LIFESTYLE: LUXUS * VERSCHWENDUNG ODER SINNVOLLE ERSATZBEFRIEDIGUNG?

Vielen Menschen geht es nicht gut. Punkt. Vielen Menschen geht es sehr, sehr gut. Punkt. Darauf möchte ich nun eigentlich gar nicht näher eingehen, diese Tatsachen unserer Gesellschaft sind allgemein bekannt, und jede/r von uns hat sich über die tiefgreifenden Ungerechtigkeiten hier und in der Welt schon seine Gedanken gemacht. Aber egal wie es in der Welt um uns herum aussieht, die Faszination die Luxus auf uns ausübt ist und bleibt ungebrochen, auch in Zeiten schwächelnder Wirtschaft und neuer, aufstrebender Mächte. Braucht man das, was man eigentlich nicht braucht doch mehr als man denkt?

Was ist Luxus?

Das Wort Luxus (lat. „Verschwendung“ ungef.) fasst Phänomene zusammen, die für einen großen Teil der Menschen als erstrebenswert gelten, obwohl sie nicht zwingend notwendig zum (über-)leben sind. Sie sind nicht für jeden Menschen erreichbar und symbolisieren deshalb Status, Macht, Reichtum oder auch Intelligenz. Sie können aber auch (immateriell) zu Behaglichkeit und Freude führen.

Unterschiedliche Standpunkte

Nun befinden wir uns hier gerade auf einem Beautyblog, der nicht unbedingt die Produkte behandelt, die man dringend braucht um „gesund und sauber“ durchs Leben zu gehen, sondern es geht durchaus um Luxusprodukte. Die Preise der hier vorgestellten Produkte taugen aber kaum noch als „Luxus“. Die Grenzen haben sich mittlerweile dramatisch verschoben. Empfinden viele Menschen z.B. Clinique als puren Luxus, weil die meisten Produkte dieser Firma mindestens zweistellige Summen kosten, so wird der verwöhnte Luxuskonsument energisch den Kopf schütteln: Clinique ist allenfalls mittleres Preisniveau, wenn nicht sogar „Budget“. So wundert man sich doch, wie die Sichtweise auf Luxus unterschiedlicher nicht sein kann, obwohl es auf den ersten Blick eigentlich ein klar umrissenes Thema ist.

Wozu Luxus?

Die meisten von „uns“ (also der Schreiber dieses Blogs und die Leserschaft) sehen im Luxus womöglich das Streben nach Selbstbelohnung und Selbstverwirklichung. Einige suchen in Luxusgütern einen Ausgleich beispielsweise für Stress am Arbeitsplatz und wollen sich mit Luxus verwöhnen. Hier geht es primär um emotionale Bedürfnisse (Genuss).

Die zunehmende Bedeutung der immateriellen Komponente der Selbstbelohnung als Ziel des Konsums von Luxusprodukten zeigt auch eine Studie von „LiM/Keylens“: So gibt der Großteil der befragten Personen an, dass das persönliche Vergnügen und die Selbstbelohnung die wichtigsten Motive des Luxuskonsums darstellen. Gründe wie beispielsweise die „Dazugehörigkeit“ haben an Bedeutung verloren.

Diese Tendenz ist gut zu beobachten, wenn man sich die 80er Jahre anschaut, in der es besonders wichtig war „zu“ einer Gruppe zu gehören (Popper, Punker, Juppies…), in den 90ern dann aber das Ego vollends durchschlug mit Slogans wie „Ich gönne MIR jetzt auch mal was“, oder „Ich brauche auch mal Zeit nur für mich“. (Wobei Zeit ja auch ein ungeheurer Luxusartikel geworden ist)

Schlechtes Gewissen?

Schaut man sich Luxus im Zusammenhang mit Ethik und Religion an, so stösst man darauf, dass Luxus (Luxuria=Verschwendungssucht=Wollust) entfernt zu den sieben Todsünden zählt. Was als Luxus betrachtet wird, hängt sehr stark von der kulturellen und ethischen Ausgangslage ab. Was Luxus ist unterliegt dem sozialen Wandel. Trotzdem hat Luxus immer ein „G´schmäckle“. Man kann sich noch so sehr über das teure Auto, die goldene Uhr, die Heimsauna, die Putzhilfe, den Personal Trainer, die Halbzeitstelle statt der Vollzeitanstellung freuen, immer findet sich auch jemand, der still dazu den Kopf schüttelt (womöglich auch nur in unserem Kopf). Die „Todsünde“ sitzt tiefer in uns allen, als wir es wahrhaben wollen.

Aber nicht nur die Kirche hat den „verschwenderischen Genuss“ mit Strafen belegt, auch der Staat sagt uns: „Hmm, das ist aber nicht so dolle! Dafür zahlst Du nun Luxussteuer!“ In Deutschland gibt es kaum noch eine wahre Luxussteuer, aber es wird wieder diskutiert und die noch existente Hundesteuer ist als Überbleibsel einer Luxussteuer anzusehen.

Im Laufe der Geschichte gab es viele sogenannter „Anti-Luxusgesetze“. Einer der Gründe war sicherlich, dass Standesunterschiede weiterhin sichtbar bleiben konnten. Denn die Zurschaustellung von Luxusgütern war somit nur Adeligen und Herrschenden erlaubt (die Insignien der Macht). Heute braucht es aber keinen Reichsapfel mehr, es reicht meist die LV Handtasche oder das Top-Handy.

Luxus vs. Luxus?

Ich persönlich sehe zwei Arten von Luxus. Einerseits gefällt mir die weitergehende Übersetzung des Wortes Luxus: „üppige Fruchtbarkeit“. Denn aus dem Luxus heraus kann auch Freude und Behaglichkeit entstehen. Luxus im weitesten Sinne ist völlig natürlich. Das wilde Tier in der freien Wildbahn kann sich auch den Luxus des Müßiggangs gönnen, wenn es einmal eine besonders fette und üppige Beute erlegt hat. Hat es sich dafür geschämt, sicher nicht. Waren die anderen Tiere herum „neidisch“? Bestimmt!

Ein unangenehmes Gefühl in mir erzeugt allerdings Luxus im Zusammenhang mit Verschwendung. Ok, auch hier mögen die Grenzen fliessend sein, aber sobald Luxus auf eine „asoziale“ Art und Weise zur Schau getragen wird, halte ich diese Inanspruchnahme von Luxus für liederlich. Sicher wird das Kind in Afrika den Mann mit dem Porsche Cayenne für verschwenderisch und liederlich halten. Leider müssten wir im Umkehrschluss dann alle auf fliessendes Wasser verzichten, denn auch das ist pure Verschwendung – in den Augen eines Kindes aus einem Land der Dritten Welt.

Luxus ist „unmessbar“.  Jeder Mensch möge für sich definieren was Luxus für ihn bedeutet und ob und wie er sich diesen gönnen möchte. In meinen Augen ist Luxus in gewissem Sinne eine Notwendigkeit, die das Leben lebenswert macht und Erfolge markiert. Und für mich ist der erfüllendste Luxus viel Zeit mit meinen Lieben verbringen zu können! Wie heisst es auf Englisch so schön: „Quality Time“!

9 Kommentare

  1. Luxus bei Verbrauchsgütern ist für mich all das was ich besonders gerne habe , aber nicht zwingend zum Leben brauche ….. Und mir ist das völlig Latte , ob ich dafür den Kopf schüttler oder unverständnis ernte . Ich lebe jetzt und Heute und habe es sehr gerne wenn ich mich nicht nur wohl fühle …nein auch wenn ich Dinge tun und haben kann die man nicht unbedingt braucht . Denn gibt es doch auch Zeiten wo ich kaum Zeit oder grad weniger Geld übrig habe , weil wieder was anderes wichtiger ist .
    Und so habe ich irgendwann gelernt genieße die Zeit , wo Du es kannst , denn von der anderen Zeit ist immer noch genug da 😉

    Ich finde übrigens so lange man DIESEN Luxus noch bewusst genießen kann , macht er doch auch noch Freude . Wenn man das nicht mehr kann … dann ist es auch kein Luxus mehr .

    LG Heidi ( die sich auch noch über ganz kleine Dinge Freuen kann :)) )

  2. puh, ein schweres thema! ich finde ja, über sowas kann man mehrere doktorarbeiten schreiben. du hast es aber geschickt angerissen und deine meinung teile ich. man kann luxus nicht messen und jeder muss für sich entscheiden. das macht das ganze auch nicht leichter, aber ich habe mich doch beim nachdenken gewundert, wie sehr man sich manchmal doch „schämt“ für den einen oder anderen luxus, den man sich gönnt.
    gut finde ich auch, dass du einen recht kurzen text dazu gemacht hast, damit regst du sehr zum nachdenken an, das thema interessierte mich schon länger. erstaunlich, was einem dazu so alles dann in den kopf kommt. leider kommt man zu keinem befriedigenden ergebnis, finde ich. und die ungerechtigkeiten auf der welt spielen ja auch eine große rolle, wenn es um die eigene sichtweise/standortbestimmung geht.
    danke für solche eingestreuten denkanstösse!!

  3. Ich schätze es gibt kleinen Luxus und großen Luxus, je nachdem was wir befriedigen wollen. Mir kommt das Streben nach Luxus wie eine Suche vor.
    Irgend etwas fehlt uns oder bedrängt uns unterbewusst und wir gleichen es mit anderen Dingen aus.

    Ich muß das bei mir selber feststellen, die Suche nach noch besseren Wirkstoffen und neuen Trends zb. im Bereich Kosmetik geht ganz klar in Richtung Angst vor dem Älterwerden.

    In unseren Bereichen ist Älterwerden verbunden mit dem Nachlassen von Dynamik, neuen Ideen und dem mithalten können, wir haben nicht die „Weisheit des Alters“ wir gehen in die „Demenz“ und in die Fäulnis.
    Altern ist nichts tolles, sondern etwas vor dem man Angst haben muß.

    Daher immer neue Cremen, Seren, viel Schmuck, mehr Schminke und ein hippes Outfit um ja jugendlich zu wirken.
    Wenn wir erkennen das es nichts hilft, dann suchen wir immer fieberhafter…
    Es wird aufgespritzt, zusammengeschnitten und abgesaugt wo nur geht.

    Letztens bin ich im Kreise von 15 Frauen zw. 45 und 55 Jahren gesessen und war schockiert über die teilweise hampelmann artige Aufmachung die das Alter und teilweise auch die Verlebtheit eher noch unterstrichen haben und grotesk wirken ließen.
    Mich wundert nicht das Männer nach jungen Frauen Ausschau halten, sowas möchte ich als Mann auch nicht haben.
    Andererseits geben mir solche Frauen einen gewissen geistigen Colorit.

    Wir sind sterblich, je älter wir werden desto mehr wird uns das bewußt, den Jungen gehört die Welt, wir sind das nicht mehr und das wird uns schmerzlich gezeigt.

    Luxus dient dazu uns das zu versüßen, eine Sache die ich auch für mich erkenne.
    Wir suchen einfach nach Anerkennung, Schönheit, Sicherheit usw.

  4. Lieber Kaiser, das ist ein sehr interessantes Thema und wohl auch ein Fass ohne Boden. Du hast es ja so treffend beschrieben, was für den einen Luxus ist, gehört beim Nächsten zur Stillung des Grundbedürfnisses. Da sollte man sich nicht vergleichen.
    Viel schlimmer finde ich die Perversion, mit der manche ihr sogenannten Statussymbole vor sich hertragen und da meine ich jetzt gar nicht nur die, die ein richtig dickes Bankkonto haben. Angeber ziehen sich irgendwie durch alle Gesellschaftsschichten und die finde ich unerträglich. Ach – ich könnte hier jetzt wieder schreiben und schreiben… Hab eine schöne Woche, lieber Gruß, Conny

  5. Ich habe erst heute in der aktuellen Zeitschrift Flair ein Interview mit Karl Lagerfeld gelesen (der übrigens so witzig, ironisch und völlig undurchsichtig sein kann, das letzte Interview mit ihm in einer genialen Ausgabe Quintessenz als Zusammenarbeit der Vogue, AD und noch 2 Zeitschriften hat mich dermaßen begeistert). Er sagt, Luxus sollte für den Besitzer selbstverständlich sein, man muss es benutzen und nicht schonen. Im Chanel Blazer in den Supermarkt soll in Ordnung sein. Ansonsten sei ein Luxusgut nur Angeberei oder Investition. Das hat mir gefallen, finde auch unsinnig sich etwas zu leisten (sei es materiell oder idealistisch), es aber zu schonen oder von Außen anzuhimmeln.

    1. Hey das habe ich auch gelesen, ein pelz Mantel von xy sollte so selbstverständlich getragen werden und nicht geschont werden. Sonst ist es kein selbstverständlicher Luxus mehr und kann für andere lächerlich aussehen wenn man das Teil xy wie ein rohes Ei behandelt.

      Eigentlich sehe ich es ähnlich , ich wohne ländlich und ich trage gerne mal meine xy Tasche zum einkaufen oder beim Chinesen neben an weil es sich so ergeben hat. Ich weiß aus meinem Umfeld das einige das unangebracht finden, besonders wenn ich beim Sport jemanden anfeuere und keine sneakers trage sondern Stiefel oder Pumps.

      Die zeit die du kk schon erwähnt ist in unserer schnellen zeit schon wieder Luxus. Ich frage mich nur wenn zeit für viele von uns Luxus ist, was sind dann die materiellen Dinge ?

      ( akute Kleinschreibung wegen Autokorrektur )

  6. Hallo,

    wie du schon schreibst, ist dies alles eine Sache des Blickwinkels.

    Es ist ein großes Thema, ich weiß. Aber zählen wir auch nicht immer zum Luxus das, was wir uns am meisten wünschen und daher:

    Für mich ist der größte Luxus: ZEIT, nur für mich. Nicht das ich keine Zeit hätte, aber eben diese spezielle…, ich könnte auch weniger arbeiten, Ich stehe mir da selbst im Weg.

    LG Sue

  7. Es gibt Luxus und Verschwendung. Luxus ist für mich, Handseife von Rituals (teuer). Verschwendung ist sieben verschiedene limitierte Handseifen von Balea, die dann doch nur rumstehen, weil es bald die nächsten limitierten Produkte gibt und für die man zusammengerechnet genausoviel oder sogar mehr ausgibt, als für ein hochpreisiges Produkt (Verschwendung). Qualität statt Quantität. Luxus gibt ein gutes Gefühl und streichelt die Seele.

  8. Mir meine Zeit einteilen zu können ist für mich Luxus (Für Familie, Sport, Freunde, Schlafen). Dass mir mein Beruf Spaß macht, ist Luxus. Dass ich nicht „voll“ arbeiten muss sondern stattdessen andere Dinge tun darf die mir Spaß machen, ist für mich Luxus. Dass ich Gesund bin, ist Luxus. Dass ich augenscheinlich „gesunde“ Lebensmittel kaufen kann, ist Luxus. Dass ich im Grünen Lebe, einen Garten habe und NICHT darin arbeit MUSS (mag ich gar nicht) ist Luxus. Dass ich im Paradis (Kos) Urlaub machen kann, ist Luxus. Dass die Berge hier vor der Tür sind, Luxus. Louis Vuitton, Christian Louboutin … brauche ich nicht. Für mich. Empfinde ich nicht als Luxus. Luxus sind Funktionsschuhe, wo die Füße im Winter schmerzfrei, trocken und warm bleiben und im Sommer Schuhe die nicht reiben, schmerzen und drücken. Welch ein Luxus, dass ich keine anderen Tragen muss.
    Ich glaube mein Luxus ist zunächst eher nicht materiell. Aber das nötige Kleingeld erlauben mir erst, diesen auszuleben.
    VG und viel Spaß beim Genießen.
    Sunny

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