LIFESTYLE: OHNE PUNKT UND KOMMA – WENN JEMAND QUATSCHT UND QUATSCHT UND QUATSCHT…

Reden ist silber, Schweigen ist Gold. Banal? Eigentlich schon, mag man denken, bis man dann mal auf jemanden trifft, der ohne Punkt und Komma zu reden vermag. Monologisieren ist nicht nur unhöflich, es ermüdet und belastet auch den Zuhörer. Aber was kann man tun, wenn man auf solch eine Quasselstrippe trifft?

Ein denkbar ungünstiges Szenario: Der Partner hat ein unstillbares Mitteilungsbedürfnis, man selber braucht aber gerade dringend ein bisschen Ruhe und Stille. „Halt endlich mal die Fresse!“ ist keine Option, oder? Sagt man das, hat man wahrscheinlich augenblicklich eine beleidigte Leberwurst vor sich stehen, oder gar gleich die Scheidungspapiere. Schluckt man es herunter und heuchelt Interesse, ist das belastend und ermüdend. Womöglich für beide Seiten, denn die „Quasselstrippe“ spürt ja auch irgendwann das Desinteresse und kann es womöglich nicht recht deuten.

Kommunikation ist wichtig, erst recht in einer Partnerschaft. Ebenso wichtig ist aber auch Empathie, die uns eigentlich spüren lassen sollte, wenn unser Gegenüber nun mal nicht so aufnahmefähig ist. Man kann sich auch in etwa vorstellen, welche Themen für unser Gegenüber interessant und welche eher unwichtig sind. Die eher uninteressanten Themen sollte ein vorausschauender Mensch dann knapp und pointiert bereden, einfach dem Gegenüber zuliebe.

Schwierig wird es, wenn man wirklich keinen gemeinsamen Nenner findet, aus welchen Gründen auch immer.

Wenn man sich zum Beispiel am Abend anhören muss, was dieser KK heute wieder geschrieben hat, man den Typen aber lieber zum Mond schießen würde, dann ist jeder Satz zu viel. Ähnliches gilt für die Darmbefindlichkeiten der ungeliebten Schwiegermutter, oder die neue Freundin des Vaters der Aerobictrainerin. Manchmal kann man den Redeattacken nicht entrinnen, wie zum Beispiel beim Spazierengehen, im Auto oder morgens im Badezimmer.

Wenn also aus einem Dialog ein ständiger Monolog geworden ist, man seine Partnerschaft aber nicht in Frage stellt, dann ist Arbeit angesagt.

Ziel ist es, dass Gespräche wieder mit angenehmen Gefühlen besetzt sind. In einer ruhigen Stunde sollte man sein Problem unaufgeregt vortragen. Anklagen und Beklagen helfen nicht, lieber über seinen Schatten springen und die Gefühle artikulieren, die man bei den Redetsunamis so hat. Wünsche kann man formulieren, aber immer auch beidseitig.

Egal ob genervt oder nicht, Zeiten der Stille müssen möglich sein, und sie können auch vereinbart werden. Ebenso kann man Zeiten zum Reden ausmachen. Beim besagten Spaziergang, zu einer Zeit, die beide mögen (zB. nicht gleich am frühen Morgen)… Dabei werden die Redeanteile bewusst gemacht, jeder soll zu Wort kommen.

Punkt und Komma sind wichtig. Sie geben der Rede Kontur und sie ermöglichen kleine Pausen für interessierte Zwischenfragen.

Übrigens ist Schweigen nicht peinlich. Manchmal reden Menschen nur viel, weil sie die Stille nicht ertragen können. Dabei kann ein stiller gemeinsamer Spaziergang geradezu meditativ sein. Durch Berührungen und ein freundlicher Blick zwischendurch spürt man den Anderen.

Beide Seiten sollten aber auch deutlich zeigen, welche Themen ihnen wichtig sind, und welche nicht unbedingt interessieren. Rückmeldungen, die konstruktiv ablehnend sind, wird man nicht übel nehmen. Interesse signalisiert man dagegen immer leicht durch Nachfragen. Zum Beispiel: „Ich kenne diesen KK nicht, lass uns doch lieber darüber reden, was wir am Wochenende machen wollen.“ oder aber „Ach, ist das neue Pflegeprodukt denn so gut? Vielleicht wünscht du dir das zum Geburtstag?“

Beide Seiten müssen jedenfalls erkennen, dass Kommunikation, auch die nonverbale, wichtig ist. Unaufgeregte Ehrlichkeit tut gut, und ist leicht zu schaffen, wenn man sie früh genug einsetzt. Reagiert man nur noch mit verschränkten Armen und verdrehten Augen, sendet man hingegen aggressive Signale, die zu weiterer Verunsicherung führen. Wie immer im Leben: Offenheit bringt uns meist weiter.

 

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(Foto: Pixabay   Dieser Text soll weder anleiten noch heilen, sondern ist ein allgemeiner Vorschlag für einfache Verhaltensweisen, die für weitere Impulse und Anregungen sorgen sollen. Bei ernsthaften Problemen mit der Psyche und Partnerschaft, sollte man sich immer an Fachleute wenden, denen man vertraut. Das ist zu Anfang wohl meist die Hausärztin/ der Hausarzt, hier können weitere Entscheidungen getroffen werden. Keinerlei Sponsoring.)

 

 

29 Kommentare

  1. Oha, eine Kollegin von mir ist eine Quasselstrippe. Sie kennt kein Pardon.
    Nach einem klärenden Gespräch ist es nun viel besser geworden. In einem Büro muss das Klima stimmen, ähnlich wie in einer Partnerschaft.
    Gutes Thema!!

  2. Kenne ich, meine Frau erzählt mir alles über ihre Freundinnen. Alles!
    Bis wir mal darüber gesprochen haben. Dafür erzähle ich ihr micht was im Baumarkt wieder los war. 😂

    1. Oh. Hoffentlich wissen die Freundinnen das wenn sie sich ihr anvertrauen. 🙈Ich dachte nämlich, dass mein Gespräch mit meinem Frauenarzt den Mann meiner Freundinnnun wirklich nichts angeht. Sie sah das anders. Wie so oft. Freundschaft beendet.
      Wenn ich wollte das ihr Mann ALLES über mich erfährt, hatte ich auch ihn „mein bester Kumpel“ genannt und es doch persönlich getan.

      1. Ich muss gerade lachen – stimmt, oder man macht aus den Thema gleich selbst ein Rundschreiben ;-)) ..!

        Besonders lustig finde ich in dem Zusammenhang, dass manche „extrem Vertrauliches“ (wobei ich ja nicht verstehe, warum man dann überhaupt damit anfängt, darüber zu reden) mit genau diesem „Das darfst Du aber wirklich niemandem erzählen“ weitergegeben wird, wie bei einem Staffel-Lauf .. und am Ende, wenn dann ALLE Bescheid wissen über dieses vertrauliche Thema, will’s keine(r) gewesen sein 🙂 …!

  3. Ich habe mal einen neuen Kollegen bekommen, mit dem ich auch das Büro geteilt habe.
    Nach 3 Tagen wollte ich kündigen.
    Jegliche Hinweise auf Arbeit oder Konzentration, Versuche, ihm etwas über den Job zu erklären, direkte Ansprachen, nichts konnte ihn aufhalten.
    Nach einer Woche habe ich kein einziges Wort mehr gesagt, er hat trotzdem weiter ohne Unterbrechung durchgelabert.
    Ich kenne nicht nur seine Lebensgeschichte sondern auch die seiner Familie und Freunde, inklusive detaillierter Krankheitsbeschreibungen, ihrer finanziellen Lage, und absolut allem anderen was man sonst so nicht wissen möchte.

  4. Alles… Nur nicht: runterschlucken.
    Eine Beziehung, in der ich glaube, ich müsse das, damit alles „ok“ bleibt, könnte ich nicht mehr leben. Selbst dafür zu sorgen, dass man bekommt, was man braucht, finde ich in einer guten Beziehung sogar elementar. Stille z.B. „Ich kann jetzt gerade nicht aufnehmen, was Du mir erzählst, weil ich dringend Ruhe brauche.“ Und wenn mein Gegenüber das als Kränkung versteht, hat er ein Problem, um das e r sich kümmern muss.

    Ich mach es mir aber auch leichter –: Zusammenleben kommt für mich nicht mehr in Frage.

  5. Bei mir reden ohne Punkt und Komma Menschen die sonst sehr schweigsam sind. Lustig. 😁Mein Ex war bekannt als stiller, introvertierter Mensch. So kannte ich ihn gar nicht. Als jemand der schon lange alleine wohnt, sind die Urlaube und 24/7 zusammen schon eine Veränderung. Wenn es mir zu viel wird umarme ich den Lieblingsmensch und sage – jetzt schweigen wir eine Weile, ok? 😁
    Was ich schlimmer finde ist wenn ein Freund oder Freundin immer wieder eine lange Geschichte mit allen Details erzählen. Ich signalisiere diese bereits gehört zu haben. Hab ich dir das wirklich bereits erzählt? Kann mich gar nicht erinnern. Also dann hat er zu mir gesagt…🤪😁.

  6. Haha, ich muss gerade ein wenig schmunzeln. Wenn ich meinem Mann mal wieder erzähle, dass ich dieses oder jenes Produkt gut finde und ihn mit Pflegeinformationen quäle, dann interessiert es ihn gleich null. Leider bin ich morgens schon recht wach und redselig, er aber nicht 😉
    Stille nicht ertragen können finde ich interessant. Das trifft bei mir schon zu. In der Mittagsrunde zB bin ich schon jemand, der gerne erzählt. Ab und zu nervt mich das schon selber und ich nehme mir vor, dass ich auch mal die Klappe halten möchte. Aber so recht klappen will das nicht. Ich musste mir dann auch schon anhören, ob ich schlecht drauf bin, weil ich ja nicht viel sage 🙄

    Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich zu deinem runden Geburtstag 🥳 bin nächstes Jahr dran und sehe dem bislang entspannt entgegen 😊 LG Andrea

  7. Ich finde, zur Zweisamkeit muss man erst mal alleine sein können. Und man muss schweigen können. Das Schweigen kann auch sehr beredt sein. Man muss nicht immer etwas sagen, der Andere spürt es ja oftmals.

    1. Das finde ich auch, Cara. Wenn niemand mehr in eine (Liebes)Beziehung rutschen würde, nur um bloß nicht allein zu sein und seine eigenen emotionalen Löcher nicht zu fühlen, die der andere bitte mit wohlig-weicher Watte ausstopfen soll — wäre für alle viel gewonnen. Sich selbst still auszuhalten, ist schon eine Nummer.

      Wie bringt man das jemandem bei, der sich so sehr davor fürchtet…?

      1. Das kann man nicht „beibringen“, das muss derjenige selbst wollen. Ich könnte immer gut mit mir allein sein – bis zur Trennung von meinem Ex-Mann. Das muss man lernen. Ist unangenehm. Kann weh tun. Weil man sich selbst verstärkt und neu begegnet, weil man sich selbst aushalten und ggf. an sich arbeiten muss. Ich bin jetzt seit 3 Jahren allein und werde es auch noch eine Weile bleiben. Weil ich die Zeit für mich brauche um Dinge durchzuziehen, ohne dass ich Ablenkung oder Einmischung erfahre.

  8. Hallo lieber KK, machst Du heimlich noch im Stern ein Kolumne 🙂

    https://www.stern.de/familie/beziehung/julia-peirano/j–peirano–meine-frau-quatscht-ohne-punkt-und-komma—dabei-will-ich-nur-ruhe-855506.html

    Ich frage mich bei so was immer, wieso merkt man das denn nicht früher ? Im besagten Fall wird die Partnerin doch nicht auf einmal von der stillen Weggefährtin zur dauerquatschenden Nervensäge mutiert sein? War der Herr betriebsblind, weil andere Eigenschaften so im Vordergrund standen, dass der kritische Verstand ausgehebelt wurde?
    Klar, wenn man älter wird, dann versteht man, dass man sich eben keine Prinzessin oder Prinzen kaufen kann sondern mit realen Menschen zu tun hat, mit allen Ecken und Kanten. Und ist ja auch erstaunlich, was man nach Jahren der Partnerschaft noch für Überraschungen erleben kann. Aber bei etwas so fundamentalem wie Kommunikation geht es mir einfach nicht in den Kopf, dass man sich das nicht von Anfang an überlegt, ob es passt. Vielleicht hat Thorlane da einfach recht, wenn sie schreibt „Beziehung, nur um nicht alleine zu sein“.

    Ich definiere Partnerschaft ja immer als Kuchenplatte… der ideale Kuchen ist vollständig, schmeckt, sieht gut aus und macht auch noch Lust auf mehr, wenn man schon zwei Stückchen gegessen hat.. aber solche Kuchen gibt es halt praktisch nicht, auf der partnerschaftlichen Kuchenplatte fehlen eben ein paar Stücke, ein paar sind nicht so gelungen, manche Kirsche verrutscht.. und trotzdem schmeckt mir der Kuchen. Und jeder definiert für sich, wie der Kuchen beschaffen sein muss und wieviele Stücke auf der Platte sein sollen damit es passt.
    Aber im Fall des ratsuchenden Mannes denke ich mir „Marmorkuchen bekommen und Erdbeertorte gewollt..“ – aber wieso stellt der das so spät fest? Und was ist sein Beitrag zu der Sache? Zum Tangotanzen gehören ja, wie man so schön sagt, immer zwei.

    Viele Grüße
    Roland

    P.s. Ich glaube im Buch „Diese Zitrone hat noch viel Saft“ von Lotti Huber gibt es das kurze aber so wahre Gedicht (weiß nicht mehr ganz genau, ob ich es zusammenbringe, aber so in der Art:) „Bist Du verliebt, verzaubert – merk‘s Dir! Über lang oder kurz läßt jeder Prinz einen Furz“ (gilt auf für Prinzessinnen).😀

    1. Lieber Roland, danke, das Du auf Lotti Huber aufmerksam gemacht hast! Ganz außergewöhnliche Frau (hatte sie vor -zig Jahren mal in einer Diskussionsrunde rund um das Thema des damaligen Bestsellers „Mann bist Du gut“ erlebt, mit dem Verfasser desselben, Herrn Bürger, einer wenig entspannten Gerti Senger (Paar- und Sexualtherapeutin), sowie einem großartigen und kongenialen Georg Danzer (was für ein kluger und feiner Kopf, er fehlt) – köstlich 🙂 !

      1. Liebe Ursula,

        Lotti Huber habe ich nur ab und an im Fernsehen gesehen, war immer sehr beeindruckt von ihrem wachen und klugen Geist. Umgehauen haben mich ihre Lebenserinnerungen in o.g. Buch. Das KZ überlebt, ausgewandert, diverse Liebschaften und Berufe, immer wieder Veränderungen und den unbändigen Willen nach Leben. Beeindruckend! Ich hab das Buch früher gerne Bekannten geschenkt, die in ihrer Wohlfühl- und Wohlstandsblase so unerträglich jammerig wurden. So Leute kennt irgendwie jeder. Eigentlich alles gut, aber…
        Und an „Mann, bist Du gut“ erinnere ich mich auch noch. Hat der Autor später nicht behauptet, es sei alles nur reine Provokation gewesen? Keine Ahnung, ob das stimmt, ich fand es nur strunzdumm. Aber da gab es ja auch so Sendungen wie (hieß das so?) „Der heiße Stuhl“…

    2. Gute Frage. Evtl. ist man anfangs auf Wolke sieben, weil verliebt, Glückshormone und so, weil die Optik passt und weil man es Leid ist alleine zu sein. Ich für meinen Teil stelle nach einem Gespräch fest ob es passen wird oder nicht. Viele halten das für sehr drastisch. Ich habe mich bislang noch nicht getäuscht, manch ein leid ist uns eher beiden erspart geblieben.
      Meine gute Freundin braucht dafür Monate, weil sie konsequent und diszipliniert ihren totsicheren Bauchgefühl ignoriert!

      1. Da bekommt das Theme „Speedating“ bei Dir ja eine ganz neue Dimension, liebe Ombia 🙂

        Ich glaub es liegt auch daran: wir haben ein Wunschbild vom Partner im Kopf und ignorieren, dass Realität und Bild nicht so gut zusammenpassen. Zumindest in der ersten Phase will ja keiner wissen, dass das Gegenüber auch mal in der Nase bohrt (oder: ich sage nur Poo-Pourri!).
        Einem guten Freund von mir ist übrigens mal passiert, dass er eine „Quasseltante“ total faszinierend fand, nachdem seine vorherige Holde eher sehr still war. Jedenfalls war die neue sehr lebendig und mitteilsam, aber nach drei Monaten ist etwas merwürdiges passiert: nachdem sie praktisch ohne Punkt und Komma wirklich äußerst amüsant und geistreich war, hat sie ihm mitgeteilt, es gebe jetzt nichts mehr zu reden, weil sie alles gesagt habe, was in ihrem Kopf vor sich geht. Kein Witz! Er hat das nicht glauben können, aber nach weiteren Wochen hat er wirklich festgestellt. Dem anfänglichen Tsunami an Worten folgte anhaltende Ebbe.. Sachen gibts!😬

        1. Ha,ha,ha.
          Ne, jetzt aber wirklich.
          Ob ich jemanden riechen kann oder nicht, das weißt man sofort. Alles andere ist schönreden.
          Ich habe in der Tat einigen benefit of the doubt geschenkt. Ne, es war danach immer noch der gleiche Eindruck.
          Tolle Geschichte!

  9. Ich habe eine Freundin, die eine fürchterliche Quasselstrippe ist. Nach einem „Wellnesswochenende“ mit ihr hätte ich Urlaub gebraucht. Sie redete schon früh morgens, beim Wandern im Wald, auf einer Hütte mit atemberaubender Aussicht, in der Sauna ohne Punkt und Komma…sie hat keinen Hinweis bemerkt (ach diese Ruhe, diese Stille, hör doch mal)
    Ich wollte nicht unhöflich sein und bin nicht direkter geworden aber im Nachhinein finde ich, dass ich zu höflich war.
    Jetzt möchte sie wieder mit mir so ein Wochenende verbringen und ich grusele mich richtiggehend davor aber es ist vielleicht auch eine gute Gelegenheit ihr dann zu sagen, dass ich zwischendurch auch mal Ruhe brauche.

    Liebe Grüße
    Nicola

    1. Liebe Nicola,

      ich habe da sehr gute Erfahrungen gemacht mit u.a. den Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation, die in etwa darauf beruhen, dass man die Befürfnisse des Gegenübers erstmal wahrnimmt und respektiert, gleichzeitig aber auch eine Art „Realitätscheck“ durchführt. Übersetzt heißt das z.B. für mich in so einer Situation wie Du sie erlebst, dass ich dann z.B. sage „ich merke schon, Du bist heute ganz schön mitteilsam und ich finde das auch sehr anregend, weil Du oft so interessante Sachen bringst, aber sei mir bitte nicht böse, wenn ich Dir jetzt sage, dass ich gerade gerne einfach mal die Ruhe/die schöne Aussicht/was auch immer genießen mag.“ – das ist zwar deutlich komplizierter als einfach zu sagen „jetzt mach doch mal die Klappe zu“, aber für mich zielführender. Ich habe dann den Eindruck, mein Gegenüber hält das besser aus. Man muss aber „echt“ bleiben, der andere ist ja nicht doof!

      1. Lieber Roland, ich habe dein Beispiel aus der gewaltfreien Kommunikation gerade auf mich wirken lassen und ehrlich? Es wirkt auf mich ebenso wie „Halt jetzt mal die Klappe“ – nur eben sehr viel hübscher verpackt. 😉

        Die gewaltfreie Kommunikation finde ich allerdings spannend (oder eher: entspannend?^^) und habe auch ein entsprechendes Buch hier zu liegen. Aber letzendlich bin und bleibe ich ein Freund klarer Worte. Und wenn ich (m)eine Ruhepause – oder was auch immer – haben möchte, dann sage ich das genau so. Sei mir nicht böse/nimm’s mir nicht übel, aber ich brauche jetzt gerade mal [XYZ], um „wieder runterzukommen/kurz aufzutanken“… was auch immer eben nötig ist. Im Gegenzug ist es mir auch lieber, wenn jemand klar und deutlich seine Bedürfnisse äußerst, anstatt versteckt zu agieren oder darauf zu hoffen, dass ich plötzlich hellsehen kann. Wer redet, dem kann geholfen werden und letztendlich macht auch immer der Ton der Musik. Oder die Umarmung von OmbiaOmbia – finde ich eine tolle Idee, das so zu lösen. 😉

        1. Hallo liebe Anna,

          in der Kürze eine solchen Beitrags von mir oben ist es nicht so ganz leicht, das ausführlich zu erläutern – wir liegen da gar nicht auseinander in unserer Sicht.
          Du hast recht, im Endeffekt heißt es nichts anderes, aber wie immer macht der Ton die Musik. Die Idee dahinter ist, dass die eigene Position vom Gegenüber viel leichter ausgehalten wird, wenn der/die merkt, ok, ich bin wahrgenommen worden. Ich finde nicht, dass das ein rumeiern ist oder dass es an Klarheit mangelt, wenn ich sage „ich sehe durchaus, was Du gerade für ein Bedürfnis hast, aber ich muss/möchte das jetzt nicht erfüllen“. Das ist das genaue Gegenteil von „Du musst jetzt spüren, dass ich Deine Bedürfnisse nicht erfülle“.

          Gewaltfreie Kommunikation ist ganz eindeutig klare Kommunikation, das darf man nicht verwechseln. Ich habe es ja oft auch mit ziemlich gestörten Menschen im Job zu tun, wenn ich denen einfach sage „so geht es nicht“ ist die Reaktion eine völlig andere als wenn ich sage „ok, ich merke, Sie sind total wütend/es geht Ihnen schlecht/Sie sind ganz aufgeregt aber trotzdem gibt es ein paar Regeln wie: Sie schreien mich nicht an, wir gehen höflich miteinander um, ansonsten verlasse ich jetzt das Gespräch“ – die Botschaft ist in der Quintessenz die gleiche, nämlich: so nicht! Aber meine Erfahrung ist, dass es eben leichter vom Gegenüber auszuhalten ist, wenn da ankommt: mir wird jetzt nicht gesagt, ich bin doof/hysterisch/dysfunktional/Deine Bedürfnisse zählen nicht sondern ich spüre, ich werde gesehen.

          Ich finde z.B. die Umarmung ggf. überhaupt keine gute Idee, weil ich mir in diesem Moment nicht ernst genommen fühlen würde – ich will quatschen, warum werde ich jetzt in den Arm genommen? Das funktioniert gut, wenn man eine Ebene der Kommunikation miteinander entwickelt hat, in denen diese nonverbalen Botschaften gemeinsam interpretiert werden. Falls das nicht der Fall ist, kann es sehr viel Missverständnis auslösen.

          Viele Grüße
          Roland

          1. Lieber Roland, das stimmt. Wir liegen da tatsächlich nicht weit auseinander. 😉 Und wenn ich deinen Kommentar Nr. 2 lese, wird mir bewusst, warum ich mich nicht mehr in diversen Internet-Foren rumtreibe. Da herrscht meines Empfindens nach nämlich genau das Gegenteil von gewaltfreier Kommunikation… immer feste druff.

            @Umarmung: Vergaß ich zu erwähnen: Die kann und darf nur speziellen und sehr nahestehenden Menschen vorbehalten bleiben, auf so ein Eindringen in meine pers. Distanzzone (ist sehr groß^^) würde ich auch mehr als empfindlich reagieren.

            Wie auch immer, ich werde mir das Buch mal wieder aus dem Regal ziehen. Danke für den Reminder. 😉

            LG Anna

      2. Moin Roland,
        das werde ich versuchen. Ich mag sie gern, sie ist ja eine gute Freundin. Es ist halt manchmal etwas zu viel Text.
        Liebe Grüße

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