SKINCARE: KANN DENN BEAUTY SÜNDE SEIN?

Sich mit Hautpflege (oder gar Gesichtspflege) zu beschäftigen gilt gemeinhin als oberflächlich und eitel. Aber warum eigentlich, und wieso reagieren manche Menschen darauf sogar aggressiv?

 

Eine liebe KK-Leserin hatte mich letztens auf einen aktuellen Artikel im ZEIT-Magazin aufmerksam gemacht, in dem die Autorin Emilia Smechowski sehr schön (und durchaus reflektiert) beschreibt, wie gerne sie sich der Hautpflege hingibt, immer wieder auch neue Produkte ausprobiert, weil die Optimierung der Haut ja ab und an ein „Finetuning“ braucht, und wie nah Erfolge und Enttäuschungen liegen, wenn man sich wirksame Hautpflegeprodukte erhofft.

 

 

Wenn Du hier öfter vorbeischaust, ist die Chance groß, dass Du auch zu den leicht Hautpflege-Verrückten gehörst, die sich gerne pflegen, und die die dazugehörigen Pflegeprodukte mit Lust anwenden.

In meinen Augen ist Hautpflege kein notwendiges Muss, sondern ein fast schon meditativer Akt, der einen festen „Termin“ im Tagesablauf besitzt, und der einen Kontrapunkt zum schnöden Alltag setzt. Mich faszinieren die vielen unterschiedlichen Pflegeprodukte schon seit meiner Jugend, und ehrlich gesagt kann ich den Kosmetikfirmen und Konzernen kaum böse sein, dass sie immer wieder so kreative Werbeversprechen erfinden, die oftmals einfach nur schöner Schein sind.

Die blumigen Aussagen über zB. Faltenreduktion und strahlende Haut (ist „Glow“ nicht das Triggerwort überhaupt?) gehören einfach dazu, wie die viel zu jungen und gut aussehenden Models – egal ob bei Unterwäsche oder Kosmetik. Der schöne Schein wird verkauft, und wir alle wissen das. Ich verstehe die Entrüstung mancher Gruppen nicht, die den Herstellern deswegen fast schon Betrug vorwerfen. Ja, wir Konsumentinnen und Konsumenten sind doch keine Vollidioten, denen man ein Schwein für ne Kuh vormacht.

Wenn ich weiß was ich tue, und ich es gerne tue, dann hat auch diese so schmeichelnd-lügnerische Werbung ihren Sinn, denn manchmal gibt man sich eben gerne der Verführung hin. Ja, Schokolade in Mengen macht dick. Und? Trotzdem kann es der Himmel sein eine ganze Schachtel Pralinen zu exen.

Halten wir also fest: Hautpflege kann man auf nüchterne (bis dröge) Art praktizieren, oder gänzlich anders lustvoll genießen. Wie schön, dass es da auch die Zwischentöne gibt, denen ich mich zugehörig fühle. Ich genieße auch Hautpflege, mache mir aber gerne Gedanken dazu, lerne etwas darüber, und versuche beide Welten geschickt zu kombinieren.

Wenn wir aber noch einmal zum oben erwähnten Artikel zurückkehren, dann hat mich eine Sache doch erschrocken: In den Kommentaren zum Artikel ging es (wohlgemerkt im ZEIT-Magazin, nicht in der BILD) hoch her! Da wurde die Autorin angegangen, als hätte sie gerade die Impfpflicht für Neugeborene eingefordert.

Keinerlei Verständnis für Menschen, die beachtliche Summen Geld für Kosmetikprodukte ausgeben, und die dadurch in den Köpfen der Schreiberlinge gleich zu schlechten Menschen mutieren. Wo kommt denn da dieser Hass her? Herrje, fast alle haben doch ein Hobby, das Geld kostet, manchmal sogar eine stolze Summe im Monat. Na und? Wenn man es sich leisten kann, und die weitaus wichtigeren Dinge des Lebens nicht aus den Augen verliert, wer hat da das Recht mein Privatleben zu bewerten?

Größtes Problem in meinen Augen: Die Kritik stammt immer aus den eigenen Lebenswelten, die die Schreiberlinge als Normativ übernehmen. Keinerlei Blick über den Zaun, nur mein Erleben ist richtig. Daher kann ich dann auch über Andere richten, die andere Entscheidungen treffen, die – wohlgemerkt – niemandem schaden oder weh tun.

 

Dabei ist man in Sachen Hautpflege doch eh ständig in Erklärungsnot, denn viele Menschen sehen diese als Verschwendung oder pure Eitelkeit an. Zumal allgemeiner Konsens zu sein scheint, dass Pflegecremes nichts, aber auch gar nichts mit der Haut machen können. Sie seien allesamt unwirksam, und nur eine einfache Schutzcreme sei völlig ausreichend, denkt eine Mehrheit der Menschen um mich herum.

Müßig zu erklären, dass man – aus meiner Erfahrung heraus – mit Hautpflege durchaus eine optische und auch qualitative Verbesserung der Haut bewirken kann. Man darf halt nur keine Wunder erwarten.

In jungen Jahren ist man kritischer eingestellt, denn die Haut besitzt ja noch gar nicht so viele Baustellen, als das man da tatsächlich „was sehen“ könnte. Eigentlich auch der Grund, warum mich jüngere Skincare-Influencer nerven, die tagein-tagaus Anti-Aging-Produkte ausprobieren, die bei denen einfach nicht wirken können. Vorsorge (UV-Schutz, AOX) und dem Hautzustand entsprechende Pflege ist die einzig richtige Maßnahme.

Wird man älter, bekommt man mit den richtigen Pflegeprodukten dann durchaus öfter mal einen Aha-Effekt zu sehen und spüren. Was habe ich mich dereinst gewundert, wie toll meine Haut nach meinem ersten Glykolsäure-Peeling aussah!

Wird man noch älter, ist das mit dem Aha-Effekt so eine Sache, denn man muss sich eingestehen, dass die Haut meist schon eine Qualität angenommen hat, die kaum noch auf Kosmetikprodukte reagiert. Im Gegenteil, man muss aufpassen, nicht an Produkte zu geraten, die die Haut durchaus auch mal schlechter aussehen lassen können. Besonders pigmentierte Produkte seien da genannt, die sich in die Fältchen setzen können, und diese geradezu vernichtend fies betonen können.

 

Trotzdem sieht eine alte, aber gut gepflegte Haut immer noch wunderbar aus, wenn man sie mit Würde (ich weiß, ein großes Wort) zu tragen weiß. Selbstzufriedenheit, Freude und Liebe sind eh die besten Anti-Aging-Mittel, das kann wohl jeder Mensch zugeben, auch die größten Kosmetik-Fans der Welt.

Doch selbst wenn ich die schönste Haut der Welt besäße, so würde ich nicht auf das nette kleine Ritual am Morgen und am Abend verzichten wollen, bei dem ich für eine kleine Minute eine äusserst angenehme Creme über meine Haut streiche. Wenn ich einmal kurz bei mir selbst bin, mich fühle, in mich hinein horche und die Geste, den Zeitpunkt genieße. Das muss natürlich nicht zwingend durch Hautpflege geschehen, und ob das mit teurer Kosmetik besser geschieht als mit günstiger, ist noch deutlich diskussionswürdiger, aber der schöne Moment ist es mir wert. Und wenn ich deshalb bei anderen Menschen Unverständnis errege, dann ist es halt so. Kein Grund, gute Gefühle abzustellen!

Ähnlich ist es auch im ZEIT-Artikel. Die Autorin ist weder desillusioniert noch bekehrt. Sie hat eine Beziehung zu ihrer Hautpflege und den Produkten, die sie liebt, und irgendwie auch pflegt. Die Realität verliert sie dennoch nicht aus den Augen. Ich finde das schön.

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Screenshot ZEIT-Magazin, Pixabay.  Keinerlei Sponsoring)

 


14 Gedanken zu “SKINCARE: KANN DENN BEAUTY SÜNDE SEIN?

  1. Guten Morgen ihr Lieben,
    ich würde ohne die Freude auf mein Pflegeritual gar nicht morgens aufstehen wollen. Allerdings hatte ich noch nie deshalb Diskussionen oder Anfeindungen erlebt.
    Gepflegte Grüße
    Daniela

  2. Guten Morgen,
    ich habe auch Freude an der Pflege meiner Haut und finde es immer wieder erstaunlich, was man damit erreichen kann, nämlich sehr gepflegte Haut. Und das ist meiner Meinung auch das Maximum, was man herausholen kann. Ob man was Günstiges oder was Teures verwendet, ist vermutlich zweitrangig, das Produkt muss einfach passen. Ich bin mit der Verwendung vieler verschiedener Texturen, Seren, Ampullen, Cremes sehr vorsichtig, bei mir geht das selten gut. Aber es gibt wohl auch jede Menge Leute, die das Praktizieren. Früher hatte ich eine nette Dame bei Douglas, die dann auch mal sagte, ach das braucht man nicht, das ist nur Geldmacherei, eine sehr kompetente Person, die ich sehr vermisse und leider durch inkompetentes selbstverliebtes überschminktes Einheitspersonal ersetzt wurde. Ich bewundere den Mut von KK, der seine gepflegte Haut immer wieder Experimenten aussetzt.

  3. Lieber KK,
    Ich habe sowohl den Artikel aus dem Zeitmagazin als auch die online Kommentare auch gelesen und fand letztere wieder typisch ‚deutsch‘. Vermutlich wären in Frankreich die Kommentare milder ausgefallen, da Hautpflege selbstverständlicher ist. Weiterhin hege ich die Befürchtung, dass durchaus unterbewusst noch tradierte NS Werte eine Rolle spielen könnten (eine deutsche Frau malt sich nicht an…). In der Erziehung bspw. haben sich gewisse Einstellungen auch viel länger gehalten, als die NS Herrschaft. Die Einstellung zu Hautpflege ist bei jüngeren Generationen merkbar positiver.

    1. Das stimmt, gerade auch das Thema Männer und Kosmetik. Da wird ja gepflegt und geschminkt, dass selbst ich manchmal ganz erstaunt bin. Aber gut so, wie gesagt, es tut doch niemandem weh, niemand bekommt etwas weggenommen. 😄
      Liebe Grüße
      KK

  4. Ich möchte auf meine pfelegschritte nicht mehr verzichten müssen 1. macht es mir unheimlich Spaß und 2. sehe ich sehr deutlich wie sehr sich meine Haut verändert hat. Klar, muss vielleicht nicht alles sein was dann so an Seren draufkommt, aber ich liebe diese Auszeit und das hautgefühl danach. Einzig mein Mann, ist einmal kopfschüttelnd neben mir im Bad gestanden und hat die Welt bzw. mich nicht mehr verstanden wie man sooooo viel auf sein Gesicht geben kann. Wo es die gute alte Nivea Creme doch auch tut….. ansonsten werde ich öfter gefragt, welche Creme ( ich glaube für die meisten gibt es nur Cremes) ich benutze, da ich so schöne Haut habe und jünger werde ich auch oft geschätzt. Ich werde das immer so weiter praktizieren

    Schönen Montag noch

    Natascha

  5. Schön geschrieben. Obwohl wir hier in einer Bubble sind, pflege ich mich auch gerne und finde das als lustvolle Bereicherung meines Lebens. Heute bewerten und richten Leute ständig über andere und ich finde das erschreckend, denn andererseits rühmen wir uns doch ständig, wie aufgeklärt und tolerant wir sind.
    Aber wer sich über Nebensächlichkeiten aufregt, braucht sich halt nicht um die wichtigen Dinge kümmern.
    VG, Suse

    1. Liebe Suse,
      das Gefühl habe ich auch, je mehr darüber gesprochen wird, desto weniger Toleranz gibt es noch, es gibt nur noch rabenschwarz und blütenweiß .
      LG

  6. Aus der welschen Dchweiz kann ich euch berichten dass hier,ähnlich wie in Frankreich,jeder nach seiner Façon lebt und Geld ausgeübt wofür er den größten Benefit bekommt.
    Eine Flasche Wein für 300,- zum Essen für 200,-. Und niemand nimmt sich das Recht der Anmerkung,geschweige Kritik.
    Es ist ein deutsches Phänomen-sich mit negativen schulmeisterlichen Kritiken auf alles zu stürzen was nicht nur den Geist erhöht oder umweltrettend ist.
    Ich nehme mir dass meine geliebte LED Gesichtsmaske und geniesse das rote Licht und fühle mich wunderbar,egal was Besserwisser davon halten.

  7. Sich schön zu pflegen, zeigt einen freundlichen Umgang mit sich selbst. Vielleicht sind deswegen manche Zeit-Kommentare so giftig? Es gibt ja eine Menge Zeitgenoss:innen, die sich selbst nicht ausstehen können (das vielleicht auch nicht gelernt haben) und das dann sozusagen auf andere projizieren. Neid spielt da sicherlich auch eine Rolle – allein schon der Neid, dass jemand mit sich nett umgeht, und nicht die ganze Zeit über den Ohnterrgang der Welt herumheult.

    Lässt man eine kurze Weile alle besonderen Produkte weg, kennt man ihren Nutzen. Nach ungefähr einer Woche sieht man den ersten Unterschied. Umgekehrt gilt das auch: Da ich gewisse Inhaltsstoffe meiden muss, übereignete ich alles damit dem GG. Nach wenigen Wochen hat sich sein Hauszustand doch sichtlich gebessert. Jetzt macht er das selbsttätig. Also von ganz alleine. 😉

    1. Genau richtig Hasi, das ist manchmal ganz schlimm…..Ich hab keine Modelfigur und creme meinen Körper nach dem Duschen im Studio gerne genauso genüsslich ein wie daheim…..selbst das gibt manchmal böse Blicke und nein ich bilde mir das nicht ein, das sind dann meist leider die Personen, die auch nicht im Studio duschen. Ja dafür gibt es verschiedene Gründe aber hier passt es halt leider zusammen.
      Es ist sehr schade, wie unzufrieden manche Menschen mit sich selbst sind

  8. Ich habe jetzt mit Mitte 30 mit Hautpflege „angefangen“ (sprich: informiert, gelesen, eine Routine zusammengestellt, gewisse Pflegeschritte neu inegriert,…), habe gelernt mich zu schminken, und auch zum ersten Mal Botox spritzen lassen. Mit meinen (deutschen) Freundinnen und meiner (ukrainischen) Mutter kann ich mich hier wunderbar austauschen, aber die Schweizerdeutsche Familie meines Partners tut gerade so, als würde ich Geld verbrennen und „Wir haben das früher nicht gebraucht!“ Da könnte man süffisant drauf reagieren, man kann aber auch gegen eine Wand reden 🙂

  9. Lieber KK, Deine Bemerkung „nur mein Erleben ist richtig“ trifft es auf den Punkt. Das ist doch etwas, was in den letzten Jahren in allen Bereichen zugenommen hat. Jeder hat zu allem eine Meinung, weiß es besser und meint seinem Umfeld und der ganzen Welt zeigen zu müssen, wie es richtig geht. Geht mir gelinde gesagt ziemlich auf den Zeiger. Ich denke mir immer, you do you.
    Mich hält man immer verrückt, wenn ich sage, ich trage jeden Tag Sonnenschutz. Aber nur so lange, bis ich sage, ich bin 52. Dann gucke ich meist in ein total erstauntes Gesicht von einem, der es nicht glauben kann. Unbezahlbar 😁
    Insofern werden wir pflegeaffinen Menschen doch etwas richtig zu machen, und sei es nur, ums selbst gut zu tun.
    In diesem Sinne – schönes Wochenende!

    1. Was gut tun ist immer richtig, aber ich bezweifle den Zusammenhang von altersmäßigem Aussehen im Zusammenhang mit Pflege, weil ich jetzt über 60 zu viele Ältere sehe, die praktisch gar nichts nehmen und mit denen es die Gene sehr, sehr gut gemeint haben. Dazu kommt: man altert tatsächlich schubweise. Ich hatte immer das Gefühl, von 20 – 50 passiert gar nicht so viel, ab Mitte 50 beginnt etwa der erste entscheidende Schub, spätenstens mit 60. Irgendwann sieht man einem sein Alter an und ich finde eher problematisch, daraus so ein Thema zu machen. Ich halte es so: „Nimm dein Alter, ziehe nichts ab, füge nichts hinzu – es ist dein Alter“.
      Ernährung, Stress, Sport, gute Beziehungen, das Aussehen hängt zusätzlich von vielen Dingen ab. Sonnenschutz ist doch völlig okay bei dir, du solltest dich nicht dafür verteidigen. 🙂

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