LIFESTYLE: HOTEL PAPA

„Sind die Kinder aus dem Haus, lebt sich´s toll, in Saus und Braus“ So gesehen muss unser Nachbar von gegenüber ein schweres, schattenreiches Leben führen, denn seine drei erwachsenen Töchter wohnen noch bei Papa. Doch woher kommt der Trend, dass scheinbar immer mehr junge Erwachsene so ungern das elterliche Nest verlassen?

 

 

Helikoptereltern – auch nach Jahrzehnten noch

Ich habe keine Kinder, aber ich kann es mir schon denken: Ein großer Teil der Leserschaft denkt sich jetzt: „Na und? Ich bin froh wenn meine Kinder noch so lange wie möglich um mich sind“

Die Supermamis und Superpapis der Nation opfern sich für ihre Kinder auf und denken mit größtem Schrecken an den Tag, wenn die „Kleinen“ flügge werden und auf eigenen Beinen stehen wollen…so mit 25-30.

Himmel! Das wäre mein persönlicher Albtraum gewesen. Nicht falsch verstehen, meine Eltern haben mich nicht gestört, und sie haben ebenfalls alles in ihrer Macht stehende für mich getan, aber ich wollte raus! Ich wollte für mich einstehen, meine Erfahrungen machen, mein Leben führen. Das war ein so großer Drang, dass ich es heute noch nicht verstehen kann, wie man freiwillig als Erwachsener bei den Eltern wohnt, selbst mit eigenem Hauseingang nicht.

Klar, es ist praktisch, kostengünstig, such dir mal als junger Mensch eine Wohnung auf diesem verrückten Wohnungsmarkt! Aber ist es nicht unschlagbar herrlich, sich Nachts um fünf noch Miracoli zu kochen? 😉

Für sich selbst einstehen

Für mich gab es nichts Spannenderes als alleine zum Einkaufen zu gehen, meine Finanzen zu regeln, meine erste Steuererklärung zu machen (äh, das war einmal spannend, danach nur noch ätzend), für Sauberkeit und Ordnung in meinen eigenen vier Wänden zu sorgen, usw. Heute habe ich den Eindruck, dass kaum jemand solche Dinge ernst nimmt. Man muss sowas doch auch lernen. Es gibt ja zum Beispiel immer noch viel zu viele hilflose Männer, die weder eine Waschmaschine bedienen, noch einen Liter Milch im Supermarkt unfallfrei einkaufen können. Kein Wunder, dass die alle Hotel Mama/Papa lieben.

Experten sagen, das „Nesthockerphänomen“ gäbe es gar nicht. Das ist nur gefühlt so. Schaue ich aber in meinen Bekanntenkreis, so sehe ich bei allen die erwachsene Kinder haben genau DAS! Kinder, die mittlerweile schon eine Berufsausbildung haben, ihr eigenes Leben leben könnten, und die trotzdem den Absprung nicht wagen wollen/können.

Die Trennung ist unausweichlich

Meiner Meinung nach braucht es die Trennung, um später mit seinen Eltern wieder auf Augenhöhe Freundschaft schließen zu können. Eltern legen regeln fest, Eltern sagen mir was richtig und was falsch ist. Eltern haben die „Richtlinienkompetenz“, das kann ich als Kind nicht anzweifeln, und das wollen Eltern auch gar nicht. Nach der endgültigen räumlichen Trennung vollzieht sich aber etwas, das eine wichtige Zäsur in unserem Leben darstellt: Eltern lassen los, und realisieren, dass ihre Arbeit getan ist. Kinder erkennen, dass sie nun ihre eigenen Entscheidungen treffen müssen, und für diese geradestehen.

An diesem Punkt nähern sich Eltern und Kinder irgendwann wieder einander an, und wenn alles gut läuft, werden sie Familienmitglieder auf Augenhöhe. Man bleibt immer irgendwie Kind, Elternteil, Bruder, Schwester. Soziale Rollen spielen wir ein Leben lang. Aber hat man sich erst einmal distanziert, kann man auch Freunde werden. Und das finde ich einen schönen Gedanken, wenn man an pubertierende Gören denkt, die in dieser Lebensphase noch unausstehlich sind, ich kenne mich da aus.

Ein Schubs aus dem Nest

Aber wie soll man das schaffen, wenn man den wichtigen Teil der Trennung einfach überspringt? Manch Mutter und Vater, die Sohn oder Tochter schweren Herzens einen notwendigen Schubs aus dem behaglichen Nest gegeben haben, stellen erleichtert fest, dass der Nachwuchs vom neuen Leben begeistert ist – und die Eltern auch wieder cool findet. Von den neugewonnenen Freiheiten auf beiden Seiten mal ganz zu schweigen.

Ich kann nur für mich reden, aber ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie mir die Flucht aus dem Nest so leicht gemacht haben. Mir geholfen haben, mich mit allen Mitteln unterstützen konnten, das ist nicht selbstverständlich, denn heute weiß ich auch, dass sie mir damals nicht gezeigt haben, wie sehr sie auch gelitten hatten.

Aber gibt es da ein Richtig oder Falsch? Wie denkt ihr darüber? Lieber früh auf eigenen Beinen stehen, oder ist es egoistisch die Kinder so lange wie möglich bei sich haben zu wollen?

 

 

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(Fotos: Pixabay   Keinerlei Sponsoring)

 

45 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    Ich bin selbst mit 17 von daheim ausgezogen und habe auch vor meine Kinder selbstständig und eigenständig zu erziehen. Mein Sohn soll genauso viel im Haushalt machen müssen wie meine Tochter. Vielleicht haben viele Eltern einfach Angst vor dem Kontrollverlust und sind froh so lange wie möglich noch den Daumen drauf zu haben. Aber spätestens wenn die Ausbildung beendet ist und sie das eigene Geld verdienen, möchte ich das sie auch eine eigene Wohnung haben. So der Plan, ob es dann wirklich so kommt, werde ich erst in ca 15 Jahren erfahren. Einen schönen Tag allen!
    Viele Grüße Dani

  2. Guten Morgen,

    Ich bin ein ein paar Tage nach meinem 18. Geburtstag von zu Hause ausgezogen. Wegen meiner weiteren Schule/Ausbildung und weil ich es (auch aus familiären Gründen) so wollte. Und zwar bin ich nicht nur um die Ecke gezogen, sondern in rund 350km Entfernung. In dieser Gegend wohne ich heute noch. Ich hatte damals das Gefühl, dass ich raus muss. Ich wäre sonst erstickt. Ich bekam sprichwörtlich keine Luft mehr zu Hause, zusätzlich hat mich dieses kleine Dorf fast erdrückt, zumindest gefühlt. Mit Handicap bekommt man auf dem Land auch noch leichter einen Koller, weil die eingeschränkten Möglichkeiten das Leben noch schwerer machen. Ich bin dann in einen Ballungsraum/eine Metropolregion gezogen. Weit weg, und das war gut so. Meine Schwestern hatten beide auch mit Anfang 20 ihre eigene Wohnung, allerdings nicht weit vom Elternhaus entfernt.

    Bei meinem heutigen Ex-Mann ist es quasi das komplette Gegenteil gewesen. Er ist ein paar Jahre älter als ich und erst bei seinen Eltern ausgezogen, als wir zusammengezogen sind. Das war kurz vor seinem 26. Geburtstag. Heute glaube ich, dass auch das einer der Gründe für die Scheidung war. Er konnte sich nie richtig lösen, seine Eltern auch nicht. Immer wurde sich in alles eingemischt, er hat nie was dagegen gesagt oder getan. Und ich stand quasi hilflos daneben und wurde zusätzlich fast erdrückt von dieser Nähe, die sie auch mir aufzwingen wollten. Sein 3 Jahre jüngerer Bruder ist mit 23 von der elterlichen Wohnung in die Einliegerwohnung mit eigenem Hauseingang gezogen. Und erst mit 34 wieder ausgezogen, als er seinerseits mit seiner jetzigen Frau zusammengezogen ist… und bekam große Probleme mit dem Auszug. Ebenso die Eltern.

    Meine Eltern und ich sind weit davon entfernt befreundet zu sein, aber das hat andere Gründe. Bei anderen Personen in meiner Familie hat die Entfernung die Beziehung noch gebessert und gestärkt. „Distanz ist das Salz der Liebe“ – viel Wahres dran…

    Für mich war die Entscheidung mit 18 von zu Hause auszuziehen genau richtig. Ich würde es immer wieder so machen. Es war teilweise hart, aber man lernt so vieles…

    Ich kann weder Kinder verstehen, die mit 20+ noch zu Hause wohnen, noch deren Eltern. Und es soll mir bitte keiner kommen mit Kosten, Studium oder was weiß ich als Begründung. Dafür gibt es Jobs. Und Ämter. Kein Mensch muss in Deutschland hungern oder unter der Brücke leben.

    LG

      1. Zu früh aufs Knöfpchen gedrückt, sorry. Aber ich empfehle mal einen Blick zu den Ausgabestellen der „Tafeln“ und tatsächlich auch mal einen unter die Brücken. Mittlerweile fallen immer mehr Menschen durch das soziale Netz und so eine Aussage „niemand muss in Deutschland hungern oder unter der Brücke leben“ ernüchtert mich. Vielleicht einfach mal über den eigenen Tellerrand schauen? 😉

        1. Das stimmt, es werde sogar mehr. Ich arbeite ja zwischendurch mal für die Tafel und was man da mitbekommt ist heftig. Die Menschen scheitern auch an den Ämtern. Dort sitzen oftmals unempathische Bürokraten, die die „Kundschaft“ verachten. Dann kommt eins zum anderen und plötzlich ist man unter der Brücke. Muss nicht, geht aber schneller als man denkt.

          1. Ich habe zwar gerade auch bürokratische Probleme, aber von der Brücke bin ich weit entfernt. Natürlich mag es Ausnahmen geben. Mein Tellerand ist großzügig genug denke ich… Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es in Deutschland wesentlich schwieriger ist derart abzurutschen als anderswo.

            1. Auch wenn das sicherlich gar nicht so gemeint war, solche Aussagen – wenn die von anderen kommen, hier haben wir ein wertschätzendes Miteinander – ärgern mich eigentlich immer mehr. Ich lade jeden in meinen Stadtteil ein. Jeden.
              Leider wollte kein Politiker bislang kommen. Da wohnen Menschen die 40+ Jahren brav eingezahlt haben und jetzt SEHR arm sind und ohne Tafel nicht überleben würden. In diesem Land ist das eine Schande!
              Land das so etwas duldet und mit konstruiert kann sich nicht ein reiches Land nennen in dem wir gut und gerne leben. Ich beobachte wie die „einfache“ Arbeit immer mehr an der Wertschätzung verliert, da es leider kaum noch etwas wert ist. Das darf nicht so sein.
              Weil diese Einstellung ist nur ein Schritt davon entfernt zu denken das die Rentner die arm sind es nicht besser verdient haben, die haben ja „nur“ eine einfache Arbeit geleistet.
              Deshalb ja, leider hungern einige in diesem Land. Und es werden jedes Jahr mehr.

              1. Was ich gar nicht leiden kann: Wenn es Diskussionen um Berufe und Gehälter gibt und immer diese Aussagen Richtung Geringverdiener kommen à la „hättest du halt mal was Anständiges gelernt“. Ziemlich oberflächlich und respektlos. Will solche Leute mal sehen wenn es plötzlich keine Putzfrauen, Bäcker, Friseure etc. mehr gäbe.

          2. Ich weiß. Ich sehe es ja hier tagtäglich, wenn ich mit offenen Augen durch die Stadt gehe. So viel Perspektivlosigkeit u. Armut, z.T., es ist erschreckend. Da rollt ein ganz gewaltiges Problem auf uns zu und dass es immer noch Menschen gibt, die das nicht realisieren, schockiert mich.

            1. Ich realisiere mehr als du denkst. Allerdings kann ich mein privates Schicksal hier nicht allzu breit treten, die Seite ist schließlich öffentlich (auch wenn es sich oft nicht so anfühlt). Nur soviel: Trennung und Scheidung von meinem Ex-Mann haben mich an den Rand meiner Existenz und die Grenze meiner Belastbarkeit gebracht, in jeglicher Hinsicht. Daran ist aber nicht nur er Schuld, sondern der widerlichste Arbeitgeber überhaupt (ist zum Glück fast Geschichte). Gerade richte ich mich wieder auf und arbeite bald wieder – im Sekretariat eines Jobcenters…
              LG

              1. @Gast: Aber du weißt doch gar nicht, was ich denke. 😉 Und die Aussage „Kein Mensch muss in Deutschland hungern oder unter der Brücke leben“ stammt ja nicht nur von dir. Kommt mir öfter unter und es schockiert mich immer wieder, wenn ich es höre – lediglich das habe ich mit meinem letzten Kommentar zum Ausdruck bringen wollen. Nicht mehr, nicht weniger. ;

                LG

              2. @Ombia: Dankeschön! ♡
                Wollte noch gar nicht so früh damitbraus, gestern erst erfahren… im Grunde genommen weiß ich noch nicht mal welche der beiden Stellen im Jobcenter es wird, weil ich gestern nur KURZ Bescheid bekommen habe (Das Schriftliche ist auf dem Weg). Mein Gefühl sagt mir aber dass es das Sekretariat wird, welches ich allein schmeißen würde.
                LG

  3. ich denke, es ist einfach bequem und kostengünstig und mama hätte zwar gerne ein ankleidezimmer und papa denkt immer öfter: „also ich in dem alter…“ – letztendlich passiert es wohl erst, wenn die große liebe vorbeikommt.
    ich habe mit 16 meine ausbildung begonnen und bin 30 km entfernt in ein lehrlingswohnheim gezogen und habe seit dem nie mehr zuhause gewohnt. abi, studium, erster job – alles an anderen orten. ich habe nicht darüber nachgedacht, es hat sich so ergeben und fühlte sich gut an.
    funfact: mit meiner mutter und meiner großmutter stand ich damals in sehr engem briefkontakt. sicher 2-3 mal in der woche bekam ich briefe und schrieb auch welche.
    es ging auch ohne telefon 😮
    liebe grüße in die runde!
    bärbel

  4. Guten Morgen,ich finde es wichtig,dass die Kinder spätestens nach Ausbildung o.ä. ausziehen,alleine deshalb,um zu lernen auf eigenen Füßen zu stehen.
    Da zeigt sich auch,ob man vieles in der Erziehung richtig gemacht hat (Alles macht man sowieso nicht richtig)Es ist doch schön,wenn man sieht,wie die Kinder sich weiterentwickeln und selbstständig werden!Es gibt doch diesen Spruch:gib den Kindern Wurzeln,damit sie wissen,woher sie kommen,und Flügel,damit sie weiterfliegen oder so ähnlich!Klar ist es komisch,wenn das Haus immer leerer wird,aber schön,wenn alle ab und zu wiederkommen und es ihnen gutgeht!Liebe Grüsse

  5. Hm. Den Trend kann ich so nicht bestätigen, in unserem Umkreis verlassen diverse „junge Erwachsene“ das elterliche Nest, um in einer anderen Stadt (Heidelberg, Karlsruhe, Greifswald) zu studieren und ein Auslandsjahr (Australien, Neuseeland) steht auch hoch im Kurs. Die, die hier bleiben, haben allerdings ein Problem: Mangel an kleinen und bezahlbaren Wohnungen, die sind nämlich rar. Und nicht jeder kann sich Mieten über 1000€/Monat (für max. 2-3 Zimmer) leisten oder gleich Eigentum erwerben. Lege Junior schon nahe, dass er sich nach dem Studium vielleicht auch mal anderswo umschaut, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Mieten stimmt vorne und hinten nicht mehr. Leider mag er diese Stadt und steht dem Umzug in ein Kaff mit bezahlbaren Mieten eher ablehnend gegenüber. 😉

    1. Zum Erwachsenwerden gehört wohl auch, dass man seine Ansprüche den aktuellen (finanziellen) Möglichkeiten anpasst — oder die Möglichkeiten (selbstständig) verändert.

      1. Das stimmt wohl. 😉 Ich liebäugele selbst immer öfter damit, irgendwohin zu ziehen, wo du mehr als eine Besenkammer für dein Geld bekommst und ich hätte auch total gerne mal wieder ein Schlafzimmer, in meinem Alter weiß ich das zu schätzen.^^ Na schau’n mer mal, was die Zeit bringen wird. Oder der Wunsch nach Veränderung.

  6. Warum nicht akzeptieren, wenn sich Erwachsene Menschen dafür entscheiden, bei den Eltern wohnen zu bleiben? Genau diese Entscheidungsfreiheit ist ja das tolle daran.

    Ich hatte seit ich 6 oder 7 war keinen größeren Wunsch als den, auszuziehen. Von daher war ich in jeden Ferien weg (nicht im Urlaub, Geld hatten wir nicht), ein Jahr im Ausland (Stipendien sei dank!) und direkt nach dem Abi dann weg. Die Gründe dafür sind aber weniger positiv als bei dir, daher beneide ich jedes „Kind“ das gerne zu Hause wohnen bleibt. In meinem Freundeskreis kenne ich niemanden und daran wird sich wohl auch nichts ändern, wir wären einfach zu verschieden, aber prinzipiell finde ich nicht dass irgendwas dagegen spricht. In vielen Ländern ist es üblich, genauso, dass manche Menschen nie in ihrem Leben putzen müssen – eine essentielle Erfahrung ist das nicht. Verantwortung übernehmen kann man auf vielen Wegen, zum Beispiel auch in dem man bei seinen Eltern bleibt.

    Mal ganz abgesehen davon, dass der Wohnungsmarkt sonst noch katastrophaler wäre… Liebe Grüße aus München 😉

    1. Ich finde auch, hier muss jeder selbst entscheiden. In vielen Kulturen, übrigens auch in Deutschland bis vor einigen Jahrzehnten, wohnt man einfach nicht alleine. Klar, wenn die Eltern nerven, will man weg, das sollte man dann auch dürfen. Aber wer es nicht will, wieso muss der dann? So lange man nicht von Mutti alles machen lässt, vielleicht noch Geld beisteuert, ist es doch eigentlich ressourcenmäßig besser, als in einer Wohnung für einen zu leben. Und nicht jeder hat das Glück, die passenden Freunde für eine WG zu haben.

      Ich sehe hier in Japan gerade zwei Extreme parallel laufen: Manche bleiben echt für immer bei den Eltern (falls sie nicht doch mal heiraten, oder die Eltern irgendwann ableben), lassen Mutti (die ja Hausfrau ist) alles machen, steuern kein Geld bei etc. Manche arbeiten nicht mal. (So eine Phase hatte ich für einige Monate Mitte Zwanzig, da war ich aber ziemlich krank.)
      Dann gibt es die, die ausziehen, meist um in Tokyo zu arbeiten, und die dann komplett allein sein, da WGs immer noch selten sind und man natürlich mit der Arbeit keine Zeit für Freunde oder Liebe hat.
      Beide Fälle lassen mich denken, dass der Anstieg von Depressionen auf der Welt kein Wunder ist. Wer soll heutzutage noch wissen, was „richtig“ ist? Die Eltern bestehen eventuell darauf, dass man daheim bleibt (gerade bei jungen Frauen und konservativen Familien), und wem Familie wichtig ist, oder wer so erzogen ist, der gibt dann vielleicht nach. (Man kriegt hier ohne Garantor, also Eltern, auch kaum eine nicht marode Wohnung zu mieten.) Dazu kommen noch prekäre Arbeitsverhältnisse junger Leute mit befristeten Verträgen, und wer kann es jemandem verdenken, spät abends nach vielen Überstunden nicht in eine leere Wohnung heimkehren zu wollen?

      1. Mag jetzt vielleicht hart klingen wenn ich das sage, ich hoffe es wird richtig verstanden:
        So ist das Leben. In manchen Ländern natürlich härter als in anderen. Ich habe selbst Sendungen im TV gesehen, wo Mini-Büros gezeigt wurden, in denen der Angestellte auch quasi gelebt hat, weil er sich nichts anderes leisten konnte (und ich meine wirklich Mini). Ob China oder Japan weiß ich allerdings leider nicht mehr.

        Aber ich kann doch nicht wegen Problemen die das Leben nun mal mit sich bringt immer wieder nach Hause rennen. Ich wurde nach der Trennung auch gefragt, warum ich nicht wieder zu meinen Eltern bzw. meinem Vater ziehe. Warum hätte ich das tun soĺlen? Mit 35? Nach fast 18 Jahren Selbstständigkeit? Wäre niemals gutgegangen, hätte ich weder gewollt noch gekonnt, auch für ein paar Wochen nicht. Und natürlich ist es nicht schön als Single abends in eine leere Wohnung zu kommen, aber das passiert ja nun mal vielen Leuten und ändert sich auch wieder irgendwann. Die Eltern meines Ex-Mannes wollten auch, dass wir in o.g. Einliegerwohnung ziehen statt uns eine eigene Wohnung zu nehmen. Dann hätte unsere Ehe sicher nicht das 1. Jahr überstanden. Wenn man mit seinen Eltern gut auskommt ist nichts gegen ein enges Verhältnis zu sagen. Für mich aber bitte immer in separaten Wohnungen.

        Ich selbst bin fast schon froh über die letzten Jahre, auch wenn sie sehr krass waren und ich mit allen Problematiken hauptsächlich allein klarkommen musste: man wächst (über sich hinaus). Und hinterher ist man stolz auf sich und seine eigene Stärke.

        1. Ich bin mir nicht sicher, ob ich deine Argumentation in diesem Post verstehe. Jeder muss sich selbst überlegen, wie das Leben gestaltet wird, wofür man Geld ausgeben kann und will, und was einen glücklich macht. Das Leben ist kurz und hart genug. Und jeder hat andere finanzielle Mittel. Außerdem gibt es ganze Kulturen, in denen die Leute völlig anders leben als in Deutschland, und in denen die Menschen teilweise glücklicher sind. Machen die das alle falsch, nur weil du es anders richtig findest?

          1. Wir sagen doch hier alle unsere Meinung, oder habe ich da was falsch verstanden? Ich habe meine Erfahrungen und meine Sichtweise geschildert. Wer bis 50 zu Hause wohnen will kann auch das tun. Jedem seins. Meins ist es nicht. Und meine Erfahrung hat mich gelehrt mich besser von solchen Menschen abzugrenzen oder gleich fernzuhalten. Es gibt einfach Dinge im Leben eines Erwachsenen, die für mich nicht in Frage kommen. Ob man als Eltern seinem Kind einen Gefallen tut kommt noch dazu. Andere Kulturen sind wieder ein bisschen anders zu betrachten, selbsverständlich. Aber primär geht es hier ja um Deutschland.

      2. @Julia: Nach dem Lesen deiner Worte fällt mir ein, was ich gestern gelesen habe. Nämlich, dass sich in Japan mehr als doppelt so viele Menschen das Leben nehmen als in Sierra Leone. Bruttoinlandsprodukt liegt in Japan bei 34.000 US-Dollar pro Kopf, in Sierra Leone bei 400 US-Dollar pro Kopf. Dennoch gehört Japan zu den Ländern mit der geringsten Sinn-Quote. Und erstaunlicherweise(?) ist die Selbstmordrate in den wohlhabenden Ländern (z.B. Frankreich, Dänemark) höher als in den ärmeren (z.B. Togo, Niger), weil die Menschen weniger Sinn in ihrem Leben sehen. (Angaben basieren auf „Why the Happiest States Have the Highest Suicide Rates“ aus dem Jahr 2011 und die Suizidraten von der WHO).

        1. Bruttoinlandsprodukt allein macht es ja nicht, weil man auch an die Lebenshaltungskosten denken muss, die in Tokyo natürlich einfach mal sehr hoch sind. Aber klar, Geld macht nicht glücklich (nur zu wenig Geld zum Leben macht unglücklich), und was macht man mit seinem Geld, wenn man ständig nur arbeitet? Und vor allem nicht auf ein Ziel hinarbeitet, sondern für eine Firma, in der die eigene Meinung nie gefragt wird?
          Bei Selbstmordquoten muss man natürlich auch immer bedenken, wie die Kultur/Religion im Land auf Selbstmord reagiert, aber es ist schon einfacher, sich mal eben ein Ende zu setzen, wenn man ganz allein in einer Großstadt lebt, in der man nicht mal seine Nachbarn kennt und meistens todmüde von der vielen Arbeit ist. (Extreme Erschöpfung kann ja ganz schön depressiv machen bzw. sich wie eine Depression anfühlen. Zeit für Sport und gesunde Ernährung bleiben ja auch nicht jedem.)
          Vielleicht habe ich so viel Sympathie für „Nesthocker“, weil meine schwerste Zeit damals bei meinem zweiten Aufenthalt in Japan war, als ich weit weg von alle Bekannten wohnte und mich die Isolation und noch dazu das ungewohnte Klima (es gibt tatsächlich Sommerdepressionen) total mitgenommen haben. Was machen denn Leute, die sich einsam fühlen, aber keine Freunde haben, mit denen sie sich öfter treffen können, weil alle entweder weit weg sind (Globalisierung) oder zu beschäftigt? Mal eben neue gute Freunde ist schwierig, ausgehen und Hobbies kosten Geld, das man nicht hat – was tut man dann?
          Oder andersrum, in Japan ist es noch sehr üblich, dass die alternden Eltern bei den Kindern, meist der Familie des ältesten Sohnes wohnen. Will man die allein lassen, nur um nicht mit den Eltern zu leben? Klar, wenn die Eltern furchtbar sind, verstehe ich das, und ich hätte da bei meinen Eltern auch Vorbehalte, aber ich würde meine Schwiegermutter z.B. sofort aufnehmen, und ich kenne es auch so, dass meine Oma nicht allein wohnt. Dieses „alleine leben“ ist sowieso ein ganz modernes Phänomen, und ich habe das dumpfe Gefühl, dass es nicht allen Leuten so gut damit geht, aber dass einige Introvertierte, die natürlich froh über Frieden und Ruhe sind, sowie die extrem Kontaktfreudigen, die einfach ständig jemanden auf Abruf haben könnten, das nicht so ganz verstehen wollen.

          1. Mehrmals zu einer Antwort angesetzt, aber das würde den Rahmen sprengen. Stattdessen könnte man (mindestens) einen Abend über die von dir aufgeworfenen Fragen philosophieren und am Ende idealerweise ein paar Gedankenanstöße mitnehmen. Und/Oder mehr Verständnis für Lebensweisen aufbringen, die nicht der eigenen entsprechen. 😉

            Und jetzt denke ich mal ein wenig auf deinem Kommentar rum. Für mich. 😉

  7. Ich liebe leere Wohnungen!
    Meine Tochter ist 18, macht nächstes Jahr Abi und dann… tschüß!
    Wir spüren beide, dass es Zeit ist, unsere laaaaange gemeinsame Lebensphase zu beenden. Natürlich ist Abschied mit Wehmut und einer gewissen Trauer verbunden. Das gilt für die meisten Abschiede. Aber… pssst!… ich zähle die Tage bis zu jenem, da ich wieder nur mir ganz allein gehöre. Und mein Leben nicht unter dem Beurteilungsradar eines jungen Menschen führe, der glaubt, über alles (besser) Bescheid zu wissen und doch keine Ahnung hat. Die neue Freiheit (!) ist zum Greifen nah :-))

  8. Erstaunlich, wie hart diese Diskussion hier geführt wird, das Thema scheint doch recht polarisierend zu sein.

    Ich bin mit 15 zu Hause ausgezogen und nie wieder ein, hatte aber ein gutes und enges Verhältnis zu meinen Eltern bis zu deren Tod. Meine Söhne sind mit 21 bzw. 20 ausgezogen und wir haben uns gefreut, das Haus für uns allein zu haben, siehe Thorlane.

    Schlußendlich war es dann so, dass mein jüngerer Sohn mit Familie zurück in sein Elternhaus gezogen ist und wir, die Eltern, in eine moderne und sehr komfortable Wohnung. Der Sohn hat das Haus gekauft und jetzt gehört es ihm. Der Preis war familienfreundlich und für beide Seiten ok.
    Wir bereuen diesen Schritt ab und zu, aber das hat eher emotionale Gründe, die beste Freundin in der Nähe, ein Wald vor der Tür u.ä. Rückgängig machen würde ich diesen Schritt auf keinen Fall, auch nicht, wenn es möglich wäre.

    Im Freundeskreis wohnt ein 30jähriger „Junge“ noch zu Hause, dessen Mutter mir sagte, sie müsse um 16.30 Uhr zu Hause sein, dann käme das Kind von der Arbeit. Da kann ich nur sagen: Rette sich, wer kann. Ich habe für meine Kinder so gut gesorgt wie ich konnte und kann nun ohne schlechtes Gewissen mein Leben genießen, so lange das geht. Für mich gilt hier: Freiheit über Bequemlichkeit und Geld, denn nur darum geht es bei den meisten Nesthockern, und natürlich, wie immer, Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Sorry für den Roman und liebe Grüße

  9. Ich bin zwecks studieren ausgezogen und danach direkt nach dem Studium und noch sehr jung – war mit dem Studium in Rekordzeit fertig, Diplom und Verteidigung in 8 Semestern – ausgewandert.
    Das war hart. Neues Land, neue Sprache, alles neu und unbekannt und sein Netzwerk hat man ja auch nicht.
    Zwei Jahre später nochmals ausgewandert, wieder neue Sprache und neues Land. Mittlerweile glücklich geschieden. Trotzdem meinte ich, dass nicht jeder gleich ausziehen muss.
    Wenn man aber bleibt, soll man finanziell teilnehmen und auch in puncto Haushalt seinen Teil wesentlichen beitragen. Generation meiner Eltern wohnte noch in Mehrgenerationenhaus, es was so üblich. Und ich als Kind fand das so schön! Oma anstatt von Kita, Eltern entspannt, da sie nicht nach der Arbeit zur Kita hetzen. Oma hat für alle gut und gerne gekocht. Spätnachmittage und Abende hat die Familie entspannt zusammen verbracht. Den Trend, dass die Oma in Altersheim geht ob sie will oder nicht und alle nur noch für sich leben muss nicht immer gut sein.
    Andererseits weiß ich wovon Du schreibst. Wenn ich eine Verabredung habe und er ist 40+ und wohnt noch bei seinen Eltern renne ich sofort weg. Ich will nicht diejenige sein die ihm Waschmaschine und Herd erklärt.

  10. Ich bin mit 17 ausgezogen, zwei meiner Söhne sind mit 19 ausgezogen um eine Ausbildung mehrere 100km entfernt zu machen. Meine Tochter ist bald 23 und wohnt noch zu Hause. Sie will bis zu ihrer Hochzeit im nächsten oder übernächsten Jahr noch zu Hause wohnen. Meiner Meinung nach wäre es besser, sie würde vorher noch alleine Leben. Sie ist zwar einigermaßen selbständig und lässt sich nicht bedienen, aber so richtig auf eigenen Beinen ist doch was anderes.
    Mein zukünftiger Schwiegersohn wohnt mit 26 noch zu Hause, teilt sich dort ein Zimmer mit seinem 33 jährigen Bruder, der 30 jährige Bruder wohnt auch noch dort. Die 3 Söhne geben zwar Wohngeld zu Hause ab, aber die Mutter macht als Hausfrau alle anfallende Arbeit.
    Jedem das Seine, aber ich habe schon immer meine Freiheit gebraucht, mit Ende 20 noch ein Zimmer mit einem älteren Bruder, nur wegen der Bequemlichkeit, zu teilen geht für mich gar nicht. Alle 3 haben gute Jobs und könnten bestimmt eine kleine, eigene Wohnung finden.

  11. Zum Thema möglicher Verarmung möchte ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das viel schneller gehen kann, als man denkt. Es brauchen nur einige Dinge unglücklich zusammentreffen, und die finanzielle/existenzielle Situation dreht sich schneller, als man je für möglich gehalten hätte …

    Was das (rechtzeitige?) Verlassen des elterlichen Nestes anbelangt, glaube ich, dass das einfach von sehr vielen Faktoren abhängt. Der genannte Mehr-Generationen-Haushalt ist für mich eine unverändert romantische Vorstellung von heiler Familie und Welt, was aber passende Räumlichkeiten und Mentalität aller Beteiligten voraussetzt (ich habe da immer diverse Film-Bilder vor meinem geistigen Auge, wo vorzugsweise in südlicheren Ländern die Großfamilie an einem noch größeren Tisch speist und trinkt, lacht oder weint, debattiert und streitet – und am Ende des Abends haben sich alle wieder lieb :-)).

    Dass in unserer Verwandtschaft ein mittlerweile 62jähriger Bub noch immer bei der Mutter in seinem ehemaligen Jugendzimmer wohnt, meine ich damit aber definitiv nicht ;-)(.

    Ich bin übrigens auch eher spät – mit 22 – ausgezogen, als ich mit meinem damaligen Freund eine gemeinsame Wohnung bezogen habe, hätte aber sehr lange kein Problem damit, nach der Arbeit in ein leeres Haus/Wohnung zu kommen (im Gegenteil, ich habe das, als ich später aus beruflichen Gründen übersiedelt bin, durchaus genossen, dass ich ziemlich lange eine Wochenend-Beziehung geführt habe – ist aber natürlich ein Unterschied, ob man zwischendurch alleine wohnt, aber nicht alleine ist, oder ob es wirklich niemanden in seinem Leben gibt)

    Wenn ich im Alter alleine leben und mich einsam fühlen würde, wäre eine Art „späte“ WG in meinen Augen etwas Wunderbares … vorausgesetzt – siehe oben! – die Räumlichkeiten gestatten jedem ein eigenes Schlafzimmer inkl. kleinem Bad ;-).

    1. Ursula, das wäre auch etwas was ich mir gut vorstellen könnte! Eine WG im Alter …man ist nicht alleine und hat trotzdem seine eigenen Räumlichkeiten 😊
      Liebe Grüße, Claudia

  12. Ich denke mal, das ist eine Frage, die man so pauschal einfach nicht beantworten kann. Und – sorry – vor allem dann nicht, wenn man keine Kinder hat. Ich dachte auch immer, es sei ganz einfach: Abitur und raus zum Studium. Habe ich so gemacht, haben meine Geschwister so gemacht. War gut.

    Nun hätte ich da eine Tochter, die im letzten Jahr ihr Abitur gemacht hat. Sie ist noch da – Schande über mich. Hätte ich eben mal 80.000 Euro für einen Studienplatz an einer privaten Uni, wäre sie längst weg. Habe ich nicht. Hat sie auch nicht. Also arbeitet sie in zwölf-Stunden-Schichten, um sich ihren Studienplatz (den sie trotz Spitzenabi eben so nicht bekommt) zu verdienen und schon mal die nötige Erfahrung zu sammeln. Mit ihrem Gehalt könnte sie theoretisch ausziehen. Das Geld fehlt dann aber, wenn es an die Privatuni geht. Also lebt sie hier. Sie macht ihren eigenen Kram, lebt ihr eigenes Leben, kann kochen, putzen und Wäsche waschen und tut das auch. Hausarbeit wird gerecht geteilt.

    In ihrer Peer-Group gibt es so ziemlich alles. Vom Studenten, dessen Eltern ohne mit der Wimper zu zucken 900 Euro für die Studentenbude in London plus die gleiche Summe obendrauf für die Lebenshaltungskosten zahlen. Der Jung ist immerhin aus dem Haus. Bis zu denjenigen, die versucht haben, nur mit ihrem Kindergeld und nem Hunni von Oma monatlich auswärts zu studieren. Die ersten haben aufgegeben. Bei den völlig verschulten Bachelor-Studiengängen ist an einen Job, in dem man das, was man braucht, zu verdienen, nicht zu denken. An Bafög auch nicht. Dafür verdienen die Eltern zu viel. Ach ja, Hartz IV ist auch keine Option. Als Student fällst du durchs Raster.

    Ich habe selbst ungläubig geguckt, als ich gesehen habe, was ein WG-Zimmer in einer durchschnittlichen Unistadt heute kostet. Unter 400 Euro kannst du meist einpacken. Dann wären da noch die Lebenshaltungskosten. Selbst wenn man sehr beschieden lebt, musst du im Prinzip nochmal 400 Euro raufpacken. Bücher für die Uni kaufst du dann aber bitte gebraucht. Klar kann man jobben. Zum Beispiel in der Gastronomie, für sieben Euro pro Stunde. Mindestlohn schert da niemanden. Dass du in der Zeit eigentlich lernen müsstest, auch nicht. Studierst du halt ein paar Semester länger und zahlst, wenn es dumm kommt, Strafgebühren. Die kannst du ja reinarbeiten. Dann dauert das Ganze noch länger.

    Will sagen: Ausziehen, zumindest als Student, ist auch eine finanzielle Frage. Dazu muss man gar kein Helikopter sein.

    Liebe Grüße
    Fran

    1. Das stimmt. Ich hatte Glück und konnte während des Bachelors zu Hause wohnen und hatte zwar einen etwas weiten Weg und wurde von einigen Studenten schief angeguckt, aber ich musste nur wenig jobben, und das fast nur für mein Auslandsjahr. (Ich hatte eine Kommilitonin, deren Eltern haben ihr eine große Wohnung (drei Zimmer!) in direkter Uninähe gemietet und Mutti kam am Wochenende zum Putzen, dabei wohnte die Familie kaum weiter weg als meine. Geschafft hat sie das Studium trotzdem nicht richtig.)
      Beim Master in Japan habe ich dann viel gejobbt, und das war zu viel. Man kann nicht einen Master machen, gleichzeitig als Teaching Assistant für zwei Profs arbeiten, von denen einer denkt, dass alles sofort passieren muss, und die halbe Woche Nanny sein. Ich musste dann abbrechen, weil meine Gesundheit extrem gelitten hat, habe mich erst mal zu Hause erholt und bin dann wieder ins Ausland zum Arbeiten gegangen, wo ich die Studiengebühren ansparen konnte und außerdem meinen Mann unterstützen, der dort seinen Master gemacht hat; für den Lebensunterhalt, als ich dann zurück an die Uni gegangen bin, hat dann er gesorgt, aber man muss erst mal a) eine Stelle finden, die genug zum Zurücklegen zahlt und b) einen Partner haben, mit dem das so klappt.

  13. Wenn das so einfach wäre, wäre mein Sohn schon lange ausgezogen. Wir wären uns da beide einig. Aber ich kann ihm in München keine Wohnung finanzieren. Und selbst, wenn man neben dem Studium arbeitet, reicht das nicht, selbst wenn man eine finden würde. So hilft er dem Opa mit Haus und Garten. Und wohnt bei ihm umsonst. So wie ich halt auch. Dafür muss der Opa nicht kochen und waschen.
    Aber klar, ich hab zwischendrin auch mal alleine gewohnt. Sollte man unbedingt mal gemacht haben.
    LG Sunny

  14. Na Du traust Dich ja was, lieber KK, hier so ein heisses Eisen zur Diskussion zu stellen, in einer Zielgruppe, in der viele Kinder genau in dem Alter haben. 🙂 Die meisten Gedanken, die mir beim Lesen kamen, haben aber schon meine Vorrednerinnen aufgegriffen.
    Was ich im Freundeskreis beobachtet habe, ist, dass Mädchen in dem Alter 18 bis Anfang 20 oft schon reifer und selbständiger sind und die Jungs erst so mit 25 Jahren anfangen, langsam erwachsen zu werden. Wobei das natürlich eine grobe Verallgemeinerung ist. Ich selbst habe übrigens einen Sohn in dem Alter, der im benachbarten Ausland studiert, dennoch aber bei uns weiterhin sein Zimmer hat und am Wochenende und in den Ferien öfter mal nach Hause kommt und das auch noch als sein Zuhause betrachtet. Ein Zimmer in so einer Art Studentenwohnheim ist bannig teuer, um die 500 Euro, und natürlich auch noch nicht wirklich ein richtiges, echtes eigenes Zuhause. Aber was eine richtige Wohnung kosten würde, das wollt ihr gar nicht wissen, das geht auf keine Kuhhaut, und das kann man, wie Fran schon dargelegt hat, während eines Bachelor Studiums nicht nebenbei mit Jobs finanzieren.

    Was ich aber viel interessanter finde, ist der kulturelle Aspekt. Wie von Julia und noch anderen Leserinnen erwähnt, ist dieses schon früh ausziehen und eine eigene Wohnung haben wollen ein Phänomen der westlichen Welt, und auch eher der nördlichen westlichen Welt. Ab unter Frankreich südwärts sieht das schon ganz anders aus, da lebt man bei den Eltern bist zur Hochzeit, und damit basta, alles andere ist sehr schlecht angesehen. Vielleicht hat es sich in Spanien mittlerweile etwas geändert, aber zu meiner Zeit war es ein SKANDAL, dass ich nach dem Studium und mit dem 1. Job erstmal in Deutschland in eine eigene Wohnung ziehen wollte. Meine ehemalige Schwiegerfamilie war entsetzt. Total ungehörig war das. Hab ihn dann halt auch doch nicht geheiratet 😉 Stattdessen jemanden aus dem nicht-europäischen Ausland, noch weiter Richtung Äquator, und dort ist es ja nun wirklich völlig inexistent und unüblich, dass junge Erwachsene ohne Not (also wenn sie nicht im Ausland studieren oder zwecks Heirat in eine andere Stadt ziehen) das Elternhaus verlassen. Es hat alles seine Vor- und Nachteile, und ich selbst bin ja auch eigentlich eher individualistisch, aber so ein Mehr-Generationen-Haushalt hat wirklich echt ungelogen, isch schwöre, auch seine Vorteile. Da leben dann die ganz Alten und die ganz Kleinen noch unter einem Dach, und die Generationen dazwischen natürlich auch.

    Having said that, bekenne ich mich aber dennoch schuldig, leichte Helikopter-Tendenzen zu haben. Ich arbeite daran und mein Mann hält mich notfalls mit „Gewalt“ zurück, wenn es mich mal wieder überkommt, und ich zu meinem Sohn putzen oder kochen oder bei Behördengängen helfen fahren will.

  15. Mir fällt beim Lesen auf, dass ich immer wieder an die Mutter als billige Putzkraft denke, die ihre eigenen Bedürfnisse noch länger hintenan stellt.

    Ich – beim Vater aufgewachsen – bin mit 16 rausgeflogen, als er wieder heiraten wollte, nachdem er mich allein großgezogen hat. Das war vielleicht noch einen Tick zu früh, aber mit 16 war Putzen, die Wohnung ordentlich halten, die Rechnungen bezahlen schon eine elementare Erfahrung, wenn man es allein macht. Das Gute war aber, man hat mir jeden Fehler verziehen, weil ich noch so jung war und ich habe schnell gelernt. Ein sehr großer Teil meines Selbstbewusstsein (leider mitunter bis zur Arroganz) hab ich aus dieser Zeit mein ganzes Leben behalten. Ich hab damals einen allgemein brauchbaren Beruf gelernt, weil ich Geld brauchte, um davon leben zu können. Studiert habe ich dann viel später neben der Arbeit.

    Interessanterweise ist meine Tochter auch mit 16 ausgezogen. Ich hab mir vorher nicht vorstellen können, wie frei ich mich danach fühlte. Diese ganze Verantwortung war schlagartig weg, auch für mich war alles wieder möglich und ich hab damals mein Leben tatsächlich resetet. Sowohl ich zu meinem Vater als auch meine Tochter zu mir und umgekehrt fanden es in der Zeit toll, wenn auch nicht völlig problemlos, aber genau das brauchten wir damals, Herausforderungen, kein Konsum. Vielleicht sind wir auch einfach die Typen, die sonst eingehen wie eine Primel. Wir können uns auch ganz schlecht unterordnen, was in Familien immer Probleme macht.
    Für mich wäre damals nie in Frage gekommen, was mit einem Typen anzufangen, der noch zu Hause wohnt. Das wäre nicht weit davon entfernt, dass er verheiratet wäre. Er wäre nie so frei wie ich gewesen und das fand ich damals unsouverän und bremsend. Als ich jung war, hatte noch massig Vorurteile, aber eben auch immer die Auswahl, hier wählen zu können.

    Konsumkaisers Miracoli in der Nacht waren bei mir Backorgien und ich denke auch gerade mit einem Lächeln an diese Zeit – totale Freiheit, zum ersten Mal im Leben – und eigentlich noch in der Pubertät. Ich schätze, ich hab meinem Vater viel Stress erspart und das in Selbständigsein abgearbeitet. Ich finde es heute noch goldrichtig.

  16. Vielen Dank für eure spannenden und kontroversen Kommentare! Ich konnte viel für mich daraus nutzen und einiges lernen. Natürlich habe ich keine Kinder, aber Erfahrung und Empathie um mir eine Meinung zu erlauben. Eure Sichtweise hat mich da deutlich weitergebracht. Liebe Grüße, KK

    1. Hast du gesehen, dass heute bei Spiegel online – Bento – ein Artikel darüber drin steht?

      Mir ist dadurch klar geworden, dass das zu den Eltern muss und die an Arrangement etwas haben müssen. Ich fand auch spannend, dass der Typ keinen Zusammenhang damit sah, noch nie ein Date gehabt zu haben, obwohl er merkte, wie das Interesse an ihm nach der Info danach erkaltete.

  17. Ich bin nach der Schule ausgezogen, da es meinen Studiengang in der Heimat nicht gab. Ich musste dadurch allerdings eine Menge arbeiten, habe dadurch wiederum das Studium nicht in der Regelstudienzeit geschafft und musste dann für die letzten Semester noch einen Kredit aufnehmen. Kindergeld und Geld vom Hiwi-Job gingen bei mir komplett für die Miete drauf – dabei hatte ich schon ein WG-Zimmer am Stadtrand, keinesfalls eine tolle eigene Wohnung in Uni-Nähe! Daher denke ich dass man, sollte die Möglichkeit bestehen, wirklich einen enormen Vorteil hat, wenn man erstmal zu Hause wohnen bleiben kann. Man kann dadurch wirklich Geld sparen und klar, alleine leben stärkt die Persönlichkeit und macht als junger Mensch natürlich auch viel mehr Spaß, aber das Leben ist halt nicht so, wie man das gerne hätte.

    Mein Fazit: zuhause Wohnen hat für mich nichts mit mangelnder Reife zu tun, sonder ganz im Gegenteil. Man macht Abstriche und rückt zusammen um Kohle zu sparen – das ist doch die Quintessenz des Erwachsenseins.

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