FILMTIPP: EIN FILM, DER DEMUT LEHRT * HUMAN – DIE MENSCHHEIT

Ich möchte euch heute einen Dokumentarfilm von 2015 ans Herz legen, den man derzeit kostenlos über Amazon Prime oder kostenpflichtig über YouTube schauen kann. Zugegeben: Der Film ist lang, und es gibt keine Action, aber er ist atemberaubend und rührend. Er ist zutiefst beglückend. Wer schon immer überlegt hat, was uns Menschen auf dieser Welt im Innersten verbindet, wird es hier erfahren und spüren: Es sind Freude, Hoffnung und die Liebe…

Ich lag mit meiner Schnupfennase am letzten Sonntag auf der Couch und stöberte in verschiedensten Amazon Prime Filmen. Auf einen typischen Blockbuster hatte ich keine Lust, lieber etwas „Echtes“. Bei „Human – Die Menschheit“ von Yann Arthus-Bertrand (2015) blieb ich länger, das Thema interessierte mich. Aber oh je, der Film ist lang, sehr lang! Egal, man kann ja langweilige Teile überspringen.

So dachte ich.

Nach 2 Stunden und 23 Minuten saß ich aufgelöst auf dem Sofa und war berührt, erschüttert, aufgewühlt, traurig, glücklich… Und auf irgendeine Art zufrieden. Zufrieden und erhellt. Wir sind alle Menschen und uns trennt eigentlich nur so wenig, wenn man das große Ganze sieht. Der Film zeigt „das Ganze“ indem er Menschen aus allen Teilen unserer Welt zu Wort kommen lässt. Ungefiltert, ungeschönt, im Originalton, nur mit Untertiteln. Keine „leichte Kost“, eher mit vielen Ballaststoffen versehen. Nicht zum nebenbei Konsum, der Film fordert Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung, denn man erfährt auch Grausames!

Und was all diese Menschen zu erzählen haben, geht uns alle an. Es geht um Nöte, Trauer, existenzielle Ängste, um das blanke Überleben. Aber auch um Glück, Freude, Dankbarkeit und Liebe.

Wie oft sehen wir kleine flüchtige Ausschnitte aus fernen Ländern und denken oberflächliche Sachen wie: „Die leben ja im Dreck“, oder „Haben die es schlecht, die Ärmsten“. Man überlegt womöglich: „Die müssen als Bettler leben, die können und wissen ja nichts“, oder „In diesen Teil der Welt kriegen mich keine zehn Pferde“ Wir stellen uns vor, wie unglücklich die Menschen dort sind, wie grausam die Lebensbedingungen sein können. Aber uns ist das Unglücklichsein doch auch nicht fremd? Und wir können in ebenso grausamen Umständen leben.

Gibt es das Leben in all seinen Facetten nur in Wohlstand, an Traumstränden, in den Hochhäuserschluchten einer Weltstadt oder wenn man satt ist?

 

Human zeigt monumentale Bilder unserer Welt und vermengt diese mit den leisen, persönlichen Interviews der Menschen unserer Erde. Die Bilder sind teilweise opulent, die Menschen bunt gemischt, mehr geht kaum. Ein herrliches Mosaik dieser Erde entsteht im Kopf der Zuschauer, so intensiv, wie es uns sonst kaum möglich ist zu erfahren.

Die Intimität des Films erschlägt einen fast, bedrückt, zwingt in die Knie und lässt Tränen fließen. Und dann kommen diese Momente des Glücks! Wir würden es in unserer Großspurigkeit das „kleine Glück“ nennen, dabei ist es das einzig große Glück. Wenn Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Rasse, ihres Bankkontos (wenn sie überhaupt wissen was das ist) Glück empfinden, dann ist das ungefiltert und mitreißend. Das kleine Glück kann von Nahem betrachtet das einzig große Glück sein.

 

Wenn man all das auf sich wirken lässt, bekommt man eine Ahnung von der Bedeutungslosigkeit unseres Seins. Und trotzdem sieht man klar und deutlich, wie bedeutend jedes einzelne Leben auf diesem Planeten ist, möge es aus der Ferne auch noch so verschwindend klein aussehen. Ohne Zeigefinger zeigt der Film wie Verbunden wir alle miteinander sind, so fremd wir uns auch manchmal fühlen mögen. Das Unbekannte bekommt hier ein Gesicht. Ganz wunderschöne Menschen mit Gesichtszügen, die so unendlich viel erzählen, zusätzlich zu den Worten ihrer Besitzer.

Wir erfahren nie die Namen der Menschen, nie die Herkunft, alle werden vor dem gleichen neutralen Hintergrund gefilmt, das intensiviert die Nähe zu diesen Menschen, die uns doch eigentlich so fern sind. Untermalt wird der Film von einem atemberaubenden Ethno-Soundtrack, der in mir das Gefühl eines über die unendlich weite und trockene Wüste fliegenden Adlers erzeugte.

Das hat mich dermaßen gefesselt, dass ich nicht aufhören konnte zu schauen. Zu schwelgen in der Bilderflut, in den unwahrscheinlich weisen Worten der ärmsten Menschen dieser Erde, und in den Erkenntnissen der privilegierten Menschen, wie zB. aus unserem Kulturkreis, die durch ganz andere Sorgen, Nöte, Abgründe und Erfahrungen einzigartige Schicksale besitzen, die einen genauso, nur anders, sprachlos machen können.

Menschen können wunderbar sein, sie können furchtbar sein, aber auch wenn man es nicht sehen will, wir sind alle Menschen. Und was uns eint, ist die Sehnsucht danach geliebt zu werden, zu lieben und unser kleines Glück zum ganz großen werden zu lassen.

Dieser Film ist ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, das man mit Sicherheit so schnell nicht wieder vergessen wird. Für mich bleibt für immer der Satz einer alten Frau im Gedächtnis: „Wenn ich vor dem Tod glücklich bin, werde ich es auch danach sein.“ ♥

 

HUMAN – DIE MENSCHHEIT  Derzeit kostenlos bei Amazon Prime, oder über YouTube (hier nur der Trailer).

 

 

 

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(Fotos: Polyband    Keinerlei Sponsoring)

 

 

13 Kommentare

  1. Guten Morgen Dir,
    vielen vielen Dank für diese wunderbare und berührende Beschreibung zu diesem Film, den ich ich mir gern merke und bei Gelegenheit ansehen will…diese Zeit nehme ich mir.
    Liebe grüße und einen tollen Dienstag,
    Sylvie

  2. Guten Morgen,

    danke für die Empfehlung.

    Spontan haben mich Deine beschriebenen Eindrücke und Emfpindungen an mein Erlebnis erinnert, als ich den Film Baraka gesehen habe.

    Spannend übrigens, das José Mujica interviewt wurde.

  3. Danke dir für den Filmtipp bzw. für den Reminder! Ich hatte schon mal über den Film gelesen, leider geriet er irgendwie in Vergessenheit. Ebenso wie diese Ausstellung: https://www.brahman.de/ (unbedingt den Ton auf laut stellen, wenn du die Seite aufrufst, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut^^). Diese Gesichter in „Brahman“ finde ich auf den ersten und zweiten Blick sehr viel faszinierender als diese zweifelsohne wunderschön anzuschauenenden Gesichter, die laut Medien/Social Media als attraktiv gelten. Was natürlich nicht heißt, dass die Menschen mit den wunderschönen Gesichtern nicht auch spannende Geschichten zu erzählen haben… kaum zu fassen, wie oberflächlich ich doch bin. 😉

    1. Wenn viel Geld zu Teilen auch zu vernünftigen Dingen verwendet wird, dann bin ich immer sehr dafür. Ich habe nur die Befürchtung, dass die Genannte wohl nicht mehr viel davon wusste.
      Ich hätte sie allerdings auch geheiratet! Ohne Ehevertrag natürlich. 😉

  4. Danke für den Filmtipp! Mir kommen schon beim Trailer die Tränen …. für den Film bewaffne ich mich besser mit einem ordentlichen Taschentuchvorrat.

  5. Eine Ermutigung, den Blick zu weiten… und weiter… und weiter… und weiter. Über den Tellerrand, über den Tischrand, über den Hausrand, über den Landrand, über den Kontinentrand. Der letzte Film, der mich in dieser Hinsicht so stark beeindruckt und berührt hat, war: ‚Vivan Las Antipodas‘, er war bisher zweimal auf arte zu sehen. Er taucht in den Alltag und das Lebensgefühl von Menschen ein, die sich auf der Erde ganz genau gegenüberliegen… mit sehr intensiven Bildern.

  6. Bin durch Deinen Artikel auf den Film aufmerksam geworden und habe ihn mir gestern angesehen. Ein wirklich beeindruckender Film mit tollen Aufnahmen. Die vielen unterschiedlichen Menschen haben mich sehr berührt, und haben gezeigt, wie gleich die Menschen doch sind mit ihren Freuden, Ängsten und dem Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen. Danke für den guten Tipp.

    LIebe Grüße, Silke

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