MEDIZIN: ÜBER DEN UNGLAUBLICH FAHRLÄSSIGEN UMGANG MIT ANTIBIOTIKA * 7 TIPPS DIE JEDER KENNEN SOLLTE

Die große Stoffgruppe der wirksamen Antibiotika schrumpft bedrohlich. War es vor ein paar Jahrzehnten noch ein Segen, dass dem Tode geweihte Menschen plötzlich wieder vollständig gesundeten, so ist es heute ein Segen, wenn der behandelnde Arzt noch ein wirksames Antibiotikum für seinen Patienten findet. Auch wir Patienten sind daran schuld, und wir haben eine ernst zu nehmende Verantwortung…

Immer mehr Bakterienstämme werden vielen Antibiotika gegenüber resistent. Das ist fatal und kann im schlimmsten Fall bedeuten, dass man heutzutage zB. an einer relativ einfachen Lungenentzündung versterben kann. Das einst so scharfe Messer der Antibiotika ist stumpf geworden.

Schuld sind uA die massenhaft verschriebenen Antibiotika, die per Schrotschuss Taktik auf jeden noch so simplen Schnupfen abgefeuert wurden/werden. Ein Abstrich (zB. der Mandeln, zur Ermittlung der verantwortlichen Bakterien) dauert lange und passt nichts ins Budget. Dann verordnet der Arzt eben ein Breitspektrum Antibiotikum. Hilft dies nicht so richtig, kommt das nächste dran.

Und auch die Massentierhaltung und unser unstillbarer Hunger auf immer mehr günstiges Fleisch sind mit verantwortlich für dieses echte Problem!

Wenn der Patient dann noch so „dumm“ ist und das Medikament bei den ersten Zeichen der Genesung absetzt, können die Bakterien ne Party feiern! Ein paar haben überlebt, und geben an ihre Nachfahren Informationen über das „überlebte“ Antibiotikum weiter. Juchuh, schon haben wir einen resistenten Stamm. Ständig müssen die Richtlinien überarbeitet werden, welche Antibiose nun der Goldstandard für welche Krankheit ist. Mehrmals kommt es bereits vor, dass nur noch ein einziges Medikament Wirkung zeigt. Es gibt auch seltene Fälle, bei denen KEIN Antibiotikum mehr anschlägt.

Diese Nachricht wird achselzuckend in den Medien verbreitet, aber wen kümmert es? Ist man aber demnächst womöglich selbst betroffen und die Ärzte stehen vorm Krankenbett und können nur noch mit den Köpfen schütteln, wird das Geschrei groß sein.

Aus diesem Grund möchte ich euch nochmals leicht verständlich erklären, was man bei einem verordneten Antibiotikum beachten MUSS!

 

  • Antibiotika helfen NICHT gegen Viren! Ein simpler Schnupfen, oder eine echte Grippe können und dürfen nicht mit einem AB behandelt werden. Es wird sich NICHTS tun. Anders sieht es bei Superinfektionen aus, wo sich auf den eigentlichen grippalen Infekt (Viren) noch eine bakterielle Infektion draufgesetzt hat. Die gilt es, je nach Schwere, mit AB zu bekämpfen.

 

  • Ein verordnetes Antibiotikum MUSS bis zum Ende der Packung aufgebraucht werden! Frühzeitiger Abbruch (man fühlt sich schnell wieder „gesund“), führt zu den gefürchteten Resistenzen. Damit könnte man unter Umständen sein eigenes Todesurteil unterschreiben. (Sorry für die drastische Beschreibung, aber trifft uns ALLE, wenn ein paar „Dummköpfe“ für eine flotte Ausbreitung von Resistenzen sorgen)

 

  • Keine übrig gebliebenen AB aufbewahren und beim nächstbesten „ähnlichen“ Infekt selbst anwenden! Das ist total fahrlässig, führt womöglich auch wieder zu Resistenzen oder im schlimmsten Fall zu einer rapiden Krankheitsverschlimmerung. Reste immer in der Apotheke abgeben, denn Medikamente gehören NIEMALS in den Hausmüll! Niemals! Und erst recht nicht in die Toilette!

 

  • Auch mal „Nein“ sagen! Wenn man schon das dritte oder vierte AB hintereinander verordnet bekommt, und das innerhalb eines Jahres, sollte man dringend einmal den Arzt wechseln, sich gut untersuchen lassen, und einen Arzt suchen, der nach dem Motte „So viel wie nötig, so selten wie möglich“ arbeitet! Das gilt natürlich nicht bei akuten bakteriellen Infektionen, die müssen IMMER behandelt werden. Dennoch ist es womöglich ratsam einen Arzt zu finden, der auch mal vor einem Abstrich zur Bestimmung des Bakterientyps nicht zurückschreckt. So kann man sich viel Zeit und Leid ersparen.

 

  • Milch und viele Antibiotika vertragen sich nicht besonders gut. Es kann zu einer gefährlichen Wirkungsabschwächung kommen. 2 – 3 Stunden nach der Einnahme eines AB sollte man unbedingt auf Milchprodukte verzichten. Isst man gerne Quark, Joghurt und Co. sollte man auf jeden Fall darüber mit dem behandelnden Arzt reden! Dieser kennt die entsprechenden Stoffgruppen und kann dazu Empfehlungen aussprechen.

 

  • Verschiedene AB können die Wirkung der AntiBabyPille abschwächen oder aufheben. Im Zweifelsfall unbedingt zusätzlich mit einem Kondom verhüten.

 

  • Wird ein Antibiotikum nach exakter Abwägung verschrieben, dann hat man schon einen ordentlichen Infekt im Körper. Das bedeutet, man sollte alles tun, um den Körper UND das AB zu unterstützen! Das bedeutet: KEIN Sport und KEIN Alkohol. Beides kann das Immunsystem zusätzlich schwächen, und der Körper muss sich unnötig abmühen und womöglich an seine Grenzen gehen. Schonung ist zwar unmodern geworden („Ein Indianer kennt..blahblablah“), aber manchmal einfach unerlässlich! Alkohol (schon in geringen Mengen) kombiniert mit AB kann zu einer „Vergiftung“, dem Antabus-Effekt, führen! Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Erbrechen können die Folge sein.

 

 

 

Bitte beherzigt die Ratschläge hier und da, denn wir alle wollen doch noch lange von den segensreichen Antibiotika profitieren! Wie immer gilt: Mal den Verstand einschalten und ein wenig nachdenken, hat noch nie geschadet! 🙂

 

 

(Dies sind keine Gesundheitsregeln, sondern allgemeine Ratschläge, über die man sich ruhig einmal Gedanken machen sollte, denn sie betreffen uns früher oder später alle einmal. Bei Beschwerden, Krankheitsgefühl und Fieber ist IMMER der Arzt zu befragen und der ärztliche Rat zu befolgen. Eigenmächtige Therapieänderungen können JEDEN Patienten in Teufels Küche bringen. Bei Fragen dazu UNBEDINGT mit dem Arzt des Vertrauens sprechen. Deutliche Infektionen, mit zB Fieber und Schmerzen, gehören IMMER in die Hand eines Mediziners und sollten nicht leichtfertig homöopathisch versorgt werden!)

 

 

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(Foto: KK    Fachl. Beratung: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA),   keinerlei Sponsoring)

26 Kommentare

  1. Jepp… das Hirn darf „hirnen“, denn Denken nützt 😊
    Ich selber habe nach meiner Kindheit, Dank unzähliger heftiger Mandelentzündung, bis zur schlussendlichen Entfernung der Tonsillen, nie wieder zu Antibiotika gegriffen…
    ABER wie oft erfahre ich in Gesprächen, dass Schülern mit gewöhnlichen Erkältungs-/Grippe-Symptomen direkt volle Dosen verabreicht werden, voll pathogen 😬 – Allgemein-Mediziner habe ich sowieso gefressen, SRY 😐
    Wenn ich mal krank war, was selten vorkommt, immer falsch diagnostiziert worden – rein persönliche Erfahrungswerte ✌

    Sehr informativ Herr Kollege!!! 👍
    DANKE
    Gruss der hydro

  2. Ich rege mich auch immer furchtbar auf, wenn Menschen mit einer simplen Erkältung zum Arzt gehen und dann ein Antibiotikum verschrieben wird. Da könnte man meinen, dass die Ärzte offenbar alle keine Ahnung haben. Mein HNO verschreibt mir nicht mal mehr bei Mittelohrentzündungen, die ich leider regelmäßig habe, AB. Er behandelt das lieber mit entzündungshemmenden Schmerztabletten in höherer Dosis. Das ist zwar auf andere Art wieder nicht gut, hilft aber eben so und ich muss nicht anschließend meine Darmflora wieder aufbauen.

    Was die Entsorgung von Medikamenten betrifft, habe ich auch immer gedacht, dass Medikamente nicht in den Hausmüll gehören. Vor kurzem habe ich allerdings erfahren, dass man abgelaufene Medikamente über den Hausmüll entsorgen darf. Das Bundesministerium für Gesundheit schreibt dazu:

    „Altmedikamente zählen zum „Siedlungsabfall“ und können deshalb beispielsweise in den Hausmüll gegeben werden. Dies ist entgegen einer vielfach geäußerten Auffassung ein sicherer und umweltfreundlicher Entsorgungsweg für Altarzneimittel. Denn Siedlungsabfälle werden zuerst in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder mechanisch-biologisch vorbehandelt, wodurch ggf. in Restabfällen enthaltene Schadstoffe weitgehend zerstört oder inaktiviert werden.“

    Ansonsten kann ich nur sagen, guter Beitrag. Aber der wird hier vermutlich nicht die richtigen erreichen, denn ich habe das Gefühl, deinen Blog lesen weitgehend mitdenkende Menschen. 😉

    1. Stimmt, danke für die Info!! Eigentlich finde ich diese Regelung mit dem Hausmüll doof, denn für viele ist das gleichbedeutend mit „das kann ich auch irgendwo in die Natur schmeißen“.
      Du glaubst gar nicht, wie oft Leute ihren Müll mit dem Auto im Wald ablegen. Und da können Medis ja zb ins Grundwasser gelangen.
      Oder das Klo runterspülen ist auch sowas. Ich finde das von dem Ministerium etwas verharmlosend.
      Was die Leserschaft dieses Blogs anbelangt, liegst du bestimmt richtig!! 😀
      Liebe Grüße, KK

      1. Ich habe nur einen Ausschnitt gepostet. Sie schreiben ausdrücklich, dass Medikamente nicht in die Toilette gehören und dass Behältnisse, die mit Medikamenten in Berührung gekommen sind, nicht ausgespült werden sollen.

        Aber was machen wir mit den ganzen Frauen, die hormonell verhüten? Sollen die ihren Urin als Sondermüll entsorgen? 😀

        1. Und dann noch die Weichmacher in den Gewässern. Männer werden bald nur noch Stricken und Blumen züchten…
          😉
          (Nee, ernsthaft, das ist wirklich ein großes Problem – und ein weiteres Thema demnächst)
          Liebe Grüße, KK

  3. Ich finde wir könnten uns, was das Gesundheitssystem angeht, mal bei den Niederländern uns was abgucken. Die haben nicht mal annähernd eine so hohe Verbreitung von Antibiotika. Und das finde ich auch gut so. Auch den Umgang mit Schmerztabletten finde ich in Deutschland unverantwortlich. Ich war einmal für 3 Tage im Krankenhaus. So oft wie die Schwestern mir eine Tablette anbieten wollten, kann ich gar nicht zählen.
    Ich gebe meine Medikamente auch lieber in der Apotheke ab. Wir hatten auch schon des öfteren den Fall, dass die Mülltonnen durchsucht wurden nach brauchbarem Material. Da schmeiß ich lieber sowas nicht rein.

    1. Bei Schmerzmitteln habe ich eine etwas anders gelagerte Meinung, gebe dir aber recht. Zu viel, zu schnell, zu einfach.
      Aber wir müssen meist auf die gefährlichen frei erhältlichen Schmerzmittel, wie Aspirin/Paracetamol/Diclofenac usw. zurückgreifen, die sehr schädlich für die Magenschleimhaut sind, weil sie den schützenden Schleim des Magens verringern. Es kommt teilweise recht schnell zum Magenbluten/Durchbruch bei Menschen, die regelm. diese Schmerzmittel einnehmen (und dazu keine Protonenpumpenhemmer). Ganz davon abgesehen, dass sie das Herz- und Schlaganfallrisiko stark erhöhen können!
      Dagegen gibt es stark wirksame Mittel, die nur relativ wenige Nebenwirkungen haben, die man sich aber beim Arzt geradezu erbetteln muss! Find ich dreist. Da wird lieber der Magendurchbruch in Kauf genommen. (Novaminsulfon, oder auch Opioide wirken hervorragend, und sie sind für die meisten Menschen deutlich weniger „gefährlich“ als die NSAR)
      Viele Grüße, KK

  4. Den Hinweis, dass Medikamente sehr wohl über den Hausmüll entsorgt werden sollen/müssen, weil Apotheken, die Medikamente gar nicht annehmen, wollte ich auch geben.

    Zusätzlich: Das Milchproduktverbot gilt nicht generell für jedes AB (NICHT z.B. für Penicillin oder Erythromycin).
    Auch Grapefruit(saft) z.B. kann die Wirksamkeit bei bestimmten AB stark verringern/verhindern.

    1. In meiner „Stamm-Apo“ gibt es sogar einen sehr großen Aufsteller, in den man abgelaufene oder unbenutzte Medikamente werfen SOLL. Ähnlich wie bei den Batterien, nur eben deutlich auffälliger und größer.
      Das mit den Milchprodukten stimmt natürlich, doch hier Wirkstoffnamen zu nennen wäre quatsch, die merkt sich eh niemand. Was dann wieder hängen bleibt: „Ach, das wird schon mit der Milch nicht so schlimm sein! Her mit dem Milchshake.“ 🙂
      Grapefruit in allen Variationen habe ich vergessen, stimmt. Das ist übrigens eine Frucht, die mit sehr sehr vielen Medikamenten ungünstig interagiert! Da muss man sehr vorsichtig sein.
      Liebe Grüße, KK

      1. Ist doch auch clever von der Apo, wenn ich die alten Medis dort entsorge, kann ich gleich neue kaufen… 😉

  5. Lieber KK
    Als erstes möchte ich ein dickes Lob an dich loswerden. Seit ich dich “ entdeckt “ habe, gehörst du zu meinem Morgenritual. Kaffee, Croissant und der Konsumkaiser. Es ist immer wieder eine Freude deine Artikel und Kommentare zu lesen.
    Jetzt habe ich aber eine Frage. Wie sieht es denn mit der Benutzung von AHA, BHA und Retinol im Sommer aus? Sollte man lieber pausieren bis zum Herbst, oder einfach zurückfahren? Du hast mal in einem älteren Artikel geschrieben, dass du von AHA abrätst, hab ich das noch richtig im Kopf? Ich denke, das könnte noch mehr Menschen hier interessieren.
    Liebe Grüsse aus dem sonnigen Süden Europas
    Nimitta

    1. Liebe Nimitta!
      Vielen Dank erstmal für dein Lob, darüber freue ich mich natürlich sehr!!
      Im Sommer kannst du Retinol bedenkenlos weiter verwenden, natürlich vorzugsweise am Abend, und nicht unbedingt eine neue superhohe Konzentration ausprobieren. Im Sommer sollte man bei diesen potenten Produkten bei dem bleiben, was einem gut tut. Das gilt, wenn man in die Sonne gehen möchte. Wohnst du in Sibierien, ist das natürlich nicht ganz so wichtig. 🙂
      Bei AHA ist es ähnlich, ich würde es aber nur gering konzentriert einsetzen, oder als Retard-Produkt, wie zB beim HighDroxy (Fluid). Vielleicht auch nur einmal wöchentlich. Bitte keine AHAs IN der Sonne auftragen, es sei denn sie sind extra sanft und sehr, sehr gering dosiert. Dann überwiegt nicht der „Schälende“ Effekt, sondern die feuchtigkeitsspendende und glättende Wirkung. BHA kannst du auch verwenden. Es beruhigt sogar ein wenig die Haut und wirkt anti-entzündlich.

      Wichtig finde ich eben: Nicht die Konzentrationen im Sommer erhöhen, lieber niedriger konzentriertes verwenden. Dann auch unbedingt tagsüber einen hohen Sonnenschutz auftragen (in der Stadt ab 25 – am Meer / in den Bergen den höchsten). IN der Sonne möglichst gar keine Kosmetik auftragen, man weiß nie… ausser natürlich Sonnenschutzprodukte, und da auf „gute“ und für DICH verträgliche Filter, und möglichst Antioxidantien (zB Vitamine) achten!

      Ich persönlich nutze im Sommer alle paar Tage das Face Serum von HighDroxy mit sanfter Mandelsäure (abends), Tagsüber das Fluid, welches sehr niedrig dosierte Fruchtsäuren enthält, die zeitverzögert in der Haut freigesetzt werden, was die Haut dadurch nicht sensibler macht. Der 25er LSF ist sehr hoch, weil die Filter hervorragend sind, und dadurch auch der UVA Schutz deutlich höher ausfällt als vom Gesetzgeber vorgegeben.

      Ich hoffe, ich konnte dir das ein bisschen erklären. Du musst aber auch deine eigenen Erfahrungen machen, denn jede Haut ist anders!! (Ich kann es nur immer wieder predigen!) Tipps für alle und jeden gibts einfach nicht.
      Liebe Grüße in den sonnigen Süden Europas (*neidisch guck*), KK

      1. Danke dir für deine ausführliche Antwort! Du bist ein Schatz! Freu mich schon auf morgen….
        Gruss aus dem sonnigen Sibirien
        Liebe Grüsse Nimitta

  6. Hi Jörg,

    um ganz ehrlich zu sein, ich darf da gar nicht drüber nachdenken, was mir im Laufe der Jahre schon alles an Antibiotika verschrieben wurde….
    Mittlerweile schwöre ich bei der „Selbstmedikation“ auf Angocin, d.h. bei den ersten Anzeichen einer Erkältung oder B-Entzündung – aber auch dann, wenn es mich schon erwischt hat. Angocin ist sowas wie ein pflanzliches Antiobiotika, hilft gegen Viren UND Bakterien, hat kaum Nebenwirkungen und man wird dagegen m.W.n. auch nicht immun. Das mal nur so als Tipp (falls es noch nicht bekannt ist). Alle Bekannte, denen ich das Medikament bisher empfohlen habe, waren übrigens genauso begeistert wie ich.

    Lg, Annemarie

    1. Liebe Annemarie!
      Nimm das bitte nicht als Kritik, ich glaube dir auch völlig, dass du mit Angocin gute Erfahrungen gemacht hast.
      Ich denke aber, dass es sich jeweils um Infekte handelte, bei denen der Körper eh alleine mit den Erregern klar gekommen wäre.
      Es ist aber wichtig zu unterscheiden, wann die „kritische Masse“ überschritten ist, also mehr Bakterien im Körper sind als Abwehrzellen.
      Dann ist es unerlässlich und lebensnotwendig ein Antibiotikum einzusetzen.
      Diese Naturheilmittel haben fast alle eine nachgewiesene Wirkung, wobei man da beim Menschen nicht so ganz schlüssige Ergebnisse hat. Meist stammen die „Beweise“ der Bakterien tötenden Wirkung aus dem Reagenzglas, und das sind andere Voraussetzungen als im menschlichen Körper. Leider.

      Ein Schnupfen zB dauert unbehandelt 7 Tage, und mit Medikamenten 1 Woche…alter Medizinerwitz.

      Ich finde es total richtig Verantwortung zu übernehmen und nicht bei jedem kleinen Schnupfen jammernd zum Arzt zu rennen, der dann aus lauter Druck irgendetwas verschreibt. Aber wie gesagt, wenn es wirklich wichtig ist, wäre es dumm selbst zu lange herumzudoktorn.
      Ich habe auch gerade etwas, da hätte ich auch nicht so lange warten dürfen. Nun macht man sich große Sorgen. Und bei Blasenentzündungen (Frauen haben die ja öfter als Männer) ist auch größte Vorsicht geboten, denn da handelt man sich unter Umständen viel Ärger ein: Sie kann chronisch werden und schlimmstenfalls zur Unfruchtbarkeit führen.
      Viele liebe Grüße, KK

      1. Hi Jörg,

        ach was, ich bin doch nicht böse. Ich will damit auch keineswegs sagen, dass man überhaupt nicht mehr zu Arzt gehen und alles mit Angocin selbst behandeln sollte. Das wäre ganz sicher unverantwortlich. Mag natürlich sein, dass die Infektionen, die ich mit Angocin behandelt habe auch ohne schnell weggegangen wären (das gilt dann aber auch für meine Nachbarin und meine Kollegen, denen ich das Zeug empfohlen habe), aber das weiss man im nachhinein natürlich nicht.
        Was BE’s betrifft: Ich hatte das mal ne Zeit lang recht häufig und vom Arzt verschriebene AB haben nicht mehr angeschlagen. D.h. eine Woche lang AB genommen, eine Woche lang permanent Übelkeit (Magen-Darm Du weiss schon) wegen dem Zeug und nach dieser Woche immer noch keine deutliche Besserung…
        Da hatte ich keinen Bock darauf, dass mit der Arzt die nächste Sorte AB verschreibt und habe es mit Angocin versucht. Und bilde mir ein, das hat dann nach ein paar Tagen geholfen.
        Oder es war halt nur Zufall und das (vom Arzt verschriebene) AB hat tatsächlich erst nach einer Woche angeschlagen (ich kenne es nunmal von früher anders, da war spätestens an Tag 2 eine deutliche Besserung zu spüren). Who knows…. Lg, Annemarie

  7. meine mutter (süße 75) ist inzwischen so vernünftig, dass sie mich um rat fragt und die ganzen AB’s die ihr der pommern-landarzt verschreibt, gar nicht mehr abholt. sie hat im wartezimmer dann mal genau darauf geachtet und erzählte mir, dass wirklich JEDER anwesende rentner ein rezept für AB bekam. seit dem passt sie auf und hat den arzt auch schon mal gefragt, wogegen genau das mittel denn jetzt ganau helfen soll. sie hatte einen leistenbruch!!!!!! es ist unglaublich. ich bin echt kurz davor, den typen bei der ärztekammer zu melden. der macht es sich nur einfach und seine lebenspartnerin am tresen schreibt kiloweise die rezepte aus.

  8. Lieber KK, volle Zustimmung bei den AB.
    Nur ein kleiner Hinweis Novamin kann sehr gefährlich sein und ist nur ein Medikament der 2. Wahl (Agranulozytose!!). In vielen Ländern nicht zugelassen.
    Liebe Grüße

    1. Hallo Christine!
      Stimmt, zum Glück ist diese Nebenwirkung zwar fatal, aber extrem selten. Ich halte das Novamin für ein unterschätztes Medikament, weil es zB als einziges in der Lage war, meine starken Hüftgelenksschmerzen zu unterdrücken (in Kombi mit einem Opioid). Normalerweise muss man da mit Diclo vorlieb nehmen. Und wenn der Arzt dann noch den Magenschutz „vergisst“, siehts düster aus. Magenblutungen sind ja leider echt weit verbreitet. Von den KHK Patienten mal zu schweigen, die hier auch lieber die Finger weg lassen sollten, glaubt man den Studien hierzu.
      Liebe Grüße, KK

  9. Ich stimme allem, was Du schreibst, zu. Fahrlässiger Umgang mit Antibiotika bedroht und alle, auch die, die damit eher konservativ umgehen. Das ist ähnlich wie mit einigen besonders „schlauen“ Müttern, die ihre Kinder vor schweren leicht übertragbaren Krankheiten nicht impfen lassen, weil sie ja „die Wahrheit“ über die Verschwörung der Regierung und Pharmakonzerne gegen die Menschheit oder ähnlich dumme Geschichten im Internet gelesen haben. Unter ihrer wenig intelligenten Sturheit leiden dann alle anderen, besonders Menschen, die tatsächlich aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

    Ehrlich gesagt habe ich aber noch mehr Angst wegen dem Einsatz der Antibiotika bei der konventionellen Tierhaltung. Bei den Menschen kann man ja noch hoffen, dass man mit Aufklärung und gutem Willen das Verhalten jedes einzelnen beeinflussen kann. In der Tierhaltung geschieht die Beimischung der Antibiotika zum Futter im verborgenen, das sieht mit eigenen Augen keiner, und es ist so weit weg, dass man darüber auch nicht nachdenkt. Dabei sind die Ausmaße des Elends eigentlich größer, als beim Einsatz in der Menschenmedizin. Es werden täglich Abermillionen Tiere mit dem Zeug gefüttert, und eine Änderung der Gesetzeslage ist nicht abzusehen, da lässt sich der „arme Bauer“ und seine Mega-Lobby nicht lumpen, Politiker getrauen sich nicht an das Thema. Bio Fleisch ist da besser, aber es ist illusorisch, dass die Bevölkerung darauf komplett umsteigen wird, solange daneben im Regal günstigeres Fleisch liegt. Habe keine Lösung für das Problem 😦 Wollte aber einfach mal schreiben, da Du das wichtige Thema Antibiotika angeschrieben hast.

    Dein Blog ist übrigens klasse!

    1. Hallo Jana!
      Danke erstmal! 🙂
      Das mit der Massentierhaltung kommt bei mir nur in einem Satz vor, ist aber tatsächlich einen ganzen Blogpost wert. Nun kenne ich mich in der Medizin besser als in landwirtschaftlichen Dingen aus, da werde ich dann erst einmal etwas recherchieren. Aber ich werde das Thema nochmals aufgreifen, weil das auch immer so achselzuckend hingenommen wird.
      Liebe Grüße, KK

  10. Wichtiges Thema. Kann man gar nicht oft genug ansprechen! Mein Hausarzt, den ich mir vor zwei Jahren endlich mal zugelegt habe, hat sich für mich genau dadurch als guter Arzt qualifiziert, als er mir bei einem dahinschleichenden fieberhaften Infekt, der sich über zwei Wochen zog (das kenne ich sonst gar nicht), kein Antibiotikum verschrieb, obwohl ich in der zweiten Woche jammernd vor ihm saß. Blut hat er abgenommen und mich dann zum Abwarten verdonnert. Und er lag richtig. 😉

    Ganz im Gegensatz zu einem Kinderarzt, der bei fast jedem roten Hals grundsätzlich Antibiotika verschrieb, obwohl wir einen Strep-Schnelltest in der Praxis hatten. Da stehst du als Arzthelferin daneben und möchtest ihn schütteln. Und nun rate, zu welchem Doc ich mit dem Junior im Krankheitsfall nie gegangen bin. Zum Glück war das ne Doppelarztpraxis. 😉 Kopfschüttelnd stehst du auch da, wenn Eltern erzählen, dass sie den Kids die Medikamenteneinnahme schmackhaft machen wollten… indem SIE SELBST das Antibiotikum einnahmen und das Kind zog dann nach… ohne Worte.

    LG Anna

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