LIFESTYLE: SCHLACHTFELD SUPERMARKT * WARUM WIR IM SUPERMARKT ALLE HEMMUNGEN VERLIEREN

Foto: Freepiclist
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Zuerst die Antwort auf die Überschrift: Keine Ahnung! Aber es nervt! Ungeheuer, und immer öfter. Mein letzter Einkaufsausflug führte mich zum Edeka und danach noch zu einer Lidl Filiale. Am Samstag. Mittags – Brunch ist gerade vorbei. Gemeinsam haben die unterschiedlichen Lebensmittelhändler EINES: Die dort nervig-unerzogen rumschreienden und tobenden Kinder mit ihren ebenso „unerzogenen“ Eltern.

Wann ist es eigentlich modern geworden seine Kinder an einem nervigen Samstag zum Großeinkauf mitzunehmen, um sie dann völlig hemmungslos im jeweiligen Geschäft „von der Leine zu nehmen“? Ich schiebe es mal gleich voran: Ich bin kein Kinderhasser und da ich oft und lange in Italien war, weiß ich wie geliebt von aller Welt Kinder aufwachsen können. Da kann Deutschland sicher nicht mitspielen. Aber will man das? Kinder, ab einem gewissen Alter, sollten schon in der Lage sein, mit den Eltern durch den Supermarkt zu ziehen und ihn dabei heil zu lassen, zusammen mit meinen Ohren.

Warum das Kind mit dem stärksten Schrei-Organ (es wird sicher mal Stadionsprecher – wenn die Anlage ausfällt, dann kann er lustig weitermachen) IMMER der Mutter im Nebengang beschreiben muss, was es jetzt alles in den Einkaufswagen schmeisst (und was wieder raus…den Blumenkohl natürlich), und immer wenn ich gerade daneben stehe. Mutter schreit natürlich zurück (bei Edeka etwas gesitteter gestelzter, mit einem komisch klingenden „Bitte“ im Satz), und das Kind zuckt die Schultern und fährt mir den Wagen erst mal ordentlich vors Schienbein.

Zische ich das Kind jetzt an und hoffe auf einen erzieherischen Effekt? Hmm, lieber nicht. Die Zahnarztgattin mit blondem Mozartzopf guckt schon kritisch in meine Richtung. Ich denke noch schnell: „Blöde Ziege, bist wohl in den 80ern stehen geblieben!“. Da gehts auch schon munter weiter. Eine andere Mutter bemerkt nicht, dass ihr liebes Goldkind gerade alle Weihnachtsnikoläuse vom Ständer in einen fremden Einkaufswagen packt. Sie kanns nicht merken, denn sie klebt seit einer halben Stunde an ihrem iPhone. „Nein, den Leander kann ich heute nicht zum Mädelsstammtisch mitbringen, spinnst Du? Mein kleiner Schatz ist doch noch viel zu empfindlich und er muss auch schon um 8 ins Bettchen.“ Der empfindliche, kleine Schatz hat währenddessen das Domestos Regal erreicht. Er sieht eigentlich ganz intelligent aus. Oh oh, dann hoffe ich, dass der Akku von Mamis iPhone bald leer ist!!

Bei Lidl genau das dann noch mal in grün. Die Namen gehen mehr in Richtung Jeniffer-Kimberlie und Dämijen-Pasquale, das Geschrei und Getobe bleibt. Kinder zerren an der Haarpracht ihrer Eltern und ernten nur ein: „Soraya, Papi wird gleich böse!“ Bereits seit der fünften Zieh-Attacke wird „Papi gleich böse“. Und andere Papis haben sich schon mal gleich in die Weinabteilung verzogen. Wenn ER nicht gerade mit einer anderen „Herrenriege“ mitten im Gang steht und dort über die sieben Welträtsel philosophiert. Wahlweise auch über die Hüftoperation der Nachbarin oder das neuerdings so schlechte Wetter in Davos.

Vorbei an einfach stehen gelassenen Karren, gleich mitten im Gang, ab zur Kasse. Kassenbereiche sind ja auch eine Welt für sich. Gedrängel und Schubserei wechseln sich ab. „Es überlebt nur der Stärkere“, wird hier zur täglich „Survival-Kassen-Competition“. Der Warentrenner wird gerne mal abfällig vor die Lebensmittel des Nachbarn geschmissen, quasi die Sandburg des Supermarktes. Abgrenzung ist alles, doch die Schreierei der Kinder und der harte Einkaufswagen in den Hacken, das wird gerne geteilt.

Wie unhöflich, nein unfreundlich-herablassend, manche Leute dann mit der Kassiererin agieren, lässt mich innerlich schaudern. Kein „Bitte/Danke“, kein Blickkontakt, keine Begrüßung und besonders kein mal eben rausgequetschtes „Tschüß“. Das Geld wird zusammengeknüllt aufs Band geschmissen, während dann gähnend langsam das neu erworbene Fresschen in den Einkaufswagen zurückgelegt wird, als wäre es aus hauchdünnstem venezianischen Glas. „Nach mir die Sintflut!“ Was anderes scheinen diese Schnecken-Shopping-Schnarchos nicht zu denken.

Supermärkte sind ein Raum, in dem wir notgedrungen zusammenkommen und eine temporäre „Gemeinschaft“ bilden, in der Regeln und Gesetze gelten. Regeln und Gesetze der HÖFLICHKEIT und des gesunden MENSCHENVERSTANDES. Warum nur wird dieses Areal in unseren Gehirnen manchmal abgeschaltet?


9 Gedanken zu “LIFESTYLE: SCHLACHTFELD SUPERMARKT * WARUM WIR IM SUPERMARKT ALLE HEMMUNGEN VERLIEREN

  1. guten morgen herr kkaiser,

    *ups* klasse thema, ich erlebe dazu fast täglich geschichten, die mindestens eine gute novelle abgeben würde. du wirst heute gerade unter müttern sehr viele neue, begeisterte leserInnen finden 😉

    gestern an der kasse eines gummibärchenladens: der kleine bengel polkt mit seinen dreckigen pfoten an der schutzfolie MEINES einkaufs herum, um an die darunter befindliche weisse maus zu kommen. ich weise die mutter, die am anderen ende des laden lautstark telefoniert, darauf hin. frau tchibo-chic rollte die augen und meinte nur, es sei das alter und sie könne da nix machen, ich solle mir vom verkäufer eine neue maus geben lassen. sie kann da sicher auch später nix machen, das überläßt sie lehrern, lehrausbildern oder jobcentermitarbeitern. zum thema supermarkt: da kann man nur hingehen, wenn man sich vorher umgezogen hat: graue olle joppe, eine hose, die sowieso gerade in die wäsche muss und gaaaaaaanz alte schuhe, ich hasse nichts mehr, als wenn ich ständig kinder- oder einkaufswagen in die hacken geschoben bekomme. die leute bemerken das nicht mal und wundern sich, wenn ich mich umdrehe und etwas sage. und jetzt gehe ich meinen süßen neffen besuchen, der noch „formbar“ ist und hoffentlich mal ganz anders wird 🙂
    liebe grüsse
    bärbel

  2. Lieber Joerg,
    also bei deinem Beitrag muss ich gleichzeitig lachen und mich mit-ärgern! Sehr belustigend geschrieben, auf anderen Blogs verlässt mich die Ausdauer schon beim 3. Satz…. bei dir habe ich bis zum Schluss gelesen! Wollte doch die finale Kassenschlacht nicht verpassen!! 🙂

    Wir kennen das ja alle, wie sich das allgemeine zwischenmenschliche Verhalten geändert hat im Laufe nur EINER Generation! Früher waren schlecht erzogene (oder gar nicht erzogene) Kinder eher selten, heute ist es selten mal ein gut erzogenes Kind zu sehen. Ich bin der ganz festen Überzeugung, dass all dieses Elend, die Arbeitslosigkeit, das Mobbing in so vielen Unternehmen, der zunehmende Egoismus und Rücksichtslosigkeit, ein großer Teil der Kriminalität, der Gewalt, etc. nur auf dieses Phänomen der schlechten Erziehung zurückzuführen ist. Diese kleinen Kids die damals im Supermarkt Rebellen sind, führen ihr Rebellendasein später als Erwachsene in viel härteren Ausmaßen fort. Das habe ich jetzt nicht erfunden, das wurde schon bewiesen. Ich liebe Kinder und würde mich freuen wenn Deutschland viel, viel mehr davon hätte, doch keine egoistischen und egozentrischen Despoten sondern normale Kinder die durchaus auch mal im normalen Rahmen frech und aufmüpfig sein dürfen.

    Vielleicht sollte es (wo schon 90 % der Leute jeden Tag stundenlang ihren TV anstarren!!) weniger Koch-Shows, Dumpfbacken-Serien, gestellte total verblödete Fake-Gerichtssendungen, etc. geben und stattdesen Sendungen wo Erziehung, menschlicher Umgang miteinander, Höflichkeit, Respekt und andere wichtige Dinge wieder in den Vordergrund rücken.

    Ameeeen!
    Ich habe fertik! 🙂

    Liebe Grüße
    Dana

  3. Hi KK,

    witziger Artikel über Kindererziehung anno 2013 😉
    Es liegt an der antiautoritären Erziehung, die auf freie Entfaltung setzt. Das Kind soll sich nicht eingeschränkt fühlen. Ich frag mich manchmal, wie diese Kinder später mal als Erwachsene sein werden…
    Aber meine Nichte und mein Neffe sind selbstverständlich ganz anders 🙂

    Einkaufen im Supermarkt finde ich ebenfalls stressig. Wobei mich persönlich allerdings weniger die Kinder nerven, als die drängelnden Erwachsenen. Diejenigen, die einem von hinten auf die Pelle rücken, so nah, dass sie einem quasi „in den Nacken pusten“ oder alternativ eben ihren Einkaufswagen in die Hacken drücken.

    Lg, Annemarie

  4. Okay, ich bin die Spielverderberin, aber ich erlebe das so NICHT. :-))

    Und ich habe das auch zu den Zeiten so nicht erlebt (als Mutter), als ich mit meinen Dreien zum Einkaufen ging. Und ich möchte nicht behaupten, dass ich eine besonders strenge Mutter bin.

  5. Ein sehr erheiternder Artikel, mein lieber KK, und in vielen Beobachtungen so wahr 😉 Eine weitere Frage wird für mich immer eins der Rätsel der Menschheit bleiben: wieso dauert es immer an meiner Kassenschlange am längsten ?

    Zum Thema unerzogene Kinder gäbe es so viel zu sagen, dass ich gar nicht erst anfangen möchte. M.E. liegt viel darin begründet, dass sich viele Eltern nicht mit der Mühe des Erziehens abgeben wollen, das Kind wird schon irgendwie groß werden, warum noch Arbeit dafür investieren. Und aus meiner Erfahrung ist Erziehung manchmal harte Arbeit! Die dafür die schönsten Früchte tragen kann. Es gibt zum Glück nämlich auch die positiven Gegenbeispiele.

  6. Hallo, wieder sehr amüsant zu lesen. Ich selbst arbeite bei Aldi und kann sagen, da erlebt man was…und nicht gerade erfreuliches. Da wird tel als wäre man in einer Telefonzelle, Einkaufswagen braucht man auch nicht, ach, ich wollte eigentlich nur ein Teil, haha, und vorne gehts nicht weiter. Die Menschheit wird immer dreister finde ich und natürlich auch die Kinder die von diesen Idioten erzogen?werden. Ich arbeite noch in einer ländlichen Gegend, da geht es noch, aber in Städten ist es schon krass….
    Happy night

  7. Danke für die ausführlichen und interessanten Kommentare! Spannend zu lesen und interessante Ansichten.
    @Susi: Ich kann mir vorstellen, dass es tatsächlich ein Nord-Süd Gefälle gibt. Hier Ruhrgebiet-Grenze Düsseldorf sind die Menschen einfachknurrig und mürrisch. Man sagt zwar, sie hätten ein großes Herz, aber die Gelassenheit ist hier nicht erfunden worden. Wie beneidenswert, wenn Du so gute Erfahrungen mit deiner Umwelt gemacht hast. Ich bin ja auch nicht so sehr betroffen, ich beobachte ja meist nur. Ich persönlich agiere ja immer nach dem Leitsatz: „Wie man in den Wald hineinruft…“

  8. Warum die Kids beim Samstagseinkauf Freilauf haben? Na weil die Eltern nicht extra einen Babysitter engagieren wollen und das so gesparte Geld lieber in die hier vorgestellten Kosmetika investieren. Ist doch logisch. :mrgreen:

  9. viele mittleren Alters und alte Frauen, die an der Kasse sitzen in Deutsche Supermarkt sind einfach unhöflich und total unrfeundlich mit den den Kunden. Sie schreien bei der geringsten Vorwand, vor allem bei jüngeren Männern und Ausländer Frauen. Keine Freundlichkeit wurde zu diesem alte Leute wurde gelehrt. Schade!

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