KK GRÜN: WEG MIT DEN BÄUMEN! DAS OLLE ZEUG STÖRT DOCH NUR!?

Der provokante Titel heute gibt eine Gleichgültigkeit wieder, die mir in letzter Zeit immer öfter auffällt: Alles was um uns herum wächst und blüht ist vielen Zeitgenossen nichts Wert. Gestern wurde bei uns ein alter, aber vor Gesundheit nur so strotzender, Nadelbaum gefällt. Nicht weil er krank war, er war auch keine Gefahr oder hatte Schäden vom letzten Mega-Sturm zu Pfingsten. Nein! Er musste sterben, weil die Nachbarn zu faul sind. Zu faul täglich ein bisschen zu fegen, so ein Nadelbaum rieselt schon mal gerne vor sich hin. Und die Krönung: „Weil der Baum alles so dunkel macht“…

Der Baum hatte den letzten Sturm (und der war hier ja wirklich, wirklich heftig) unbeschadet überstanden. Elastisch wie ein junges Gummibäumchen hatte er sich im Wind bewegt und kaum Äste verloren. Ein Zeichen dafür, wie gesund und kräftig dieses schöne Nadelgewächs war. Bis zur 3. Etage reichte er hinauf und war dicht gewachsen. In unserer „Siedlung“ stehen Mietshäuser und Eigentumshäuser nebeneinander, die Bebauung ist recht eng, dafür gibt es nach hinten raus sehr viel großzügigen Platz und eine Begrünung wie im Park. Herrliche große Bäume lassen die Umgebung nur noch erahnen und man kommt nicht auf die Idee quasi mitten in der Großstadt zu sein.

So viel Grün und Natur macht aber auch Arbeit. Ich bin nun auch nicht der Gärtner-Typ und nen grünen Daumen habe ich schon gar nicht. Ganz im Gegenteil, bei mir halten sich selbst Schnittblumen höchsten 2 Tage. Vielleicht spreche ich zu wenig mit ihnen?? Jedenfalls haben wir eine Gartenbaufirma, die das Grün bearbeitet und pflegt. Die Nachbarn aber nicht und verhängnissvollerweise ist die Familie ebenfalls von Gartenarbeit und üppigem Grün geradezu angewidert. Ich frage mich jedenfalls, warum solche Leute nicht in die nächste Hochhaussiedlung in der Innenstadt ziehen. Gäbe es eine unterirdische Stadt auf dem Mond, ich wäre großzügig und hätte ihnen schon ein Familienticket dorthin spendiert!

Jedenfalls haben sich diese Nachbarn bei der Wohnungsbaugesellschaft (GEWOBAU) beschwert, dass der Baum unglücklich stünde, Dreck mache, den man schon mit ins Bett nähme (ja, gehen die mit ihren Straßenschuhen ins Bett??) und den Eingangsbereich verdunkle. Gut, der Baum steht sehr eng zwischen den Häusern, aber da steht er nun seit vielen Jahrzehnten und es gibt schließlich immer noch Bestandsschutz.

Kurz, wir wurden nicht gefragt, es wurde nichts kontrolliert, ich weiß nicht einmal ob tatsächlich eine Fällgenehmigung erteilt wurde, sein Stammumfang war sicherlich über 80 cm. Ein entrüsteter Notfall-Anruf bei dieser besagten Wohnungsbaugesellschaft ergab, dass die Gelegenheit doch gerade so günstig sei, denn nach dem Sturm können man ja nun „ein wenig aufräumen“…und unbequeme Bäume aus dem Weg schaffen?

Der Baum war ein wunderbarer Sichtschutz, das eng stehende Nachbarhaus konnte man zwischen den Ästen nur erahnen. Nun schaut man genau der Nachbarschaft ins Klofenster und Treppenhaus! Er spendete Schatten im Sommer, sodass sich die Gemäuer nicht zu stark aufheizen konnten, und im Winter schützte er den schmalen Gang zur Garage und dem Eingangsbereich der Nachbarn vor starken Schneeverwehungen. Die werden sich noch wundern, denn im nächsten Winter heißt es Schippen, Schippen, Schippen!

Bäume in Wohngebieten sind eine wunderbare Auflockerung, verbessern die Luftqualität und sind Balsam fürs Auge. Wenn aber seltsame Nachbarn und unglaublich ignorante Wohnungsbaugesellschaften zusammenkommen, dann kann sich die Natur warm anziehen!  Ich vermisse diesen stattlichen Baum, es gab ihn schon lange vor mir und mit ein bisschen Pflege und einem beherzten Schnitt hätte er hier noch lange verweilen können. Dieser Baum ist nur exemplarisch für die tägliche Vernichtung von Baumbeständen in unseren Wohngebieten. Dieses „grüne Holz“ ist nix mehr Wert. Ordentlich getrocknet allenfalls noch als Kaminfutter gern genommen.

Hier steht er noch, die starken und dichten Äste sind bereits abgesägt!

Hier steht er noch, die starken und dichten Äste sind bereits abgesägt!

Kahlschlag, das Nachbarhaus konnte man durch die dichten Äste vorher nur erahnen.

Kahlschlag, das Nachbarhaus konnte man durch die dichten Äste vorher nur erahnen.

Zack, umgelegt!

Zack, umgelegt!

Traurige Überbleibsel, in unserem Garten darf er liegen.

Traurige Überbleibsel, in unserem Garten darf er liegen.

Zum Abschied gab es noch einen wundervollen Regenbogen!

Zum Abschied gab es noch einen wundervollen Regenbogen!

 

(Fotos: Konsumkaiser)

22 Kommentare

  1. Frechheit !
    Ich musste sofort an das Chanson von Alexandra denken: Mein Freund der Baum ist Tot.
    Wieso muss alles grüne weg ? Wieso darf es nicht bleiben? Dreck im Bett. Aha!
    Ich habe auch keinen grünen Daumen und Kriege nie Blumen geschenkt, weil die immer bei mir sofort eingehen , aber sowas regt mich richtig auf!

    1. Jaaa..genau das Lied kam mir auch sofort in den Sinn! Es ist traurig wenn Bäume so unsinnig sterben müssen.
      LG Claudia

  2. Wahre Worte!!! Genauso wurde ein wunderschöner alter Baum in unserer Nachbarschaft einfach gefällt… ohne Grund….Ich teile Deine Meinung voll und ganz!!! Diese Oberflächlichkeit und Ignoranz in der heutigen Zeit beängstigt mich manchmal sehr. Oft denke ich mir vielleicht bin nur ich aufgrund des etwas „älterwerden“ 😉 dieser Meinung….Das greift ja auch im „Miteinander“ immer mehr um sich…Für manche Menschen steht die Bequemlichkeit einfach an erster Stelle…LEIDER!

    Ich wünsche einen schönen Tag 😀
    Lg Renate

    1. das stimmt! mit 20 war ich da auch noch nicht sensibilisiert. dienatur wird erst im laufe der jahre wichtiger, so scheint es. zumindest macht man sich doch mehr gedanken um sein eigenes handeln und die interaktion mit der umwelt. ich bin zwar weit davon entfrent als „Öko“ durchzugehen, aber es ist ein kleiner anfang. liebe grüße, kk

  3. Hallo KK, zu diesem Thema kann man sich stundenlang aufregen und diskutieren. Wir wohnen in einem kleinen Dorf in Ostfriesland. Unser Grundstück ist umsäumt von einem wunderbaren Wall mit riesigen Eichen. Auch diese werfen unzählige Blätter, Eicheln usw. ab und machen viel Arbeit (wobei sich darum hauptsächlich mein Mann kümmert, da mein grüner Daumen auch zu wünschen übrig lässt 😉 Sie geben aber viel mehr, wie du schon geschrieben hast, Sichtschutz, Schutz vor Sturm, aber in erster Linie sind sie einfach wunderschön 🙂 Aber auch hier wird viel gefällt, wobei man sich fragt, ob das tatsächlich notwendig ist. Passt aber irgendwie in die heutige Zeit… LG

    1. ach, bäume sind einfach gold wert. ich vetseh nicht, wie man sich über das bisschen arbeit so aufregen kann. zur not hätte ich noch alle 2 tage den besen geschwungen, das faule pack hätte sich „ausruhen“ können. naja. lieber gruß, kk

  4. Ich verstehe nicht, wie so etwas von offizieller Seite genehmigt werden kann. Ich wohne hier ganz ähnlich, Innenstadt, Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser zusammen und nach hinten raus eine grüne Insel. Hier wurden zwar in letzter Zeit leider auch drei so alte Nadelbäume gefällt, aber die waren allesamt ziemlich tot, was man ihnen auch deutlich ansehen konnte und hätten bei einem stärkeren Sturm sicher das ein oder andere Dach „geknutscht“. Das verstehe ich noch. Aber ein gesunder Baum? Da kann doch normal keine menschliche Beschwere Begründung genug sein.

  5. Lieber kk ,
    Ich verstehe dich ich war ganz traurig als unsere Walnuss Baum der über 30 Jahre alt war gefällt wurde aber leider war er krank.

    Der Baum ist das eine es geht weiter und weiter zu den Bienen, die sterben leider bei uns momentan durch den starken Mais Anbau , sie flüchten vor den Land in die Stadt auf Balkone die begrünt werden. Das ist ein anderes Thema.

    Ich finde es gut das du auch mal solche Themen ansprichst.

  6. Da sträuben sich mir die Nackenhaare!!
    Ich liebe den Anblick der großen, sich im Wind wiegenden Eichen vor meinem Haus oder die Tannen vor dem Haus meines Vaters. Ein anständiger Rückschnitt hätte evtl. bei dem Baum deiner Nachbarn schon gereicht. Aber nein…
    Ein Anfrag beim zuständigen Grünflächenamt o.ä. hätte ich mir nicht verkneifen können, denn nur weil die Wohnungsverwaltung das gut findet, heißt es nicht dass eine Genehmigung vorliegt.
    Wenn dann wenigstens zeitgleich was neues gesetzt wird, um ein Gleichgewicht einigermassen wieder herzustellen.
    Aber da hoffen wir wohl vergeblich, oder?

  7. Ich bin mir nicht sicher …aber ich habe oft den Eindruck das viele gar nicht wissen was das für Nachteile hat ,wenn so ein Baum gefällt wird . Ganz klar wenn Gefahr für Laib und Leben besteht dann muss so ein Baum weg . Aber ansonsten gibt so ein Baum auch Lebensraum für viele Insekten und Vögel . Beschattet den Boden unter ihm , so das er bei extremer Hitze nicht verdorrt . Gibt insgesamt ganz gut Schatten und hält die Hitze ab . In unserem Garten gibt es sie noch die Bäume die Laub verlieren . Und ja wir können auch im Hochsommer darunter sitzen ohne uns im Haus zu verstecken . Das können die meisten anderen nicht mehr , die haben sich mini Golfplätze geschaffen und nölen dann bei den hohen Temperaturen .
    Ja so ein bisschen fegen ist nichts gegenüber dem was der Baum gutes mit sich bringt . Ich denke Jörg sie werden es im nächsten Sommer merken *gg
    LG heidi

  8. Tja, tut mir leid. So wie du sagst , die werden schon sehen, was sie davon haben.

    ich gucke auch lieber auf einen grünen Baum als auf das Nachbarhaus.

    ERGO: ein neuer Baum muss dahin!!!

    LG Sue

  9. Tja das lässt sich leider auf viele Bereiche unseres Lebens übertragen, was nimmer passt oder unbequem geworden ist, muss weg. Wenn was schmutzt – muss weg. Ist was zu laut, muss weg. Zu groß – muss weg. Zu langweilig – muss weg. Zu anstrengend – muss weg. Zu alt – muss auch weg. Schließlich gibt es doch so viel wichtigere Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann.
    Es ist wirklich beängstigend …
    Lieber Gruß – Conny

  10. Dann war meine Annahme, dass für so eine Fällung irre viele Genehmigungen nötig sind wohl auch falsch. Mich ärgert sowas enorm – im großen wie im kleinen. Die Menschen bedienen sich an der Natur, als ob alles nur ihnen gehören würde. Baum? Laub? Arbeit? Zack, weg, verfeuert, um den Stubben können sich andere kümmern. Gerade gestern habe ich ein tolles Foto von dem Stubben vorm Haus gemacht. Er ist feucht und morsch, ein kleines Bäumchen wächst aus ihm, er ist voller Moos und herrlichen (unbrauchbaren) Pilzen, die einfach nur gut aussehen und auch so riechen. Ich bin mir sicher, dass viele, die täglich daran vorbeilatschen, ihn gar nicht sehen, aber mich erfreut er im Wechsel der Jahreszeiten und ich knipse ihn immer mal wieder. Der Nachbar hat auf seiner Seite eine Kiefer gefällt, ich überlegte, mit einer jungen Birke in Zaunnähe zu kontern, davon hätte er auch was 🙂 – aber vielleicht nehme ich auch etwas Eßbares: Esskastanie oder Walnuss. Eine traurige Bilderstrecke heute – obwohl: bei den Temperaturen könnte ich auch Kaminholz vertragen. Liebe Grüße, Bärbel

    http://www.directupload.net/file/d/3721/s6gna37z_jpg.htm

  11. Wenn ich das lese, muss ich an den aktuellen Fall in unserer Eigentümer-„Gemeinschaft“(?) denken – schon seit Jahren haben alle anderen Parteien etwas gegen einen wunderschönen Ahorn bei uns am Haus – und nur weil unsere Partei immer wieder dagegen stimmt, steht er noch dort – wo er Schatten und einen Sichtschutz zu anderen Häusern spendet.
    Als Fäll-Grund kam dann sowas wie „unser Schlafzimmer ist so dunkel!“ – Ohne Worte!
    Es wurden bereits Drohgebärden losgelassen wie „wenn dieser Baum unser Hausfundament angegriffen hat, machen wir SIE (also mich) dafür verantwortlich…!“ Schlimm.
    Und da sind Familien mit kleinen Kindern dabei, denen hatte ich etwas mehr Weitsicht zugetraut.
    Leider hätten die meisten wohl am liebsten, alle Stadtbäume zu fällen, die Flächen einzubetonieren und das dann Grün anzustreichen. Ist ja dasselbe. Mann, wird mir schlecht…..

    Danke für diesen Post und schön, dass es auch noch Pro-Baum-Menschen gibt!!
    Liebe Grüße,
    Alice

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