HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: FESTSTELLUNG – ERDOGANS TÜRKEI TAUMELT DEM WAHNSINN ENTGEGEN

Aufgrund meines kleinen „Zwischenrufs“ im Freitags-Trendbarometer vom 10.03.2017 zur Lage in (und mit) der Türkei, haben mich einige unangenehme Kommentare erreicht, die auch mich und mein Umfeld mit nationalsozialistischem Treiben in Verbindung bringen. Nun lässt man solche Vergleiche besser unkommentiert, denn sie verdienen keine Beachtung. Trotzdem brennt es mir auf den Nägeln noch einmal kurz die geschichtlichen Fakten dazu richtigzustellen. Und da kann man Erstaunliches erfahren…

Geschichte ist dröge und kaum jemand interessiert sich für sie, so könnte man meinen. Es will schliesslich auch keiner aus ihr lernen, wie oft werden Fehler immer wieder begangen.

Trotzdem lohnt es sich manchmal doch ein gutes Geschichtsbuch zur Hand zu haben. Zum Beispiel, wenn man ein machthungriger Staatslenker und Geschichtsverfälscher ist, der sein Volk unterjochen möchte, und wie die schnell beleidigte Leberwurst anderen Staaten Nazimethoden und Faschismus unterstellt.

Meine halbe Familie lebt in Holland, und ich kann nur sagen, dass der Nazivergleich mit den Niederlanden so absurd ist wie Erdogan beim Friedensnobelpreis. Und auch ich, der am Freitag ein paar Fakten zum türkischen Wahlgesetz und der EU Heranführungshilfe aufgelistet hat, ist dadurch kein Feind des türkischen Volkes, wie mir geschrieben wurde. Das ist eine Frechheit, aber Bitteschön, ich werde solche Meinungen nicht weiter beachten, mir aber auch nicht den Mund verbieten lassen!

 

Spannender ist es dann aber doch sich das einmal genauer anzuschauen:

Die Niederlande hatten dem Flugzeug von Erdogans Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Landeerlaubnis in Rotterdam verweigert, weil er entgegen der klaren Ansage der Regierung für das umstrittene Verfassungsreferendum in der Türkei werben wollte. Die Niederlande wurden tatsächlich getäuscht über die Vorhaben des Mevlüt Cavusoglu, und auch die türkische Familienministerin hatte 5 verschiedene Limousinen zur Ablenkung losgeschickt, damit sie unbehelligt zu ihrem Ziel kommen sollte. Sie wurde deshalb erst kurz davor aufgehalten.

Gut zu wissen: Wahlkampf ausländischer Diplomaten (und das ist der Außenminister einer Regierung selbstverständlich) zu verweigern, ist nicht „faschistisch“. Im Gegenteil verstößt schon die Absicht gegen seit weit über einem Jahrhundert geltende Regeln: „Diplomaten halten sich im Ausland immer zurück, dürfen niemals politische Konflikte aus ihrer Heimat in das Gastland tragen.“ Das regelt das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen von 1961 eindeutig, dem auch die Türkei beigetreten ist.

Die Türkei hat selbst ein Gesetz dazu (oder besser dagegen): Im türkischen Wahlgesetz  Artikel 94/A heißt es: „Im Ausland und in Vertretungen im Ausland kann kein Wahlkampf betrieben werden.“ Die AKP hat dieses Gesetz selbst 2008 eingeführt.

 

Die Niederländer seien „Nazi-Nachfahren“ und „Faschisten“, weil sie Auftritte türkischer Politiker in ihrem Land nicht erlaubt haben.

Geschichte: Am 14. Mai 1940 kapitulierten die Niederlande vor Nazi-Deutschland, doch zuvor war noch die Altstadt von Rotterdam durch einen Fehler in der Kommunikation von den Deutschen bombardiert und weitestgehend zerstört worden.

Die folgenden fast fünf Jahre blieben die Niederlande deutsch besetzt; das Land wurde gnadenlos ausgeplündert. Knapp 200.000 Zivilisten kamen dadurch ums Leben, darunter 104.000 Juden. Das waren 2,41 Prozent der damaligen Bevölkerung der Niederlande. Der Süden des Landes war teilweise verwüstet!

Die Rolle der Türkei: Dagegen zeigte sich die Türkei Deutschland gegenüber zuerst eher neutral, nahm sogar ein paar deutsche Flüchtlinge auf (zB. Ernst Reuter) und begann aber dann ab 1941 einige der Kriegsparteien geradezu gegeneinander auszuspielen. Die Türkei trieb einen schwunghaften Handel zB. mit Frankreich UND kollaborierte mit Hitler-Deutschland. Es ging um das wichtige Chromiterz, welches zur Waffenproduktion benötigt wurde. Bezahlt wurde die Türkei von Deutschland mit vereinnahmtem Gold, welches aus Plünderungen West-Europas stammte.

Erst 1944 beendete die Türkei die diplomatischen Beziehungen zu Hitler-Deutschland, und am 23. Februar 1945 erklärte der damalige Staatspräsident Inönü dem Deutschen Reich schließlich den Krieg.

Insgesamt verloren die türkischen Soldaten (nach offiziellen Statistiken) 200 Mann. Die meisten davon kamen beim versehentlichen Versenken eines türkischen Schiffes durch ein französisches U-Boot am 23. Juni 1941 ums Leben.

Nach 1945 versuchten die USA, die Türkei zu Wiedergutmachungszahlungen für die Geschäfte mit dem Dritten Reich zu bewegen. Die Türkei wurde niemals für ihre Geschäfte mit dem Dritten Reich sanktioniert.

 

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(Foto: Wikicommonsww.kremlin.ru, Titanic  Quellen: Google Atlas der Geschichte, Weltgeschichte v. 13.03.2017 Keinerlei Sponsoring)

10 Kommentare

  1. Interessanter Beitrag, insbesondere über die Rolle der Türkei im 2. Weltkrieg. Danke auch für den Hinweis auf den besagten Artikel des türkischen Wahlgesetzes. Ich wünschte nur, dass sich alle in Deutschland lebenden Erdogan-Anhänger ebenfalls rundum informieren würden.

  2. Guten Morgen,

    danke für die Informationen, manches war mir nicht mehr bewusst. Heute wo sich jeder bestens informieren kann, anders als noch vor 80 Jahren, sollte es nicht mehr möglich sein, ein ganzes Volk „Hurra“ schreien zu lassen. Was haben gerade Frauen für Gleichberechtigung gekämpft und tun es noch immer , ich kann vieles nicht verstehen. Herzliche Grüße

  3. Lieber Konsumkaiser,

    vorab: Dein Blog ist mir der liebste.

    Zum Thema: Selbstverständlich hast du Recht und es ist auch alles nachzulesen, von jedem. Auch von hier lebenden Türken. Und ich wäre froh, wenn in dieser unsäglichen Diskussion nicht von Nazimethoden, Faschismus etc. die Rede wäre, also alles Erdogans Argumente. Ich wäre froh, wenn Merkel und Gabriel Erdogan auf das Wiener Abkommen und auf das türkische Wahlgesetz verweisen würden. Einfach und klar. Mehr Argumente benötigt man nicht. Statt dessen wird auf fehlenden Brandschutz oder zu wenig Parkplätze verwiesen. Das ist mehr als peinlich und da fehlt eine klare Ansage seitens der Regierung.
    Sich auf Erdogans Argumente einzulassen ist mehr als naiv, man springt über sein hingehaltenes Stöckchen. Es geht hier nicht um den Faschismus. Der Mann droht, und mit der Nazikeule trifft man immer irgendwen. Und wenn es denn um Nazimethoden gehen würde: Da hätte Erdogan sich im Land vertan, so fing es damals an wie heute bei ihm.

    1. Lieber Konsumkaiser, liebe Cara,

      ihr spricht mir geradewegs aus dem Herzen, ich hätte es nicht besser formulieren können!!

      Was vielleicht auch noch erwähnenswert wäre, ist, daß es doch vollkommen unlogisch ist, weshalb Erdogan so vehement die uneingeschränkte Visafreiheit für seine Bürger verlangt. Würde Europa DAS erlauben und würden daraufhin alle die von Erdogan verfolgten türkischen Oppositionellen z. B. nach Deutschland ausreisen/fliehen, würde Erdogan uns doch erst recht unterstellen, „Terroristen“ (wie er diese Menschen selbst nennt) „Unterschlupf zu gewähren“! Hallo???
      Ich frage mich außerdem: hat er in der Türkei denn so wenige Unterstützer, daß er in Deutschland auf den Zuspruch seiner Landsleute angewiesen ist??? Und wenn diese – sprechen wir es doch klar heraus – eine Diktatur in ihrem Heimatland tatsächlich befürworten und damit scheinbar auch für „Richtig“ halten, ohne selbst dort zu leben zu, weil sie irgendwann einmal u. a. auch der „Freiheit“ wegen überhaupt erst nach Deutschland gekommen sind, wieso gehen sie dann nicht wieder zurück in die Türkei??? Was hält sie denn dann noch hier in diesem, wie einige sagen, „Nazideutschland“??? NIEMAND zwingt hier auch nur EINEN türkischen Mitbürger, in Deutschland zu leben – das sollten sie nicht vergessen, wenn sie mit ihren Fingern auf uns zeigen!!!

      Sorry lieber Konsumkaiser für meine klaren Worte hier, aber ich bin entsetzt zu sehen, daß Menschen, die in einem demokratischen Land wie Deutschland zur Schule gegangen sind, scheinbar dennoch nicht erkennen (können), welches Ziel ihr Staatschef Erdogan mit seinem Propaganda in Europa verfolgt! Denn wenn er die Gewaltenteilung in seinem Land ersteinmal abgeschafft und alles gleichgeschaltet hat, die Verfassung geändert und in Stein gemeißelt hat, dann erst werden die Bürger begreifen, in welche Richtung ihr Präsident marschieren will! Aber dann wird es für die Menschen schon zu spät sein etwas dagegen zu tun, denn genau das Selbe geschah schon einmal: nämlich mit der Machtergreifung Hitlers im Dritten Reich!

  4. Wie weit ein engstirniger, cholerisch pöbelnder, osmanischer Zwergensultan mit verquerem Demokratieverständnis und sehr simplem Weltbild von „gut“ und „böse“ = Andersdenkende, „Ungläubige“ aka Terroristen, „Hunde“, Nazis – kommen kann, finde ich erschreckend.
    Wie viele ihm (verblendet?) fanatisch folgen, obwohl er „seinem“ Land damit schon bisher unübersehbar Schaden zugefügt hat, fast noch mehr.

    Was lief und läuft schief, dass so viele Trump/Erdogan/LePen/Wilders/Strache/Petry + Meuthen/Kaczynski’s und wie sie alle heißen, trotz Lügen, Hetzen und ohne jeden Funken Respekt und Moral über alle und alles hinwegsetzen, so weit kommen konnten und können? Ist es uns vielleicht zu lange zu gut gegangen, dass wir demokratische Werte und Toleranz als selbstverständlich erachten – und für unzerstörbar halten?

  5. Echt guter Artikel. Es ist wirklich Wahnsinn wie super du deine Themen mischst. Und dazu oft tiefgründig, ohne dieses ständige Geschleime.
    Diesen Artikel speichere ich ab, das sollte man niemals vergessen.

  6. Ein guter Artikel. Mithin wird verkannt, daß dies erst der Beginn des sog. Kulturkampfes in D ist. So nachgebend, versöhnlich, unaufdringich der größte Teil der Bevölkerung in D politisch agiert, so Aufmerksamkeit heischend plakativ rücksichtslos nimmt sich eine religiöse Minderheit nun Rechte heraus, die sie selbst nicht einzuhalten vermag. Das Rad lässt sich in Europa nicht mehr zurück drehen.

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