HEALTH & FITNESS: GRIPPE ODER GRIPPALER INFEKT? WO IST DER UNTERSCHIED?

In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis wird derzeit geröchelt was das Zeug hält. Keine 5 Minuten vergehen, ohne dass ich jemanden in sein Taschentuch schnäuzen höre. Mal ganz zu schweigen von den zahlreichen Hustenanfällen und von Halsschmerzen ganz glasige Augen, die aus aschfahlen Gesichtern auf uns Gesunde schauen. Doch fragt man nach dem Befinden, sind sich die Betroffenen meist uneinig: „Ne Grippe hat mich erwischt“ bekommt man oft zu hören. Dabei stimmt das so meist nicht, und es ist auch wichtig da genau zu unterscheiden. Es geht nämlich um die Gesundheit!

Der grippale Infekt

Mal zuerst: Derjenige, der ein Mittelchen (ein wirklich wirksames) gegen die Symptome des „gemeinen Schnupfens“ erfinden wird, wird sicherlich unermesslich reich und berühmt werden, dass ist gewiss. Denn nichts nervt (und schadet der Wirtschaft durch Krankheitsausfälle) mehr als der grippale Infekt. Man merkt bereits früh, dass etwas nicht stimmt: Der Hals kratzt, man fühlt sich etwas fröstelig, die Nase macht dicht, was auch immer. Die ersten Symptome sind mannigfaltig und bei allen Menschen leicht unterschiedlich.

Eins ist aber allen gemein: Ist der olle Schnupfen erst einmal da, kann man nicht viel dagegen ausrichten. Auch all die netten Medikamente, die man in der Apotheke dazu bekommen kann, helfen im besten Fall nur die Pein zu lindern. Beseitigen oder heilen kann keine Arznei der Welt so einen Grippalen Infekt. Das Mittel der Wahl: Viel trinken und Schonung! Bettruhe ist aber erst bei Fieber angesagt, vorher sollte man es mit der Schonung nicht übertreiben. Da man nun hochinfektiös ist, sollte man eigentlich auch lieber zuhause bleiben, aber das ist leichter gesagt als getan. Der Erfolgsdruck zwingt uns in die Arbeit, und dort werden dann die nächsten infiziert.

Nach ca. einer Woche ist dann der Spuk vorbei, und man kann seine Wunden lecken, denn nach einem „Schnupfen“ ist man nicht sofort wiederhergestellt wenn die Symptome verschwunden sind. Ein bisschen „Schwund“ ist immer, und man sollte sich noch eine Woche Zeit lassen, eh man wieder in sein normales Leben zurückkehrt (Stress, exzessiver Sport, Rauchen, Trinken…).

Bakterien und Viren

Es gibt ca. 200 unterschiedliche Virusarten, die einen grippalen Infekt hervorrufen, wie zum Beispiel Rhino-, Adeno- oder Coronaviren. Das erklärt auch, warum man während eines Jahres immer wieder neue Erkältungen bekommen kann. Eine Schutzimpfung gegen den grippalen Infekt ist aufgrund der Vielzahl von Viren nicht möglich. Oftmals gesellt sich dann eine bakterielle Infektion noch hinzu (Mischinfektion), die dann z.B. gerne die fiese Nasennebenhöhleninfektion mit einer stark gelben Schleimbildung verursacht.

Ein Antibiotikum ist beim grippalen Infekt meist schwachsinnig, denn die Hauptverursacher, die Viren, lachen sich über diese Medikamente nur schlapp! Außerdem werden durch die halbherzige Therapie Resistenzen bei gefährlichen Keimen gefördert! Ganz einfach: Brauchen wir irgendwann einmal ganz dringend ein Antibiotikum, weil unser Leben davon abhängt (z.B. schwere Lungenentzündung), wirkt es im schlimmsten Fall nicht mehr und wir müssten womöglich sterben. Unbedingt daran denken und nicht den Arzt unter Druck setzen, er möge doch etwas gegen den Schnupfen verschreiben, und wehe wenn nicht…

Anders sieht es aus, wenn Bakterien tatsächlich nachgewiesen und identifiziert werden! Das dauert ein wenig und gerade bei eitrigen Nasennebenhöhlen- und Mandelinfektionen macht es Sinn, denn der Arzt verschreibt dann eine „maßgeschneiderte“ Antibiose, die auch wirklich die richtigen Keime zugrunde gehen lässt! Nimmt so eine beakterielle Infektion nämlich Überhand und wird womöglich „verschleppt“ (zu früh wieder Sport), kommt es manchmal zu gefürchteten Komplikationen wie die Herzmuskelentzündung (siehe plötzlicher Herztod bei Fußballern).

 

 

Die Influenza/ echte Grippe

Wie merkt man den Unterschied? Woher weiß ich, dass ich eine echte Grippe habe und nicht eine einfache Erkältung? Das ist meist recht einfach: Man wird es schon merken!! Eine echte Grippe kommt nicht schleichend, sondern schlagartig. Innerhalb weniger Stunden entwickelt sich ein wirklich ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Hier noch zur Arbeit zu gehen wird meist schon am Willen und an der Möglichkeit scheitern, denn viele kommen kaum noch aus dem Bett! Hohes Fieber setzt oftmals ein und man merkt ganz stark: Uns geht es äußerst „dreckig“!

Ein wichtiger Unterschied zum grippalen Infekt: Im Anfangsstadium einer echten Grippe kann man medikamentös einschreiten und den Krankheitsverlauf deutlich beeinflussen. Nicht selten führt eine echte Grippe nämlich zum Tod, gerade bei alten und geschwächten Personen, bei Menschen mit chronischen Krankheiten und kleinen Kindern.

Alle antiviralen Medikamente in diesem Zusammenhang (z.B. Tamiflu) sind verschreibungspflichtig, da sie unter anderem bei nicht gefährdeten Patienten nicht angewandt werden sollten, um eine Resistenzentwicklung von Virusstämmen zu vermeiden. Auch sind der Zeitpunkt der Einnahme und bestimmte wichtige Kontraindikationen zu beachten. Die Therapie kann aber wie gesagt den Krankheitsverlauf nur positiv beeinflussen, ganz heilen oder gar verschwinden lassen kann sie die Influenza nicht! Insgesamt muss man sagen, dass man beim Verdacht auf eine Influenza nicht um einen Arztbesuch herum kommt!

Die echte Grippe dauert mindestens zwei Wochen und danach braucht man noch eine längere Zeit, um sich wieder völlig Wohl zu fühlen. Auch hier sind Sekundärinfektionen mit Bakterien möglich und führen ebenfalls öfter als bei einem grippalen Infekt zum Tod.

Influenzaviren

Die Virusgrippe oder Influenza wird durch das Influenzavirus hervorgerufen. Es wird zwischen drei verschiedenen Virustypen unterschieden, nämlich zwischen Influenza A, B und C. Die Viren haben die ungünstige Eigenschaft, dass sie sich ständig verändern können. Aus diesem Grunde muss die Grippeschutzimpfung jedes Jahr aufs neue durchgeführt werden. In diesem Jahr (2015) greift die Immunisierung durch eine Impfung besonders schlecht. Meist wird eine Grippe nur abgeschwächt, man bekommt trotzdem die Symptome. Neue Impfstoffe stehen aber vor der Tür (quadrivalente Influenza Impfstoffe), die eine größere Bandbreite der Viren abdecken können. Bitte nicht impfmüde werden! Eine Grippeschutzimpfung im Herbst ist allen Menschen dringendst angeraten, die älter sind, eine chronische Krankheit haben oder viel unter Leuten sind (z.B. mit Bus und Bahn fahren).

Während einer Grippewelle sind ganz allgemein und besonders bei einem Krankheitsfall in der allernächsten Umgebung wie etwa in der Familie auf Grund der Übertragbarkeit der Influenzaviren die Grundregeln der Hygiene zu beachten. So sollte vor allem die Verbreitung der Erreger durch das Tragen eines Mundschutzes, durch Waschen und Desinfizieren der Hände und durch Vermeidung eines zu engen Kontaktes mit dem bereits Infizierten vermindert werden.

Die Gabe von Vitamin D hat in neuesten Studien einen sehr positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf gezeigt, sodass man heute sagen kann, dass beim Verdacht auf einen Vitamin D Mangel (dunkle Hauttypen, viel Sonnenschutz, wenig Sonneneinstrahlung) eine Gabe von ca. 2000i.E. täglich sehr sinnvoll sein kann. Dazu unbedingt den Arzt befragen! (John S. Adams, Martin Hewison: Unexpected actions of vitamin D: new perspectives on the regulation of innate and adaptive immunity. In: Nat Clin Pract Endocrinol Metab. Februar 2008, Bd. 4, Nr. 2, S. 80–90. / John J. Cannell et al.: On the epidemiology of influenza PDF; 327 kB) In: Virology Journal. 2008, Bd. 5, Nr. 29. / Mitsuyoshi Urashima et al.: Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren In: Am J Clin Nutr. Mai 2010 Bd. 91, Nr. 5, S. 1255–1260.)

 

Bei beiden Krankheitsformen gilt:

Wann zum Arzt:

  • Bei hohem Fieber oder Schüttelfrost
  • wenn das Allgemeinbefinden sehr stark eingeschränkt ist
  • wenn die Beschwerden abrupt einsetzen
  • bei grünlich bis gelbem Auswurf
  • falls sich die Beschwerden nach einigen Tagen nicht bessern
  • bei Ohrenschmerzen, in der Schwangerschaft und eitrigen Mandeln (weiße Punkte auf den Mandeln)
  • Säuglinge, Kleinkinder, Alte und Menschen mit chronischen Krankheiten sollten unbedingt beim Arzt vorstellig werden.

 

Bei diesem Artikel handelt es sich um keinen ärztlichen Ratschlag, sondern um eine allgemeine Information. Bei Fragen und Unklarheiten IMMER den Arzt des Vertrauens aufsuchen!

 

 

 

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(Der Bericht ist nicht gesponsert. Foto: Konsumkaiser Quellen: Wikipedia, Medikamente.com, Health.com)

 

 

 

9 Kommentare

  1. Gesundheit!
    🙂
    Du hast natürlich völlig recht.
    Mein ständig überprüfter und nun seit einigen Jahren zum Glück sehr guter Vitamin-D Spiegel, zusammen mit häufigem „richtigen“ Händewaschen (vor allem vor dem Essen und nach öffentlichen Fahrten) plus einer täglichen Tasse frisch gekochtem Ingwerwasser mit Honig und Zitrone haben mich bisher unbeschadet durch den Winter gebracht.
    Ähnlich habe ich auch schon drei meiner vier „Herren“ zu Hause „behandelt“. Also täglich mehrfach Ingwerwasser, Thymiantee mit Honig, Soledum und Mukosolvan oder Kanidiszwiebelsaft (ja nach Art des Hustens). In besonders schlimmen Fällen auch Kartoffelbreiwickel.
    That’s it. Und wie Du schon sagst. Einfach mal Ruhe geben.
    LG Sunny

  2. So hab ich es meinem jüngsten Sohn rüber gebracht, nach Virusinfektion und 3Tage krank geschrieben, fährt er in Wintersport, war ja gebucht. Was das alles auf sich ziehen kann, wollen sie in dem Alter noch nicht wahr haben.Danke noch mal für die Info, dass ich da wirklich nicht falsch liege mit meiner Meinung.

  3. Zwiebelsaft habe ich dieses Jahr auch als Heilmittel „entdeckt“, als der Reizhusten gar nicht weichen wollte. Widerlich!!! Aber es hilft. Ansonsten: Vitamine essen (als Frucht, nicht als Pille!), vermehrtes Händewaschen und keine fremdem Leute anfassen 😉
    Tja, und endlich mal ein Plädoyer für das unterschätzte Vitamin D. Ich bin ja nach wie vor kein Verfechter des Sonnenschutzes, wenn gar keine Sonne da ist. LG!

  4. Ich unterscheide zwischen HustiSchnupfi und halbtot 🙂
    Zu 90% ist es das erstere und dann reichen die Sachen aus dem dm

  5. Zwiebelsaft hilft wirklich, wenns auch nicht wirklich schmeckt. Und bei Halsschmerzen Salbeitee, am besten selbst anbauen und trocknen. Wirkt echt Wunder. Ich habe meinen grippalen Infekt auch schon durch und bin wieder topfit.

  6. Ich lese hier seit einiger Zeit und danke für diesen Artikel. Einen Hinweis fände ich noch sinnvoll: soviele Leute wie möglich zum richtigen Husten und Niesen anhalten! Bitte bitte nicht in die Hand. Habe gestern im Supermarkt wieder mal den Marktleiter aufmerksam gemacht dass seine kranken Mitarbeiter in die Hand husten und dann wieder Lebensmittel und Geld anfassen – ja danke auch. Heute lernen schon die kleinen im Kindergarten dass man in die Ellenbeuge niesen oder husten soll und mitten in der Grippewelle müsste man es täglich auf der ersten Seite der B…Zeitung drucken. Und dann natürlich trotzdem Hände waschen, und zwar richtig und gründlich. Ich wäre echt froh wenn sich, wie in Asien, die Leute mit Mundschutz anfreunden könnten. Ich klinge vielleicht etwas hysterisch aber ich habe ein Asthma- Kind zu Hause und jeder Infekt wird zur Qual …

    Viele Grüße
    Anna

  7. Guten Morgen,

    da es mich auch „erwischt“ hat, habe ich gestern ein neues altes Hausmittel probiert.

    1 gehackte Zwiebel an´s Bett stellen. Das hilft.

    Ansonsten 1-2 Tage Ruhe und auch mal Termin Termin sein lassen…

    Allen gute Besserung
    Nina

  8. Vielen Dank für den informativen Artikel..ich bin immer wieder überrascht wie viele Leute beim grippalen Infekt von ihrem Hausarzt ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Ich selber nehme ausser Nasenspray meist nichts und auch so ist der Spuk meist nach einer Woche vorbei. Viel trinken und bisschen schonen reicht. Beim nächsten mal werde ich noch den Zwiebeltipp ausprobieren, doch bis jetzt ist mein Immunsystem stark geblieben oder ich hatte einfach Glück

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