BEAUTY: DERMATOLOGIE AKTUELL * NEWS VOM DERMAUPDATE KONGRESS * 6 FAKTEN ZU HAUT UND SONNE

Im November fand in Wiesbaden und Berlin wieder der jährliche DermaUpdate-Kongress statt. Hier präsentieren die renommiertesten Spezialisten Deutschlands Neuigkeiten ihres Fachgebietes. Insbesondere neue Erkenntnisse zu UV Strahlung und Haut waren für mich von besonderem Interesse. Einige Fakten, die für eine breitere Schicht interessant sein könnten, möchte ich heute hier allgemeinverständlich vorstellen.

 

1. Solarium macht süchtig

Schon einmal von Tanning-Junkies gehört? So nennt man in den USA Menschen, die süchtig nach Solarienbräune sind (siehe „Tanning-Mom“). Dass mehr dahintersteckt als ein knusperbraunes Schönheitsideal, wurde jetzt in einer Studie mit Mäusen nachgewiesen. Offenbar werden durch den UV-Lichtkonsum größere Mengen Endorphine ausgeschüttet, die dieses Suchtverhalten bewirken. Die Gabe des Opioid-Antagonisten „Naloxon“ (ein Gegenmittel zu Suchtstoffen) bei den Solarium-Mäusen löste Symptome wie Muskelzittern und Zähneklappern aus, also Entzugserscheinungen!

 

2. Mehr Creme statt Vorbräunen

Mal ehrlich, wer hat noch nicht versucht, durch eine Vorbräunung im Solarium weniger bleichgesichtig in den Süden zu reisen … Leider ist das Solarium als Sonnenbrand-Prophylaxe aber ganz und gar ungeeignet. Die Vorbestrahlung bringt nur einen Lichtschutzfaktor von 2 bis 3 und ist somit völlig unzureichend. Im Gegenteil: Die künstliche Bräune verleitet dazu, leichtsinniger mit der Sonne umzugehen. Überhaupt ist die Überzeugung der Dermatologen, dass Lichtschutzmittel immer noch viel zu dünn aufgetragen werden. Ihre volle Wirkung entfalten sie aber nur, wenn sie in der vorgeschriebenen Menge von 2 mg/cm2 – das sind ca. 30 g für den gesamten Körper! – aufgetragen werden. Wer keine dicken Cremeschichten mag, muss nach eine Stunde nachcremen. Oder, noch besser, im Schatten bleiben! Seit ca. 4 Jahren liege ich gar nicht mehr in der prallen Sonne, für mich gibts nur noch Sonne MIT SONNENSCHIRM. Man wird trotzdem schön und gleichmäßig braun.

 

3. Genmanipulation durch UVA-Licht

Jedes Kind weiß, dass UVA-Licht (z.B. in Solarien) zu vorzeitiger Hautalterung führt. Bisher nahm man an, dass dies auf oxidative Prozesse zurückzuführen ist. Neu ist die Erkenntnis, dass durch das UVA-Licht auch Alterungsgene aktiviert werden, die zu einer vorzeitigen – nun ja, Vergreisung führen. Noch gibt es keine wirksamen Strategien (spezieller Sonnenschutz), um die Anhäufung dieser Alterungsgene zu bremsen. Außer einer: nie ins Solarium und selten in die Sonne gehen …

Wäre da nicht das Ergebnis einer Aufsehen erregenden schottischen Studie: Durch UVA- Lichtbestrahlung kann der Blutdruck um ca. 5 mmHg gesenkt werden. Das ist zwar wenig, reduziert aber rein rechnerisch das Schlaganfallrisiko um 34 und das eines Herzinfarktes um 21%. Der entspannende Effekt des Sonnenbades basiert auf einer Erweiterung der Blutgefäße. Leider hat die blutdrucksenkende Wirkung nur eine Dauer von ca. 50 Minuten nach Ende der Bestrahlung. Es gibt definitiv hautfreundlichere Methoden zur natürlichen Blutdrucksenkung: z.B. Sport, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und ein zufriedener Lebensstil.

 

4. Vorsicht bei Johanniskraut

Spätestens wenn der Winterblues im Anflug ist, vertrauen viele Menschen auf stimmungsaufhellende Produkte mit Johanniskraut. Wer über einen längeren Zeitraum Johanniskraut oder andere lichtsensibilisierende Medikamente einnimmt, erhöht leider sein Risiko für die Entwicklung eines weißen Hautkrebses und muss sich vermehrt vor der Sonne schützen! Zu den lichtsensibilisierenden Medikamenten gehören z.B. manche blutdrucksenkenden Medikamente, Antibiotika (Tetracycline) und manche Psychopharmaka. Neu ist, dass der Schutz deutlich konsequenter angewandt werden sollte, als es jetzt noch geschieht. Gerade im Winter wird kaum oder gar nicht an Lichtschutz gedacht. Klar, man bekommt ja auch keinen Sonnenbrand in unseren Gefilden im Winter. Aber lichtbedingte Hautveränderungen geschehen auf zellulärer Ebene, die sieht man nicht (sofort)!

 

5. Hautkrebs statt Herzinfarkt

Erstaunlich sind die Ergebnisse einer riesigen dänischen Studie (insgesamt 4,4 Millionen Personen). Demnach ist das Merkmal Hautkrebs als Marker für Sonnenexposition assoziiert mit einem selteneren Auftreten z.B. von Herzinfarkt und Hüftfraktur. Die Interpretation dieser Ergebnisse lässt Spielraum für zahlreiche Spekulationen – naheliegend könnte sein, dass Menschen, die sich viel an der frischen Luft bewegen, zwar insgesamt gesünder sind, aber ein höheres Risiko für Hautkrebs haben (siehe auch „Sonnenschutz“!).

 

6. Sicherheit dank „Mela-Find“

In einer neuen deutschen Studie wurde die Sensitivität zur Entdeckung eines Frühmelanoms bei Untersuchung durch Dermatologen mit Auflichtmikroskop und Mela-Find-Gerät von 69,5 auf 96,9% gesteigert. Dank Mela-Find wurde also praktisch kein einziges Melanom übersehen, bei einer Untersuchung ohne Mela-Find dagegen jedes dritte. Problematisch ist bei Mela-Find nur die niedrige Spezifität von 9,7%. Es müssen also durchschnittlich neun verdächtige Pigmentmale entfernt werden, um ein Melanom zu identifizieren. Dennoch: Hier sollte Sicherheit vor Kosten gehen!

Ausblick

Die jüngsten Erfolge in der bisher aussichtslosen Therapie des metastasierenden Melanoms haben die Forschung extrem beflügelt und immer neue Mutationen als Ursache für die Entstehung von Melanomen aufgedeckt. Diese haben zu großen Anstrengungen der Pharmaindustrie mit der Entwicklung einer ganzen Reihe von biologischen Anti-Tumorsubstanzen geführt. Studien zeigen, dass wir vor einem Durchbruch in der Therapie mit einer recht deutlichen Lebensverlängerung und – in Einzelfällen – vielleicht sogar vor der Heilung dieser schweren Erkrankung stehen. Hoffnungsvoll in diesem Zusammenhang: Die Forschungsergebnisse lassen sich offenbar auch auf zahlreiche andere Tumoren übertragen. DAS sind doch mal erfreuliche Aussichten, die Hoffnung machen!

 

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(Foto: Konsumkaiser, Der Beitrag ist nicht gesponsert. Quelle: Veröff.: Dr. med. Hans-Ulrich Voigt, Dermatologie am Dom, München)

 

7 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung liebe Susi 😉 Nein, im Ernst wirklich ein sehr informativer Post. In unserer Familie liegt das Sonnenanbeten quasi in den Genen. Meine Großmutter liebte es, meine Mutter liebte es und wir Kinder zogen mit. Wir waren früher wochenlang am Strand mit (nach heutigem Standard)mäßigem Sonnenschutz unterwegs. Auch sonst sind wir draußen gross geworden. Das gute ist, meine Oma und Mutter sahen trotz ihres Missbräuchlichen Verhaltens, nie aus wie die Backpflaumen. Ich Hoffe darum auch, das mich meine Jugendsünden nicht einholen werden. Noch heute passiert es mir, das ich mit unzureichendem Sonnenschutz draußen unterwegs bin. Wir haben Pferde vor der Haustüre und da passiert es mir oft, das ich denke, mal eben kurz dieses oder jenes machen und plötzlich bin ich den ganzen Tag draußen. Es nervt mich, weil ich es ja besser wissen müsste. Aber irgendwie hat sich das nicht so stark verankert das ich mich entsprechend konsequent verhalte. Ich arbeite dran und habe immerhin den Sonnenschutz für mein Gesicht schon neben der Tagescreme geparkt.

  2. Ich sehe es praktisch an meiner Verwandtschaft..

    Meine Mutter ( 76 Jahre alt, nie in der Sonne ) meine Schwiegermutter ( 62 Jahre, immer knackebraun ) sind mir da der beste Beweis..
    Meine Mutter hat natürlich Hängebäckchen, aber keine einzige Falte auf dem Dekoltee, keine Sonnen oder Altersflecken und nur dezent Falten ( um den Mund ) eher ist es hier die hängende Partie..
    Bis zum 65. Jahr haben die Leute sie immer auf ihre völlig faltenfreie schöne Haut angesprochen..

    Meine Schwiegermutter ist immer knackebraun und behauptet sie liege nur im Schatten.
    Ich weiß aber das man eine gewisse Bräunungstiefe nicht im Schatten erreicht und sie ist knackebraun..
    Falten auf dem Dekoltee wohin das Auge sieht, Haut die leicht ledrig wirkt und Falten um die Augen die nicht notwendig sind.
    Sie hat den Vorteil von 25 kilo Übergewicht, das füllt die Backen im Gesicht schön aus..
    Das war aber auch schon das einzig Schöne..

  3. Apropos Solarium…bei uns wirbt doch tatsächlich ein Solarium damit dass das Sonnen bei ihnen unbedenklich und nicht gesundheitsschädlich ist……..von Hautärzten bescheinigt!!!! Da fällt mir nix mehr zu ein. Sind bestimmt solche „Ärzte“ die auch in der Fernsehwerbung immer für bestimmte Zahnpasten usw. werben.
    Früher war ich auch immer in der Sonne – heute darf ich gar nicht mehr seitdem nach einem Portugalurlaub festgestellt wurde dass meine angebliche Sonnenallergie eine Autoimmunschwäche ( Lupus) ist.So schön es ist in der Sonne zu sitzen..die Risiken werden immer noch von vielen unterschätzt.
    Liebe Grüße und einen schönen 3ten Advent 🙂
    Claudia

  4. So, da möchte ich auch gerne etwas dazu schreiben. Ich bin Jahrgang 65 und komme aus der Zeit, der Wave Generation. Damit möchte ich sagen, dass ich immer sehr blass mit roten Lippen und schwarzen haaren rumlief. Jahrelang hat man mich damals aufgezogen, ob ich krank bin. Nun, ich wurde auch später nie eine Sonnenanbeterin und blieb meinem blassen Teint treu. Meine Oma hatte ebenfalls immer einen blassen Teint und schon früher fand ich das sehr schön, ebenso mein Vater. Bei beiden war das aber so, dass sie sonst Sommersprossen bekommen hätten. Jahre später, also jetzt ist es Tatsache, dass ich oft auf meine haut angesprochen werde. Da wird mir einmal unterstellt, ich hätte Filter drin oder chirurgisch nachgeholfen. Selbst damals, als ich beim Augenarzt war und er mir gegen meine trockenen Augen Hyaluronsäure verschrieb, sagte er mir, dass ich das doch kenne, da ich es mit Sicherheit in meiner Haut unterspritzt hätte. Ich fand das eine Frechheit. Nun mein Vater ist mittlerweile 78 und hat definitiv keine Falte im Gesicht, ihn fragt man nie, ob er Botox oder Filter unter der Haut hat. Ich möchte nur damit sagen, dass die Sonne so einiges anrichten kann und wenn man schon in jungen Jahren nicht zu den „Brutzlern“ gehört, macht sich das später bemerkbar. Mein Oma hatte ebenfalls eine sehr zarte und faltenfreie Haut und das mit damals fast 90 Jahren. Also, Fazit – in der Jugend belächelt habe ich mit bald 50 eine Babyhaut ( das sagt auch meine 18 jährige Tochter) und ich bin stolz :))

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