DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 11.10.2019

Das Trendbarometer hat heute gar nichts mit Lifestyle und ChiChi zu tun, es kümmert sich um etwas, das uns alle angeht… 

 

Halle

Da schreibt man so einen Blog, der meist locker-flockig daherkommt, manchmal auch etwas nachdenklich macht, aber heute stehe ich mal wieder da und habe irgendwie kaum noch Lust etwas über „Lifestyle“ und „Glow“ zu berichten. Ehrlich, was will ich mit solchen Themen, wenn man gerade noch fassungslos das Geschehen in Halle beobachtet hat?

Da geht einer zu Jom Kippur los und will Juden töten. Er filmt das, zeigt es im Internet, und er fertigt zuvor noch sowas wie ein „Manifest“ an, in dem er sich und seine Tat „erklärt“. Als das alles anders läuft als geplant, erschiesst er eine Passantin und einen Mann in einer Dönerbude.

Mir wird übel.

Nein, mir ist heute mal nicht nach locker-flockigen Lifestylethemen, und selbst wenn gerade die beste Creme der Welt veröffentlicht würde, hätte ich keinen Blick dafür übrig. Lifestyle ist eine nette Umschreibung für Ablenkung vom Alltäglichen. Wenn aber der Alltag so grausam über uns hereinbricht, braucht es keinerlei Ablenkung, sondern wir müssen all unsere Sinne beisammen halten, um diese Situation, unser derzeitiges Klima der Gesellschaft in Deutschland und der Welt, so zu sehen wie es ist.

Und da herrscht keine „Alarmstimmung“, wie es Karnevalistin Annegret Kramp-Karrenbauer gestern formulierte, sondern die Sirene jault bereits laut und deutlich, die Dämme brechen.

Deutschland hat einmal der Welt geschworen, dass sich unsere Geschichte nie wieder wiederholen darf, egal in welcher Ausprägung. Und trotzdem gibt es bei uns „Politiker“, die den Holocaust als „Vogelschiss der Geschichte“ und das Schoamahnmal in Berlin als „Schande“ bezeichnen. Was glauben wir alle eigentlich, was in einem solchen Klima gedeihen mag?

Ich schäme mich zudem für einen Journalismus bei uns, der im Fahrwasser dieses Unmenschen auf Leserfang geht, und mit einer Überschrift wie „Hass in Halle: Irrer Nazi-Killer scheiterte kläglich an Synagogen-Tür“ die ganze Misere von Verrohung und Kopflosigkeit offenlegt.

Ich bin bestürzt und tief traurig, aber ab jetzt geht es nicht mehr um die Toten, es geht um die Lebenden. Aufstehen gegen den Hass. Hass im Internet, und Hass neben dir auf der Straße. Aufstehen gegen Rassismus. Aufstehen gegen Judenhass. Aufstehen gegen Hass, der sich gegen vermeintliche Minderheiten richtet. Hass, der nur instrumentalisiert, während sich asoziale Volksverführer hämisch die Hände reiben.

Damit meine ich nicht unbedingt, dass jetzt alle mit Plakaten durch die Straßen laufen müssen. Aber unser Beitrag im Alltag ist wichtig. Etwas sagen, wenn einem auf der Straße Ungerechtigkeit begegnet. Menschen helfen, die bedrängt oder bedroht werden. Zivilcourage ist heutzutage gefährlich geworden. Doch was tun, wenn wir in einer brenzligen Situation stecken, und uns niemand zu Hilfe eilt?

Ich wünsche uns heute einmal kein „schönes Wochenende“, sondern viel mehr Mut und Kraft für die Zukunft!

 

 

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39 Gedanken zu “DAS KONSUMKAISER TRENDBAROMETER * 11.10.2019

  1. Danke für deinen Post: so wichtig, dass wir alle achtsam auch auf kleine Anzeichen reagieren und Zivilcourage unser Leben leitet. Dazu wünsche ich uns allen Mut und ein offenes Ohr und Auge. Herzliche Grüße Sibylle

  2. Bin kein Sensibelchen, aber als ich die Nachrichten sah, kamen mir die Tränen…

    So viel Hass in dieser Welt. Wohin soll das noch führen ?

    1. Ihre Worte-wenn sie nur in die Köpfe derjenigen Eingang fänden die sie benötigten.. ich glaube ,dass,anders als 1933, es uns heute zu gut geht und niemand dieser Terroristen mehr grosse Furcht vor unserer Rechtsprechung hat um abgehalten wird von diesem unmenschlichen Tun. Mit Psychologen und zig-fachem Wechsel der Verteidiger erhalten diese Menschen jahrelang noch Aufmerksamkeit in den Medien die weiteren Non-valeuren Anreiz gibt zu ebensolchem „Ruhm“ aus ihrem unbedeutenden Leben aufzusteigen. Langeweile ,Erfolglosigkeit, gepaart mit geringer Intelligenz sind Nährboden für das Böse. Das nicht nur in Deutschland,das sehen wir in ganz Europa. Bittere Wahrheit : einige Mörder zerstören den Ruf eines ganzen Landes . Setzen wir doch heute mal ein Zeichen und lächeln zurückhaltend einfach mal alle nicht zu unserer ethnischen Mehrheit gehörenden Mitmenschen an. freundlichkeit ist eine gute Waffe gegen Rassismus.

  3. Als ich es Mittwoch Abend im Internet gelesen habe, habe ich einfach nur furchtbare Angst bekommen. Ich bin als deutscher Jude vor 4 Jahren nach Israel ausgewandert, weil ich solche Anschläge befürchtet habe. Nun steht es aber zu 99,99% fest, dass ich im Sommer 2020 erstmal wieder nach Deutschland ziehe und dort auch regelmäßig in eine Synagoge gehen möchte. Ich bin eigentlich kein ängstlicher Typ, aber jetzt habe ich Angst.

    1. Liebe Anja, ich kann die Angst total nachvollziehen, denn antisemitische Handlungen sind in den letzten Jahren bei uns sprunghaft angestiegen. Ich finde das auch unerträglich, und zum Glück gibt es wenigstens auch viele Menschen, die bewusst aufstehen und den Mund aufmachen. Das macht es nicht besser, es ist schon zu viel geschehen, aber du sollst wissen, dass du nicht völlig allein bist.
      Ich wünsche dir, dass du bei der Rückkehr nach Deutschland viele Menschen triffst, die dich bestärken und somit Kraft geben, denn Anfeindungen wird es geben. Lass dich nicht beirren und geh selbstbewusst deinen Weg. Solange es noch Menschen gibt, die sich dem Antisemitismus entgegenstellen, ist nicht alles verloren. Aufgeben ist keine Lösung.
      Viele liebe Grüße!
      KK

  4. Von Simon Pearce

    Bei Hitlers brennt noch Licht.
    Es ist nie ganz erloschen,
    nur eine kurze, ruhige Zeit war’s Fenster fest verschlossen.
    Nur ab und zu, ganz schüchtern fast, kaum hörbar, ein Gewisper…
    Man nahm’s kaum wahr und dachte sich: „Was soll’s? Da ist noch Licht an.“
    Bei Hitlers brennt noch Licht – Jetzt treten sie ans Fenster.
    Jetzt sieht man sie, jetzt hört man sie …
    das sind keine Gespenster.
    Ganz stolz und lautstark steh’n sie da, entzünden und krakeelen.
    Und ihre Drohung ist ganz klar: „WIR GEHEN WIEDER WÄHLEN!“
    Bei Hitlers brennt noch Licht.
    Vernunft wo bist Du? Wo?
    Komm‘ raus und hilf … und schalt‘ es aus.
    … sonst brennt es lichterloh.

    Mehr kann ich gerade nicht sagen. Es tut zu weh.

    1. Ein treffendes Gedicht! Berührend! Vernunft wo bist Du? Wo? Das fragt man sich oft und ich weiß es auch nicht. Wir gehen wieder wählen. Unsere FPÖ ist ja dank einiger Skandale ziemlich abgesackt und dennoch fürchte ich eine erneute Regierungsbeteiligung. Leider ist das braune Gedankengut noch immer sehr präsent. Woher kommt das? Lg Nina

  5. Manchmal habe ich echt Angst, wenn ich morgens in die Kinderzimmer gehe, diese friedlich schlafenden Wesen wecke und weiß, dass ich sie da gleich raus schicken muss. In unsere Welt, die mir gerade wieder so unendlich fremd vorkommt. Danke für deinen Beitrag KK.

    1. Mein „kleines Wesen“, das inzwischen studiert, will aus diesem Grund keine eigenen Kinder. Mach Deine mutig und selbstbewusst! Die Zukunft b r a u c h t doch neue, mutige Menschen…

  6. Abgesehen von der schrecklichen Tat schockiert mich der Umgang der meisten Medien damit fast genauso. In manchen findet sie nicht das angemessene Format, in anderen stillen reißerische Schlagzeilen (als ob die Tat nicht schon dafür „ausreichen“ würde) die vermeintliche Sensationswut ihrer Leser.

    Sind wir schon so abgestumpft von den unzähligen „Einzelfällen“, die auch von Politikern gerne kleingeredet und als Ausnahme dargestellt werden, während auf der anderen Seite immer mehr und immer offener das vergessen geglaubte braune Gedankengut als Heimattreue etc. propagiert wird – ohne jede Konsequenz?

    Dieser neue – oder nie verschwundene alte – Hass und der starke, noch immer zunehmende Rechtsruck sind mir unverständlich.

    Ich bin in einer sicheren, sozialen und demokratischen Gesellschaft aufgewachsen und fürchte, dass wir vielleicht auch deshalb so gerne glauben wollen, dass das immer so bleiben und sich durchsetzen wird.

    Die lauteren Stimmen kommen allerdings von jenen, die ihr mieses, altes Gedankengut und Wertesystem verbreiten.

  7. Nie wieder- haben wir gesagt! Und was passiert? Es ist wieder soweit.Als ich das vor ca 20 Jahren befürchtete und während der WM 2006 Angst hatte vor diesem „ Deutschland, Deutschland über alles“ wurde ich belächelt. Ich bin so entsetzt, erschüttert und weiß nicht mehr weiter.
    Auch die Reaktionen Entsetzen mich : hallo, wir sind das Land, das Auschwitz zu verantworten hat! Kaum jemand begreift, was da gerade passiert. Es wird sich mehr für irgendwelche Bachelors entsetzt, die sich outen, als darüber was in diesem Land passiert! Lieber KK , ich danke Dir für Deinen Blog und Deine Worte.
    Deine Sabine, die Angst hat und wütend und erschüttert ist

  8. Mein Sohn hat während seines Studiums keine 200 Meter von der Straße wo der Mensch rumgeballert hat gewohnt und er isst gerne Döner…. der Hass ist mitten unter uns und geht uns alle an. Es ist unerträglich das Minderheiten in Deutschland wieder Angst haben! Ich werde jetzt möglichst viele Veranstaltungen unserer jüdischen Gemeinde am Ort besuchen. Vielen Dank für diesen Beitrag!

  9. Guten Morgen,
    vielen Dank für den Post. Ja ! Beitrag im Alltag. Das ist m.E. ganz wichtig. Schon im
    Alltag Haltung beziehen gegen Häme und Hass. Jeden Tag!
    In dem Sinne
    lg
    sylvia

  10. „Doch was tun, wenn wir in einer brenzligen Situation stecken, und uns niemand zu Hilfe eilt?“

    Erlebte ich. Wünsche ich keinem.
    Fakt ist, wenn Frauen in der Öffentlichkeit bedrängt oder belästigt werden, wenn überhaupt jemand hilft – dann andere Frauen.
    Männer schauen weg.
    Und wenn man mehrmals täglich in einer Großstadt in der übervollen U-Bahn fährt ergeben sich da Situationen die eigentlich einem Albtraum gleichgestellt sind.
    Als ich mal fragte, warum ich und nicht der Mann neben mir geholfen hat, sagte er – er sei nicht blöd und riskiert kein Messer in den Bauch wegen so einer. „So eine“ war junge Frau die von 5 Checkern umzingelt wurde und am Hintern angepackt wurde. Tagsüber.

    1. Liebe Ombia, das finde ich neben all den mitfühlenden/schockierten Posts einen wirklich interessanten Aspekt! Ich lebe als Jüdin in Berlin (nicht religiös, aber am Davidstern-Kettenanhänger zu erkennen) und das ist GENAU meine Erfahrung im täglichen Leben. Ich werde in sehr regelmäßigen Abständen im öffentlichen Raum angegiftet, von fremden Menschen aggressiv zu Israel befragt, auch gerne mal geschubst oder sonstwie bedrängt. Und noch NIE ist mir jemand zur Seite gesprungen – im Gegenteil. Ich soll aber stattdessen jedes Jahr wieder „tolerant“ sein, weil eine „Demokratie das aushalten muss“, wenn z. B. der hochgradig antisemitische Al-Quds-Marsch hier quer durch die Stadt zieht und den Tod aller Juden fordert. Die einhellige Meinung in meinem jüdischen Verwandten-/Bekanntenkreis: a) Halle ist ein Vorfall mit Ansage, keine Überraschung; b) wir müssen uns selber schützen, wie immer. Vom deutschen Staat kommt da nichts außer leeren Worten. De facto haben die Menschen in Halle überlebt, weil ihre Synagogentür dem Anschlag standgehalten hat, nicht, weil irgendein Teil des Staatsapparates sie geschützt hätte (…am höchsten jüdischen Feiertag, wohlgemerkt).

      1. Liebe Anne, ich glaube alles was Du schreibst. Ich sehe es ja tag täglich um mich herum. Dem Staat den ich so sehr bewundert habe ich ich hier eingewandert bin – diesem Staat glaube ich schon lange nichts. Die belügen sich doch selbst ohne Punkt und Komma.

      2. Liebe Anne, Deine Erfahrungen sind erschreckend und müssen dringend viel mehr thematisiert werden. Ich denke, dass es vielen Menschen noch gar nicht bewusst ist, wie weit Anfeindungen wieder gehen.
        Warum die Synagoge in Halle nicht beschützt wurde, können nur die Verantwortlichen beantworten. Dass ein solcher Schutz überhaupt nötig ist, macht mich zutiefst traurig!
        Ich wünsche Dir und uns allen, dass zukünftig mehr Menschen Zivilcourage zeigen und Menschen beistehen, die grundlos Agressionen ausgesetzt sind.
        Viele Grüße
        Regina

        1. Zivilcourage gibt es noch kaum und das fängt bei banalsten Dingen an!
          Neulich im Kino vor der Kasse, wir – also 60 Personen – warten brav und teilen uns so wie jeder dran kommt vorne auf die drei Kassen. Ein Herr, gepflegt, Anzug, geschätzt auf Anfang 60 läuft an uns vorbei?!? und stellt sich direkt vorne vor einer der Kassen.
          1/3 der Schlage glaubt es nicht, 1/3 spielt mit dem Handy und 1/3 traut sich nicht.
          Als eine junge Frau in höflich anspricht und meint, die Schlange ist hier, wird er verbal sehr aggressiv.
          Teuer Mantel hin oder her. Fängt an zu schreien.
          Baut sich vor ihr auf. Sie schaut sich um. Vergeblich.
          Keiner hilft.
          Ich komme näher und bestätige was die Frau gesagt hat und sage, laut sein kann ich auch, falls er das braucht um Information zu verstehen.
          Ich werde laut.
          Ich will, dass die anderen aufwachen und sehen wie eine Frau terrorisiert wird, nur weil sie es nicht dulden wollte so respektlos behandelt zu werden.
          Ich bin relativ groß und dann sagte der Depp, also sie machen mir Angst. Sie sind – also ich – völlig ihre. Jetzt habe ich Angst.
          Mein Satz und dann „habe ich fertig“ – sie brauchen keine Angst, sondern nur Anstand zu haben. Anstand reicht vollkommen!
          Damit will ich sagen, es braucht nicht unbedingt einen Überfall, körperliche Auseinandersetzung oder andere dramatische Situation damit man reagiert. Die Gelegenheit hat man leider täglich. Jeder von uns.
          Schaut bitte nicht weg.
          Sonst seid ihr als nächste dran.

      3. Liebe Anne,
        ich höre auch immer öfter von Freunden, die antisemitische Übergriffe erleben müssen. Heutzutage ist es wieder möglich geworden, Dinge zu sagen und zu tun, die früher unmöglich schienen. Hass vergiftet die Menschen, und wir wissen alle, wer ständig zündelt. Ich habe nur Verachtung für diese Brandstifter übrig.
        Meine Hoffnung liegt in der Menge Menschen, die nicht diesen kranken Gedanken folgen, sondern dagegen aufbegehren. Ja, ich bin ein Optimist, es sieht ja eigentlich irgendwie ganz anders aus, nicht nur hier bei uns.
        Dass immer noch Synagogen Polizeischutz brauchen spricht eine deutliche Sprache, und ich schäme mich dafür.
        Ich hoffe, dass du auch Menschen um dich hast, die dich stärken und dir das Gefühl geben, dass du nicht allein bist, mit diesem unsäglichen Mob, der so bedrohlich wirken kann, weil man ihn lässt.
        Wie wir hier heute lesen, gibt es sie, die hoffentlich den Mund aufmachen, helfen, entgegentreten, das Bild wieder (einigermaßen) gerade rücken.
        Ich grüße dich ganz herzlich. Shabbat shalom!
        KK

  11. Ich war tatsächlich so naiv, eine Weile meines Lebens zu glauben, der braune Sumpf wäre ausgetrocknet. Und ich glaube, das ging vielen meiner Generation so. Wie haben wir uns geirrt und mit was für entsetzlichen Folgen. Auf dem rechten Auge blind ist noch freundlich formuliert.

    Danke, dass Du immer wieder Stellung beziehst. Ich habe große Sorge, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft nur noch staunen werden, was hier wieder möglich ist. Wer glaubt, dass es sich um einen „irren Einzeltäter“ handelt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

    Aufstehen und vor allem wählen gehen – und den ‚asozialen Volksverführern‘ die Stirn bieten, auch wenn sie uns Angst machen, etwas anderes bleibt uns nicht.

  12. Das letzte Mal richtig wütend war ich nach dem Terrorangriff auf Charlie Hebdo. Besonders auf die schmerzende Dummheit der Attentäter, ihren „beleidigten“ Gott „rächen“ zu wollen. Was soll das für ein winziger, kläglicher Gott sein, der es nötig hätte, von Menschen gerächt zu werden…?!

    Halle macht mich leer und taub. Keine Empörung, kein Schrecken. Ich fühle nichts. Meine Empörung, hier, heute, würde rein gar nichts bewegen. Deshalb kommt sie mir absolut sinnlos vor.

    Soeben erhielt ich eine Email von der ZEIT-Redaktion. Ich hatte mich registriert zur Aktion „Deutschland spricht“, mit der die Zeitung Menschen mit möglichst konträrer Haltung an vielen Orten im Land zu einem Gespräch zusammenbringt. Mein potentieller Gesprächspartner sagt von sich, Intoleranz möge er überhaupt nicht. Das kann spannend werden :-)), denn ich glaube, Leute, die Intoleranz kategorisch ablehnen, sind selbst in Teilen höchst intolerant.

    Den neuen „Joker“ im Kino kucken!

    1. „Leute, die Intoleranz kategorisch ablehnen, sind selbst in Teilen höchst intolerant.“

      Aber natürlich.

      ES habe ich gesehen, will aber nicht spoilern :-).

  13. Das Thema ist so vielfältig. Aber ein wichtiger Punkt scheint mir zu sein, dass auf allenen Ebenen die demokratischen Werte wieder gestärkt, gelebt und verankert werden müssen. Mitmenschlichkeit, Toleranz, Debatten, Rücksicht auf vermeintlich Schwächere und das Wissen darum, dass Vielfalt essentiell ist.
    Wie gesagt, das ist so vielfältig und mich ärgert, das ich hier jetzt nur so im Vorbeirennen schreiben kann.

  14. Es wird Zeit, dass auch wir Normalos auf die Straße gehen und für Demokratie und Toleranz und all die anderen wichtigen Themen auf die Straße gehen. Wir haben viel zu verlieren und es ist beschämend genug, dass uns die Schüler vormachen, wie es geht.

    Wisst ihr noch, als damals gegen Pershings und den NATO Doppelbeschluss demonstriert wurde oder gegen AKW‘s? Eigentlich wissen wir doch, wie es geht. Aber ich fühle mich da gerade etwas hilflos. Ich möchte mich keiner Partei anschließen sondern übergreifend gegen diese Schieflage demonstrieren bevor es zu spät ist….

    Bisher habe ich diese Werte gelebt und laut geäußert und auch meine Kinder in diesem Sinne erzogen. Aber das reicht nicht mehr. Respekt, dass du, KK dieses Forum hier nutzt, um klare Kante zu zeigen und toll, dass deine Follower genauso denken!

    Herzliche Grüße Birgit

  15. Auf der ganzen Welt erstarken Fanatiker aller Richtungen. In vielen Ländern ignoriert, toleriert oder sogar ermuntert von den jeweiligen Regierungen, sofern es sich nicht sowieso schon um Diktaturen handelt. Auf diese Weise fühlen sie sich bestätigt in ihrem Tun. Obendrein sind die Fanatiker aller Länder über social media bestens vernetzt, beraten und feiern sich dort gegenseitig. Nicht grundlos hat der Attentäter von Halle englisch gesprochen. Er wird nun, da sind sich Extremismus Experten einig, von gleichgesinnten Gruppierungen weltweit als Held gefeiert.
    Deswegen muss dringend dafür gesorgt werden, dass allen Kindern vermittelt wird, dass sie wertvoll und zughörig sind. Dafür brauchen wir Kitas, Vorschulen und Schulen mit vielen gut ausgebildeten Lehrern und Erziehern, die Kindern demokratische Werte und einen respektvollen Umgang mit allen Menschen beibringen.
    Bei Menschen, die schon fanatisch sind und handeln, muss der Staat (hier und woanders) endlich seinen Verpflichtungen nachkommen und gegen sie vorgehen. Die Existenz rechter Gruppierungen und anderer Fanatiker ist durch Werte möglich, die sie vernichten möchten. Und da ist die Staatsgewalt dringend berufen, diese Werte zu verteidigen.
    Und wir alle müssen mehr Mut beweisen und zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung NICHT in einem Staat leben möchte, in dem sich Menschen vor anderen fürchten müssen!

  16. Ich könnte gerade heulen vor Wut und Enttäuschung…Menschen wirken heute so abgestumpft.
    Ich erinnere mich sehr gut an 9/11… im Kollegenkreis standen wir ungläubig und fassungslos vor dem Fernseher im großen Besprechungsraum…Auch die Anschläge in London, Paris, Nizza, Berlin etc. wurden thematisiert und darüber geredet. Seit geraumer Zeit gibt es aber immer weniger Austausch und nach Halle: Das große Nichts!!! Was passiert mit uns??? Ja, der Arbeitsdruck wird höher, aber dass so gar keiner mehr über so unfassbare Dinge redet? Da kann doch niemand zur Tagesordnung übergehen.
    Wenn die Politik und die Gesellschaft nicht bald aufwachen, wird es für uns alle sehr ungemütlich.
    Gut, dass Du heute nicht geschwiegen hast.

  17. Lieber KK,

    danke für die klaren Worte!
    War hier neulich nicht jemand bemüht, uns erklären zu wollen, dass ein großes Printmedium mit vier Buchstaben verantwortlichen Umgang mit Nachrichten ermöglicht? Dann muss es einen ziemlich großen Graben geben zwischen den einzelnen Mitarbeitern und den Verantwortlichen für die Headlines…
    Tut mir leid, wenn ich aktuell sehe, wie Bild damit umgeht, dass Einigkeit besteht, dass man den Tätern kein Gesicht geben soll, den wirren Botschaften keine Verbreitung und dem Heldenmythos in den rechtsradikalen Kreisen keine Unterstützung bieten, dann komme ich zum Schluss: BILD macht ALLES für Auflage, für Emotionalisierung und NICHTS von dem, was im Zusammenhang mit solchen unsäglichen Taten als Konsens von verantwortlichem journalistischem Handeln gilt. Ich kann nicht so viel essen, wie ich kotz.. könnte, wenn ich die Schlagzeilen und die abartige Berichterstattung in diesem Medium sehe.

    Ich zitiere hier mal von
    https://www.stern.de/kultur/micky-beisenherz/beisenherz–bietet-dieser-jaemmerlichen-gestalt-nicht-die-chance–sich-wie-che-guevara-zu-fuehlen-8947706.html

    „So darf man schon die Frage stellen, wie ernst es zum Beispiel einem „Bild“-Chefredakteur ist, der bei antisemitischen Anschlägen wortreich und ausdrucksstark ein „Nie wieder!“ fordert – nur, um auf derselben Seite direkt darüber den Täter, dessen Taten, seine Gedanken so prominent zu platzieren, dass jeder asoziale Irre hier einen klaren Publicity-Anreiz sehen muss.
    Spätestens seit Utoya hätte uns allen klar sein müssen: Ein Mindeststandard, auf den wir uns einigen sollten, diesen jämmerlichen Gestalten nicht noch die Chance bieten, sich wie Che Guevara zu fühlen. Nichtbeachtung ist die größte Strafe. Und die Sprache, die sie gelernt haben.
    Auch die „Welt“ muss sich die Frage gefallen lassen, worin der Sinn liegt, bei Youtube einen Beitrag zu streamen mit dem Titel „HASS IN HALLE: Irrer Nazi-Killer scheiterte kläglich an Synagogen-Tür“. Freut ihr Euch alle auch schon so auf „Bild“-TV?

    Nein, ich freue mich nicht. Mich schaudert es!

  18. Solche Taten machen mich auch sprachlos, aber genau das dürfen wir nicht sein.
    Danke, dass hier so rege diskutiert wird. Ich habe mich gerade an die Bedeutung des Wortes Toleranz erinnert, nämlich erdulden , ertragen. Ich glaube kaum einem ist das bewusst, dass Toleranz deswegen nicht einfach ist. Heutzutage will keiner ein bisschen in seinem Ego zurückstecken um andere sein zu lassen, wie sie sind…stattdessen will man lieber alle von seiner Meinung überzeugen, oder ansonsten ausgrenzen. Hut ab vor allen, die sich trauen echt zu sein und anderen das auch zugestehen.
    Und zur politischen und gesellschaftlichen (Schief-)Lage wurde schon viel Richtiges geschrieben, dem hab ich nichts hinzuzufügen.

    1. Liebe Christine, wie schön, dass Du die eigentliche Bedeutung des Wortes Toleranz erwähnst. Deswegen mag ich das so oft strapazierte Wort auch nicht mehr so gern. Wenn man etwas erduldet, geht eine Missbilligung voraus. Das Wort respektieren heißt laut Definition achten und anerkennen. Wenn man Menschen in ihrer Vielfältigkeit achtet, muss man sich gar nicht in Toleranz üben. Das fände ich viel schöner, aber das hat die Menschheit bis heute leider nicht geschafft.
      Viele Grüße
      Regina

  19. Mal wieder einer der Beiträge, die diesen Blog für mich so wertvoll machen. Danke KK!

    Zur Zivilcourage möchte ich noch anmerken: nicht jeder hat den Mut oder die Fähigkeit einzugreifen. Aber in Akutsituationen in einer versteckten Ecke zum Handy greifen und Hilfe anfordern – das kann jeder. Wegschauen geht gar nicht.

    Die Medienkritik teile ich. Auch der Spiegel hat den Täternamen auf der ersten Seite.

    Wie konnte ich nur mal so naiv sein, zu hoffen, die braune Brut würde mit den Alten Wegsterben. War ein echt schöner Traum, bis es vor 30 Jahren mit den Brandanschlägen los ging.

  20. Und die Medien helfen noch dabei, den rechten Sturm zu verbreiten, der durch unser Land zieht, bieten sie doch mit ihren Schlagzeilen genau die Bühne, die Terroristen sich sosehr wünschen.
    Da kann die Süddeutsche Zeitung noch so hehr tönen „wir verbreiten das Video nicht“ – aber beschreibt mehr oder weniger haarklein, was darauf zu sehen ist.
    Mir dreht sich der Magen um ob dieser Heuchelei!
    Da wühlen sich BILD, RTL und wie die schmierigen Hetzblätter und Fernsehsender heißen, schaurig genussvoll durch die Familienverhältnisse des Täters, der dort mit vollem Namen genannt wird, vermarktet die nächsten Angehörigen, um etwas „Menschliches“ in jemandem zu finden, der doch durch alle Äußerungen und Taten unmissverständlich gezeigt hat, dass er ein Un-Mensch ist.

    Es fehlt eine klare, eindeutige Haltung, so wie sie Frau Ardem, die neuseeländische Präsidentin an den Tag legte, indem sie erklärte, dass der Name des Täters von Christchurch nie über ihre Lippen kommen werde. Denn damit hat sie verdeutlicht:“Du hast dich mit deiner Tat außerhalb der menschlichen Gemeinschaft gestellt, wir ächten dich.“
    Solch ein Statement ist viel kraftvoller als alle Betroffenheitsadressen, von denen wir inzwischen ahnen, dass sie doch nur leere Worte sind, weil ihnen nicht die erforderlichen Konsequenzen gefolgt sind.

    Ächten wir all diejenigen, die sich im gedanklichen Umfeld des Un-Menschen von Halle bewegen, ächten wir die Partei, die zündelt und die Lunten längst schon gelegt hat.
    Denn wer glaubt, diese mit Dialog und Argumenten erreichen und überzeugen zu können, ist ein hoffnungsloser Narr.

    am 11.10. dem ZDF auf deren Facebook-Seite geschrieben zur Meldung, dass der Täter gestanden habe:

    Ehrlich, Leute? Es interessiert mich nicht, ob er diese grauenvolle, menschenverachtende Tat gestanden hat. Dank der Medien wie z.B. Euch, ZDF, haben wir Fotos, Filmaufnahmen und detaillierte verbale Beschreibungendes Videos, das doch eigentlich nicht verbreitet werden sollte. Wir wissen also genau, dass er es war. Seht Ihr nicht, dass Ihr diesem aufmerksamkeitsgeilen Psychopathen damit genau auch noch den roten Teppich ausrollt auf der öffentlichen Bühne, die er sich so sehnlich wünscht, damit er jemand ist, der von ebenso krude Denkenden bewundert wird?
    Es ist nicht nur die AfD, die sich als Brandstifter betätigt. Diese täterfokussierte mediale Aufmerksamkeit ist der Brandbeschleuniger dazu.
    Warum liegt das Zentrum der Berichterstattung nicht auf den Opfern, auf einer Würdigung ihres viel zu kurzen Lebens? (DEREN Namen und Gesichter möchte ich sehen, nicht den Namen und die Fratze eines Verbrechers. ) Auf den traumatisierten Menschen in der Synagoge, die gerade so diesem Un-Menschen entronnen sind?
    Hier läuft medial immer mehr aus dem Ruder und das kotzt mich langsam gewaltig an.

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