LIFESTYLE: EIN SAAL VOLLER INFLUENCER, UND HEIDI KLUM PLATZT DIE HOSE

Hui! Im Land der Werbung geht es derzeit wieder hoch her. Da wurden unlängst die „About You“ Awards verliehen, also besonders geschäftstüchtige Influencer geehrt. Übertragen wurde das in die Welt vom Kultursender Pro 7 – und gibt mir eine Steilvorlage zum Lästern. Obwohl, eigentlich bin ich eher wehmütig gestimmt. Ich wünschte, Mama Miracoli käme zurück…

Von den zukünftigen Topmodels zum About You Award

Jaha, ich muss schon wieder zur virtuellen Beichte: Letzten Donnerstag hatte ich Zeit und habe mal bei den Topmodels auf Pro 7 reingeschaut. Nix Neues, immer noch Panik und Mobbing, eng vereint. Die Meeedchen fürchten, dass ihre Männer Jungs zuhause das abscheulich obszöne Modeling mit einem anderen  Malemodel nicht goutieren, und erwarten Stress im Paradies. Gleichzeitig hacken alle aber gemeinsam auf einer Teilnehmerin herum, die nun zur absoluten Aussenseiterin geworden ist. Und wenn sie auch noch so zurück zickt – Simone ist alleine, der Rest der Meute drischt gnadenlos verbal auf sie ein.

Fast die gesamte (beinahe unendliche) Sendezeit über ging es um schlimmstes Mobbing, nebenbei wurde dann auch etwas gemodelt. Nur um nach Schluss in der folgenden Sendung (die „About You Awards“) von Modelmama Klum den so passenden Satz zu hören: „Stop hate!“ Hätte sie mal früher drüber nachdenken sollen! Aber dazu kommen wir später.

 

Sind sitzende Influencer totes Kapital?

GNTM hat ja öfter ein paar Fremdschämmomente, aber die nachfolgende Sendung am vergangenen Donnerstag war eine einzige Fremdschämexplosion. Pro 7 hatte Deutschlands bekannteste und authentischste Influencer zusammengekratzt, sie in eine Halle gesteckt, ordentlich mit Matchaschnaps abgefüllt, und eine Kamera auf die Szenerie gehalten. Wahrscheinlich hatte man ihnen noch gesagt, dass das Event vom Stellenwert gleich nach den Oskars kommt, und ihnen mindestens eine Million neue Follower einbringen wird. So saßen die Werbestars dann auch da: eine Mischung aus erwartungsfroh und gefährlich tiefenentspannt, knapp vorm Koma. Obwohl…viele von denen gucken immer so.

Wenn man mich fragt, lag sicherlich auch noch ein Duftgemisch aus Lenor und Kuschelweich in der Luft, und die Grinsebacken hatten sicherlich alle schon dermaßen Lächellähmung, dass die Hotline vom kieferorthopädischen Notruf heiß lief. So ist das eben, wenn die Generation Selfiestick zum Stillsitzen verdammt, und kein Ringlicht in erreichbarer Nähe ist.

 

Dauerwerbesendung unter „Freunden“

Verkehrte Welt: Früher hat man bei Werbung weggeschaltet, heute bekommen die gut bezahlten Angestellten der Werbeindustrie aka „die Creators unserer Generation“ (L. Gercke) nen eigenen Preis in den gut trainierten Hintern geschoben, samt ellenlanger Preisverleihung.

„About You“ ist übrigens ein Fashion Onlineshop, und warum über, neben, unter und auf der gesamten Veranstaltung nicht „Dauerwerbesendung unter (haha) Freunden“ stand, ist für mich geradezu ein Welträtsel. Aber hey, die jungen und authentischen Selbstdarsteller mit eigenem Fototeam und Management (Authentizität, ne?) wollen ja Fun haben und nicht wieder an die bösen Wettbewerbshüter denken, die ihnen ihre bunte Instawelt so vergällen.

Und dann wurden auch schon die ersten nominierten „Stars“ angekündigt. Und zwar u.a. von Jerome Boateng, der seine Ankündigung so verstörend schlecht von einem Blatt Papier ablas, als hätte ihn ein Hypnotiseur mental wieder in die zweite Schulklasse versetzt, und ihm dort eine Wagenladung Valium plus Rizinusöl verabreicht. Von den unendlichen Fremdschämmomenten hatte ich schon berichtet, nicht wahr?

Tatsächlich werden die „Awards“ auch munter verteilt: An ehemalige Bachelor- und Big Brother TeilnehmerInnen, Yogalehrerinnendarstellerinnen, die sich zur Abwechslung beim Grätenverbiegen mal eine Ananas auf den Kopf setzen, und eine Lifestyleweltfriedensexlaiendarstellerin, die ein Patentrezept für eine bessere Welt in ihrem Kopf entwickelt auswendig gelernt hat: „Jeder möge vor seiner eigenen Tür kehren, dann ist die Welt sauber.“ Mein Kopf war in diesem Moment kurz davor zu platzen, aber ich habe es dann doch irgendwie überlebt.

 

Aber warum platzt die Hose von Heidi Klum?

Ja, und dann kam Heidi Klum auf die Bühne, die einen Award für ihr Lebenswerk bekommen sollte. Das durfte so aber nicht gesagt werden, denn das klingt nach Rente, und so wurde der Preis kurzerhand umbenannt.

Frau Klum dann ganz authentisch: „Meine Hose ist geplatzt!“ Hmm, Baby oder Hofbräuhaus? Heidi sagte: „Das Baby!“ Aber natürlich waren es Hefeweizen und Brathaxe – ich bin mir sicher. Satt und zufrieden sagen sich so Sachen wie „Tut Gutes und habt euch lieb!“ natürlich viel schneller, ohne darüber nachzudenken, dass die eigene Sendung (GNTM) derzeit Lehrbeispiel für übelstes Mobbing in Reinkultur ist. Beschämend!

In diesem tumben Umfeld wirkte Ex Topmodel Klum trotzdem tatsächlich wie Greta Garbo auf Besuch beim Treffen des Taubenzüchtervereins Essen Vogelheim. Und wo wir gerade bei Greta sind: Selbst Klima-Greta bekam einen Preis (zum großen Glück in Abwesenheit) für ihr Engagement in Umweltdingsbums, ich glaube so hieß der „Preis“.

Total logisch, wenn man bedenkt, dass der Haufen Influencer wohl allesamt mit dem Flieger angeschwebt kam, und einige der Nominierten nach Los Angeles zu Interviews geflogen wurden, nur um nice Bilder für die coole und umweltneutrale Sendung zu bekommen. Umweltneutral? Klar, als Ausgleich zum Jet-Set Interview wurde nämlich versprochen extra 2200 Bäumchen zu pflanzen. Die Grundguten! Es wird gemunkelt, Greta hatte Tränen in den Augen, als sie Abseits ihrer Papstaudienz davon erfuhr.

 

Was vermisse ich die Ado Goldkante

Irgendwann musste ich dann die Augen von diesem verfilmten Autounfall abwenden und schaltete das Fernsehgerät aus! Wohltuende Stille, keine künstlich aufgekratzten Menschen, Fingernägel, Extensions und McFit-Steroidbizepse mehr, herrlich!

Nee, Leute, diese Werbewelt haben wir nicht gewollt. Und doch ist der Berufswunsch „Influencer“ mittlerweile weiter verbreitet, als wir alten Gruftaspiranten es glauben wollen. Ich denke mit Schrecken darüber nach, wie viele mögliche NobelpreisträgerInnen nun doch lieber einen Gutscheincode für Fitnesstee und Puderlidschatten auf Instagram verteilen werden? Und warum zur Hölle vermisse ich Mama Miracoli, die Ado Goldkante und den höflichen Persil Mann so sehr? Vielleicht weil damals das Wort „Authentizität“ noch nicht so dermaßen gruppenvergewaltigt war, und wir uns guten Gewissens von Clementine und Co. ein bisschen „informieren“ ließen? Auf die gut gemeinte, wohlwollende Art, und nicht so amateurhaft stümperdoof, und dennoch perfide hinterhältig. Unter Freunden? Fuck off!

 

 

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(Fotos: Screenshots KK   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 


25 Gedanken zu “LIFESTYLE: EIN SAAL VOLLER INFLUENCER, UND HEIDI KLUM PLATZT DIE HOSE

    1. Danke für den Link, der Artikel wäre mir sonst entgangen. Und Riccardo Simonettis Feststellung „So ein Posting über Aidsaufklärung likt sich halt auch nicht so gut wie ein Avocadotoast.“ scheint Bestandteil eines jeden „So wirst du ein erfolgreicher Influencer“- Workshops gewesen zu sein.

    2. Hallo, Enissa Amani hat Ihre Community auf Frau Rützel gehetzt, da Sie sich persönlich angegriffen gefühlt hat und ein AfD Mann den Artikel gelobt hat. Frau Rützel bekommt gerade die unschöne und asoziale Seite des Internets ab.
      Viele Grüße Dani

      1. War klar. Influencer haben ne Menge Kohle zu verlieren. Sowas wie „Ehre“ allerdings an der Garderobe Der Onlinewelt abgegeben.
        Viele denken, das sei eine lustige Randerscheinung der sogenannten Unterschicht, ich halte das alles für üble Strömungen in unserer Gesellschaft, die man nicht unterschätzen darf!

        1. Wer ist überhaupt diese drittklassige Komikerin die Anja Rützel und ihre satirische Art der Berichterstattung nicht mal kennt? Was hätte man über diese unterirdische Veranstaltung schreiben sollen? Ich habe mir von Amani den Instapost angeschaut, hier kopiert wortwörtlich. Diese Frau wird nicht in den nächsten zehn Leben lernen was Niveau ist. Und solche Kreaturen sind bekanntlich am Lautesten. Die Journalistin bekommt von ihren Fans Morddrohungen. Sind wird jetzt alle in Nordkorea?

          „Gebt Euch das ZU KRASS (Infos in meiner Story) der Nazi @andywinhart bedankt sich bei ANJA RÜTZEL die den About You, Artikel geschrieben hat. So arbeiten solche Menschen immer, nach dem Motto, lass uns verbündete Feinde werden. Andi du dreckiges Nazi Schwein, so sehr ich den Artikel von Anja Rützel nicht gut fand bin ich sicher, sie distanziert sich safe genauso sehr von Dir wie Ich, hoffentlich! Andreas Winhart Du dummes Stück Scheisse , keiner will Dir den Rücken stärken, eher werden die Rützel und ich noch beste Freundinnen. @spiegelonline / Anja Rützel wie findet ihr euren neuen support von @andywinhart ?

          Frau Rützel hat sich ausdrücklich von AfD distanziert, das ließ aber die eingebildete Nichtskönnerin unbeeindruckt.

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen !!! Sehr guter Beitrag ! Als Mutter einer Teenietochter werde ich ja ständig mit all diesem Mist konfrontiert ! Ich muss aber auch sagen,dass viele jungen Leute sich diese Fernsehshows angucken und den Influencern folgen, aber kritisch sind und genau wissen,dass das alles eine Riesenblase ist…Ich werde meiner Tochter Deinen Text zum Lesen geben und bin mir sicher ,sie wird Deinen Schreibstil mögen und bestätigen wie recht Du doch hast !

    1. Hallo Karin,

      so gings und gehts mir mit meiner Tochter auch. Das Mist-Potential im Internet ist nur nochmal ungleich höher, als es im Fernsehprogramm je war. Was ich z.B. überhaupt nicht nachvollziehen kann, sind Let’s Plays. Computerspielen an sich finde ich schon strunzlangweilig. Aber stundenlang dabei zusehen, wie ein anderer spielt…?!?

      Texte, die ich zum Lesen geben (würde), werden allerdings aus Prinzip nicht beachtet ;-D
      Meine einzige Hoffnung ist — und schließlich auch das Vertrauen –, dass sie eines Tages im wahrsten Sinne des Wortes er-wachsen wird. Wie wir alle… :-))

  2. Da schreibst du was. Diese Werbewelt geht mir auf den Senkel – und absurd ist, dass ich an gut gemachter Werbung, die meinen Humor trifft, durchaus Spaß habe und mir manche Clips bewusst reinziehe. Aber was mittlerweile abgeht, ist ermüdend. Auf Instagram kannst du keinen Schritt mehr machen, ohne dass irgendwer für sein Zeug wirbt (in meinem Feed ist jeder 3. Post gesponstert) und mittlerweile hagelt es auch andauernd Privatnachrichten – und zwar von Menschen, die für ihren Shop/Kurs/eBook etc. werben oder Follower suchen. Pinterest, der neue hei**e Schei** ist mittlerweile auch zur gigantischen Eigenwerbungsschleuder verkommen – beim Blick auf die Gruppenboards denkste, du bist in einem beliebigen Einkaufscenter… nur reihen sich eben nicht Zara, Mango, H&M aneinander, sondern Pins, die du schon zig Mal auf jedem Board gesehen hast.

    Und wie plump und dreist von denen, für die das die Haupteinnahmequelle ist, heute für diesen hei**en Schei** und morgen für jenen geworben wird, ist fast schon beleidigend für normal ausgeprägte Intelligenz. Boah, sach ma… ich leide doch nicht an Demenz und fühle mich mittlerweile echt veräppelt, wenn da jede Woche die „weltbeste Kosmetikserie“ vorgestellt wird, die drei Tage später schon nicht mehr thematisiert wird. Und was mich am meisten nervt: Dass kleine Blogger/Instagrammer quasi in Sippenhaft genommen werden, weil man uns per se abspricht, einfach nur aus Begeisterung/Überzeugung irgendwas vorzustellen.

    Ups. Ich bin genervt. Merkt man das?^^ „Das Netz“ verändert sich… aber nicht zu seinem Vorteil. Und genau darum habe ich meine paar amazon-Affilate-Links wieder rausgeschmissen und Instagram auf privat gestellt – für den netten Austausch in kleiner Runde. Ich kann und will nicht Teil von etwas sein, was mich so dermaßen nervt. Das versaut mir die Vibes.^^

    1. In meinem Inta Feed gibt es extrem bis gar nicht gesponserte Posts 😉 da ich nach und nach solchen Account entfolge. Auch kann Du die Einstellungen so justieren, dass Dir unbekannte Accounts keine Nachrichten senden können. Ich habe es von Anfang an so.
      Pintarest dagegen erlaubt diese Möglichkeit der Selektion nicht. Man bietet mir dort oft Kooperationen an – also Pintarest selbst – da ich dort 8700 Follower habe. :-)))) Und 3.5 Mio Besucher pro Monat.

      About you gehört zu Otto, dort finde ich oft Schuhe in der Größe die Otto bereits ausverkauft hat. Hinter diese Marketingmaßnahme steckt sicher ganz tolle gechillte Werbeagentur die sich das ordentlich bezahlen lassen hat.

      1. Mit gesponsert meine ich keine Werbeposts des jeweiligen Instagrammers (denen entfolge ich auch). sondern direkt von Instagram(?) gesponserte Posts. Also Menschen, die ich NICHT abonniert habe und die mir trotzdem angezeigt werden. :/

        1. Das sehe ich auch. Mein Kommentar bezieht sich auf Privatnachrichten.😊
          Wobei es da auch eine Lösung gibt, oft genug auf Anzeige verbergen oder melden da nicht relevant klicken. So sind chinesische Modeshops schnell aus meinem Feed verschwunden.

  3. GNTM schaue ich nie mehr, nachdem ich wegen meiner pubertierenden und kreischenden Tochter mal ne ganze Folge ansehen musste. Das ist so grauenhaft. Wie hält man das aus? Bei den „Influencern“ hoffe ich nur inständig, dass diese Freiberufler ausreichend für ihre Rente tun und nicht nur versteckte Werbebotschaften unter dem Mantel der ureigensten unbeeinflussten Meinung kund tun. Da würde ich ja noch lieber wieder die Marlboro Werbung ansehen….

  4. hahahaha!! Köstlich!! Und ist ihr tatsächlich die Hose geplatzt, der Heidi? BABY????? Ich sollte mehr Trash-TV gucken, bin überhaupt nicht informiert. Himmel! Und überhaupt, habe ich das richtig aufgeschnappt: Der Ricardo hat sich selber einen Award verliehen?? Oder wie?

    Danke für den Bericht!

  5. Herrlich geschrieben!
    Ich stamme auch aus der „Die mit der Goldkante“-Generation, wo man dank Tilly noch guten Gewissens seine Hände in Spülmittel baden durfte.
    Den Anfang der Award-Show habe ich noch gesehen, dann aber weggeschaltet, als Heidi Klum ins Bild kam, und wirkte wie eine Germanistik-Lehrerin, die mit der gesamten Oberstufe auf Klassenfahrt geht: „Wart ihr aufgeregt gewesen?“
    Liebe und ungefilterte Grüße!

  6. Sehr schön 👍 Auf den Punkt und dahin wo‘s weh tut.
    Wobei die meisten dieser Bratzen ja eh komplett schmerzfrei zu sein scheinen.

    https://mobil.stern.de/kultur/micky-beisenherz/micky-beisenherz-ueber-enissa-amani–wenn-die-narzissmen-bluehen-8678418.html

    PS: dankeschön für das tolle Gewinnspiel zu Ostern. Ich habe nicht mitgemacht, weil ich meine Wunsch-Schätze (und noch so viel anderes zum Testen 🙈) schon daheim habe
    und freue mich für die Gewinner 😃👍

  7. ich staune über den herrn otto und gratuliere ihm, weil er mit about you ja wohl alles richtig gemacht hat, als er dieses pferchen ins rennen schickte. es ist nicht meine welt, aber otto ist es auch nicht mehr. und so viel medienwirksamkeit hilft dem umsatz ganz sicher.

    die „show“ habe ich leider nicht gesehen 😉

  8. Wunderbar 🙂 Klasse Artikel! Mir gehen die Werbung total auf den Senkel. Solche Shows sehe ich mir garnicht an, vielleicht doch ein Fehler? Für mich ist momentan die Haribo -Werbung, im positiven Sinne ,im Kopf..

  9. 🙂 Cooler Artikel, lieber KK!
    Solche Shows kann ich mir nicht ansehen – ich ertrage das Fremdschämen nicht mehr.
    Liebe Grüße
    Claudia 🙂

    1. 😀😂! Herrlich.. hehe.

      Ich hab mir den Müll nicht angesehen, da bekomme ich Angst, dass sich mein Gehirn verflüssigt..

  10. Ich glaube, mein Gehirn geht auf Standby. Ich lese schon „Heidi Klum kriegt einen Award für ihren Leberfleck“ und wundere mich erst viel später darüber. Tja.

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