HERR KK ERKLÄRT DIE WELT: WARUM SEX ZUR WEIHNACHTSZEIT WAHRSCHEINLICHER IST ALS ZUM KARNEVAL

Karneval? Geh weg! Wenn ich mir vorstelle, wie kostümierte Jecken in dunklen Ecken rummachen, und dabei nach Tabak und billigem Bier muffen, vergeht mir die Lust an der Lust. Ganz anders mit einem netten Mistelzweig am neckisch-roten Mützchen und einer dezenten Glühwein-Fahne. Wer glaubt, sie oder er habe einfach zu wenig Sex, bitteschön: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt um die totale Nächstenliebe zu praktizieren…

Nur mal vorsichtshalber: Ich rede hier nicht über mich. Mein Leben unterhalb der Gürtellinie ist grottenlangweilig und braucht nicht zwingend analysiert werden. Trotzdem hatte ich letztens noch ein längeres Gespräch mit einer guten Freundin, die sich (um es mal vorsichtig auszudrücken) untervögelt fühlte. Nun gut, nach ungefähr zwanzig Ehejahren ist die Luft gerne schon mal raus, und auch die Phase mit schwarzer Wäsche, hochhackigen Overknees im Bett (Gottlob, sie hat kein Wasserbett!) und diversen Austern, Erdbeeren und Sahnespielchen, ist schon länger passé.

Wozu hatte sich die Grundgute alos entschlossen? Eine Trennung vom Ehemann und dann eine Affaire bitteschön. Gerne etwas jünger, kann strohdumm daherkommen, oder nein…doch besser Psychologiestudent oder Pädagoge. Macht einfach ein besseres Gefühl. Dunkle Haare und nen Bart soll er haben, ein Hipster wäre nicht schlecht, aber ein härterer, nicht sowas weichgespült Berlin-Mitteriges. Dieser müsste dann wahrscheinlich direkt nach Verrichtung aller Dinge, die sich meine Freundin so ausmalte, zurück zum Kinderwagen um den kleinen Rusmarin-Elias zu stillen, äh…also mit gepumpter Mothermilk. Nee, unbedingt ein harter Kerl, ohne Kind und am besten auch ohne Freundin. Man will ja auch nicht in anderen Beziehungen…und so…

Ok, die Formalitäten waren geklärt, aber wie zum Schuss kommen? (Hmm, eigentlich falsch formuliert. Besser wäre ein Vergleich aus dem Golfen, aber diese Kolumne ist schon anzüglich genug.) Ok, nochmals Brainstorming. Und da fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Es ist ja Weihnachtszeit. Geilomat! Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste, und immer, ich betone IMMER, ist Glühwein mit im Spiel. Gute Voraussetzungen, die Hemmungen unter den Tisch zu saufen und in die Offensive zu gehen. Nur woher erfahre ich, wann sämtliche Psychologen oder Pädagogen in der Stadt ihre Weihnachtsfeiern abhalten. Und feiern die überhaupt?

„Oooch, naja, es kann ja auch einer aus der Firma sein. So ein paar Etagen tiefer arbeiten ein paar heisse Schnuckelchen!“ Hier muss ich erwähnen wie erschrocken ich feststellen musste, dass das Anspruchsdenken meiner guten Freundin schneller fällt, als der BH von Micaela Schäfer. Rumms!

„Never fuck with a company-member! Schon mal gehört?“ Eine unwirsche Handbewegung folgte und maschinengwehrartig schoss sogleich der weitere Plan heraus: „Am Ende der Party teile ich mir ein Taxi mit einem der Typen, und in Taxen wird ja grundsätzlich gefummelt, und dann gehts ab zu…ihm!“ Ich muss zugeben, es klang wirklich gut, fehlte nur noch ein Packung Kondome (Männer haben sowas ja nie dabei!!) und eine gute Taktik für spätere Treffen im Firmenfahrstuhl.

Weitere Kopulationsmöglichkeiten wurden erörtert, es sollte möglichst schnell gehen: „Ab in die nächste Bar und ganz dreist unter den nächstbesten Mistelzweig stellen! Die Kerle werden Schlange stehen!“ Hmmm, ok, ich habs ihr verschwiegen, aber den Trick kenne ich. Habs ausprobiert, funktioniert nicht! Ich stand völlig verblödet eine halbe Stunde in einem Türrahmen und kein Schwein kannte auch nur Ansatzweise den Brauch mit dem Mistelzweig und daraus resultierendem Rumgeknutsche. Arrghh…

Und wenn alles nichts wird? Wozu hat man gefühlte zweitausend Kontakte im Handy gespeichert? Einfach eine Gruppenmessage an ALLE: „Hey, fühl´mich heute zu Nikolaus so unartig! Komisch, was ist das nur??“ 99% werden kopfschüttelnd die peinliche Nachricht löschen, der Rest meldet sich sabbernd innerhalb von drei Minuten! Garantiert!

Und dann hat man (also sie) ja auch noch einen Blog, Facebook und einen Instagram Account! Ha, ein paar freizügige Fotos einstellen. Am besten mit nem Glas Schampus in der Hand, ner Weihnachtsmütze auf dem Haar und leicht anzüglichem Blick (warum heisst das eigentlich nicht AUSzüglich? Das ist doch passender, oder?) Man glaubt es kaum, aber die Angebote kommen im Minutentakt herein.

Woher ich das weiß? Wir haben das mit den Fotos noch am gleichen Abend ausprobiert. Ich musste dann irgendwann fluchtartig die Wohnung verlassen, weil irgendein André sich bei Facebook so geschickt anstellte, dass er flugs eine freundliche Einladung zum sofortigen Glühwein schlürfen von meiner Freundin erhielt. Er war übrigens tatsächlich Lehrer, hatte nen Bart und keine Freundin…sagte er. Eine sehr zufriedene gute Freundin lud mich dann am nächsten Tag zum späten Brunch ein. Ach diese Weihnachtszeit, selbst Rumvögeln fühlt sich hier ein kleines bisschen heilig an.

 

 

13 Kommentare

  1. Ich hätte Dir auch ein Bussi unterm Mistelzweig gegeben 😀
    Aber ich finde den Vorschlag deine Kolumnen als Buch rauszugeben, ziemlich gut.
    Ich lache mich jedenfalls scheckig.
    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Tinder, Lovoo etc. Unglaublich wie einfach manche Menschen zum Zug kommen.

      Und natürlich köstlich formuliert von dir lieber Kaiser. Ich sitze gerade in einer Vorlesung und musste mich sehr beherrschen, um nicht laut loszulachen. 😀

  2. Köstlich! Ich liege japsend vor Lachen unter dem Mistelzweig und warte auf Wiederbelebungsmaßnahmen in Form von Kuss und Glühwein 😀
    Anscheinend bin ich bisher aber immer auf den falschen Weihnachtsfeiern gewesen, denn trotz Glüh- oder anderem Wein und ausgelassener Lustigkeit ging es gesittet zu. Gerade unter Kollegen wöge mir auch die Peinlichkeit, hinterher, wenn der Glühwein nicht mehr alles schön zeichnet, wieder irgendwie miteinander arbeiten zu müssen, den kurzen Kick nicht auf. Aber jede(r), wie er/sie es braucht…

  3. 😂😂😂
    Ja ein Buch wäre super, am Besten ein Weihnachtsbuch mit dem Titel “ Warum sie zu Weihnachten 24 mal die Pforte öffnet“ 😝

  4. Hihi……Oh nein, eine halbe Stunde unter dem Mistelzweig. Du bist geduldig 🙂 Hätte dich nicht so lange ungeküsst stehen lassen 🙂

    Lieben Gruß aus Wien
    Regina

  5. Da hab ich ja richtig Glück gehabt, nach 30 Jahren…. Wir beide sind so ‚romantisch‘ und lassen es uns lieber zum Jahreswechsel ’so richtig gut gehen‘ ;-)…Übrigens, in zwei Tagen gehe ich zur Weihnachtsfeier, aber da gab es noch nie einen Mistelzweig……ich hätte ja gern mal getestet, wie lange ich da drunter stehen müsste…..;-) Liebe Grüße und weiterhin eine schöne Adventszeit von Kristina

  6. Mr. Kaiser, dieses Foto macht mich ganz wuschig! Im Ernst… ich steh sonst nicht auf „alte Säcke“ 😛 😛 aber das Pic ist ja mal oberheiss. Muah! ❤

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