LIFESTYLE: DER HERBST – MEIN UNGELIEBTER FEUND (EIN ANTI-FEELGOOD POSTING)

Der heiße und scheinbar unendliche Sommer ist gegangen. Heimlich still und leise hat er sich davongeschlichen. Was bleibt, ist die Aussicht auf den Herbst, der mit ganz anderen Wundern begeistern möchte. Einzig, mir fällt es schwer diese zu sehen. Ich denke mit Grausen an dunkle und verregnete Tage. Mit Wehmut erinnere ich mich an umhüllende Sonnenstrahlen auf meiner Haut, während ich mich jetzt in Kleidung zwänge, die mich wohl auch auf dem Mond schützen könnte. Nein. Der Herbst ist nicht mein Freund…

 

Der Herbst kann ja auch schön sein, aber…

 

Das graue und kühle Wetter ist wieder da, und pünktlich dazu der Herbstblues. Der Herbst und ich sind keine Freunde, wir sind ein temporäres Gespann, das nicht zusammenpasst. Während der Herbst so manche Menschen mit seiner rostig-braunen Farbpracht zu verzaubern vermag, so sehe ich nur das schmutzige Grau, welches er mit sich bringt.

Grau war noch nie meine Farbe. Ich kann Grau nichts abgewinnen. Es macht mich unglücklich, unfroh und steht eigentlich nur Untoten zu Gesicht. Die Strahlen der Sonne lassen das Laub zwar kurz leuchten, sie wärmen aber schon lange nicht mehr richtig. Verlassen stehen im Nachbargarten noch Sonnenliegen auf dem braun gewordenen Rasen, ein trauriges Bild. Vogelgezwitscher am Morgen, Vergangenheit. Nun krächzen höchstens noch ein paar Raben am viel zu kahlen Himmel.

Im Herbst fällt alles, das Laub, die Früchte, meine Stimmung auch. Und irgendwie fühle ich mich allein, Wehmut kommt auf. Ich werde stets an die Vergänglichkeit erinnert, ganz anders als im Frühling, der die Wiedergeburt so eindrucksvoll und üppig verspricht.

Möchte man vor die Tür gehen, geht man gebeugt und steif, man sieht kaum noch die Augen der Menschen. Mehrere Schichten Kleidung, dicke Unterwäsche, derbe Schuhe mit höchst unpraktischer Schnürung über mindestens zwölf Häkchen braucht es. Mütze, Schal, demnächst noch Handschuhe und Spikes unter den Sohlen. Nein, auch das ist nichts für mich. Ich liebe es im Sommer einfach in eine leichte Hose und T-Shirt zu schlüpfen und barfuß über die nasse Wiese zu laufen. Zum Einkaufen nur eine leichte Jacke mitnehmen und helle, luftige Schuhe.

Würde der Herbst genau zwei Wochen dauern und danach kämen sogleich Frühling und Sommer wieder, ich könnte eine Freundschaft mit ihm schliessen. Ein wenig kuschlig Gammeln für ein paar Wochen kann ich mir gut vorstellen. Aber jetzt ein halbes Jahr wieder auf wohlig verwöhnende Strahlen warten, die meine Nasenspitze kitzeln? Nein, das ist mir zu lang.

Vielleicht bin ich gemein zu den Gesellen Herbst und Winter. Sie meinen es ja nicht böse und gehören zum Lauf der Welt. Und kann ich das Schöne von Frühling und Sommer nicht nur erkennen, weil es Herbst und Winter gibt? Ich arrangiere mich mit der Trostlosigkeit, aber mögen muss ich sie nicht.

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser   Keinerlei Sponsoring)

24 Kommentare

  1. Danke für diesen Post! Mir geht es ganz genauso, aber das versteht niemand. Jeder schwärmt nur vom tollen Herbst… Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich finde Herbst und Winter nur deprimierend.
    LG Andrea

  2. Hallo KK guten Morgen! Mir gehts da nicht anders! Schon diese ständige Dunkelheit finde ich gruselig! Morgens halb sechs fährt meine Bahn u am Nachmittag um halb fünf Feierabend, dann ist es schon wieder dunkel 🙈 Obwohl das Bild mit den schönen Farben ja toll aussieht! Aber so ein trister Tag wie gestern, da kann man schon leicht depressiv werden😐 Liebe Grüße, komm gut durch den Montag

  3. Guten Morgen KK,
    da sprichste mir aus der Seele! Und was bin ich es leid von meinen Mitmenschen zu hören, „Herbst ist doch soo schön, Spaziergänge durch buntes Laub und endlich nicht mehr schwitzen und man braucht doch den Kontrast, sonst ….“ Pfff. Ich war mal ein Jahr auf Weltreise. Jeden Tag Sommer gehabt. Herbst/Winter nicht vermisst. Aber so gar nicht! Und jetzt pelle ich mich mal in meine drei Schichten und mache mich auf den Weg zur Arbeit. Von wegen Spaziergänge durch buntes Herbstlaub 🙂
    Liebe Grüße
    Sevgi

  4. Lieber KK,

    dieser Text passt aber gar nicht nicht zum Foto 🙂

    Mit dem November kann ich mich auch nicht so recht anfreunden aber den Oktober liebe ich sehr weil das Wetter dann oft noch so schön ist und ich die kühle, klare Luft mag.
    Dem vergangenen Sommer trauere ich aber auch hinterher. Den loszulassen fällt echt schwer.

    Liebe Grüße
    Nicola

  5. Ich liebe den Wechsel der Jahreszeiten, auch Herbst (trotz weniger geliebter Arbeiten im Garten, das „Einwintern“ und Zusehen, wie das Blühen mit dem Frost ein Ende hat, verbreitet tatsächlich einen Hauch von Abschied und Wehmut) und Winter – nicht nur, weil es ohne diese keinen Frühling mit wieder-erwachender Natur gäbe …

    Lebe zugegebenermaßen aber in einer Gegend, wo diese beiden Jahreszeiten nicht nur grau-nass-kalt daherkommen, sondern die Natur im Herbst meist noch eine prachtvolle Abschiedsvorstellung gibt mit sämtlichen Farben von Gold bis Rot und Violett, und der Winter sich in einen dicken, weißen Schneemantel hüllt – so wie sich’s gehört ;-)!

    In meiner früheren (nass-kalt-grauen) Heimat haben mich zuverlässig immer die gemütlichen Abende mit Freunden/Familie, gutem Essen und einem guten Gläschen – oder auch alleine mit Tee, einem Buch und der Lieblingsmusik – bei Kerzen und brennendem Holzofen, mit dem Ende des Sommers versöhnt :-).

    1. Genau, liebe Ursula…
      Ich hab den ganzen Sommer so gelitten. Schlafen ging nicht wegen Überhitzung, Sport ging schlecht wegen Überhitzung. Jetzt ist die frische Luft endlich wieder frisch und kühl. Und riecht so lecker erdig und würzig. Zwei Decken und Wärmflasche im Bett statt Dauersuche nachts nach einem kühlen Fleckchen auf dem Laken. Im Oktober: Lichterketten rausgekramt! Und den Staub sieht man auch nicht mehr im Kerzenschein 🙂 Das Make-up sitzt, die Touristenschwärme sind abgezogen, Ruhe gibts wieder, wenns dunkel wird. Je grauer, desto schöner.
      Von Oktober bis Februar blüh ich richtig auf! Leider geht die Zeit immer so schnell vorüber. Hoffentlich wird der nächste Sommer mal wieder nass. Dauerhitze nervt.

  6. Guten Morgen,
    endlich mal jemand, dem es genauso geht. Letztes Jahr hab ich mir eine Tageslichtlampe gekauft, die hilft mir einigermaßen über die Runden. Und im Dezember geht’s nochmal in die Sonne.

        1. Hallo lieber KK und alle anderen,

          Vitamin D im Winter zu substituieren ist fast immer sinnvoll, ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung leidet in der dunklen Jahreszeit unter einem nicht unerheblichen Mangel. Über die nötige Dosis wird wild gestritten, generell geht man von etwas 2000-4000 IE pro Tag aus. Es gibt aber viele, die diese Dosierung für zu niedrig halten. Interessant auch eine Kombination mit Vitamin K2, aber dabei immer mögliche Interaktionen mit der Blutgerinnung beachten, ist absolut nichts für Menschen, die z.B. Marcumar einnehmen.
          Den Vitamin D Spiegel kann man auch bestimmen lassen im Labor. Ist auf alle Fälle sinnvoll, wenn man vorhat, mit deutlich mehr als mit den etwa 20000IE pro Woche zu substituieren, damit man nicht aus Versehen doch den Spiegel zu hoch treibt.
          Viele Grüße
          Roland

  7. Ich finde den Herbst gar nicht so schlimm. Diese Jahr sowieso nicht. Im Moment sind es 16 Grad und die Sonne scheint, dazu die ganze Farbenpracht mit Morgentau auf den Blättern. Besser geht nicht im November. Später kommt dann die Festbeleuchtung in den Städten, Vorfreude, weihnachtliche Stimmung, Gemütlichkeit. Leider fehlt in meiner Region meistens der Schnee.
    Aber dann kommen für mich die zwei schlimmsten Monate: Januar und Februar. Bis der März endlich den Frühling zurückbringt.

  8. Ja, wie immer, alles beginnt im Kopf. Wenn über mir die Kraniche in den Süden fliegen, muss ich mich jedes Mal beherrschen, damit mir nicht die Tränen laufen. Ich hasse den Dezember und kann jetzt nicht mehr erwarten, dass die erste Januarwoche rum ist. Wir hatten einen herrlichen Oktober und bis jetzt ist der November auch noch nicht wirklich schlecht. Durch die Zeitumstellung ist es wenigstens morgens noch einmal für kurze Zeit heller.
    Für mich ist das jetzt eine Zeit für „Augen zu und durch“. Die ersten Kraniche kommen Mitte Februar zurück, im Grunde ist das nicht mehr lang, jedenfalls kein halbes Jahr. 🙂
    Ich denke, das mit der Kleidung, muss man sich selbst organisieren. Viele meinen, nur weil man zu der Jahreszeit Herbst sagt, muss man sich auch so kleiden. Ehrlich gesagt, vor zwei Wochen war es noch sommerlich warm und die Mehrheit lief schon mit dicken Pullis und Jacken/Stiefeln durch die Gegend und hat mich wohl ausgelacht, weil ich im Oktober bei 19 Grad mit kurzen Hosen und T-Shirt einkaufen war. Es überhaupt nicht kalt und im Auto musste die Klimaanlage an, sonst wäre es selbst mit kurzer Hose zu warm gewesen.

    Also … Kopfhoch Herr Konsumkaiser, es sind nur ein paar Wochen …
    🙂

  9. Ich mag auch die Jahreszeiten… Besonders die Laubfärbung der Bäume gefällt mir gut.
    Bin allerdings gerade in Florida & geniesse den Herbst hier bei 31 C.
    Nachträglich noch von mir alles Gute zum Jubiläum.
    Habe über Hautpflege so viel gelernt.
    Und ungelogen: die Konsumkaiser-Seite rufe ich jeden Morgen noch vor Abfrage meine E-Mails auf… 🙂

  10. Also ich schließe mich voll und ganz Ursula und Thorlane an. Mir war es auch viel zu heiß, in der Wohnung war es unerträglich warm, und die Nächte richtig durchschlafen war auch nicht möglich. Ich liebe den Herbst, obwohl der bis jetzt ja auch eher spät-sommerlich ist. Und graue-nasse-Tage sind ja zumindest in NRW nach wie vor die nächste Zeit nicht zu erwarten. Für mich geht jetzt eigentlich auch die gemütliche Zeit los. November und Dezember mag ich sehr. Und ab Januar freue ich mich dann so nach und nach wieder auf den Frühling. 🙂 Ich mag eigentlich alle Jahreszeiten. Nur die extrem-heißen Sommertage wie in diesem Jahr sind nicht mein Ding. Allen einen schönen Wochenbeginn.

  11. Mir ging es schon immer so mit Herbst. Dann bekam ich zu hören, draußen nass, kalt und bäh, innen gemütlich. Aha. Aber ich muss jeden morgen raus und mit den Öffentlichen zur Arbeit. Ich muss 40 Minuten auf die verspätete Bahn beim Wind und Regen warten. Herbst wird nie meins, auch wenn ich dann Geburtstag habe.
    Mir hilft es im Winter jeweils für eine Woche Richtung Sonne zu fliehen.

  12. Da sieht man mal, wie unterschiedlich Menschen sind! Ich mag den Herbst und alles, was damit zusammenhängt. Das Laub, wieder Lust auf Tee und Suppe, die Ahnung von Weihnachten und Skilaufen.. klar, Sommer mag ich lieber, aber wie Du oben schreibst: wenn es immer schön ist, dann vergisst man, das wertzuschätzen. Ich hab dieses ja mal einen spannenden Artikel gelesen von einer Auswanderin, die beschrieb, dass durch die immer gleichen klimatischen Bedingungen auch ihre biographischen Erinnerungen leiden… „wann war noch mal gleich die Feier von Tante Ilse ? Ach, da war es doch so neblig und in der Nacht zum ersten mal Frost… Die Hochzeit von Marie? Überraschenderweise konnten wir doch mit kurzen Ärmeln draußen sitzen, hat doch keiner erwartet..“ – mir würde er fehlen, der Herbst!

  13. Lieber KK,
    dein Text liest sich sehr schön, gerade zu poetisch. Wenn es dein Ziel war, dass der Leser beim Lesen tatsächlich eine Schwere ums Herz empfindet und dem vergangenen Sommer nachtrauert, hast du wirklich Talent.
    Kennst du das Gedicht “ Der scheidende Sommer“ von Heine? Es beschreibt genau, was ich fühle, wenn der Herbst kommt und dein Text hat mich sehr daran denken lassen.
    Herzliche Grüße!
    Der scheidende Sommer
    Das gelbe Laub erzittert,
    Es fallen die Blätter herab;
    Ach, alles was hold und lieblich,
    Verwelkt und sinkt ins Grab.

    Die Gipfel des Waldes umflimmert
    Ein schmerzlicher Sonnenschein;
    Das mögen die letzten Küsse
    des scheidenden Sommers sein.

    Mir ist, als müßt ich weinen
    Aus tiefstem Herzensgrund;
    Dies Bild erinnert mich wieder
    An unsere Abschiedsstund‘.

    Ich mußte von dir scheiden,
    Und wußte, du stürbest bald;
    Ich war der scheidende Sommer,
    Du warst der sterbende Wald.

    1. Danke, das Gedicht trifft auch genau meine Stimmung derzeit. Vielleicht empfindet man auch so, je älter man wird. Ich wollte neben all den vielen Feel Good Bloggereien auch einmal einen Kontrapunkt setzen. Der Herbst wird immer so verherrlicht, aber es bleibt trotzdem ein Abschied.
      Liebe Grüße, KK

  14. Ich bin ja begeisterter Herbstfan- je nebliger, umso besser. Die Abende beginnen schon um 16:30, dauern ewig und sind gemütlich. Und da ich ja einen kleinen Knall habe hinsichtlich Sonnenschutz( bloß nicht ohne raus) empfinde ich es zur Zeit so easy, wenn es um fünf schon dunkel ist.
    Und irgendwie beruhigt es mich auch, dass das mit den Jahreszeiten und dem Dunkelwerden noch klappt; kalte Temperaturen und Regen haben wir hier im Stuttgarter Raum schon lange nicht mehr gehabt. Gefühlt wird es immer kürzer Winter.
    Da ich auch gerne nachts wach bin und sogar gerne im Dunkeln spazieren gehe, mag ich diese Jahreszeit.

  15. Schau, ich mag diese kuschelige Jahreszeit! Für mich ist Wärme anstrengend, nichts, was man noch ausziehen kann;-), jeder Schritt ist zu viel, die Hitze in dem Bäckerladen in dem ich arbeite macht mich fertig. Ich gehe wie ein müder Krieger nach Hause. Ich mag nicht das nasskalte, aber klare, kalte Luft und die Gewissheit das es zuhause kuschelig ist. So hat jeder etwas was er mag 🙂
    Mit Sonne im Herzen
    Dooris

  16. Ich liebe den Herbst! Sonne satt, knackig kalt und tolle Farben. Zumindest ist das meine Idealvorstellung dieser Jahreszeit und hier in Leipzig ist es auch oft so (kein Vergleich zum Bodensee mit gefühlten fünf Monaten mit grauen Himmel und Hochnebel). Mir graut eher vor dem Winter, der ist dunkel, nass und kalt und kommt zudem ganz ohne jegliche Deko ums Eck.

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