LIFESTYLE: UNGEBETENE HAUSGÄSTE IN EINER EISKALTEN WINTERNACHT

Was so alles in dunklen Ecken lauert. Besonders bei winterlichen Temperaturen wie im Tiefkühlfach sollte man zwischendurch mal nachschauen, ob sich uneingeladene Mitbewohner in der Wohnung befinden…

Gestern am späten Abend habe ich etwas gesucht. Es fiel mir beim Ausziehen aus der Tasche und kullerte in die allerletzte Ecke des Schlafzimmers. Genau dorthin, wo man nur ganz schwer hinkommt, und selbst der filigranste Staubsaugeraufsatz kläglich scheitert wie ein dicker Elefantenrüssel.

Also erst einmal alle Lampen an, sodass die Festbeleuchtung die Suchaktion verkürzen möge, dann Möbel beiseite schieben, und zuletzt ab auf die Knie. Brust und Kinn tief zum Teppichboden und einen Arm suchend nach vorn gestreckt, so robbte ich mich also langsam voran.

Zum Glück war das Licht so gleißend hell, dass ich auch gut sehen konnte. Zu gut, um genau zu sein, denn das mit dem Staubsauger war wohl tatsächlich nicht meine Stärke. Puh, wo ist die ultrafiltrierende Mund-Nasenmaske, wenn man sie mal braucht?

Ich hielt die Luft an und schob mich noch ein paar Zentimeter weiter, während meine Hand nun langsam unter dem Bett verschwand. Tastend glitt die Hand wie ein Präzisionsinstrument den erreichbaren Bereich ab, der nicht mehr in meinem Sichtfeld lag. Weit und breit nichts zu fühlen. Derweil ließ ich meinen Blick abschweifen, ganz in Gedanken schaute ich seitlich zur Wand. Und da saßen sie!

Zwei schwarze Spinnen. Düster und verschlagen blickten sie drein, und ich konnte ihre langen haarigen Beine sehen… Äh, nein, das habe ich mir nur im Nachhinein so zusammengesponnen. In Wirklichkeit waren sie auch garantiert nicht handtellergroß, wie ich es hinterher jedem erzählte, der es nicht hören wollte.

Erschrocken zog ich reflexartig meine Hand unter dem Bett hervor und ratschte mit den Fingern an der ungewöhnlich scharfen Bettkante entlang. Na toll, jetzt riechen diese haarigen Biester mein Blut und stürzen sich auf mich? Die vermeintlichen Mörderbestien schien das jedoch kalt zu lassen.

Eigentlich saßen sie da ganz ruhig, geradezu entspannt. Kein Wunder, musste ich doch sogleich an die Eisschranktemperaturen draußen denken. Wahrscheinlich hatten sie sich ein kuschliges Plätzchen gesucht, so eine staubige Wohnungsecke kann durchaus ruhig und gemütlich sein, zumindest wenn man eine schnell fröstelnde Spinne ist.

Das haben die Zwei sich wohl bei meinem letzten schnellen Stoßlüften auch gedacht, fix rein in die gute Stube, wenn das Fenster schon so einladend offen steht. Da kann ich doch froh sein, nicht noch einen bibbernden Waschbär, oder einen klapprigen Storch im Kuscheleckchen gefunden zu haben.

Ich bin ja ein Tierfreund, und natürlich habe ich mich nicht für die bequeme Variante mit dem Staubsauger entschieden (so ein kabelloser Dyson machts einem aber auch leicht). Nein, deutlich unbequemer bin ich den ganzen Weg zurück gekrochen, habe ein Glas und ein Stück Pappe organisiert. Dann leise und vorsichtig wieder in die doch etwas gruselige Ecke geklettert, um die Hausgäste nicht zu verschrecken (in dieser Nacht Schlaf zu finden, während man nicht so genau weiß, wo sich die zwei Hausspinnen nun wirklich befinden, wäre schwierig geworden).

Mit ungeahnt filigraner Fingerfertigkeit, konnte ich doch tatsächlich beide Arachnoiden ins Glas bugsieren, Pappe oben drauf, damit sie es sich nicht noch einmal anders überlegen können, und schneller als gedacht, stand ich wieder senkrecht auf meinen Beinen.

Meinem ersten Impuls, die Tiere wieder ins Freie zu befördern, wollte ich aufgrund der buchstäblichen Grabeskälte nicht folgen, also habe ich sie schließlich in den Keller verfrachtet. In einen Raum ganz weit weg von der Treppe nach oben.

Ich hoffe, die erwarten jetzt nicht noch das Servieren einer fetten Fliege zum Frühstück…

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(Fotos: Pixabay, KK.  Keinerlei Sponsoring)


29 Gedanken zu “LIFESTYLE: UNGEBETENE HAUSGÄSTE IN EINER EISKALTEN WINTERNACHT

  1. Oh mein Gott. Ich hab alles mit Fliegengitter zu gemacht da ich mich extrem vor diesen fetten Biestern ekel. Ich kann die auch nicht mit dem Glas nach draußen bringen.

    1. Das geht mir ganz genauso.
      Ich habe eine ziemlich ausgeprägte Spinnenphobie (ab einer bestimmten Größe) und reagiere auch schon mal mit Schweißausbrüchen und Übelkeit, wenn ich so ein größeres Viech mit dickem Körper in meiner Wohnung entdecke. Schon das Foto löste einen Adrenalinstoß aus 😏!
      Ein ganz gravierender Nachteil des Singledaseins ist es, allein mit seinen Phobien fertig werden zu müssen 😩.
      Deswegen sind sommers wie winters Insektengitter vor meinen Fenstern 😊.

  2. Kleine Spinnen machen mir ja nichts aus aber diese fiesen, ganz dicken Kellerspinnen…ich lasse sie im Keller wohnen weil ich hoffe, dass sie Kleidermotten fangen aber begegne ihnen nur sehr ungern.
    Für dicke Spinnen in der Wohnung habe ich nichts übrig, die fange ich mit einem Spinnenfänger und trage sie nach draußen. Den Fänger habe ich mal geschenkt bekommen, damit kann ich fast einen Meter Abstand halten, keine Spinne ist je entkommen und sie werden nicht verletzt. Ich hab damit auch schon Wespen und eine Hornisse nach draußen befördert.
    Es ist ein langer Stiel und vorn ist eine Art Besen, ich liebe das Ding.

    Allen einen schönen Tag
    LG
    Nicola

    1. Bei uns: das ist nur Dezimierung des Wollmausbestandes – mit Blick auf das Ziel Spinnenbeseitigung keine Chance.
      Viel antike Holzverkleidung, viele Winkel, alles sehr pittoresk und wirklich reizend. Einziger Trost: die gute, lange bewährte Bausubstanz, und das Wissen, dass die einen Jäger die anderen unerwünschten Gäste, die ja immer auch selbst in modernen Häusern vorhanden sind, verarbeiten.

      Manchmal glaube ich, dass der Trend zum Minimalismus mit der Angst vor Spinnen zu tun hat… Wo kein Regal, da keine Nische.

  3. Ahhhh, lieber Konsumkaiser, jetzt habe ich es! Das Kopfkino, in welchem sich ein oder mehrere Exemplare dieser zwar nützlichen, aber so gar nicht possierlichen Gattung auch unter meinem Bett befinden! Du kannst sicher sein, dass ich selbiges gleich abrücken und alles genau inspizieren werde. Und wenn ich heute Abend im Bett liege und nicht schlafen kann, dann werde ich an dich denken und hoffen, dass es morgen wieder um Cremes oder wenigstens um Corona geht;-)))
    Nein, Spaß beiseite! Mir geht es wie Nicola, wenn Spinnen unter einer gewissen Größe bleiben, kann ich eine friedliche Koexistenz zwar nicht im Schlafzimmer, im sonstigen Wohnbereich jedoch akzeptieren. Ab einer gewissen Größe werde ich von der selbstbewussten, emanzipierten Frau zum aschfahlen, hilflosen Weibchen, das nur mühsam seine Hysterie unterdrückend nach dem Göttergatten schreit, der dann ebenfalls mit Glas und Pappe nicht etwa der aufgeregten Ehefrau, sondern dem „armen Geschöpf“ zu Hilfe eilt…
    In diesem Sinne, danke für den unerwarteten Donnerstagsputz und einen hoffentlich unversponnenen Tag für dich und alle LeserInnen!

    1. Herrlich, Bianca, hahaha: Ab einer gewissen Größe… – das bin ich! Und der Gatte, der zu Hilfe eilende „Held der späten Stunde“, rettet dann auch das Geschöpf und hofft auf Karmapunkte. Was früher der Säbelzahntiger… 😉

      Ich hätte immer gedacht, das ich nie. nie. nie. eine erwachsene Hauswinkelspinne einfangen könnte. Eines Nachts, ich war ganz alleine und sollte dies noch für einige Tage bleiben, schaltete ich die Lichter im Wohnzimmer aus, und dann kam mir etwas merkwürdig vor. Irgendwie waren die Schattenverhältnisse in der Nähe eines großen Bildes anders. Mir grauste es bereits – ich kenne unsere Taranteln! – und siehe da, die Bilderleuchte zeigte es deutlich: am Rahmen saß ein Superriesenmegaloexemplar, Durchmesser mit haarigen Beinen (nicht Beinchen) ca. 8 cm. Shriiiek! Was sollte ich tun? Das Wohnzimmer und die Küche für eine geschlagene Woche aufgeben? Meinen Selbstwert aufs Spiel setzen? Und wo kriecht die dann hin? Findet die überhaupt noch jemand? Die Sorge wuchs, der Mut, es wenigstens zu versuchen, aber auch. Denn sie zu erschlagen kam nicht in Frage, nicht bei dieser Größe, nicht an einer hell abgetönten Wand und erst recht nicht auf einer gemalten Leinwand!
      Also, die Fangkiste gesucht (die Schachtel einer extrabreiten Folie), aufgeklappt und gehofft, dass Spinnileini doch bitte bitte darin ein gemütliches und sicheres Höhlchen, viel schöner als der harte Rahmen, erkennen möge – beim GG funktioniert das zu 80 %), na, komm, putt putt putt, nicht abhauen, brav da rein hüpfen.
      Oh, was habe ich geschwitzt!
      Tada und Tschaka: ich war erfolgreich. Schnell zugeklappt, nachdem ich sah, dass sie drin hockte. Nie werde ich dieses Geräusch des Plumpsens in die Kiste vergessen, das Ungeheuer wog sogar spürbar etwas, echt ekelhaft war das Gefühl, sie renne in der Kiste herum. Was soll’s, zur Not gebe ich die Kiste im Garten auf, bevor sie meinen Arm hochrennt… (kreisch!). Ich also raus, ca. dreißig Meter vom Haus weg getragen, und sie rannte schließlich über die Straße, ich behielt die Kiste (wer weiß, wer einen noch heimsuchen kommt) – und meine Nerven.

      Dann erst mal wieder das Licht eingeschaltet, Musik angemacht, einen kleinen Whisky zur Belohnung und Adrenalin wieder runtergefahren.

      Welch ein Abenteuer!

      (Ratet mal, wen ich vor ein paar Wochen vor dem Schlafzimmertür antraf, nachdem ich gerade mit Zähneputzen fertig war? Mein Held, halb schon im Schlaf, hat sie nach Minuten erwischt, aber die konnte schon verdammt schnell rennen. Und wir haben ein altes Haus mit viel Holzverkleidung…)

  4. Vielleicht könnt ihr ja viel entspannter sein, wenn ich euch weitergebe, was die Malermeisterin nach dem Einsatz in unserem von Spinnen bevölkertem Haus mal sagte. 😀
    „Spinnen im Haus sind eine gute Sache, das zeugt von einem guten Raumklima!“
    Seitdem lebe ich in friedlicher Koexistenz mit den vielbeinigen Untermietern – vielleicht stimmt was nicht mehr, wenn sie fluchtartig sämtliche Kuschelecken verlassen.

  5. Wunderbar geschrieben, ich kann das alles so gut nachvollziehen, unsere Spinnen sind für mich auch stets handtellergroß ;o)
    Respekt, dass du die Tierchen nicht gedysoned hast, bei der Größe wäre ich raus, das muß mein Mann dann erledigen, der sich stets auch mit Glas und Zeitung bewaffnet.
    Wir hatten mal einen Tausendfüßler o.ä. in der Wohnung, gefühlt einen Meter lang, den sollte der damalige Freund meiner Tochter „entfernen“, der Junge hat hysterisch geschrien und sich tatsächlich auf einen Stuhl gestellt – da musste dann leider der Staubsauger ran….

      1. Apropos Dyson. Unser Staubsauger gibt gerade auf und ich bin unschlüssig. Der Neue soll kein Kabel haben. Beutel ist mir schon fast egal aber nie wieder will ich einen Staubsauger mit Kabel.
        Bist Du zufrieden mit dem Dyson? Der ist ja nicht so günstig dann sollte er schon richtig gut sein.
        Lieben Dank 🙂

        1. Ich bin weiterhin begeistert! Nie wieder Kable, ganz klar. Allerdings würde ich das nächste Mal in das Spitzenmodell investieren, denn alles ohne Anzeige (zB. Akku) ist nervig. Der Behälter ist bei meinem gerät nicht so groß, und der Akku hält nicht soo lange. In einem kleinen Haushalt ist das ok, aber bei einer Familie, vielleicht noch mit Tieren, sehe ich schwarz.
          Liebe Grüße
          KK

          1. Er hätte es bei uns leicht. Kein Teppich, kein Tier, Wohnung, kein Haus. Ich werde mich mal umsehen bei Dyson. Danke Dir 🙂

        2. Hallo Nicola,
          Ich habe im November bei QVC den V11 gekauft. Genial!!! Sowohl ich als auch meine Nachbarin hatten einen Kulturschock und kamen uns vor wie🐷🐷! Der hatte ich den geliehen. QVC hat oft Sonderpreise. Ich habe 629€ bezahlt. Da ist sogar ein Knickgelenk mit bei,um bequem unter die Möbel zu kommen, und Hartbodendüse. Guck Mal Artikelnr. 843348 für 579,99€. Du wirst ihn lieben.

          1. Danke Birgit, ich seh mir das mal an. Die Preise sind ja gesalzen aber wenn man dann für viele Jahre kabellos zufrieden ist, lohnt sich das.
            Liebe Grüße

  6. Haha, muss grad dran denken, wie mir meine Kollegin erzählte, dass sie Ihren Freund mitten in Nacht eine Spinne fangen liess und dann in Unterwäsche aus dem Haus schickte, mit dem Auftrag, diese ausreichend weit weg zu bringen 😅😅 Spinnen erinnern sich wohl und kommen zurück. Man müsste sie mindestens 900 m wegschaffen wurde mir erklärt…

      1. 😅 okay…..da hab wohl nicht so gut aufgepasst 😉 Ich geb Spinnen Namen. Meine letzte hiess Susi. So war sie mir gleich viel sympatischer🙃

  7. Spinnen darf man nicht töten, weil sie uns Glück und Geld ins Haus bringen.
    Ich liebe Spinnen. Ich mag dafür keine Schlangen, besonders die im Büro. 😜

  8. ich mag spinnen, jedenfalls die heimischen. vor tarantula würde ich auch flüchten. unser haus hat ein reetdach, es ist sozusagen sehr belebt und irgendein achtbein wartet nur darauf, dass hier mal eine tür oder ein fester aufgeht. ich lasse sie rein, weil ich hoffe, dass dann keine motten kommen. man sagt, man sieht nur die netze der dummen spinnen, die schlauen wohnen dann wohl in einer WG hinter dem kühlschrank 😆

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