LIFESTYLE: WIE GEHT ES DER MODE EIGENTLICH SO?

Ich habe hier ja schon öfter von meiner lieben Freundin Pepsi erzählt, die als internationale Make-up Artistin auf wirklich allen relevanten Fashion Shows der Welt arbeitet. Sie lebt in New York und ist dadurch immer am Puls der Zeit. Ich habe sie einmal befragt, was eigentlich gerade so in der Modeszene los ist, was tatsächlich weltweit angesagt ist. Sie hat recht schonungslos geantwortet…

 

Ich interessiere mich zwar für Mode, aber für einen Modeblog würde es niemals reichen. Das ist mir dann doch zu unwichtig. Modetrends gehen oftmals an mir vorbei, weil ich ganz einfach denke, dass Mode dazu da ist mich besser aussehen zu lassen. Nur um eines Hypes Willen trage ich keine Sachen, die mich eher lächerlich aussehen lassen könnten. Bestes Beispiel derzeit: Ugly Sneakers.

Ja, die klobigen Biester, die aussehen als ermöglichten sie einen Spaziergang am Meeresgrund, ohne wieder zur Oberfläche zu treiben, sind doch immer noch angesagt. Derzeit reizt Gucci die Fashion Crowd mit ständig ausverkauften Tretern, die an Hässlichkeit kaum zu überbieten sind, die aber auch einen Preis aufrufen, von dem eine 4 köpfige Familie einen Monat lang satt werden könnte. Es sind sage und schreibe knapp 1400 US Dollar….Ooops.

 

Doch laut Pepsi ist dieser hässliche Schuhtrend nicht allein. Es war schon immer so, dass die Fashionista von Welt Klamotten trug, die auffallen sollten, nicht aber unbedingt gut aussehen. Dieser gefällige Style ist Playboymodels und Dorffest Schönheiten vorbehalten. Die Avantgarde trägt Dinge, die die kritische Grenze zum Hässlichen überschreiten müssen. Müssen? Ja, denn die Fashion Crowd, also der nicht ganz so professionelle Anhang der Szene, die Blogger, Influencer, Streetstylisten, usw. sind mittlerweile marketingtechnisch für eine Modefirma wichtiger als die Modedesigner selbst oder Modejournalisten.

Im Marketing eines Lifestyleunternehmens sind Social Media, Klicks, Reposts und Reichweite bares Geld. Viel Geld, denn Fashion ist, trotz aller Unkenrufe, wohl immer noch ein gutes Geschäft. Und wie generiere ich Reichweite? Auffallen um jeden Preis!

Dabei schleichen sich heimlich still und leise in unseren Gehirnen Looks ein, die wir bald als gar nicht mehr so absurd wahrnehmen. Oft genug gesehen…bis wir es selbst toll finden. Es funktioniert öfter als wir denken. Das Ende vom Lied: Eines Tages liegen die Kopien der scheinbar modernen Plörren bei KIK in der Auslage.

Aber die Modeunternehmen sortieren sich derzeit auch auffällig neu. Wie ich hörte, hat zB. Michael Kors die Schuhmarke Jimmy Choo und den ewigen BlingBling-Klassiker Versace aufgekauft – für rund 2 Milliarden Dollar! Damit hat Kors sogar LVMH ausgestochen, die ebenfalls ein Auge auf das Neo-barocke Modehaus geworfen hatten. Dönerteller Donatella Versace bleibt dem Modeunternehmen aber weiterhin erhalten.

 

Deutsche Mode ist übrigens derzeit fast schon vergessen. Zumindest wenn es um die „große weite Welt“ geht. Nach Jil Sander und Karl Lagerfeld (wenn man ihn denn als deutschen Designer führen möchte) kommt wohl hauptsächlich noch Philipp Plein in den Sinn, der allerdings nur für seine Großkotzmode bekannt geworden ist, die besonders heftig den russischen Geschmack streichelt. Pepsi sagte ganz klar, dass High-Fashion aus Deutschland nur noch eine unwichtige Nebenrolle spielt. Fashion-forward ist also anders, schade eigentlich, da kann die Berlin Fashion Week noch so mantraartig einen Re-Start der deutschen Modeszene beschwören.

 

 

Pepsi erzählte mir aber auch, was sich bei den letztens Shows in London und Paris an Fashion Must-haves herauskristallisiert hat. Hier einmal, was ich so aufschnappen konnte:

Rap und Fashion sind unzertrennlich miteinander verbunden. Was früher peinlich war, gilt heute als Ritterschlag für ein Modeunternehmen. US Rapper werden hofiert und ausgestattet, und wenn sie das dann auch tragen, ist die Kollektion ein weltweiter Verkaufsschlager. Hmmm, also bis zu mir ist dieser Trend aber wohl noch nicht durchgedrungen. Ich stelle mir gerade vor, wie ich in einem Klamottenladen die Jacke von Bushido anprobiere. Himmel!

Pepsi meinte auch, dass Sonnenbrillen wieder da seien. Das ist typisch „Modesprech“, denn die schützenden Gläser vor den Augen waren doch NIE weg. So erfindet sich die Modebranche halt immer wieder selbst neu, indem sie alten Wein in neuen Schläuchen verkauft. War auch schon immer so, nur ab einem gewissen Alter fällt es dann selbst den größten Ignoranten auf. Diesmal also: Pinke Gläser! Must-have 2019! Also dran denken: PINK! Brrrr….

Fetteste Markenlogos sind mehr denn je klar angesagt. Je auffälliger, desto besser, und das am besten als Ganzkörperoutfit. Ha, da wären wir ja auch wieder bei der verhängnisvollen Liaison zwischen Rappern und High-Fashion. Zumindest ganz pfiffig, denn DIESEN Trend können H&M und Zara nicht kopieren. Und wer als wandelnde Litfasssäule herumlaufen möchte, braucht sich wenigsten keine Gedanken um guten Geschmack machen, denn der ist in unserer Zeit eh relativ.

 

Kaum weg und schon wieder da: Neonaccessoires. Ausserhalb von Sportanlagen machen Neonsachen ja immer eher einen billigen Eindruck. Aber wer schon öffentlich dünne Schlübber von Fendi trägt, hat sicher keine Angst davor billig zu wirken. Beim Sport mag ich ja die auffälligen Knallfarben, am besten kombiniert zur schwarzen Grundausstattung. Aber auf der Flaniermeile? Acid-Orange, Salpetersäure-Senfgelb und Strychnin-Blau werden sich also demnächst wieder öfter in unseren Blick ätzen. Ach, ich freu mich schon so.

In meinen Augen völlig absurd: Anglerhüte. Anglerhüte! Wer kommt nur auf sowas? Was hat dieser (wahrscheinlich) Rapper geraucht, der das ausgebrütet hat, und warum hab ich das Zeugs nicht auch hier auf dem Tisch? Gut, Baseballcaps sind ja mittlerweile von 75-jährigen Rentnern in Beschlag genommen worden. Was früher die umhäkelte Klorolle auf der Hutablage war, ist heute die Truckerkappe mit NY Yankees Beflockung.

Verkehrte Welt: Dabei stünde dem 75 Jährigen mit braunem Mercedes 190 der Anglerhut deutlich besser, als einem 19- jährigen Modeopfer. Aber „ugly“ bleibt halt weiterhin das Zauberwort.

 

Habt IHR noch irgendwelche Trends ausmachen können, an denen man im nächsten Jahr nicht vorbei kommt? Sowas mit laut-Loslachen-Faktor? 😉

 

 

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(Fotos: Pixabay, Instagram, Gucci, Wiki Commons   Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

 

21 Kommentare

  1. Jaaaaaa, ich war Samstag Schuhe gucken und was kam mir unter die Augen…erinnert ihr Euch an die ganz fiesen Buffalo Plateau Schuhe, die aussahen wie Stelzen? Genau die standen überall herum. Ich konnte es kaum glauben. Bin gespannt wenn die ersten Verstrahlten damit auftauchen.

  2. Ich verstehe es nicht wie kann man in UGG Stiefeln herumlaufen. Frauen die sonst geistig gesund aussehen und bis zum Knöchel nicht negativ auffallen. Und ich bin täglich viel zu Fuß unterwegs, an einem normalen Tag über 10 km und kann trotzdem normale Schuhe tragen.

      1. Nun – ich hatte UGGs in der Schwangerschaft an wegen plötzlichem Klumpfußalarm. Und kann immerhin berichten, dass das Lammfell überhaupt keine Schweißfüße macht. Im Gegenteil, das ist ein sehr angenehmes Fußklima in den Teilen. Attraktiv werden sie dadurch trotzdem nicht. Aber attraktiv ist ja auch nicht immer das definierte Ziel.

  3. Ich habe von UGG Flip Flops also so Zehentrenner Strandlatschen… in Lammfelll😆😆😜 aber das Schlimmste ist ja: ich liebe diese Dinger…denn barfuss kann ich so mit den Zehen im Fell“kraulen“😊😊😊

  4. Hahaha, herrlich! Hätte da noch diese unsäglichen Jogginghosen mit denen viele Jugendliche und Junggebliebene meinen cool auszusehen. Beim Sport ok, aber in der Schule und in der Stadt tut das im Auge weh!!

  5. Bei uns sind grad Jogginghosen, Po an den Kniekehlen und Socken in Addiletten tres chic! Grauenhaft! Gut bin ich aus dem Alter raus. War ja früher auch so ein Modeopfer mit Schulterpolstern bis zu den Ohren….und so einigem mehr🙈

  6. Vielen Dank, lieber Kaiser, das Grauen – in diesem Fall an den Füßen – hat also einen (klingenden!) Namen. Unpackbar, dass dieser Gucci-Auswuchs tatsächlich (finanzstarke) Abnehmer findet …

    Und Dönerteller Versace – DARAUF muss man auch einmal kommen :-))!

    Off Topic, für alle, die’s noch nicht gesehen haben: Bei HD ist im November wieder ein Green Friday angesagt, wie man dem Newsletter entnehmen konnte :-)!

    Liebe Grüße, Ursula

    1. Da bin ich wohl auch die falsche Generation. Ich verbinde Birkenstocks auch nur mit ganz altem Öko-Mief und Spinattee. Überhaupt machen solche Latschen optisch einfach einen hässlichen Plattfuß, egal ob bei Frau oder Mann. 😉

  7. Da hast Du das Grauen auf den Punkt gebracht!
    Ich kann diesen Auswüchsen noch nicht einmal etwas Komisches abgewinnen. Da ist mein Motto: Augen zu und durch! Bis zum nächsten Exzess.
    Immer mehr drängt sich mir auf, dass Mode durch und durch politisch ist, ja ein Zerrbild der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse :schrill, disharmonisch, niveaulos und instabil.
    Da Lob ich mir die klassische Mode. Es muss ja nicht gleich der Faltenrock + Perlenkette + Twinset sein.
    Originalität und Kreativität können sich ja auch durchaus anders als im Outfit ausdrücken.Wobei Anglerhüte noch nicht einmal bei Anglern originell sind und Neonklamotten allenfalls bei Rettungskräften in der Nacht angebracht sind.
    Lagerfeld hat es allerdings genial geschafft, den klassischen Chanel-Style in unsere Zeit zu übersetzen.So geht’s auch.
    Zu dem Thema gäbe es noch viel zu sagen….

    1. Das stimmt. So gesehen wäre ein kritischer Modeblog ohne Beeinflussung von kooperierenden Firmen und Labels auch mal nett. Aber das gibt es ja mittlerweile so selten wie unabhängige Beautyblogs. 😉
      Viele Grüße, KK

  8. Die Mode und ihre so eindrucksvoll geschilderten Auswüchse ist ein Zerrbild der politischen und gesellschaftlichen Situation: schrill, instabil und von Gegensätzen geprägt.
    Zurück zur Klassik und zum Konservativen?
    Sicher nicht die schlechteste Möglichkeit!
    Es muss ja nicht gleich der Faltenrock, Perlenkette und Twinset sein. Aber Chanel mit Lagerfeldprägung- finde ich gut!

  9. Ist russischer Geschmack Deiner Meinung nach gleich der Kotzmode? Ich halte dies für einen Stereotyp, der übrigens längst überholt ist.

    1. Ah ja, ich in meiner kleinen Filterblase kann nur sagen, dass das aktueller ist denn je. Fahr mal zum all- inclusive in die Türkei…
      Und ja, das ist nicht politisch korrekt, ich weiß. 😉

    2. Überhaupt, was ist Kotzmode? Es gibt ein Wort Großkotz, und das in Verbindung mit Mode hat eine Aussage. Aber Kotzmode ist doch überzogen, und das würde ich nicht verwenden.

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