LIFESTYLE: EINS AUF DIE ZWÖLF…ODER DER TAG, ALS HEIDI KLUM ENDLICH AUTHENTISCH WURDE

Phhh, eigentlich wollte ich ja nichts mehr zum diesjährigen Modelsuchspiel, auch bekannt als GNTM 2019, schreiben. Doch die Ereignisse überstürzten sich letzten Donnerstag! Um mal im Slang der Teilnehmerinnen zu bleiben: Schrei, Peng, Zack, Kreisch, Aua, Heul! Das Ergebnis waren ein Eisbeutel, viele Tränen, und eine Heidi Klum, die ausnahmsweise nicht ihren Zwilling, den gefühlskalten Arbeitsroboter zum Set in Los Angeles geschickt hatte, sondern sich selbst. Und das war tatsächlich einmal eine gute Idee…

 

 

Sonst berichte ich über Germany´s Next Topmodel ja nur, wenn es dort wieder einmal total crazy zugeht. Da aber in diesem Jahr selbst das berühmt-berüchtigte Umstyling unergiebiger war, als darauf zu warten, dass Boris Becker endlich seine wahre Liebe trifft, gab es keinerlei Veranlassung auch nur noch ein Wort über die Modelversion von „Blinde Kuh“ zu verlieren.

Bis zum letzten Donnerstag. Ein Tag wie ein Donnerschlag.

Es wäre alles so schön gewesen. Zuerst besuchte die Meeedchen das Supermodel, und damit die bereits zweite Leonardo DiCaprio Verflossene, Gisele Bündchen, die ihrem Akzent nach noch dunkle Wurzeln in Usbekistan zu haben scheint und höchstwahrscheinlich gar nicht aus Brasilien stammt. Mit ein paar kalorienarmen Kalenderweisheiten aus dem Jahr 1997 fütterte (haha) sie die angehenden Supermodels, und erntete erstaunte Modelaugen und offene Mannequinmünder.

Wahrscheinlich wunderten sich selbst die hoffnungsvollen Talente über die schlappen Tipps des ehemaligen Topmodels. Kostprobe? „Ihr müsst atmen, wenn ihr Lampenfieber habt!“ Nächste Woche erfahren die Meedchen dann, dass sie schlucken müssen, wenn sie Pizza im Mund haben…oder besser nicht! Und da sag mal einer, die lernen nix in der Klum`schen Modelakademie.

Danach durfte der Teilzeit-Unsympath und Fotograf für alle Fälle Rankin die Modelle (natürlich!) nackt ablichten, und dabei wieder seine Dieter Bohlen Parodie zum Besten geben. Verdächtig sanft wirkte Rankin diesmal allerdings, wohl auch weil kaum modelnde Totalausfälle zu beklagen waren. Nur Konzentrationswunder Joy zeigte sich von ihrer „besten“ Seite.

Also zumindest ihrem Modelpartner, einem süßen Hundewelpen, dem sie die niedlichsten Entenschnabelküsschen zuwarf, während Klum, Rankin und das 100 köpfige Team laut schreiend wenigstens eine kleine Hand voll Modelposen einforderten. Aber wer modelt schon bei GNTM, dachte sich Joy und küsste weiter den Puppy. Hätte sie wenigsten Rankin die Küsschen zugeworfen, es hätte ihre Chancen schlagartig erhöht.

Fun Fact am Rande: Das Nacktshooting war übrigens ein Casting für eine Werbekampagne, geschossen in London von Rankin, für (Achtung!) das Bundesverkehrsministerium. Äh ja…

Zu diesem Zeitpunkt war das weitere Geschehen bereits klar: Üble Kritik, „Du wackelst!“, Rausschmiss droht, Tränen über Tränen. Da noch eine weitere Kandidatin das Klassenziel diesmal kaum erreicht hatte, wackelten zwei, und das war eine üble Konstellation. Oder wie Pro7 sagen würde: Jawoll!

Nach den üblichen Zickereien unter jungen Meedchen kam es zu Handgreiflichkeiten, die bereits ein paar Tage zuvor die bunten Blätter zum kochen brachten. Angestachelt durch verbale Beleidigungen, haute Gina-Lisa Klon Joy einer Kandidatin dermaßen auf die Nuss den Kopf, dass diese ein paar Minuten später mit einem Kühlpack am Scheitel versuchte das Vakuum aufrecht zu erhalten. Wohlgemerkt: Gesehen haben wir das nicht, es gab dazu nur ein lautstarkes Hörspiel und einen schwarzen Bildschirm.

Nun schlug Heidi Klums Stunde!

Sie nahm die Modelanwärterin mit der Beule in den Arm, tröstete sie und versprach Aufklärung und Konsequenzen. Dann ging sie zur Übeltäterin Joy, die leider auch schon in der Vergangenheit nicht durch besondere Feenhaftigkeit aufgefallen war. Doch Klum betonte immer wieder, dass sie das Gute in ihr sehen könne. Joy muss bereits viele Dinge in ihrem jungen Leben erlebt haben, die nicht hätten sein sollen. Sowas macht aus jungen Mädchen harte Brocken, doch man muss Heidi Klum wirklich hoch anrechnen, dass sie in diesem Fall nicht an der Oberfläche blieb.

Natürlich musste Joy die Konsequenzen tragen, sie wurde auf der Stelle aus der Sendung „entlassen“, aber Klum schimpfte nicht, beschuldigte sie nicht, machte ihr keine Vorwürfe. Sie zeigte noch einmal mehr Verständnis, erklärte aber auch (ganz souveräne vierfache Mamma), dass es in einer Gesellschaft Regeln gibt, an die man sich halten müsse.

Geradezu berührend war der Moment, als Klum völlig authentisch erzählte, wie viele Beleidigungen und böse Gerüchte sie ertragen müsse. „Natürlich ist es schlimm, aber man muss darüber stehen und es wegstecken.“ In diesem Fall helfe nur „an sich selbst zu denken“ – und diesmal war die Sendung ganz weit von den Kalendersprüchen entfernt. Es menschelte völlig ungewohnt. Heidi Klum zeigte sich, wohl auch ganz ungeplant, von einer Seite, die wir sonst nie zu sehen bekommen. Leider, denn durch all die Jahre mit Piepsstimme und gedrosseltem Emotionsangebot, traute man ihr sowas kaum zu.

Ein souveräner und menschlicher Auftritt in einer Ausnahmesituation. Das sind die Momente, die keine Werbeagentur, keine Imageberatung der Welt ersinnen kann. Der Moment, wenn man als Zuschauer nach 14 Staffeln GNTM ungespielte Authentizität spürt.

 

 

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(Fotos: Pro7   Keinerlei Sponsoring)

5 Kommentare

  1. Guten Morgen 🙂 !

    Mir ist heute zum ersten Mal aufgefallen, dass sich das GNTM-Logo beim „Schnell-Hinschauen“ mit der Model-Silhouette fast wie „topFmodel“liest, was bei den späteren Aufträgen – Restaurant-Eröffnungen, Möbelhaus-Aktionen, etc. – fast schon passend wäre ;-)( .

    Heidi Klum’s Sendung habe ich noch nie gesehen, die beschriebene Reaktion finde ich nach dem, was man über GNTM sonst so lesen kann, aber echt gut!

    Allen einen guten Start in die Woche, liebe Grüße

    Ursula

  2. Der Tipp von Gisele ist gar nicht mal so blöd (die Formulierung mit den kalorienarmen Kalenderweiseheiten allerdings genial!). Ich habe, eigentlich eher versehentlich, mal in einer Stresssituation auf meine Atmung geachtet… die war ja fast nicht mehr vorhanden. Ich wusste gar nicht, dass man überhaupt so kurz und flach atmen kann und mir war auch nicht bewusst, dass ich den Atem in solchen Situationen sogar gerne mal kurz anhalte. „Einatmen, ausatmen“ ist seither mein SOS-Mantra.^^ Aber gut… ich hätte mir wahrscheinlich auch noch ein paar weniger bekannte Tipps gewünscht. 😉

    Heute Morgen musste ich auch erstmal ein- und ausatmen… nach dem hammergenialen Frühlingssamstag hat es tatsächlich geschneeregnet. Da kann dir schon mal die Luft wegbleiben.^^

  3. Schön geschrieben und total witzige Vergleiche. Immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass du den unterhaltsamsten und abwechslungsreichsten Blog in Deutschland schreibst.

  4. @Ursula : das denke ich auch jedes Mal wenn ich das Logo sehe. Und ich habe mir diese Sendung auch noch nie angeschaut….vielleicht kommt das daher, wenn man so unvoreingenommen auf den Schriftzug schaut.
    LG Tina

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