. @Thorlane: Danke für Deinen Beitrag, mir geht es da ganz ähnlich. Ich bin deshalb immer ganz bei solchen Überlegungen dabei wie ein bedingungsloses Grundeinkommen und verfolge die damit verbunden intensiven Diskussion sehr interessiert. Mal abgesehen vom komplexen Thema, wie man das finanziert (auch dazu gibt es schon sehr interessante Überlegungen) würde das meiner Meinung einen bedeutsame Veränderung unserer Gesellschaft bewirken im Hinblick auf mehr persönliche Freiheit und Möglichkeiten zu einem selbstbestimmtem Leben. Im Moment ist das Utopie und ich habe keine Ahnung, ob so eine quasi revolutionäre Herangehensweise überhaupt umsetzbar ist, aber die Möglichkeiten über so was nachzudenken und zu diskutieren, muss es unbedingt geben.
      Ich glaube, dass neben der tatsächlich „prekären“ Lage z.B. bei zu geringem EInkommen, Bezug von HarzIV oder Grundsicherung neben dem Geldaspekt der psychologische noch sehr viel mehr macht. Die Auswirkungen auf die Möglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, die Selbstbestimmung und die erlebte eigene Würde sind da immer sehr stark zusätzlich Thema.

      1. Roland, mein Bild von Dir dreht gerade eine Pirouette… 🙂 Solche Momente mag ich, wenn es plötzlich anders aussieht, als es immer schien. Die Idee des (bedingungslosen) Grundeinkommmens fasziniert mich auch. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das ganze schiefe System sich nicht eben nur um die Grundeinkommensspanne auf der Spirale nach oben drehen würde und trotzdem alles so bliebe wie es ist. Aus einem bestehenden System heraus ein neues zu denken, ist ganz schön schwierig…

  7. Ich kann mich Dir und meinen Vorrednerinnen nur anschließen. Das soziale Klima hierzulande ist mittlerweile sehr frostig geworden.

    Und was mich – inzwischen 64 Jahre alt – bis zum heutigen Tag auf die Palme bringt ist die Tatsache, dass bei einer alleinerziehenden Mutter oder auch einer Hartz 4 beziehenden Familie mit egal wie vielen Kindern das Kindergeld in vollem Umfang von der „Leistung“ abgezogen wird, sie bekommt es also nicht, wohingegen eine Familie, die doppelt soviel verdient oder noch viel mehr, das Kindergeld bekommt.

    Ich möchte damit nicht sagen, dass die Gutverdiener kein Kindergeld bekommen sollen, jedoch sollten arme Familien nicht auch noch an dieser Ecke bestraft werden. Soziale Teilhabe ist für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen noch viel wichtiger als für Erwachsene und das Kindergeld könnte hierzu einen großen Beitrag leisten, wenn man es denn bekäme. Ich finde es skandalös, dass dieser Tatbestand in den Medien kaum bzw. keine Erwähnung findet und man immer so tut, als gäbe es Kinderarmut nur statistisch.

    Ich glaube, dass wir uns sowohl Kindergeld für weniger reiche Familien als auch eine angemessene Rente für ältere Leute leisten können, wir haben ja auch Geld für Unsinn aller Art, ich sage nur Maut.

    Ein schönes Wochenende, Irene

  8. Vielen Dank für diesen Eintrag über Harz IV. Ich möchte hinzufügen, dass ältere Leute, sobald jemand in der Familie pflegebedürftigt wird, ganz stark armutsbedroht ist, ich habe das bei meinen Eltern ja life miterlebt. Erst war mein Vater pflegedürftig, so dass sie meiner Mutter von der Rente nur das Equivalent der Grundsicherung gelassen haben, alles andere musste in die Heimkosten einfliessen, und auch ihre kleinen, bescheidenen Ersparnisse wurden einkassiert. Nach dem Tod meines Vater bekam sie Grundsicherung, na aber sicher doch, und das Geld reicht natürlich gerade mal so zum überleben. Nun musste sie nicht zu Tafel, weil sie Kinder hat, die sie natürlich nicht in bitterster Armut hungern lassen, aber eine billigere Wohnung zum Beispiel hätte sie ja in Berlin de facto gar nicht mehr gefunden. Ein trauriges Armutszeugnis, wie wir mit unseren alten Menschen umgehen.

  9. Hallo Konsumkaiser,
    ich arbeite im Jobcenter und kann zum Thema Sanktionen folgendes sagen: Sanktionen werden keinesfalls willkürlich verteilt und auch nicht denen zugemutet, die ihre Termine wahrnehmen, bemüht oder krank sind.
    Lediglich Personen die zum Beispiel unentschuldigt bei einem Termin fehlen bekommen ggf eine Sanktion. Das läuft so, dass diejenigen erst angehört werden und darauf eine Erklärung für ihr Fehlen liefern können. Wenn jmd. zum Beispiel krank war oder einen anderen wichtigen Grund hatte, wird nicht sanktioniert. Wird auf diese Anhörung nicht reagiert (was fast immer der Fall ist) oder ist der Grund nicht ausreichend wird sanktioniert. Meiner Meinung nach wird dem Kunden ausreichend Möglichkeit gegeben keine Sanktion zu bekommen.
    Es ist oft die einzige Möglichkeit Kunden die nicht „greifbar“ sind, weil sie nie zu Terminen erscheinen( die ihnen übrigens helfen sollen in der Arbeitswelt Fuß zu fassen) zu motivieren sich doch einzubringen.
    Fehle ich als Arbeitnehmer unentschuldigt und ohne Grund muss ich auch mit Konsequenzen rechnen.

    Was Umzüge aufgrund zu hoher Mietkosten angeht, ist das Verfahren bei uns so, dass bei einem neuen Kunden mindestens 6 Monate die volle Miete übernommen wird, danach muss der Kunde vorweisen, dass er sich bemüht hat eine neue Wohnung zu finden (sich zum Beispiel im Wohnungsamt wohnungssuchend melden). Ist die Suche nicht erfolgreich, der Kunde allerdings bemüht eine Wohnung zu finden, können die Mietkosten 1 weiteres Jahr übernommen werden. Ingesamt bleiben also 1,5 Jahre Zeit eine neue Wohnung zu finden, was ich angemessen finde. Man muss dabei auch bedenken, dass jede Person außerhalb dieses Systems auch umziehen muss, wenn die Wohnkosten einem zu hoch sind und manche Kunden zum Beispiel nur hilfsbedürftig werden, weil sich unverhältnismäßig hohe Mietkosten haben.
    Ich denke man muss das Thema differenziert betrachten. Ich kann für mein Jobcenter und meine Kunden sagen, dass Sanktionen bei ohnehin verhältnismäßig wenigen Personen ausgesprochen werden und dies auch nur nach vorheriger Einbeziehung diese Kunden zur Thematik.
    Keiner der zum Beispiel krank ist etc. hat Sanktionen zu fürchten.

    Viele Grüße ☺️

    1. Naja aber find mal in Berlin eine günstiger Wohnung, wenn das Sozialamt 600 oder 700 Euros zu teuer findet. Wo soll es das denn geben? Nicht in sechs Monaten, nicht in 1,5 Jahren, und dann muss man sich unendlich mit dieser ganzen Bürokratie abarbeiten, mit Nachweisen hier, Nachweisen da, wenn man sowieso schon krank ist, das ist doch eigentlich auch für das Sozialamt (die waren es bei uns, nicht das Jobcenter) eine totale Vergeudung von Ressourcen. Absurd. Wir mussten für meine schwerkranke Mutter auch ständig irgendwelche Nachweise vorlegen, z.B. dass wir uns bemüht haben, früher aus dem Mietvertrag herauszukommen nach ihrem Einzug in ein Heim. Der Vermieter hat natürlich zu Recht nicht gewollt, und wie soll den ein schwerkranker alter Mensch sich aktiv um Nachmieter bemühen? De ganze Korrespondenz immer einem Ton, als wären wir Schwerverbrecher, Diebe, Verbrecher. Damit fängt es schonmal an.

      1. Danke Exberlinerin. So sehe ich das auch. Jobcenter sind nun mal höchst unterschiedlich, das mag vielleicht auch etwas an der unterschiedlichen Klientel liegen. In manchen gibts Personenschutz, in manchen stehen alle Türen offen. Die Erfahrungen, die ich diesbezüglich gemacht habe, waren allesamt schlecht. Man wird selbst als Begleitperson wie ein Aussätziger behandelt. Wohlgemerkt, das sind nur meine eigenen Erfahrungen hier in der Umgebung, es gibt sicherlich auch viele engagierte Mitarbeiter, denen auch Mitgefühl nicht abhanden gekommen ist.
        Das Wohnungsproblem wäre verständlich, wenn es denn alternativen Wohnraum gäbe, aber wie du schon sagst, in den Ballungsräumen ist es fast unmöglich etwas zu finden. Genau, weder in drei Monaten, noch in zwei Jahren. Und das was übrig bleibt, führt zu einer Zusammenrottung, zum Ghetto.
        Natürlich muss es „im Rahmen“ bleiben, aber wie will ich das heutzutage bestimmen? Der Staat kommt seiner Pflicht bezahlbaren Wohnraum zu schaffen ja nicht einmal für den normalen Angestellten nach. Das ist ähnlich absurd, wie die Arbeit bis zum 70. Lebensjahr zu fordern, und alle Welt sucht ultraagile 21 Jährige mit 20 Jahren Berufserfahrung.
        Liebe Grüße!
        KK

        1. Dass der Staat nicht ausreichend zahlbaren Wohnraum schafft ist aber ein anderes Thema…
          Ich finde es nur fair denen gegenüber die knapp über der Grenze der Hilfsbedürftigkeit verdienen, dass es sowas wie Mietobergrenzen gibt. Ich meine wie verarscht kommt sich jemand vor, der zusehen muss, wie er seine Miete durch sein Einkommen deckt, während andere vom Jobcenter Mieten für Alleinstehende in Höhe von 1500€, 2000€ (alles schon erlebt) unbegrenzt bezahlt bekommt? Da finde ich es schon angemessen, dass es gewisse Grenzen gibt.
          Dass in manchen Jobcentern ein respektloser Umgang herscht, glaube ich. Aber hier ein Verallgemeinerung anzustellen, finde ich den vielen Mitarbeitern von Jobcentern die jeden Tag ihr Bestes geben, dass alles so läuft wie es sein muss für diejenigen die Hilfe brauchen nicht fair. Dieser Job ist ohnehin oft undankbar, sei es dass von Seiten der Politik oder auch den Kunden Druck kommt. Das sollte bitte nicht vergessen werden.
          Auch muss man zwischen Leistungen nach dem SGB II (Hartz 4) und Leistungen nach dem SGB XII (Zb Grundsicherung für alte Menschen) unterscheiden…

        2. Ja KK, da hast Du vollkommen recht. Bei uns gibt es keine Security – und ich glaube nur das ist der richtige Weg. Aber wir sind auf dem platten Land…. Kennst Du noch den alten Spruch von unseren Eltern bzw, Großeltern: ‚Was Du nicht willst dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu‘? Immer noch aktuell und ein schönes Motto fürs Leben, oder?

  10. Ich war auch entsetzt, als ich den Bild-Artikel las. Da wird Stimmung gegen die Ärmsten gemacht mit einem Extrembeispiel. Ich vermute eine medienkampagne der Wirtschaft dahinter, um Stimmen zu bekommen, das zu erweichen, ist ja nicht das erste Mal.
    Danke für deinen mitfühlenden Beitrag. Ich bin ganz bei dir.

  11. Ein Thema, bei dem mir die Haare zu Berge stehen – Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, stehen als Rentner mit so wenig da, dass an allem gespart werden muss. Es gibt Viele, die eh wenig verdienen und damit natürlich weder üppige Rentenanwartschaften noch irgendwie anders Vorsorge fürs Alter treffen können. Die Politiker sagen, dass jeder für sich vorsorgen muss, aber die kennen das wahre Leben nicht. Wenn das Gehalt gerade knapp zum Leben reicht, wie soll da jemand vorsorgen? Zudem sind oft die schlechter bezahlten Jobs auch noch die, die morgens oder mitten in der Nacht zur Arbeit gehen müssen, die dazu noch körperlich anstrengend ist und die Leute müde und ausgelaugt machen. Alles was Leute ansparen, ist doch ganz schnell zum Teufel, wenn man zum Beispiel eine lang andauernde Krankheit hat und nur noch Krankenkassengelder gezahlt werden. Da müssen die Ersparnisse angetastet werden und wenn schliesslich die Rente kommt, die natürlich dann auch nicht üppig ist, heisst es, ja sie hätten halt vorsorgen müssen.

  12. Die größten Sozialschmarotzer ( ein wiederlicher Ausdruck ) sind unsere Richter, Beamte und Politiker. Zahlen null in unser Sozialsystem ein und befinden aber darüber. Wenn jemand 2 Legislaturperioden im Parlament saß ( also 8 Jahre ) bekommt er Bezüge von ca. 1.700€. Natürlich gibt es auch eine „Aufwandspauschale“ von ca. 4.500€, natürlich steuerfrei. Da wird dann die ungelernte Ehefrau als Sekretärin angestellt. Jeder Arbeitnehmer muss jeden Beleg sammeln und nachweisen. Die Pauschale git es ohne jeden Nachweis. Machmal wünsche ich mir auch hier die Gelbwesten, aber hier geht ja alles durch. Dann wird ständig diskutiert wer denn die Mindestrente bezahlen soll, die haben doch alle Angst, das für sie selber nichts übrig bleibt. Die Rentenkasse war mal voll, das weckte Begehrlichkeiten. Alle Politiker haben da zugelangt. Millionen für die Bahn, die Post, ein Scheck nach Israel usw. Ich kann mich gut erinnern und nun heißt es der Staat müsse so viel in die Rentenkasse zuschießen…. ha, ha, ha…. Aber der Wähler hat ja Gott sei Dank nur ein kurzes Gedächtnis. Ich kannte eine Finazrichterin gut, die sagte mir klipp und klar, sie müsse ja profiskalisch entscheiden, denn wo käme denn sonst ihre Pension her ? Zum würgen. Ich habe mal die Steuererklärung von einem netten Lehrer mit Bourn out gemacht, ich beneide Lehrer generell nicht um ihren Job, aber der hat noch ein ganzes Jahr die vollen Bezüge bekommen. Dann wird weiter entschieden, ob er noch arbeiten kann oder nicht, oder Pension bekommt. Ich bekomme nach 6 Wochen Krankheit Krankengeld. Das sind so die kleinen Unterschiede. Darüber wird aber in keiner Talk Show gesprochen. Eine Frechheit, das sich jemand in Hamburg, Berlin oder München eine billige Wohnung suchen soll. Soll doch das Amt eine Sozialwohnung zur Verfügung stellen, ach so, Entschuldigung, das können die ja auch nicht. Haben wir ja auch eingespart.
    Aber man kann kaum die Frösche bitten den Sumpf trocken zu legen……….
    Wir sind so schlecht regiert, es ist eine Schande für unser schönes Land der Dichter und Denker. Vorne und hinten kaputt gespart, damit eine kleine Elite in Saus und Prauss leben kann. Danke Frau Merkel.

    1. Hallo Christiane,

      ich habe mir lange überlegt, ob ich zu Deinem Kommentar was schreiben soll und mache es hiermit in für mich vielleicht ungewohnt deutliche Worten. Ich finde Deinen ersten Satz wirklich absolut daneben und will mal fragen, warum Du denn dann nicht den Beruf der Politikern, der Richterin oder der Beamtin gewählt hast. Wir haben hier in Deutschland kein feudales Adelssystem mehr und der Zugang zu den von Dir als Sozialschmarotzer bezeichnenden Berufsgruppen steht jedem Mensch mit einer entsprechenden Qualifikation frei. Im meinem Bekannten- und Familienkreis bewegen sich sehr viele Menschen in dem von Dir genannten Bereich und ich verbitte mir einfach diese undifferenzierten Pauschalisierungen. Wenn Du mit der Arbeit der Politiker, die übrigens alle gewählt sind und nicht von Gottes Gnaden im Amt sitzen so unzufrieden bist, dann stehen Dir in unserem demokratischem System doch alle Wege offen, dich am politischen Diskurs aktiv zu beteiligen von einfachster Gemeindeebene bis hin zum Bundestag. Bei Sätzen wie eine kleine Elite lebt in Saus und Braus und danke Frau Merkel steige ich aus der Diskussion aus, tut mir leid. Gesetze werden nicht von Frau Merkel verabschiedet, sondern von den Verfassungsorganen und ich bin es leid, dass für die natürlich unbestreitbar komplexen Probleme in unserer Gesellschaft eine einzelne Person in Geiselhaft genommen wird.

      1. Hallo Roland,
        ich habe diese Berufsgruppe nicht gewählt, weil ich gerne Sozialabgaben zahle und voll hinter unserem, ehemals guten, System stehe. Für unser Unrechtssystem stehe ich nicht zur Verfügung und auch sonst niemand aus meiner Familie. Mein Beruf macht mir Spaß und mein Einkommen reicht um auch anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Eine Aufwandspauschale von 4.500€ steuerfrei bekomme ich auch nicht, ich zahle von jedem Euro Steuern und Sozialabgaben. Auch im meinem Bekanntenkreis gibt es diese Berufsgruppen und ich sehe die Unterschiede in der Altersversorgung selbiger und führe einen täglichen Kampf mit Behörden. Bei der genannten Finanzrichterin haben sich einige Vereinsmitglieder einen Spaß gemacht und mal deren Arbeitsstunden notiert. Morgens im Reitstall, die 5 Pferde füttern obwohl die vom Pferdepfleger versorgt werden, wo andere an der Arbeit sind. Mittags im Reitstall, es ist so windig, den Pferden eine Decke auflegen- oder abziehen. Andere haben 0,5 Stunden Mittagspause, die kommen in dieser noch nicht mal an den Stadtrand. Ab 16 Uhr Reitstall….. Treffe ich diese Dame in der Pause, habe in der Nähe des Gerichtes gearbeitet, redet sie von dem schönen Wetter, sie schreibt das Urteil auf der Terasse. Eine Stunde später Reitstall…… Natürlich hat sie selber ständig auf unseren Staat geschimpft, es gäbe zu wenig Richter, sie wäre völlig überlastet. Nach unseren Aufzeichnungen hat sie maximal 4 Stunden täglich gearbeitet, wenn überhaupt. Andere müsssen an der Arbeit stempeln. Wenn wir ältere Mandanten vor den Finanzgerichten vertreten, haben wir Prozesse die ewige Jahre gehen. Die älteren Mandanten erleben das Urteil oft gar nicht mehr. Das nenne ich glatte Rechtsverweigerung. Natürlich gibt es auch nette und angagierte Beamte, Richter und Politiker, keine Frage, aber sie sind die Minderheit. Wer die Gesetze macht, ist mir bekannt, ich nehme auch nicht Frau Merkel in Geiselhaft, aber sie ist nun mal die Gallionsfigur dieser Politik die nach oben buckelt und nach unten tritt. Wenn ich in Rente bin gehe ich gerne in eine Partei, das ist schon lange mein Wunsch, geht aber mit meinem 12 Stunden Tag und meinen sozialen Angagementen leider nicht auch noch. Deswegen wimmelt es ja in der Politik von Lehrern, die werden nämlich von Ihrem Dienst freigestellt wenn sie in die Politik gehen. Andere machen es auf eigenes Risiko.
        Ich verbitte mir das Beamte, Richter und Politiker, die selber nichts in die Sozialsysteme einzahlen über selbiges befinden. Wir haben kein feudales Adelssystem mehr, stimmt. Trotzdem können Kinder von Harz ( ist das nicht ein verurteilter Verbrecher ?) IV Empfängern in den seltensten Fällen eine akademische Laufbahn verfolgen, auch das ist statistisch erwiesen und macht mich sehr traurig. Tut mir leid, aber ich sitze beruflich auf der anderen Seite und sehe Abgründe.

        1. Unsere Abgeordneten werden im internationalen Vergleich eher gering entlohnt. Aufwandsentschädigung ist notwendig, der Aufwand beginnt ja schon mit einer Unterkunft in der Hauptstadt. Korrekt gemacht ist der Job menschenfressend, 70-90 Stunden die Woche. Der Mann mit der Fliege, den ich sehr schätze, weil er nie absoluten Schrott erzählt, hat sich aktuell dazu geäußert: https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/karl-lauterbach-ueber-schwaecheanfaelle-von-politikern-im-bundestag-a-1295600.html

          In jeder Gruppe gibt es Schmarotzer, so what? Man kann ihnen ja einen Spiegel vorhalten oder sie anderweitig fröhlich ärgern, wenn man sie trifft 😎

          Für die bessere Versorgung bezahlen die Beamten übrigens mit einer Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit. Trotzdem wäre ich für ein gesamtgesellschaftliches Sozialsystem. Dagegen gibt es aber in D massive Widerstände. Der Übergang wäre auch schwierig, man stelle sich die Abschaffung der privaten Krankenversicherung vor. Was passiert mit den Rückstellungen der langjährig privat Versicherten, um nur ein Problemfeld zu nennen.

          Änderungen wünschen ist einfach, sie zu meistern ein undankbares Minenfeld. Wenn ich so nachdenke, passt das auch für die Wiedervereinigung 😉

          1. Ja, die zwei Seiten der Medaille vergessen die meisten Leute.
            Aber eine einzige Meinung zu propagieren ist so schön einfach und bringt mehr Beifall. In so vielen Bereichen. Liebe Grüße!
            KK

        2. Liebe Christiane, ich habe mich in einigen Teilen Deines Kommentars mehrfach wiedergefunden. Ich lebe in einem Stadtteil mit überdurchschnittlich vielen alten und armen Leuten. Die ihr ganzes Leben schwer gearbeitet haben und jetzt Mini-Jobs annehmen müssen, solange sie können um überhaupt überleben zu können. Wer von uns möchte mit 70 um 23:00 Uhr abends an der Supermarktkasse arbeiten????
          Auch ich habe mich lange in der Politik aktiv beteiligt, in meiner knappen Freizeit. Dann ging es nicht mehr, ich wasche und bekoche einige Nachbarn die es alleine nicht können und Opfer der Bürokratie geworden sind. Das scheint mir momentan dringender. Und das war gestern erst um zehn Uhr abends, da ich bis neun noch im Büro war.
          Von Menschen die keine Sorgen im Bezug auf die Rente haben und deren Hauptjob ist die Lösungen zu erarbeiten ERWARTE ich irgendeine Lösung. Ja, ich erwarte das und das vergeblich seit Jahren.
          Die Lösung ist es nicht, dass ich nach 50 Jahre Arbeit arm und alt überlegen muss wie ich über die Runden komme!!!
          Und wenn ich sehe wie man mit pflegebedürftigen Nachbarn umgeht und an welchen Lächerlichkeiten basierend deren Anträge abgelehnt werden, bekommen ich Brechreiz.

  13. “ Sozialer Wohnungsbau ist zudem bei uns kaum noch existent.“

    In meiner Stadt wird nur noch teuer oder sozial gebaut. Ich habe mir 10-15 schöne neue Häuser angeschaut, wirklich erste Sahne und dürfte nicht einziehen da diese reine Sozialwohnungen waren. Was in meiner Gegend fehlt sind bezahlbare Wohnungen für Mittelschicht. Für reiche und arme gibt es derzeit ausreichend Möglichkeiten.

    Ich war noch nie in Sephora in Deutschland, obwohl ich täglich an eine Filiale vorbei laufe. Im Ausland war das immer ein Highlight, hier lässt es mich relativ desinteressiert.

    „Hallo Icefighter,
    meine Rente wird nicht zum Leben reichen… Ich muss arbeiten, bis ich tot bin.“

    So wird es der Mehrheit der Rentner ergehen! Das böse Erwachen kommt noch.
    Wie passt das zusammen mit „weiter so“ und wir können uns Sozialstaat leisten?
    Und wenn die Politiker seit 20 Jahren wissen, dass es nicht reichen wird, womit genau verdienen sie ihre dicke Pension? Mit Lösungsansätzen wohl nicht. Deutschland ist nämlich nicht das einzige Land mit niedriger Geburtenrate, aber einer der wenigen das extrem wenig bemüht ist im Alter einem Würde zu erlauben. Andere Länder haben längst das Problem angepackt und gelöst. Und nein, die Lösung ist nicht unkontrollierte Einwanderung.

    1. Sozialer Wohnungsbau läuft gerade erst wieder an. Es ist definitiv zu wenig sehr günstiger Wohnraum zu finden. Da die Sozialbindung bei staatlich geförderten Wohnprojekten zeitlich begrenzt ist, sinkt die Zahl der bereits bestehenden Sozialwohnungen stetig. Schätzungen vom Bündnis Wohnen zufolge waren von den im Jahr 2003 bundesweit noch 2,1 Millionen Sozialwohnungen Ende 2017 nur noch 1,1 Millionen übrig, Tendenz weiter fallend.
      Frankfurt hatte da ein frühes Projekt, das recht umfangreich war, aber das läuft auch aus, es muss mehr nachkommen als wegfällt.

      1. Es gibt einen neuen Stadtteil der zum 1/3 aus Sozialwohnungen besteht. Also nicht 50 neue Wohnungen sondern über 10 000 die in den letzten 3 Jahren entstanden sind. Was auch richtig ist. Was nicht richtig ist, dass man KEINE Wohnungen derzeit für Familien mit zwei Durchschnittverdienern baut. Unfassbar viele Familien wohnen samt Kinder in weniger als 50 m2 und zwar nicht ein Jahr, sondern 15-20 Jahre lang.

        “ Bündnis Wohnen zufolge waren von den im Jahr 2003 bundesweit noch 2,1 Millionen Sozialwohnungen Ende 2017 nur noch 1,1 Millionen übrig, Tendenz weiter fallend.“

        Verstehe ich nicht ganz. Wo ist eine Mio Wohnungen hin?

    2. Die Geburtenrate steht bei der Rentenfinanzierung nicht im Vordergrund – wer sagt, dass ein Kind später eine gut bezahlte und/oder produktive Arbeit aufnehmen wird -, sondern tatsächlich in besonderem Maß die Wertschöpfung, die durch die entsprechende Arbeit generiert wird. Vor Ewigkeiten hatte ich mich damit eingehender befasst, aber diesen Grundgedanken habe ich nicht vergessen und wollte ihn gerne in die Diskussion einbringen und zu bedenken geben.

      1. Liebe Hasi0815, danke für die Information. Worauf basiert es dann? Ich kann mich erinnern, aus der Zeit in der Wissenschaft, dass die Bevelökerungsentwicklung und damals bereits negative Geburtenrate im Vordegrund waren. Das Methusalem-Komplott jetzt nun 15 Jahre altes Buch beschreibt es verständlich und auch wenn basierend auf wissenschatlichen Studien, verstädnlich. Wenn ich 30 Jahren die Hälfte der Bevölkerung Rente braucht, wird es schwieriger als wenn es 1/4 die Rente gebraucht hat. Man hat ja die Rentenkasse geplundert. Generationsvertrag funktioniert schon jetzt nicht.

        1. Liebe Ombia, man weiß nicht, was beruflich aus einem Menschen wird; mit viel Pech bleibt er Empfänger von Leistungen, und um das zu verhindern, soll ja Ausbildung helfen – oder auch, wenn Lebenswege ungut mäandern, Weiterbildung (volkswirtschaftlich sinnvoller, als auf einen reinen Dienstleistungsberuf umzuschulen wäre beispielsweise Dreher oder Zeichner zu werden).

          Ein Kind legt der Gesellschaft (nicht nur den Eltern 😉) zunächst einmal Kosten auf, und bei guter Ausbildung und dem entsprechenden Arbeitsmarkt (also bei vorausschauender Politik und klugen Unternehmen), wird es in der Lage sein, seinerseits zum Generationentransfer beizutragen. Wichtig hierbei ist das Zusammenspiel von Arbeitsproduktivität, Beschäftigungsentwicklung, Lohnhöhe und Preis- und Zinsentwicklung. Im Prinzip geht es um die Entwicklung von Industrienationen, und hier ist wichtig u.a. die Investition in die Wirtschaft (auch die Bereitstellung von Infrastruktur) und gute Ausbildung.
          Wenn die Produktivität hoch ist, sprich der Industrialisierungsstandard hoch ist, kommt es nicht so sehr auf die Anzahl der Beschäftigten an, es ’nur‘ wichtig, dass in ausreichender Höhe produziert wird.

          Ich habe das aus alten Zeiten noch zusammengekratzt und hoffe, einigermaßen verständlich formuliert und nicht allzu heftige Schnitzer eingearbeitet zu haben;
          mir ging es vor allem um die Tendenz, dass man nicht nur auf die Geburtenrate schielt. Recht polemisch könnte man dann den Blick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von Länder richten, die eine hohe Geburtsrate pro Frau aufweisen.

          1. Liebe Hasi, danke! Ich stimme Dir zu. Nun, wenn ich google worauf sich unsere Rente basiert spucken sämmtliche Quellen das hier

            „Vornehmlich wird die gesetzliche Rentenversicherung durch ein Umlageverfahren finanziert. Das heißt, dass die Beiträge der derzeitigen Beitragszahler unmittelbar als Renten an die derzeitigen Rentner ausgezahlt werden.“

            Was nicht automatisch Deiner Aussage widersprechen würde. Aber ;-). So formuliert basiert sich die Rente Stand heute nicht auf den Aspekten die Du nennst. Wünschenswert wäre es, dem ist leider nicht so.

            Und
            „Wenn die Produktivität hoch ist, sprich der Industrialisierungsstandard hoch ist, kommt es nicht so sehr auf die Anzahl der Beschäftigten an, es ‘nur’ wichtig, dass in ausreichender Höhe produziert wird. “

            Das wäre ein Optimum. So funktioniert leider unsere Wirtschaft nicht. Überschuss geht an die Konzerne als Gewinn raus. Nur so bekommt die oberste FK-Ebene Gehalt von 250.000 + Bonus von 100.000. Und hier habe ich sogar geringere Summen genannt.

            Sollte also unserers Rentenkonzept bleiben wie heute, werden die meisten hungern.

            1. Klar, die Rente ist umlagenfinanziert, auch aus diesem Grund ist es förderlich, wenn die Produktivität hoch ist. Das ist ja kein Widerspruch.

              Vielleicht liegt hier ein Missverständnis vor, und wer weiß schon genau, wie ‚die‘ Wirtschaft funktioniert, und es spricht – wertfrei gesprochen (ist ja auch manchmal ganz schön, sich erst die Theorie und dann dazu noch einige Fakten, die gar nicht so einfach zu erkennen sind, hinzu zunehmen und erst nach einer genaueren Analyse zu bewerten. Analyse und Bewertung sind zwei Dinge, auch wenn Menschen menschlich sind und leider gerne beides mehr vermengen, als aus wissenschaftlicher Sicht statthaft ist) – nichts dagegen, Angestellten Boni zukommen zu lassen.
              Nur: dass manche Unternehmen sich anders verhalten als gewünscht – Stichwort: soziale Marktwirtschaft – hat nichts mit der Annahme zu tun, dass eine hohe Produktivität positiv für die Rentenfinanzierung ist. Das ist ein anderes Thema innerhalb des Themas Rentenfinanzierung.
              Du fragtest mich ja nach dem Thema Gewichtung Geburtenrate und Produktivitätshöhe, s. dazu bitte auch meinen vorigen Beitrag. 🙂 Ich versuchte nach bestem Restwissen, dies zu erläuterten.

              Bei unerwünschten Nebenwirkung sprechen Sie bitte Ihren örtlichen Abgeordneten der jeweiligen Ebene an und kommen freundlich auf den Punkt. Man kann das gar nicht oft genug betonen, vor allem, weil das kaum jemand macht. Wenn das viele tun, zeigt’s vielleicht Wirkung.

              1. Hasi, Hasi. Erst dieser strukturierte Hamster, nun dieses seltene Spezialwissen. 😍 Mal mit VWL zu tun gehabt?

                Ich möchte nochmals untermauern, daß die Geburt eines Kindes den Steuerzahler erst mal kostet. Etwa 250 000€ von 0-18. Die Eltern selbst geben aus eigenen Mitteln in dieser Zeit 40 000 bis 120 000€ aus, je nach Einkommen, Zahlen von 2015. Das Geld ist weg und der Staatssäckel weiß nicht, ob es im Erwachsenenleben zurückgezahlt wird, via
                Steuern und Abgaben. Ich kenne viele Fälle, in denen die Geburt eines Kindes nicht zu einem Unterstützer des Rentensystems führte sondern zu einer massiven Belastung des Sozialstaates. Krankheit und Unfälle, um nur 2 Ursachen zu nennen.

                Unser Rentensystem wird durch viele Fremdleistungen ausgehölt. Renten im Osten, auch Beamte bekommen ihre Mütterrente aus dem Topf, in den sie nie eingezahlt habe.

                Bei Problemen ist immer der eigene Bundestagsabgeordnete Ansprechpartner der Wahl. Diese Möglichkeit wird viel zu wenig genutzt. Übellaunige Politikverdrossenheit ist ja auch einfacher 😉

              2. Liebe Hasi,
                Gut. Warum haben wir dann Deiner Meinung nach ein Rentenproblem?
                Welcher Teil der Geschichte funktioniert Deiner Meinung nach nicht? Warum schreibt mir jetzt die Rentenversicherung, dass ich in 30 Jahren arm werde?
                Weil, Produktivität muss ja nicht schlechter werden.
                Was genau verursacht es, dass wir jetzt die Rentenkasse finanzieren und später kaum Rente bekommen?
                Und was genau hindert die Politiker eine nachhaltige Lösung zu finden?

                Liebe Argana,
                „Bei Problemen ist immer der eigene Bundestagsabgeordnete Ansprechpartner der Wahl. Diese Möglichkeit wird viel zu wenig genutzt. Übellaunige Politikverdrossenheit ist ja auch einfacher 😉“

                Was genau meinst Du damit? Wem wirfst Du die Politikverdrossenheit vor?
                Fühle mich nicht angesprochen, Fakt ist aber, dass solche Kommentare Totschlagargumente per sensind und killen eigentlich jede konstruktive Diskussion.

  14. Ich sag Euch nur, ich habe für das Thema menschenwürdiges Leben, arbeiten und wohnen auch keine Lösung. Heute morgen war es eine Wonne die vielen differenzierten Kommentare zu lesen. Und ich merke wie ich auch selber schwanke.
    Sicherheit für Mitarbeiter: ja, manchmal bin ich froh um den Wachdienst, manchmal bleibt die Tür offen, manchmal wird kein Hausbesuch gemacht und manchmal auch, was ich hasse, nicht persönlich gesprochen. Der Menschenwürde wird das nicht gerecht, aber dem eigenen Schutz. Die Entscheidung darüber muss achtsam und nicht vorschnell getroffen werden.
    Ich glaube wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren mit welcher Situation wir unsere persönliche vergleichen, was ist unsere Richtschnur, was sind unsere Wünsche und was trägt zum Scheitern bei – auch wir selbst –
    In diesem Sinne wünsche ich Euch weiter Kluges Nachdenken und viele glückliche Zeiten

    1. Achtsam, langsam und weise… Dreht man an einem Rädchen, drehen sich hunderte mit. So ist es. Mein Blick geht immer automatisch zu den Schwächsten — die, die es (gut) haben, sorgen schon für sich selbst.

  15. interessant sind vielleicht auch mal die Fakten: 5,5 Menschen beziehen 2019 Hartz IV; 3,7 Millionen davon sind erwerbsfähig; jeder 5. wurde 2019 sanktioniert; das sind mind. 119,– EUR weniger. Die Miete wird aber weiter finanziert; bzw. ein Zuschuss. Der Regelsatz beträgt 427 EUR. Das ist alles, außer Miete. Jeden Monat. Ein Vater, der UH zahlen muss, darf 1.080 EUR für sich behalten (angemessener Selbstbehalt); davon muss er aber alles bestreiten, auch die Miete. Jetzt könnt ihr ja mal eben rechen, wer am Ende mehr Butter auf´s Brot schmieren kann!

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