LIFESTYLE: DIE ESC SAISON GEHT IN DIE HEIßE PHASE * LEICHTE KOST FÜR GESCHUNDENE OHREN

Ich oute mich mal wieder: Ich bin ein ESC Fanboy! Hä, wat issen dat?? Nun, bekannt wurde es bei uns hier durch den ellenlangen Namen „Grand Prix Eurovision de la Chanson Européene“, oder eben „European Song Contest“ (seit 2001). Und was machen die da? Hmm, in erster Linie Spaß haben, dann wird auch  noch gesungen und ein friedliches, gemeinsames Europa zelebriert. Heute möchte ich allen interessierten Leserinnen und Lesern aber einmal kurz schildern, was denn da sonst noch so alles mit dranhängt, wovon wir hier in Deutschland leider überhaupt nichts mehr mitbekommen. Also, Lautsprecher schon mal einschalten…

Seicht? Seicht!

Kritiker beginnen nun sicher gleich wieder zu meckern, dass diese Art der U-Musik (huh, diese Unterscheidung hier bei uns in U und E finde ich grausam) einfach gestrickt und seichter Humbug sei. Ja, na und? Über Geschmack und Kunst lässt sich nun mal nicht streiten (oder eben ganz vortrefflich), und ich halte es bei der Kunst mit einer einfachen Weisheit: Wenn sie etwas bewirkt, ob man nun leuchtende Augen bekommt, eine Gänsehaut oder aufgerüttelt wird, dann hat sie ihren Zweck erfüllt. Und in einer Zeit, in der man Songs mit wirklich klaren und eingängigen Melodien (Hooks) mit der Kneifzange im omnipresenten Dub-Step-Heuhaufen suchen muss, bin ich für jede euphorische Gefühlsregung, die ich durch einen schönen Musiktitel bekomme, mehr als dankbar.

Diese Songs müssen in kurzer Zeit ja enorm viel richtig machen: Sie müssen den Hörer schnell einfangen und überzeugen. Dazu werden mittlerweile die besten Produzenten der Welt engagiert. Nun konterkariert das sicherlich auch den „Lasst uns besser Kennenlernen in Europa- Gedanken“, wenn alle nur noch in Englisch singen und teure Star-Hitschreiber den Song maßschneidern. Trotzdem ist der gemeinschaftliche Sangeswettstreit noch lange nicht tot. Nein, er erweitert sich gerade sogar um Australien (huch, die Kontinentalverschiebung ist in diesem Jahr aber arg stark). Leider verderben sich gerade die Deutschen immer wieder selbst den Spaß an der Veranstaltung, eben aus o.g. Gründen, und weil sie dann doch immer gewinnen wollen. Ist keine Chance da auf einen Titelgewinn, Weltmeisterschale, goldener Pokal, verlieren sie schnell die Lust. (Siehe Tennissport! Gestorben als Steffi und Boris rentenreif waren.)

Schweden, Beispiel für ein leuchtendes Beispiel

mello_2015

In anderen Ländern sieht das ein bisschen anders aus. Man denke nur an das mehr als glamouröse „San Remo Festival“, oder eben an eine ganz besonders aufwendige Veranstaltung in Schweden: Der Vorentscheid zum ESC, oder auch „Melodifestivalen“. Hier wird aus einer großen Menge potenzieller Songs in mehreren Wochen (!) der Siegertitel ermittelt, und das dann auch sogar mithilfe von ausländischen Jurys! Hier war bis zum letzten Jahr sogar Deutschland Mitglied und hat mit abgestimmt. Hä, warum habe ich hier eigentlich noch NIE etwas davon mitbekommen? Ist das Deutsch-Schwedische Völkerverständigung? Die gute Königin Sylvia, die hier in meiner Nachbarschaft gefühlt jeden 2. Monat herumläuft und das Folkwang Museum besucht, sollte sich auch einmal für solch ein Projekt einsetzen, denn von diesem „Melodifestivalen“ kann Deutschland lernen!

Da gibt es keine Vorurteile gegen U und E Musik, keine Vorurteile gegen alte Sänger mit weißem Bart und wirklich schrille und geradezu verstörende Acts sind ausdrücklich erwünscht. Die Schweden sind ja weltführend im Songwriting und das bekommt man auch zu spüren: Eine Powerballade jagt die nächste (Da wird Celine Dion auf ihrer Titanic ganz blass ums Näschen) und man kann die Musiktrends von morgen schon mal „probehören“. Nicht erst seit ABBA wissen wir ja doch instinktiv: Die Schweden machen Musik! Thank you for the music!

(Für die Interessierten: Schaut mal nach Max Martin! Der kommt gleich nach Lennon und McCartney)

melodifestivalen 2015

So habe ich mir per Internet in diesem Jahr einmal dieses schöne Event angeschaut und war ganz angetan von der Unterstützung in der breiten Bevölkerung, von der Begeisterung der Menschen, die jeden der zahlreichen Veranstaltungsteile zu einem Happening haben werden lassen. Aber nein, solche Veranstaltungen schauen nur die Anderen. Wir hier (über 10 Millionen) schauen lieber einen depressiven „Tatort“ nach dem nächsten, und das deutsche Vorentscheid-Elend war in diesem Jahr ja auf seinem Höhepunkt angekommen, als der Sieger lieber seinen Depressionen frönte als freudig in des Gesangswettkampf zu ziehen. Ob der auch zuviel Tatort geschaut hat?

(Exkurs: Habt Ihr mal die Vorankündigungen zum jeweiligen Tatort immer kurz vor der Tagesschau verfolgt? Da gibt es grundsätzlich düsterste Ausschnitte, vor 20 Uhr verstörende Bilder von Wasserleichen und blutverschmierten Messern, ein flüsternde Stimme, die wirklich, wirklich Böses ahnen lässt und ein Gefühl in der Magengrube, dass ich nur mit „dumpfen Unbehagen“ beschreiben kann. Und DAS lockt wöchentlich 10 Millionen Deutsche vor die Fernseher? Nun gut, dann kann ich auch verstehen, warum eine schillernde Musiksveranstaltung bei uns keinerlei Stellenwert hat.)

Hört mal rein

Mans Zelmerlöw /Aftonbladet

Mans Zelmerlöw /Aftonbladet

Gewonnen hat dann in diesem Jahr der sympathische Mans Zelmerlöw, der einen guten Kontrast und (in meinen Augen) perfekten Nachfolger für Conchita abgibt! (Na gut, nen Bart hat er auch) Auf nach Wien, Mans! Der Song ist perfekt konstruiert und auch das „Drumherum“ stimmt. Ein Ohrwurm, denn einige „Experten“ (die ihren eigene Musikgeschmack immer gern anderen Menschen aufzwingen möchten und „handgemacht“ als alleinige Daseinsberechtigung für einen Musiktitel ansehen) sicherlich eher als Mirgröhl-Hymne bezeichnen werden, aber da spricht eh nur der pure Neid. Die Schweden habens drauf! Und ich bin mir sicher, der ESC in Wien wird ein tolles Erlebnis! Man muss es eben nur mögen.

ESC-2015-Moderation

Eigentlich würde ich in diesem Jahr wirklich gerne auch einmal dabei sein. Wien ist eine der schönsten Städte der Welt, zusammen mit diesem europäischen Event, das hat doch was! Aber wie bei allen begehrten Dingen auf der Welt, werden Hotelzimmer und Co. wohl bereits in unerreichbare ferne gerückt sein. Sollte jemand Ideen dazu haben, oder mehr wissen, bitte Mail an mich!! Ich stelle mich auch gerne als „Reporter mit Herzblut“ zur Verfügung 🙂

 

(Fotos: EBU, Aftonbladet, Prinz/ORF  Der Bericht ist nicht gesponsert.)

10 Kommentare

  1. Also ich finde den Beitrag von Österreich wirklich gut. Es gehen The Makemakes an den Start und der Song ist ein richtiger Ohrwurm. Ich finde den Sänger echt gut, habe ihn im Fernsehen live gehört. Zuerst wurde ich aufmerksam, weil seine langen Haare so gepflegt waren 😀 dann erst habe ich aufs Lied gehört.

    Was sagt uns das? Gepflegt sein ist alles und vielleicht liest er sogar bei dir mit. 😀

  2. Lieber Kaiser, es ist wie Gedankenübertragung! Gerade bin ich nämlich auch dabei, Freunde für ein „gemeinsames“ ESC-Finale-Gucken zu gewinnen. Auch wenn es bei uns leider nicht Wien wird, geht es immerhin nach München, also fast in die Nähe ;-)…

    Ich freu mich schon sehr, ne tolle Gegelegenheit, einen lustigen Abend zu verbringen, auch wenn man sonst verstreut in der Republik unterwegs ist. Also packt den Paillettenglitzerfummel aus und dann hoch die Tassen, wenn es wieder heißt: „L’Allemagne, douze points.“ (na gut, da war wieder der Wunsch Vater des Gedankens ;-)…

  3. Der schwedische Beitrag trifft ehrlich gesagt nicht direkt in meinen Gehörgang, da gibt es in der Regel Beiträge, die das eindeutig besser hinbekommen.

    Hier in Deutschland hat der ESC definitiv ein großes Imageproblem. Nicht umsonst wollen etablierte Künstler da nicht mitmachen und beim Vorentscheid war ein Lied schlechter und langweiliger als das andere. Dass jetzt wieder Polkapop angesagt ist, wie letztes Jahr finde ich richtig dämlich. Aber das ist natürlich nur meine Meinung.

    Neben schlechten Beiträgen hat das Imageproblem aber sicher auch seine Ursache beim Publikum hier und im Grunde überall. Deutschland ist nicht tolerant und meiner Meinung nach erst recht nicht, wenn es um Homosexuelle geht. Da beim ESC aber traditionell viele Regenbogen wehen, tut man das hier halt entsprechend ab und es ist eher was für die Nische als für den Mainstream, denn Lena ist inzwischen auch schon wieder zu lange her.

    Umso schöner, wenn man das ganze, wie du mit deinem Beitrag, auch mal positiv beleuchtet und vor dem Hintergrund sieht, dass Europa (und was scheinbar noch so alles dazugehört :-D) hier zusammenkommt und sich einfach mal einen Abend lang feiert.

  4. Meins isses nicht.
    Also Popmusik im Allgemeinen, insofern lässt mich auch der ESC regelmäßig kalt.
    Das die Schweden das ganze feiern, glaube ich so bestätigen zu können. Jedenfalls war ich Herbst 2012 in Stockholm und traute meinen Ohren kaum, als die königliche Blaskapelle beim Wachwechsel Euphoria anstimmte.
    Am Rande bekam ich dann nur noch mit, das Yohio in Schweden erstaunlich gut ankam.
    Conchita war mir dann ganz sympathisch und damit erschöpft sich mein Wissen zum Thema eigentlich auch.

  5. Und, habt ihr euch die erste Ausscheidung angesehen? Heute ist ja die zweite.
    Bühne und Stimmung waren echt toll.

    1. klaaar! ich bin ganz froh, dass die moderatorinnen sich so zurücknehmen. es hätte schlimmer kommen können. mich hats gewundert, dass nicht viel mehr gebuhe beim russischen beitrag zu hören war. aber die bühne ist ne schau!! und ne tolle stimmung. ich bin soo sauer, dass ich nicht gerade in wien sein kann. 😦
      heute abend gehts weiter. ich find ja den isrealischen beitrag irgendwie fetzig! trash pur, aber party! 🙂
      liebe grüße ins gastgeberland!!

      1. Angeblich hat der ORF aus Angst vor den Buhrufen ja so etwas eingebaut damit man das unterdrücken kann, denn die russische Sängerin kann ja nix dafür. Es war aber eh nicht so arg.
        Es ist schon toll was in letzter Zeit so in Wien los ist. Zuerst der Life Ball und jetzt die Ampelpärchen und der Song Contest.:D
        Da ist wirklich was los!

          1. Ich schon wieder, aber irgend wo muss ich mich ja über den ESC austauschen. 😀
            Hab gestern natürlich wieder geschaut und folgende Songs gefallen mir:
            Österreich (das ist der erste österreichische Song, der mir von Anfang an total gut gefällt)
            Israel
            GB
            Australien
            Schweden
            Es war wieder eine tolle Show.

            1. also den ö Beitrag finde ich auch suuuper! klingt irgendwie vertraut, aber groovt schön. ich bin in diesem Jahr total unschlüssig, gewinnen könnten echt viele. die von dir genannten sind meine Favoriten. und die Frau mit Bart spricht mittlerweile auch deutlicher und haucht nicht nur 😎

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