LIFESTYLE: LIEBER HERR NIEK MEIJER, BÜRGERMEISTER VON ZANDVOORT!

Gratulation zu Ihrem immer noch so schönen und anziehenden Badeort an der herrlichen Nordsee. Charmant und liebenswürdig ist es, und trotzdem geht Zandvoort mit der Zeit. In diesem Zusammenhang auch noch herzliche Glückwünsche zur Rückkehr der Formel 1 zum Circuit Park Zandvoort. Aber gerade weil ich dem so grandios von den Niederländern erschaffenen Land, und im Speziellen dem Ort Zandvoort, so verbunden bin, möchte ich heute einmal mit Ihnen schimpfen!

 

 

 

Ein offener Brief an den Bürgermeister von Zandvoort, Herr Niek Meijer

Seit meiner frühen Jugend kamen meine Eltern und ich zur Erholung nach Zandvoort. Und auch heute kehre ich noch regelmäßig zurück, genieße die wundervolle Natur und die herzlichen Menschen in ihrem Land, lieber Herr Meijer.

Gerade weil Zandvoort in so vielen Dingen einfach unkonventionell ist, fühle ich mich bei ihnen wirklich pudelwohl. Da ist es mir pupsegal, ob ich für den Preis von 7 Tagen Zandvoort eigentlich auch eine zweiwöchige Flugreise nach Ägypten bekäme. Nein, ich bleibe lieber in der Region, reise mit dem Zug an, und ich unterstütze ihre einheimischen Händler gerne und üppig. Nirgends kann man schöner in einer Strandbude sitzen und Chocolademelk met Appeltaart genießen.

Ich sehe auch die Verbundenheit von Zandvoort mit dem Motorsport. Klar kann man ein bisschen Stolz sein, wenn man einen berühmten Motorsportring in der Stadt hat, und die Rückkehr der Formel 1 ist für Zandvoort ein unglaublicher Publicity-Kracher!

Dass da die Einheimischen und auch Touristen freudig verrückt spielen? Geschenkt!

Aber ist Ihnen eigentlich einmal aufgefallen, wie der eigentlich beschauliche Verkehr in der gesamten kleinen und engen Stadt an einem typischen Zandvoort-Wochenende zu einem zügellosen Monster mutiert?

Was da an Motorengedröhne zu hören ist, verschlägt mir mittlerweile den Atem. Hunderte ambitionierte Hobbyrennfahrer meinen, die ganze Stadt sei ein einziges Motorsporttestgelände. Geschwindigkeiten und hochtourig laufende Motoren nerven, und (schlimmer!) gefährden Familien und kleine Kinder, die zur Abenddämmerung vom Strand nach Hause laufen. Die Mengen an Fahrradfahrern werden ebenfalls unnötig in Gefahr gebracht, und am vergangenen Wochenende war ich selbst Zeuge einiger Unfälle, bei denen die Motorsportfreaks Fahrradfahrer bedrängten und sogar anfuhren. In den Abendstunden wechselten sich laute Motorengeräusche mit ständigen Blaulichtsirenen der Rettungswagen ab. Das ist wie Anarchie auf den Straßen, und ich komme aus einer Großstadt.

Man bekommt den Eindruck, Zandvoort entwickelt sich zu einem Motor-Eldorado ohne Regeln und Gesetze. Jeder darf machen was er oder sie möchte, ist es auch noch so gefährlich, noch so nervtötend, noch so schädigend für das Gesamtbild eines zwar trubeligen aber dennoch familienfreundlichen Badeortes. Und das ausserhalb der direkten Rennevents. Wie sieht das aus, wenn der Formel 1 Zirkus bei ihnen zu Gast sein wird?

Ich will nicht wirklich meckern, ich will auch keinesfalls behaupten, dass früher alles besser war, so ein Quatsch. So gestrig bin ich nicht. Aber wenn mir etwas am Herzen liegt, dann mache ich mir auch eben darum Sorgen. Daher mein kleiner und laienhafter Rat an Sie, Herr Meijer, Bürgermeister von Zandvoort: Seien sie mit ihren begeisterten Mitbürgern und Formel 1 Fans stolz auf die kommenden Rennen mit Weltruhm in ihrem Ort, aber vergessen sie nicht, dass der Großteil der Touristen Familien und Erholungssuchende sind.

Wenn ich nicht schlafen kann, weil die Motoren in den Straßen Zandvoorts bis drei Uhr in die Nacht hinaus kreischen, wenn die Notarztsirenen ihnen dann Konkurrenz machen, dann fühle ich mich in meiner Freiheit beschnitten. Sie wissen doch: Die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.

Die Niederlande sind bekannt für ihr liberales Miteinander, und ich würde mir nichts anderes wünschen wollen. Aber wenn man das Gefühl hat, Recht und Gesetz werden für ein paar rohe Motormaniacs mutwillig ausser Kraft gesetzt, dann überkommt mich ein ungutes Gefühl.

Ich denke, man kann auch ohne Verbote und erhobene Zeigefinger für Verhältnisse sorgen, die beide Seiten zufrieden und glücklich werden lässt. Darauf hoffe ich, wenn ich in Zukunft immer wieder ihr schönes und traditionsreiches Städtchen besuchen werde!

Tot ziens!

4 Kommentare

  1. Darf ich Deinen offenen Brief mit einigen kleinen Änderungen an den Bürgermeister meines Wohnortes senden? — Als wir hier hinzogen, wohnten wir an einer Dorfstraße. Nun wohnen wir an der Hauptader zum „touristisch aufgewerteten“ Zentrum und PS-starke Karossen und Biker brüllen rund um die Uhr die Ader rauf und runter. Für die winzigen „Zone 30“-Schilder am Ortseingang interessiert sich keine Sau. Kontrollen stoppen den Wahnsinn für zwei Stunden, danach geht die Party weiter. Geschlossene Fenster den ganzen Sommer über… super Idee!

    Der Bürgermeister, mein Nachbar, schwerhörig und komplett lärmunempfindlich, hat nur ein Ziel: Tourismus vorantreiben bis zur Versyltung. Was rät er mir? — „Polizei anrufen. Ist immer besser, wenn Bürger das machen.“

    Willkommen in der Welt der Lauten, die ihre Freiheit ausdehnen, bis es (anderen) wehtut.

    1. Schlimm! Das macht traurig, aber es kümmert sich niemand mehr um die Belange der anderen. Nur noch das Ego wird gestreichelt, bis auf Teufel komm raus. Und das kann man mit röhrenden Motoren ja so wunderbar.
      Dabei ist man gar nicht dagegen, nur ein gewissen Gleichgewicht wäre doch schön.
      Liebe Grüße!
      KK

  2. Lieber KK,
    Du sprichst mir da voll aus der Seele.
    Ich bin auch mindestens einmal im Jahr in Zandvoort zu Gast und habe die gleichen Eindrücke wie du gewinnen können.
    Seit geraumer Zeit sind es besonders die Motorräder, die voll aufdrehen und mit speziellen Auspuffsystemen einen unglaublichen Krach verbreiten. Früher war das am Wochenende normal, mittlerweile auch mitten in der Woche. Und das bis spät in die Nacht.
    Viele Einwohner sind mit der Situation auch mehr als unzufrieden, zumal die Abgaben an die Gemeinde unglaublich steigen durch den Grand Prix Zirkus, aber das Verkehrsproblem weit von einer Regelung entfernt ist.
    Ich finde das auch schade, denn die Mehrheit der Menschen wünscht sich einfach ein beschauliches Dorf, das (wie Du richtig schreibst) charmant und trotzdem voller Trubel und Aktivität strotzt. Dieses Motorengepose wirkt dagegen so schrecklich gestrig.
    Hoffentlich bekommt der Bürgermeister von deinem Beitrag etwas mit!!
    Sandrine

  3. Ich hoffe auch, dass das ankommt. Zandvoort wird regelrecht heimgesucht von diesen Motorterroristen.
    Die Formel 1 wird für gepfefferte Preiserhöhungen sorgen…

Kommentare gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.