MARVELOUS MONDAY

Der perfekte Ersatz für das KK-Trendbarometer: Der Marvelous Monday! Alles was am Freitag nicht geschrieben wurde kommt eben heute – auch wenn Ostermontag ist. Frisch aus Gran Canaria.

 

Vielen lieben Dank…

…für die vielen Genesungswünsche! Hat geklappt, es geht mir wieder ziemlich gut, nur der Husten ist noch ein wenig zäh.

Wenn es allerdings darum geht, ein paar Arzneimittel gegen Schnupfen zu besorgen, ist man hier offenbar in einem Entwicklungsland. Nicht einmal Wick Hustensirup (von der Stiftung Warentest empfohlen bei unproduktivem Husten, zB. in der Nacht) gab es, dafür waren sehr viele Schmerzmittel leider gerade ausverkauft. Kenn ich doch irgendwo her.

Wer das deutsche Gesundheitssystem kennt, wird hier in Spanien die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Es geht eigentlich kaum ohne eine private Zusatzversicherung. Leider hatte ich noch keine Zeit diese abzuschließen, aber gleich nächste Woche wird das meine wichtigste Aufgabe sein.

Wer nochmal über die deutsche Gesundheitsversorgung jammert, sollte wirklich einmal einen Monat mit einer ernsteren chronischen Krankheit und Zahnproblemen leben. Nur so viel: Einen Zahn ziehen ist hier in der Versicherung mit drin, das war es aber auch. Sämtliche anderen Behandlungen muss der Patient selbst tragen (oder eben die Zusatzversicherung).

Und auch bei Medikamenten sind die Zuzahlungen gesalzen, die Freigrenzen dagegen fast schon frech. Wer einen Job hat, aber trotzdem wenig verdient (und das sind die meisten hier), wird trotzdem oftmals bis zu 40% des Medikamentenpreises zuzahlen müssen. Das kann bei einem der teuren neuen Medikamente schon mal unerschwinglich sein. Eine Deckelung gibt es aber nur für Rentner. Die anderen Leute dürfen dann eben ohne Zähne und wichtige Medikamente rumlaufen, oder eine Bedürftigkeit nachweisen, die kurz vorm „Bettler-Status“ ist.

Wohl dem, der seinen Wohnsitz in Deutschland behält, und damit auch seine gesetzliche oder private Krankenversicherung.

 

 

Über die verschiedenen Nationalitäten hier auf der Insel

Letztens habe ich ja schon ein wenig über das Verhältnis der Italiener zu den Spaniern geschrieben. Heute geht es über ein paar Dinge, die mir alltäglich auf den Straßen auffallen.

Ich laufe ja sehr viel, denn eigentlich ist das hier alles mehr ein größeres Dorf.

Da hört man die Leute natürlich auch sprechen, viele schon von Weitem, denn komischerweise sprechen hier viele Menschen laut – liegt wohl am oftmals stark wehenden Wind.

Meist kann ich dann bereits ausmachen, dass es sich zB. um Engländer, Skandinavier (da kann ich noch nicht so gut unterscheiden), Holländer, Ost-Europäer (auch da fällt mit das Heraushören der Sprache noch schwer), Franzosen oder sonst was handelt. Natürlich gibt es auch Amerikaner, Franko-Kanadier und Australier, aber eher seltener, doch ich hatte sie bereits alle im Fitnessstudio. Ein wirklich guter Platz um spannende Leute kennenzulernen!

Interessant ist aber auch, wie sich die Leute verhalten, wenn man ihnen auf den Gehwegen entgegenkommt. Ausgangssituation: Gehweg, gerade aber recht schmal, man kann zu zweit nebeneinander laufen, aber wenn sich eine Person vorne gegenüber nähert, beginnt ein Machtspiel, das manchmal offenbar erstaunlich viel mit der Nationalität zu tun hat.

Wer nun schreit, dass die Deutschen sich wohl breit machen und auf ihrem Weg bestehen, hat zutiefst Unrecht – zumindest meistens. Erstaunlich: Die meisten Deutschen machen schon Meter vorher Platz, laufen brav hintereinander, sodass man bequem an ihnen vorbeigehen kann. Das habe ich nun schon so oft beobachtet, dass es mich geradezu wundert. Viele Deutsche hier sind umsichtig und höflich, und das unabhängig von ihrer Kleidung.

Das muss ich so sagen, da es da leider doch noch immer ein Defizit gibt: Ältere deutsche Männer im Urlaub müssen irgendwo in einem geheimen Vertrag mit Blut unterschrieben haben, dass sie nur mit nacktem Bauch (je dicker der Bauch, desto nackter) über die Straßen von Playa del Inglés laufen dürfen.

Und selbst wenn sie sich schnell mal „alltagstauglich“ (wirklich?) wenigstens ein Hemd übergeworfen haben, lugt die Wampe vorne keck heraus, damit man auch ja keinen Vertragsbruch begeht – glaube ich.

Gerade auch Freitagnachmittag am Leuchtturm von Maspalomas (Faro de Maspalomas) rotten sich immer wieder viele von dieser Spezies zusammen, da YouTuber Harry Hurtig (immer ein klein wenig überfordert) Videos von den Leuten macht, die in ihrer gesamten Anmutung aussehen, als seien sie gerade leibhaftig aus einem Werk von Manfred Deix gesprungen. Geradezu unheimlich!

Achtung! Wenn Skandinavier entgegenkommen, wird es brenzlig. Dann kann man schon mal vom Bürgersteig geschubst werden, einen Ellenbogen in die Seite kriegen, oder man macht sich seitlich schmal und schlängelt sich an den meist schlanken und sportlichen Nordländern vorbei.

Seltsam, die kennen da scheinbar nix! Sie machen partout keinen Platz, zumindest nicht für mich, und sind auch ansonsten ziemlich eigenbrötlerisch. Sie scheinen, ähnlich wie viele Deutsche, in skandinavischen Enklaven zu leben, können meist kein Wort Spanisch, denken aber, dass sie ausgezeichnet Englisch sprächen. Nun – das ist nicht immer so. Ähnlich wie die Holländer sprechen sie schnell und flüssig…äh…Englisch, aber eben in einer nordischen Eigenkreation.

Legendär ist ja bereits das Dutch-Business-English, das sich wohl auch immer mehr verselbstständigt, und so manche US- oder UK-Firma zur Verzweiflung treiben kann.

Versteht man sie dann erst nicht, fragt also nochmals nach, werden sie schnell ungeduldig und unhöflich, was man am genervten Blick sogleich festmachen kann. Viele Ausnahmen gibt es auch – natürlich. Aber es fällt schon auf.

Engländer sind zweigeteilt. Es gibt sehr dreiste Menschen, die sich auf der Straße benehmen, als gehöre sie ihnen persönlich. Und dann gibt es ganz liebe Leute, die geradezu über-höflich Platz machen und dabei fast noch Konversation betreiben. Entzückend, bitte mit Tee. 😉

Franzosen sind aussergewöhnlich unauffällig, sie sind meist sehr leise, machen Platz, nehmen aber eh kaum Platz ein, weil sie oftmals sehr schmal sind. Gut und zurückhaltend gekleidet, nur in den Restaurants fallen sie ein wenig auf, da sie sich ungewöhnlich oft über das Essen beschweren. Nun ja, die Grande Nation und das Essen, ein Kapitel für sich.

Ähnlich verhält es sich mit den Italienern. Es gibt kein italienisches Ristorante, das keine Geschichte von wütenden Italienern erzählen kann, die sich bitterlich über das angeblich un-italienische Essen beschwerten. Gestenreich natürlich, und immer mit „Mama“ im Kontext.

Bei weiteren Nationalitäten beobachte ich noch, ich habe ein paar Tendenzen sehen können, will aber noch etwas mehr abservieren. Mal sehen, was sich so ergibt.

 

 

Auf einige deutsche Lebensmittel muss man hier nicht verzichten

Wen hier das Heimweh packt, kann zumindest kulinarisch schnell heimatliche Gefühle erwecken, wenn man sich zum Beispiel fix mal eine typische Spaghetti Bolognese von Knorr zubereitet. Dazu dann noch ein Salat mit altbekannter Salatsoße, zum Abschluss noch einen schönen Kaffee mit Bärenmarke Kaffeesahne.

Es ist schon lustig, wie hier der Supermarkt „Spar“ zum Händler für importierte Waren aus so einigen Ländern der EU geworden ist. „Spar“ gibt es hier an fast jeder Straßenecke, und in meinem Wohnort San Fernando ist sogar ein sehr großerSpar-Markt mit zwei Etagen zu finden.

Zuerst habe ich nur spöttisch auf das deutsche Sortiment geschaut, und dazu großspurig getönt, wer das denn bitte brauchen würde. Mittlerweile habe ich nun auch schon das ein oder andere deutsche Produkt gekauft, und dabei tatsächlich jetzt schon ein klein wenig nostalgische Heimatverbundenheit (wie auch immer das definiert ist) verspürt. Hm. Interessant.

Was es war? Funny Frisch Chips mit Peperoni! Und…Schaumerdbeeren von Haribo. Unglaublich verrückt, nicht wahr?

Das lässt sich die Supermarktkette übrigens fürstlich bezahlen. Das geht so weit, dass hier eine normale Packung Käpt´n Iglo Fischstäbchen um die 8 Euro kostet.

Nein, die Fischstäbchen vermisse ich nun wirklich nicht. Aber guten Tomatenketchup. Den gibt es hier zwar ohne zugesetzten Zucker, aber das rote Zeugs ist trotzdem fast immer dermaßen übersüsst, dass man es für eine Süßspeise halten könnte. Brrr.

 

 

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(Fotos: KK.  Keinerlei Sponsoring)

 


10 Gedanken zu “MARVELOUS MONDAY

  1. Super interessant wieder, danke. 🙂
    So paar Gedanken mal aus anderen Gegenden und mit dem ehemals gleichem Blickwinkel finde ich sehr erhellend. Besonders die Gesundheitssystemsachen interessieren mich sehr, schon damals mit deinem Zahnproblem.

  2. Guten Morgen,
    vielen Dank für Deinen amüsanten und informativen Post.
    Es gibt sogar Karottensaft von alnatura ;))
    Ja, unser Gesundheitssystem ist nicht ausgereift, aber die Situation in
    vielen anderen EU Ländern möchte ich auch nicht erleben.
    Habe gehört, dass man in Italien, wenn man im Krankenhaus ist, sich
    das Essen von der Familie bringen lassen muss.
    Ich hoffe, dein Husten verschwindet bald.
    lg
    sylvia

  3. Guten Morgen, lieber KK,……ich musste lauthals lachen ueber den Bericht der deutschen Maenner (und ihrem Bauch)…😎😂
    Schoenen Ostermontag noch….
    lg
    angela*

  4. Lieber kk,

    Hast du eigentlich vor, irgendwann mal nach D zurückzukehren??? Oder willst du dein Leben auf Gran Can beschliessen???

    1. So ist der Plan, aber ich glaube, das hängt von vielen uneinschätzbaren Faktoren ab. In viele Dinge, das Alter betreffend, kann man sich heute ja noch gar nicht hineinversetzen.
      Ich will und kann da nichts ausschließen.
      Liebe Grüße
      KK

  5. Guten Morgen lieber KK,
    sehr schön, das es Dir besser geht! „Wer das deutsche Gesundheitssystem kennt, wird hier in Spanien die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Es geht eigentlich kaum ohne eine private Zusatzversicherung“. Das ist doch hier eigentlich nicht anders wenn man eine vernünftige Behandlung haben will. Hier müßte die in „Operationsversicherung“ umgetauft werden. Dagegen sind natürlich i.m.m.e.r. die Beiträge gegeneinander abzuwägen. Ich habe jetzt schon zwei Augen Op`s selber bezahlt, weil die nicht im Leistungskatalog stehen. Hab hier mal eine Krankheit die so selten ist das sie nicht drin steht. Prost Mahlzeit. Wer hier kein Geld hat, hat auch schlechte Zähne. Unsere sehr hohen Sozialabgaben sind auch der Hauptgrund warum viele, angeblich gesuchte, Fachkräfte lieber in andere Länder umziehen. Natürlich gibt es auch noch andere wie Bürokratiemonster , fehlender Wohnraum etc.
    Meine Kollegin und ich haben jetzt schon „Witze“ gemacht, das wir uns unsere Krankheiten nicht mehr leisten können. Ich habe Rechnungen hier, mein lieber Kokischowski. Gerne hätte ich meine Abzüge augezahlt , statt mein netto. Hier bekommt man noch recht gut Arzttermine. Wegen der exclusiven Lage gibt es hier auch jede Menge an Kliniken und Reha Angebote. Woanders in D. hast Du monatelange Wartezeiten. Mein Vater mit schwerer Parkinson bekam nur mit Vitamin B einen zeitnahen Termin beim Neurologen und eine Bekannte musste Ihren Job aufgeben, weil die Behandlungen und Reha immer wieder verschoben wurden. Gesuchte Fachkraft übrigens. Na, was soll`s ich bin und bleibe halt ein Sozialfuturist.

    Trotz allem, allen einen frohen Ostermontag. Wenigstens scheint heute die Sonne!

  6. 😄 Herrlich die Beschreibung der verschiedenen Nationalitäten. Ich habe sehr lachen müssen!
    Ist eigentlich deine Mutter schon eingetroffen? Oder bleibt sie doch lieber in Deutschland?
    Weiterhin gute Besserung!

  7. Lieber KK!
    Das heimische Gesundheitswesen wird von sehr vielen abfällig bewertet. Sogar bei uns in Österreich wird genörgelt, wenn man 2 Wochen auf einen MRT-Termin warten muss – was andernorts schlaraffenlandös ist. Und dass die Untersuchung zwar kostenlos ist, aber eine Chefarztbewilligung dafür eingeholt werden muss, wird als Schikane angesehen. Ja, ja, ja – über den eigenen Tellerrand zu schauen und andere Länder, auch außerhalb Europas, kennenzulernen lässt einen die Schuppen vor den Augen fallen.
    Dir wünsche ich die beste Zeit deines Lebens! Das Schöne überwiegt!
    👍🌹👍

  8. Allerdings ist das spanische Gesundheitssystem fortschrittlich digitalisiert.
    Und Corona-Erst-wie Folge-Impftermine bekam man automatisch per Post zugewiesen, ohne einen Finger krumm machen zu müssen.

    Die Ärzte arbeiten auf hohem Niveau. Problematisch wird es wenn man dringend einen Termin braucht. Aber das ist ja bei GKV-Versicherten in D mittlerweile auch nicht anders.

    LG

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