LIFESTYLE: TOM TAILOR „FOR HIM“ * WARUM MICH VIELE NEUE DÜFTE NERVEN

Ungefragt bekam ich ein Produktsample zugeschickt, und zwar das neue Eau de Toilette „For Him“ von Tom Tailor. Es kommt aus der günstigeren Ecke, und ich finde, dass man das auch riecht. Allerdings stehe ich seit geraumer Zeit mit vielen der neuen Düfte auf Kriegsfuß…

 

Eigentlich mache ich mittlerweile einen großen Bogen um Drogeriedüfte. Ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass man da doch öfter übertrieben komponierte Düfte findet, die auf den schnellen Effekt setzen, und die laut und plakativ ihre synthetischen Komponenten durch die Nase schießen.

Mittlerweile musste ich diesen Gedanken allerdings auch auf Parfümerieware ausweiten, der Mainstream ist nun mal derzeit ein symbolischer überdimensionaler Holzhammer. Die Abstumpfung unserer Zeit scheint auch die Sinne ergriffen zu haben, und um die Gewinne nicht einbrechen zu lassen, werden eben Produkte entwickelt, die so übertrieben auf sich aufmerksam machen, dass man sie ja nicht übersehen kann. Blöd nur, dass ich davon gefühlten Nasenkrebs bekomme.

*Werbung* (Es wurde mir ein Pressesample zugeschickt, keinerlei weiteres Sponsoring)

Als ich unangekündigt einen demnächst erscheinenden Duft zugeschickt bekam (bereits geöffnet und benutzt!), wurde ich trotzdem neugierig. Obwohl Tom Tailor nun nicht eine meiner bevorzugten Marken ist, fand ich den facettierten, nachtblauen Flacon doch tatsächlich ziemlich schön, wenngleich der billige Plastikverschluss den ersten hochwertigen Eindruck wieder irgendwie zunichte macht.

Der Duft soll für den kommenden Herbst und Winter sein, und so habe ich mich schon auf einen wärmeren und intensiveren Duft eingestellt. Schade, denn ich bin ja der absolute „Sportduft-Fan“, wenn man das mit Frische, Leichtigkeit und Lebendigkeit definiert.

Und richtig: Wie vermutet reichte schon eine klitzekleine Sprühladung aufs Handgelenk und ich war erst einmal wie betäubt. Etwas süßlich, etwas nach Motte…äh…Bergamotte, etwas nach Frucht, etwas nach Blümchen, etwas Herbes, etwas nach ALLEM! Für meine Nase zu viel, und das bei einem nur halb durchgedrückten Sprühknopf. Wie verdreht stehen meine Augen bei gleich mehreren Sprühstößen?

Ganz so falsch war mein erster Eindruck nicht, hier kommt die offizielle Duftpyramide:

Kopfnote: Bergamotte, Mandarine, Himbeere 
Herznote: Pfingstrose, Lavendel, Geranie 
Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Leder 

 

 

Klingt eigentlich gar nicht übel, nur die Umsetzung ist meiner Nase nach schlecht umgesetzt. Der Duft wirkt jetzt nicht auf den ersten Schnupperer „billig“, aber trotzdem kommt er schrecklich übertrieben und künstlich rüber, was ihn wiederum mit seinen aktuellen Brüdern und Schwestern vereint. Im Rahmen der firmenüblichen Gewinnmaximierung werden eben überwiegend nur noch günstig und einfach beschaffbare synthetische Rohstoffe verwendet, was diesen üblichen Einheitsbrei im Duftdschungel verursacht.

Ich vergleiche es so ein wenig mit den Maggi-Fix Produkten (gibts auch von Knorr, ähem). Tausend Sorten, und im Endeffekt schmeckt alles gleich, weil die Basis billig und meist künstlich aufgepimpt ist. Mittlerweile muss man sich wirklich den Hals verrenken, wenn man nach einem „besonderen“ Duft Ausschau hält.

Tom Tailor hat mich also auch aktuell nicht überzeugen können, das ist nichts für mich. Obgleich ich als „Bestager“ auch definitiv nicht zur Zielgruppe gehöre. Da frage ich mich allerdings, ob das nicht etwas beleidigend ist, wenn man jungen Männern von heute unterstellt, dass sie nach solchen Düften verlangen?

Tom Tailor for him Eau de Toilette 30 ml ab September 2019 ca. 14,90 € / 50 ml 19,90 € (in Parfümerien, Drogeriemärkten und Kaufhäusern)

 

 

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser    Der Tom Tailor Duft wurde mir kostenlos und unverbindlich zugeschickt, kein weiteres Sponsoring)

 


23 Gedanken zu “LIFESTYLE: TOM TAILOR „FOR HIM“ * WARUM MICH VIELE NEUE DÜFTE NERVEN

  1. Uhhh, das klingt nicht gut. Ich kaufe auch nichts mehr aus dem Drogeriebereich, das stinkt alles ordinär. Und die großen Playee machen da mit. Nischendüfte sind so schwer probezuschnuppern. Also immer wenn ich in Berlin bin, geht es ab zu den kleinen und unabhängigen Duftmanufakturen.
    Mehrfach ausprobieren lohnt sich, man verändert sich ja im Lauf der Zeit.

  2. Mich erschlagen die Duftproben für Damen u n d Herren auch immer sofort, wie Neonfarben in der Nase… 😉 Weil an dezente, leichte, wohldosierte und -komponierte Parfums zu einem moderaten Preis aber schwer ranzukommen ist (Marktlücke?!), verzichte ich seit einigen Jahren ganz. Selbst mein viele Jahre geliebtes Rive Gauche von YSL ertrag ich nicht mehr… :-/

  3. Jaaa.. das sind diese Düfte, wegen derer man in der Schlange vor der Kasse drei Leute vorlässt, um Abstand zu der Quelle des Geruchs zu bekommen.
    Wenn ich in Berlin bin, komme ich an Krigler in der Passage des Adlon nicht vorbei. Seit 18xx kreiert die Familie Düfte aus in Fässern gereiften ätherischen Ölen, die einfach umwerfend sind. Bei den Preisen muss man zwar zunächst in die eigens hierfür mitgebrachte Papiertüte atmen, um nicht das Bewusstsein zu verlieren. Aber dafür braucht man ja auch immer nur sehr wenig…fast homöopathische Dosen.. und verdammt, die Parfums sind eben besonders und ich will es haben 🙂
    Der neue ‚Duft‘ ließ sich hoffentlich abwaschen, das ist ja manchmal ein Problem!
    Viele Grüße
    Regina

      1. Kleiner Tip: Mit Mizellenwasser getränkte Wattepads für ein paar Minuten auflegen, danach abspülen. Hilft allerdings nur, wenn man direkt auf die Haut sprüht – bei der Nebelschwaden-Applikation wirds schwieriger.

  4. Ist es möglich, daß man duftempfindlicher wird, mit zunehmendem Alter? Ich habe in den 80er und 90er Jahren Düfte geliebt, die mir heute derart auf den Wecker gehen ( wenn es sie noch gibt ), daß ich mir kaum erklären kann, wie ich sie über viele Jahre verwenden konnte.
    Joop Le Bain oder Paloma Picasso habe ich ewig getragen und das auch tagsüber.
    Ist mir ein Rätsel heute.
    Ich habe den Eindruck, daß es nicht nur an den neuen Düften liegt, die mir auch alle viel
    zu laut sind, sondern ebenso an mir selbst und meinem veränderten Duftempfinden.
    Da bleiben wirklich nicht mehr viele Düfte übrig, die ich uneingeschränkt an mir mag.
    Einige aus dem Hause Hermes gehören noch dazu. Aber auch da reduziert sich meine
    Liebhaberei vergangener Zeiten enorm.
    Was bin ich froh, hier zu lesen, daß ich offensichtlich kein Einzelfall bin 🙂

    Liebe Grüße,
    Claudia

    1. Ja, ich glaube, das ist so. Unsere Sinne sind alle chronisch überreizt. Augen müde, Ohren müde, Zunge müde. Nur einer zieht da aus der Reihe: Die Haut könnte wahrlich mehr Streicheleinheiten vertragen 😉

    2. Ja, definitiv! Wir hatten das schon öfter, und ich empfinde es als Vorteil. Früher hatte man irgendwie einen Schwamm vor der Nase, und heute ist man in seiner Wahl viel klarer und differenzierter.
      Aber schade um die Unbefangenheit von damals.
      Viele Grüße!
      KK

  5. Ich habe auch so meine Probleme, einen neuen Duft zu finden. Mir gefällt seit Jahren nichts von dem , was neu auf denMarkt kommt. Entweder viel zu süß oder zitronig wie ein Klostein. Und mein Versuch mit Molecules ist ja leider in die Hose gegangen 😉 Den hast Du ja bekommen 🙂 Nun habe ich von Erik Kormann „Juli“ entdeckt und die Beschreibung macht mich sehr neugierig 🙂 Vielleicht kennst Du/kennt jemand den Duft und kann noch ein bisschen etwas dazu erzählen? Liebe Grüße aus dem ungemütlichen Hamburg!

    1. Zum Molecule kommt morgen noch etwas. Damit hatte ich (mal wieder) ein einschneidendes Erlebnis. 🙂
      Danke nochmal, dass du mir den Duft „überlassen“ hast. Ich habe mich so gefreut.
      Liebe Grüße!
      KK

  6. Ja, ich habe auch den Eindruck, dass die Sinne mit zunehmendem Alter empfindlicher werden. Gepaart mit einer zunehmenden Reizüberflutung durch äußere Einflüsse wird es einfach irgendwann zu viel und zunehmend schwieriger, DEN Duft zu finden, mit dem ich mich wohl fühle, der mich nicht verkleidet und nicht zu dominant ist – tagsüber mag ich zur Zeit gerne „Rouge“ von Narciso Rodriguez und für den Abend das etwas schwerere aber nicht aufdringliche Black Orchid von Tom Ford.
    Für die ganz besonderen Momente liebe ich „Iris Poudre“ von Frédéric Malle – für so einen Duft muss man leider etwas tiefer in die Tasche greifen, dafür ist er dann aber eben nicht „von der Stange“ und nicht an jeder Straßenecke zu riechen.
    In München gibt es übrigens ein sehr schönes Sortiment ausgefallener Düfte bei Ludwig Beck am Marienplatz. Sehr empfehlenswert, sich dort umzusehen, wenn man von dem ganzen Einheitsbrei die Nase – im wahrsten Sinne – voll hat.

    1. Für Frankfurt ist das die Kobberger Parfümerie. Kompetente Verkäuferinnen, nicht auf zwanghaftem Verkauf hinaus und die Inneneinrichtung ist so schön!

  7. Das mit der veränderten Wahrnehmung oder Reizüberflutung unterschreibe ich sofort.

    Mein ehemals sehr geliebtes Wrappings von Clinique, das einige Jahre „mein“ Erkennungsduft war, und das es fallweise für kurze Zeit mal immer wieder gibt, erschlägt mich jetzt schlichtwegs. Ich kann kaum glauben, dass ich das nicht nur ertragen, sondern wirklich geliebt habe – und ich damals ganz fertig war, als der Duft eingestellt wurde (ich verfiel noch in Aufkauf-Rausch). Aber gut, das waren die 80er und 90er-Jahre, mit Schulterpolstern, starkem Makeup, teils grellen Farben, wie hätten da die Sachen für die Nase dezent oder leise daherkommen können 😉 ?

    Dasselbe gilt für Dior’s Fahrenheit, das ich in jungen Jahren auch sehr mochte – heute nicht mehr. Und besonders für meinen damaligen Winter-Duft Aromatics Elixir.

    Ein paar der damaligen Lieblinge würde ich aber mit Sicherheit auch heute noch mögen.

      1. … oder Cinnabar, Trussardi Uomo und Donna, Genny, Lagerfeld Classic, Jil Sander Nr. 4, u.s.w. .. 😉

        Mit Fahrenheit würde ich noch einen Versuch mit dem EdC wagen (bisher nirgends gefunden). Ich habe das damals so sehr gemocht, der Zeitreise-Versuch in der jüngeren Vergangenheit mit dem Edt ging aber schief. Vermutlich hast Du recht, dass es einfach nicht mehr so riecht, wie es „damals“ roch 😉 .

        1. P.S.: Was ich besonders gerne nochmal riechen möchte, ist das etwas leichtere, Fahrenheit-ähnliche Ultima II Sheer Scent, das auch noch in einer coolen, stylish-handgranatenähnlichen Bottle daherkam.

          Ach ja, Zeitreise(n) für die Nase 🙂 .

        2. … Ich habe damals Jil Sander Sun geliebt! Und Bogner. Joop. Und Must de Cartier . Aber nur das schwarze, nicht das rote („nur“ Eau de Toilette)…. Und die ganzen pudrig-orientalischen Düfte- Shalimar, Samsara und später NATÜRLICH das Hypnotic Poison (erzeugt bei mir mittlerweile fast einen Würgereiz)… Vermutlich würde ich keinen dieser Düfte mehr ertragen. Aber damals war’s toll. Und da hat’s mich nicht mal gestört, wenn die halbe Klasse bzw. später der halbe Hörsaal an der Uni genau so geduftet hat – gab ja nicht wirklich sehr viel Auswahl. 🙂

      2. Zwar glaube ich auch, dass sich die Wahrnehmung mit dem Alter ändert, aber gerade in bezug auf Düfte aus dem letzten Jahrhundert muss man hinzufügen, dass neue Richtlinien die Parfümindustrie zur Reformulierung vieler Klassiker gezwungen haben. Echte Parfüm-Freaks sind deshalb oft richtiggehend auf der Jagd nach Fläschchen ihrer Liebling vor der Reformulierung.

        1. Den Faktor hatte ich völlig vergessen. Ja, es musste auch geändert werden, kam aber vielleicht auch hier und da gelegen, weil man Kosten einsparen konnte? Die neueren Düfte scheinen jedenfalls jegliche „Zurückhaltung“ verloren zu haben, und es duftet mMn immer irgendwie synthetisch.
          Wenn ich das mit der Musik vergleiche: Heutige Musik wird fast immer deutlich lauter abgemischt, dazu wird das Wellenmuster „Normalisiert“, also Ausschlage der Schallwellen nach oben und unten abgeschnitten, was Musik gefälliger fürs Ohr macht, weil große Ausschläge in der Dynamik fehlen. Insgesamt wird es aber verfälscht und der Hörer beeinflusst.
          Zum Glück finden wir ja alle dann doch hier und da immer wieder noch neue „Lieblingsdüfte“ – man muss nur meiner Ansicht nach länger suchen.
          Liebe Grüße!
          KK

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