LIFESTYLE: BUNT – SCHRILL – BEWEGEND * POSE (MUST-SEE SERIE)

Als Serienjunkie gebe ich auch Produktionen eine Chance, die mich nicht auf Anhieb ansprechen. Manchmal bestätigen sich meine Vorbehalte (sorry, ich hasse Game of Thrones), und manchmal erlebe ich eine tolle Überraschung. So wie gerade bei „POSE“ Wer es bunt, schrill und etwas Retro mag, und trotzdem eine bewegende Story sucht, sollte sich dringend diese Serie merken, oder sie auf Englisch streamen…

 

Die Drama Serie „Pose“ spielt im New York der 80er Jahre. Es beginnt die dekadente Trump Ära, und neben Luxus und Millionengewinnen an der Börse, gibt es auch die andere Seite. Die Randfiguren der Gesellschaft: Trans- und homosexuelle Menschen, die durch AIDS zusätzlich geächtet werden und dazu oftmals als Latinos oder People of Colour eh schon ständige Ausgrenzung erfahren.

Pose zeigt auch die glamouröse Subkultur: Die „Ballroom Culture“  Hier werden extravagante Bälle für jene abgehalten, die sonst nirgendwo erwünscht sind. In kreativsten Kostümen gibt es Dance-Battles und dabei kann sich jeder fühlen wie ein Supermodel – egal wer oder was man ist, die Grenzen zerfliessen nicht nur, sie sind unbedeutend.

Unterlegt wird das mit einem tollen Soundtrack der 80er Jahre, und wenn Whitney Houston („I wanna dance with somebody“) oder Kate Bush („Running up that hill“) mit wummerndem Bass eingespielt werden, will man gleich mitmachen. Aber Vorsicht: Voguing kann bei ungeübten Leuten zu Arm- und Beinbruch führen. 😉

„Balls are a gathering of people who are not welcome to gather anywhere else“

Die Bälle dienten nicht nur der Expression von Kunst und Traum, sondern den Teilnehmern ebenso als Test in der Öffentlichkeit als eine bestimmte soziale Klasse oder ein anderes Geschlecht durchzugehen (passing) ohne Ächtung und Diskriminierung befürchten zu müssen.

Trotzdem bleiben Glamour und Glanz nur Beiwerk, denn die Geschichte spinnt sich um all die Charaktere, die so liebevoll gezeichnet werden, dass man sie schon nach einer Folge in sein Herz schließt. Dabei handelt es sich erstmals in der Filmgeschichte um den größten transsexuellen Cast, den niemand anderes als Ryan Murphy („Glee“, „American Horror Story“, „Eat Pray Love“) zu verantworten hat.

In Pose ist alles ganz anders, manchmal fremd und schwer zu verstehen, aber was alle eint und auch den fernen Betrachter abholt, ist die Tatsache, dass wir doch alle auf der Suche nach Liebe und Anerkennung sind, und zwar so wie wir sind, bedingungslos. Auf diesem Weg der Suche haben wir schon alle unsere Erlebnisse gehabt, manche gut und erhebend, manche schlimm und verletzend. Pose spiegelt all das wieder und zeigt es in einer Leichtfüßigkeit, die selten in Fernsehserien geworden ist, dabei aber immer gehaltvoll und mit Tiefe überzeugt, die den Zuschauer mal euphorisiert und mal tieftraurig zurücklässt.

Ich selbst war überrascht, wie schnell mich die Story gefesselt hat. Bereits nach der ersten Folge wollte ich wissen wie es weiter geht. Ich habe sofort Interesse für die Charaktere entwickelt und wenn Pose zeigt, wie langsam eine Familie aus den Hauptcharakteren entsteht, dann nimmt die Serie auch den Betrachter mit. Man bleibt nicht außen vor, man nimmt buchstäblich teil. Und das ist gar nicht schlimm oder abwegig, denn wir haben alle unsere Macken, Geheimnisse und Untiefen. Wir sind alle anders, unterschiedlich, grenzen uns auch ab. Wäre es anders, wie schrecklich langweilig wäre die Welt!

Der emotionale Kern von Pose ist so wuchtig und die Bilder machen dermaßen süchtig nach diesen opulenten Farben und Inszenierungen, sodass das Thema für jeden Zuschauer nicht mehr abstrakt bleibt. Die Charaktere schaffen den Zugang zur Welt von Pose. Wir lernen sie an ihren tiefsten Punkten kennen und trotz ihrer schier ausweglosen Gefangenschaft in der untersten sozialen Schicht, versprühen sie Lebensfreude und Träume, mit denen sich jeder von uns identifizieren kann.

Die Serie läuft seit Juni 2018 auf dem US Sender FX, ein Start in Deutschland ist noch nicht bekannt, wird aber sicherlich bald folgen. Streaming oder DVD/Blu Ray sind in D und Ö ebenfalls noch nicht möglich, international ist das aber kein Problem.

 

23 Kommentare

    1. Eine Top 10 kann ich nicht aufschreiben, aber die Serien, die ich momentan gerne schaue:
      Once upon a time, Pose, American Woman, Schitts Creek, The bold type, Young and hungry, Star Trek Discovery, Designated Survivor, Revery, The good fight…

      1. Wenn du The Good Fight magst musst du unbedingt den Vorgänger Good Wife noch anschauen falls noch nicht geschehen. Selten eine so gute Serie gesehen (von ER mal abgesehen). The Good Fight konnte ich bisher leider nicht sehen, hab momentan nur normales Kabel, nix Streaming oder Sky.
        LG

            1. Good Wife ist auch in meiner Watchlist abgespeichert. 😉 Es ist ja nicht immer WM, die Sommerabende auf dem Balkon sind auch irgendwann vorbei (im Spätherbst, schätze ich^^) , man kann nicht immer nur lesen und das Fernsehprogramm ist ein Witz. Die Filme auf Prime sind allerdings auch eher ein Witz. Aber Good Wife habe ich mir sofort abgespeichert. Ebenso „Good Girls Revolt“ ( auch wieder nur eine Staffel…😂) Dass ich auf meine alten Tage offenbar doch wieder bei Serien lande, hätte ich auch nicht gedacht.

              1. Ich muss dich ein bisschen vorwarnen: die Serie steigert sich, man braucht am Anfang ein bisschen Geduld wie ich finde.

                1. Danke dir für die Vorwarnung. Wenn ich Good Wife schauen sollte, dann eh nur wegen Julianna Margulies. Tolle Schauspielerin, mag ich seit „Die Nebel von Avalon“ sehr. Und in so einem Fall bin ich dann sehr, sehr leidensfähig. ;))

              2. Ja, ich mag sie auch sehr gern. ER lief ja lange genug. 😉 Von dem Film habe ich bisher leider nur mal ein kleines Stück gesehen, will ich aber auch noch sehen.

                1. Arzt/Krankenhausserien (eigentlich alles, was zu blutrünstig ist) meide ich, darum ging „ER“ an mir vorbei. Blieben nur die „Nebel von Avalon“. Und ich muss gestehen, dass ich den Film ziemlich schlecht finde. Aber da bin ich dann, wie gesagt, recht leidensfähig. *g*

              3. Wie ich ER gelirbt habe!! Gedehen von der 1. bis zur letzten Folge. Aber dann wirst du überrascht sein wie unheimlich gut Good Wife ist. Wirklich ohne Übertreibung.

                Und was du wegen den eingestellten Serien geschrieben hast: ging mir zuletzt mit Forever so. In den USA zuerst gesehen, dann daheim gefreut dass ich weitergucken kann und dann nach 1 Staffel Schluss. Oder die Serie mit Kevin Bacon (mir fällt leider gerade der Name nicht ein) die war ungewöhnlich aber toll. Nach 3 Staffeln Schluss… 😑

              4. @KK: Hatte mal irgendwo gelesen die hatten in den USA zu wenig Zuschauer, wohl im Schnitt ca. 4 Mio, und das sei zu wenig (fällt dort mehr ins Gewicht weil quasi alles Pay-TV ist). Sie hätten noch vergeblich versucht einen anderen Sender für die Fortsetzung zu finden.

                Noch kurz was anderes. Wir haben ja super Synchronsprecher wie ich finde. Als ich allerdings in den USA Gotham gesehen habe, und dann später wieder daheim in Deutschland, bin ich fast schonnerdchrocken. Im Original kommt die Serie viel härter und düsterer rüber. Die deutsche Synchronisation ist sehr nett und weich, auch die Stimmen selbst. Passt überhaupt nicht.

  1. Lach, momentan geht der Serienwahn um! Ich habe die letzte Serie irgendwann in den 90er Jahren gesehen, glaube ich . Könnte Kommissar Rex gewesen sein. 🙂 Inzwischen schaue ich nur noch Nachrichten und vielleicht mal eine Doku.

  2. Ich schaue Pose schon seit 6 Folgen und bin begeistert. Total etwas Neues. Die Charaktere sind sehr authentisch, das liegt wohl daran, dass es ja wirklich transexuelle Schauspielerinnen sind, die das erlebte verarbeiten im Spiel. Ich liebe Blanca, und natürlich auch Elektra Abundance. Schön, dass es auch weitere Staffeln geben wird. Tollster Moment war für mich letztens, als Blanca in der Peepshow ihren weißen Lover wiedersah und dabei Is this Love von Whitesnake in vollem Rumms gespielt wurde. Gänsehautmoment!

  3. Serien sind eigentlich gar nicht (mehr) mein Ding („Sex and the City“, „Ally McBeal“ ausgenommen). Entweder werden sie auf 1000Staffeln aufgebläht oder aber ich mag eine, die dann aber leider beim Rest der Fernsehnationen floppt und nach einer Staffel ist Schluss. Ich hasse das. Denoch habe ich am Freitag auf Prime in eine Serie reingeschaut. „Z: The Beginning of Everything“- Geschichte über Zelda u. Scott Fitzgerald. Und wat is? Natürlich ist nach der ersten Staffel Schluss. War ja klar. Na gut, ist besser so. Ich mag die Serie, ich mag (im Gegensatz zu vielen anderen) auch die Darsteller und die Kostüme sind toll, aber das Ende der großen Liebe ist ja doch ernüchternd. „Pose“ klingt allerdings auch mal sehr interessant. Mal im Hinterkopf behalten, falls das irgendwo auf prime od. Netflix zu sehen ist.

    1. Diese Serien-Einstellerei mag ich auch nicht. Und auch nicht das Hin-und Hergeschiebe zwischen den Sendern. Die Deutschen sind scheinbar einfach zu blöd für gutes TV.

  4. Schon als ich das erste Foto oben gesehen habe, hat mich die Optik sofort an American Horror Story erinnert und natürlich ist wieder mal Mr. Murphy am Werk. Da mir die meisten seiner Serien bisher ganz gut gefallen, werde ich mir Pose wohl auch ansehen. Danke für den Tipp. =)

    1. Mich auch! Ich habe auch Murphy dahinter vermutet. 🙂

      Vielen Dank KK für den Tipp. Ich schaue gerade Twin Peaks und Hannibal zum dritten Mal, da ich lieber eine gute Wiederholung als schlechte Neuentdeckung habe.

  5. Lieber KK!
    Ich finde es toll, dass du auch einmal solch ein Thema anschneidest. Die Serie werde ich mir bestimmt anschauen, wenn sie bei uns läuft, denn das Thema interessiert mich stark. DANKE!

  6. Ich hätte da auch noch einen Serientipp: This is us. Die zweite Staffel läuft gerade seit letzter Woche auf Sixx. Die erste lief auf Pro 7 ist ist wohl bei den Zuschauern durchgefallen.
    Ich habe mir sie auch auf Netflix oder Amazon Prime angesehen. Nur schön!
    LG

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