LIFESTYLE: MIDLIFE-CRISIS * EIN MANN VERSUCHT DIE „WECHSELJAHRE DES MANNES“ ZU ERKLÄREN…

Hoho, ein reißerischer Titel, nicht wahr? Aber das Thema verdient es ein wenig gepusht zu werden. Die Wechseljahre der Frau sind allgegenwärtig thematisiert. Der Mann dagegen jammert zwar gerne über tödliche Schnupfenviren, ansonsten umgibt er sich im Zweifelsfall lieber mit jüngeren Gespielinnen/Spielgefährten oder teuren Sportwagen mit großem Auspuff, als über „Wechseljahresbeschwerden“ zu sinnieren. Ich finde, das gehört ein wenig aufgeklärt. Auch aus eigener Erfahrung…

KK Lederjacke blau

 

Das Klimakterium der Frau: Scheinbar überall!

In jedem zweiten Blog, in jeder Zeitschrift mit Anti-Aging Werbekunden, wahrscheinlich auch auf der Menükarte im Veggie Restaurant: An den weiblichen Wechseljahren kommen wir nicht vorbei. Man will sich nur mal kurz über Paula Begouns neues Augenpflegeprodukt informieren, und schon weiß man, dass Petra Q. aus S. so sehr an Scheidentrockenheit leidet, und Christiane P. aus B. während ihrer Hitzewallungen ihren Mann am liebsten ermorden möchte, weil der Zugluft so hasst. Richtig, alles wichtig, aber als Mann hat man auch so seine Problemchen. Nur über die reden wir (also wir Männer) scheinbar nicht so gerne wie Frauen. Ok, liegt in der Natur, schon klar, Frauen reden einfach viel mehr haben einen größeren Wortschatz, jaja.

Möglicherweise liegt es auch daran, dass es DIE Wechseljahre beim Mann gar nicht gibt. Die Hormonproduktion beim Mann versiegt eher schleichend und die „Wechseljahre“stellen sich nicht mit einem „Schönen guten Tag, wir sind dann mal da!“ vor. Bei Frauen kommt das alles deutlich schlagartiger: „Ich bin seit gestern nur noch am Schwitzen, ich bin in den Wechseljahren!“, oder „Gestern hatte ich noch den besten Sex und heute Morgen habe ich plötzlich Haare am Kinn und auf der Nase. Ich kann nie wieder einem Mann im Hellen begegnen, scheiß Wechseljahre!“ (Diese Beispiele habe ich mir nicht ausgedacht, sowas bekommt man in diesem Internet zu lesen)

Die Wechseljahre des Mannes: Quatsch, eher Wechseljahrzehnte!

Bei Männern beginnt das (Männer zu Männern machende) Hormon Testosteron bereits recht früh langsam zu versiegen (Ab dem ca. 30. Lebensjahr). Im Laufe der Jahre wird dann Muskelmasse eingespart und durch Fett ersetzt, Haare werden ebenfalls zwangsversetzt, nämlich vom Kopf auf den Rücken, in die Nase und auf die Ohren. Als Mann tut man gut daran frühzeitig in einen guten Ohren- und Nasenhaarschneider zu investieren (meiner ist von Braun und super!). Es schadet auch nicht eine Partnerin/ einen Partner zu haben, die/der mit einem Haarschneidegerät mustergültig umgehen kann, sodass die regelmäßige Rückenrasur nicht ständig durch Verdrehungsverletzungen blockiert wird.

Da beim Mann Nase und Ohren dazu ständig an Größe zunehmen, gibt es scheinbar auch immer mehr Platz für störendes Gestrüpp. Ganz toll, auf sowas wartet man ja nur.  Aber damit nicht genug, auch die Psyche verändert sich…

Was viele Partnerinnen/Partner insgeheim mit Wohlwollen betrachten, ist eigentlich ein langsames „Sterben“: Der einst noch so agile Mann (Jäger!), wird langsam aber sicher sesshaft, heimelig, macht es sich kuschelig und trägt warme Wollsocken. Dazu schwindet bei einigen Exemplaren auch noch die Lust auf Sex. (Darüber streitet die Wissenschaft, ob es nicht doch mehr die eigene Ablehnung der eigenen, schlechter gewordenen, Körperlichkeit ist, oder gar die zu starke Nähe und Gewöhnung an die langjährige Ehefrau. Auch wird geschildert, dass Menschen, die schon immer eine offenere Haltung zur Sexualität hatten, länger sexuell problemlos aktiv blieben). Versteht mich in diesen Punkten nicht falsch, auch Frauen werden ihren Ehemann satt, haben Stimmungsschwankungen und Haare an ungünstigen Körperstellen, die Unterschiede sind eigentlich geringer als man denkt, aber ich rede hier und heute ja nun einmal explizit über Männer.

Der große Unterschied ist aber: Wenn Männern erst einmal bewusst wird, was nach diesen langen „Umbaujahren“ aus ihnen geworden ist, ist der Schreck besonders groß (meist Ende 40 bis Anfang 50). Das resultiert dann häufig in eben genannten (geradezu kindischen) Beispielen mit jüngeren SexpartnerInnen, Autos, verschreibungspflichtigen Standhelfern und anderem Schabernack, aber womöglich auch im Zusammenbruch des psychischen Gefüges.

Es ist einfach eine Frage der Fallhöhe: Auch ehemals richtige „Hunks“ verlieren irgendwann einmal ihre Attraktivität und Virilität. Darum auch der auffallende Knick in der Statistik, genannt Midlife-Crisis, wo Männer sich aus dem Staub machen, ihre Firma und Frau verlassen und verkaufen (äh, andersrum) und auf Ibiza Hanf anbauen. Hitzewallungen, Herzrasen und womöglich Trockenheit in der „Fun-Zone“ sind nicht unsere Probleme, sondern die Gewissheit, dass wir nicht mehr die „Kerle“ sind, die wir mal waren! Und wie gesagt, sowas schlägt sich relativ plötzlich ins Bewusstsein eines Mannes, denn wir sind ebenfalls gut im Verdrängen und Schönreden…bis es dann offensichtlich wird. Die Waage lügt nicht, die Jeans auch nicht, und in den coolen Club kommen wir plötzlich auch nicht mehr so ohne weiteres rein (Hilfsmittel? Siehe Kohle, Autos, blaue Pillen).

Strategien?

Ich persönlich halte Hormonersatztherapien bei Männern nicht für die eleganteste Lösung! Zu oft sieht man im Anschluß keinerlei Verbesserung bei Libido und Körpergewicht, wodurch berechtigte Zweifel an der Wirksamkeit aufgekommen sind. Obwohl wir ja gerne immer ALLES auf die nun fehlenden Hormone schieben. Sicherlich kann man es einmal versuchen, dazu muss Mann aber zwingend eine gesunde Prostata haben, da durch Testosteronsubstitution ein Prostatakarzinom rasant im Wachstum angeregt werden kann. Auch das Herz- Kreislaufsystem sollte keine zu großen Beeinträchtigungen haben.

Wenn ein Testosteronspiegel von weniger als 3,5 mg/Liter festgestellt wird, dem sogenannten PADAM („Partielles Androgen Defizit Des Alternden Mannes“), wird in solchen Fällen (wenn der Patient darauf besteht) eine Hormonersatztherapie (HET) mit Testosteron nach Ausschluss eines PCa verschrieben. Doch wie oben gesagt, die Erfolge sind nicht einwandfrei belegt.

Meiner Ansicht nach, sollte man wieder einmal das Ganze im Auge haben: Nicht nur der Köper hat sich umgebaut, auch Seele und Geist sind verändert und taumeln nun durch die unsicheren neuen Gefilde. Männer stellen sich in dieser Situation immer öfter die Frage, ob sie den Anforderungen noch genügen, in Arbeit und Familie. Will oder kann man überhaupt noch einmal etwas Neues anfangen?

Und muss man ab sofort auf Schmetterlinge im Bauch verzichten, will sagen, möchte man sich nicht vielleicht noch einmal verliebt fühlen? So wie damals? Sollte es das jetzt gewesen sein?  Führt die Reise noch irgendwo hin, oder versinkt man im Alltag? Wenn man dann dazu noch körperlich ausgelaugt ist, durch Stress und Arbeit, dann haben wir es hier mit einer psychischen Krise zu tun, die ganz den Wechseljahren ähnelt, aber Männern mehr Substanz abverlangt, weil die Psyche einen gehörigen Knacks abbekommen hat. Manchmal sieht man dann den „Wert“ dessen was man erreicht hat und besitzt (nicht nur materiell) einfach nicht mehr!

Da versteht man auch, warum Männer selten über ihre „Beschwerden“ in diesem Lebensabschnitt reden. Psychisch „Kranke“ reden nicht von sich aus über ihre beklemmenden Gefühle. (Übrigens DANKE, liebe Gesellschaft, die ihr diese Menschen für „verrückt“ erklärt).

Ein paar (ruhig auch mehrere)  gute Gespräche mit einem Therapeuten halte ich für eine weitaus bessere Lösung, als die relativ „zweidimensionale“ Hormonersatztherapie. Nur wer wieder mit sich ins Reine kommt, hat die Chance sich wieder zu akzeptieren und zu lieben. Und das ist die Grundlage um auch andere Menschen zu lieben und sein Leben meistern zu können. Es muss erlernt werden neues Selbstbewusstsein aus (jetzt nun mal) anderen Dingen zu schöpfen, als wir es „gelernt“ haben (Aussehen, Muskeln, Agilität, usw).

Im allergrößten Zweifelsfall muss man aber auch einmal Loslassen und sich tatsächlich verändern. So unsinnig es auch klingt, doch der totale Ausstieg aus Familie, Beruf und Umfeld bringt bei manchen Menschen die Linderung. Leider bleiben dabei viele andere auf der Strecke. Bliebe die Frage, wie weit man für sein eigenes Seelenheil gehen würde? „Gesegnet“ sind in diesem Fall Menschen, die sich auf „freundschaftliche Art und Weise“ auseinander dividieren können, um jeder für sich sein neues Leben beginnen zu können, und die beide Kraft aus der neuen Situation schöpfen. (Das ist allerdings eindeutig, besonders in heterosexuellen Beziehungen, sehr selten zu beobachten).

Ein letzter Tipp (mein Allheilmittel für die „leichteren Fälle“): Unbedingt sportlich bleiben, Muskelmasse weitestgehend erhalten und wenig Fett ansetzen! (Von körperlichen Exzessen aber bitte Abstand halten!) Mal ganz abgesehen vom besseren Körpergefühl (Selbstbewusstsein), produzieren Fettmassen am Körper ungünstige Hormone/Botenstoffe, die entzündliche Prozesse im Körper fördern und einen Östrogenüberschuss im männlichen Körper verursachen können. Dass dies nicht gerade von Vorteil in dieser Umbruchphase sein kann, liegt wohl auf der Hand…

 

(In diesem Artikel kann leider nur ein erster kleiner Einblick in diese Thematik gegeben werden, und soll einzig als Denkanstoß gelten. Es geht hier um Extremfälle, meist verläuft das Ganze (wie auch bei vielen Frauen) durchaus unproblematisch. Bei weiteren Fragen, Problemen oder Beschwerden, möchte ich jedem dringend raten, sich an den Hausarzt oder einen Therapeuten zu wenden. Hier kann die Lage erörtert, und weiteres Vorgehen geplant werden!)

 

(Literatur: Bauer, Berghöfer, Adli: „Akute und therapieresistente Depressionen“, G.H. Jacobi „Praxis der Männergesundheit“ – KK besitzt eine Zusatzausbildung in „Freier Psychologie“ (Paracelsus Studiengang zum Psychologischen Berater)

(Fotos: Konsumkaiser  Keinerlei Sponsoring)

 

 

 

11 Kommentare

  1. Lieber Konsumkaiser,

    sehr interessanter Beitrag. Finde es gut, über dieses Thema auch mal aus männlicher Sicht lesen.
    Die Jahre um die 50 herum sind sicher für beide Geschlechter anstrengend. Einmal körperlich, vor allem aber seelisch. Es wird einem bewusst, dass man als Mensch nun mal ein endliches Leben hat und wahrscheinlich deshalb versuchen viele, ihr Leben zu verbessern, was auch immer das für den Einzelnen bedeutet. Ein paar Gespräche beim Therapeuten können da sicher helfen.
    Persönlich habe ich gemerkt, dass das Älterwerden auch Vorteile bringt. Es fällt mir leichter, zu meiner Meinung und zu meinen Bedürfnissen zu stehen, ich gebe weniger auf die Meinung anderer. Und das finde ich echt entspannend 😊

    Für rein körperliche Beschwerden rate ich ebenfalls ganz pragmatisch zu einem Arztbesuch, statt mit Internet und Zeitschriften selbst herumzudoktern. Statt tausender Meinungen und Horrorszenarien ist mir ein Bluttest und eine fundierte Empfehlung dazu deutlich lieber. Falls man sich beim eigenen Arzt nicht gut aufgehoben fühlt, am besten den Doc wechseln, statt auf Selbstprognose per Internet umzusteigen.

    Liebe Grüße,
    Silke

  2. und wieder ins schwarze getroffen und dabei so schön ironisch.
    ich finde nur, du solltest das begleitfoto eher mit einem passenden auto schießen (smart z.b.?;-)

  3. Sport oder zumindest irgendeine Art der Bewegung – immens wichtig für Mann und Frau.
    Haare – ja da kann eine Partnerin mit Rat u Tat zur Seite stehen….
    Für den Rest – use it or loose it.

    Hab ich ‚ s schon gesagt ? Ich liebe diesen Blog ! LG Martina

  4. Hi,

    ich möchte hier auch meinen Senf dazu geben.

    die Geschichte dazu ist: Ich sitze im Flieger von Berlin nach Frankfurt weiter nach Amerika. Ich habe meine Globuli gegen Jetlag im Gepäck und sitze neben einer jungen Mutter nebst Kleinkind mit Ziel Südamerika. Sie lebt dort mit Mann und Kind. Wir unterhalten uns und ich gebe ihr eine Paar Globuli und sie erzählt mir im Gegenzug von MACA. Zu Hause wieder zurück erzählt mir ihr meine Kollegin von ihrem erschöpften Ehemann. Ich googelte nach Maca und das ist nach den Erkenntnissen der bessere Ersatz für die blauen Pillen!!!

    LG Sue

  5. Lieber KK, wunderbar und interessant geschrieben . Konnte Vieles wiedererkennen..hätte meinen Mann gerne weiter durch diese Zeit begleitet und mit ihm die Träume verwirklichlicht, leider ist er doch seinem Krebsleiden erlegen. Deshalb gabs in letzter Zeit auch kaum Kommentare von mir, ich lese aber immer mit.
    Als Rat und Bitte: Männer, geht zur Vorsorge!
    Liebe Grüße

    1. Liebe Sabine! Ich habe das auch schon ein wenig bei FF mitbekommen. Auch von mir mein aufrichtiges und herzliches Beileid. Und das mit der Vorsorge wird hier auch nochmal ein wichtiges Thema demnächst! Man muss einfach über diese Dinge reden, dann werden sie normaler und erträglicher. Für dich alles, alles Gute und noch viel Kraft!
      Viele Grüße, KK

        1. Das heilt auch die Zeit nicht wirklich. Freu dich darüber, dass du das Glück hattest einen so tollen Menschen so lange begleiten zu können, und er dich. Alles was eigentlich immer nur bleibt, sind Erinnerungen. Immer! Leider! Grausames Leben, und doch so schön!! So wie ich dich einschätze, weißt du das alles, und du wirst stark genug sein. Aber fürs Weinen und Klagen sollte man sich niemals schämen müssen! Ich denk an dich!

          1. Danke, das hast du wunderschön geschrieben und du kannst mich gut einschätzen. Ich bin auch sehr dankbar für diese Liebe, die ich erleben durfte.Weinen und Klagen ist ja in unserer Gesellschaft nicht so akzeptiert, danke, dass du so schöne und einfühlsame Worte gefunden hast.

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