LIFESTYLE: WAS MAN IM HOTEL UNBEDINGT VERMEIDEN SOLLTE, DAMIT NICHT DIE HALBE BELEGSCHAFT ÜBER EINEN LÄSTERT

Eigentlich wissen wir ja alle, wie man sich gut benimmt. Trotzdem staune ich immer wieder, was ich von Kolleginnen und Kollegen zu hören bekomme, wenn es um „spezielle“ Gäste im Hotel geht. Ein Insider packt aus.

 

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Man wundert sich, man schüttelt mit dem Kopf, und manchmal denke ich, dass man sich doch wohl denken könnte, dass so manche Marotte nicht sooo gut ankommt. Trotzdem fallen viele immer noch drauf herein zu denken, dass der Kunde König sei, und dass in Hotels absolute Diskretion herrsche.
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Träum weiter! 🙂
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Im Prinzip wird unter den Beschäftigten immer geredet. Auch viel Positives, aber es gibt so ein paar Dinge, bei denen scheinbar alle meinen, sie seien nicht erwähnenswert, die aber doch das Leben der Mitarbeiter schwerer machen.
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Da wäre zum Beispiel die Unart, 5 Minuten vor „Schluss“ noch zum Essen zu erscheinen. Ja, das Essen geht zwar beispielsweise bis 22:30, aber das bedeutet nicht, dass man sich um 22:25 noch ein Drei Gänge Menü bestellen sollte.
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Das gilt auch für das Frühstück. Es gibt spezielle Hotels mit Langschläferangeboten, oder man macht einen Deal und lässt sich ein Frühstückspaket schnüren, das man dann später abholt. Aber den gesamten Arbeitsablauf mit Extrawünschen zu stören, ist womöglich in 5-Sterne Häusern möglich, aber gern gesehen ist es nirgends.
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Die Angestellten haben ja auch irgendwann frei, so müssen sie Überstunden anhäufen, und die gibt es in der Gastronomie und Hotellerie eh genug.
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Grundsätzlich gilt aber auch: Wenn man lieb und freundlich nachfragt, wird einem sicher kaum ein Wunsch verwehrt. Und das bringt mich zu Punkt Zwei: Höflichkeit.
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Man glaubt gar nicht, wie unhöflich manche Menschen rüberkommen können. Und jetzt rede ich nicht nur von den Deutschen im Urlaub. Skandinavier können auch recht „kalt“ erscheinen, aber mit die Krönung könnten die Spanier sein.
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Gerade hier auf Gran Canaria haben wir in den Sommermonaten viele Spanier vom Festland hier, denen meist eine Sommerresidenz gehört, und die sie gerne nutzen.
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Was man aber auch merkt: In den Augen der Festlandspanier sind die Canarios ein wenig „zurückgeblieben“, so in etwa, wie das Klischee von den Deutschen und den Ostfriesen.
Viele Spanier lassen diese gefühlte Überlegenheit gerne raushängen, sind sehr ruppig, sparsam mit Danke und Bitte, und Trinkgeld gibt man unter Spaniern so gut wie gar nicht.
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Sehr unfein, wenn sich das Personal ein Bein ausreißt, und zum Beispiel doch noch Essen nach Geschäftsschluss auffährt, dann noch das Portemonnaie findet und die Besitzerin benachrichtigt, und dann sogar noch im Hotel vorbei bringt – und dann bekommt man ein holdes Nicken, Trinkgeld oder Finderlohn sind nicht vorgesehen in deren Denke. Ich finde es irgendwie schäbig, aber Spanier geben nur wenig darauf, was andere von ihnen halten könnten. Auch ne Haltung.
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Was man auch denkt, was typisch Deutsch sei, aber deutlich weiter verbreitet ist, als man dann denkt, ist das morgendliche Ausbreiten der „Platzhalter-Handtücher“ auf den begehrten Sonnenliegen am Pool.
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Sämtliche Nationen sind involviert, wenn es um den Kampf um den besten Platz in der Sonne geht. Diese Verhaltensweise ist schon irgendwo nachvollziehbar, liegt es ja in der Natur des Menschen sein Territorium abzustecken. Und man kann schon froh sein, dass wir nur Handtücher nehmen, und nicht gleich ein Beinchen heben…
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Trotzdem verstehe ich nicht, was in den Köpfen der Leute vorgeht, obwohl man es doch mitbekommt, wie unbeliebt dieses Verhalten ist, und wie schlecht es angesehen ist, besonders auch beim Hotelpersonal, das aber meist nicht einschreitet, weil man eh auf verlorenem Posten steht. Ich finde es spießig und kleingeistig. Wenn das der Preis für die erste Poolreihe ist, liege ich gerne ganz weit weg!
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Beim Zimmer gibt es auch so einige Irrtümer. Die Leute, die die Zimmer herrichten sind keine Lakaien. Sie putzen und räumen auf, sind aber mit Sicherheit keine persönlichen Diener. Was sich manche Leute einbilden, unglaublich. da wird sich aufgeregt, dass die Kleidung nicht aufgehoben und auf Bügeln wieder in den Schrank gehängt wurde. Oder dass die Handtücher nicht gewechselt wurden, obwohl diese unbenutzt auf dem Ständer hingen, und nicht zum Mitnehmen abgelegt auf dem Boden oder in der Dusche, wie üblich.
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Wer dann noch irgendwelchen „verfänglichen“ Kram herumliegen lässt, muss sich nicht wundern, wenn hinter dem Rücken gekichert wird. Es WIRD geredet, es herrscht keine Schweigepflicht.
Und so erfährt man recht schnell, wer mit seiner Sexpuppe eine Reise unternommen hat, oder wer jeden Abend mehrere Flaschen Wodka leert – alleine. Wer all das lieber unter der Decke der Verschwiegenheit belassen möchte, sollte also gut aufräumen oder ein besonders gutes Trinkgeld bereit halten. Das wirkt immer noch Wunder, denn in unserer Branche ist der Mindestlohn üblich. Bei DEN Preissteigerungen ist das weniger und weniger….
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Trinkgelder werden sogar von den Chefs mit einberechnet. Es wird oftmals der Durchschnittswert des Trinkgelds zum Lohn hinzugerechnet, wenn es bei Gehaltsverhandlungen um das auszuzahlende Gehalt geht. Heftig? Realität.
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So ist das also, Gäste und Angestellte sind auch nur Menschen. Der gesunde Menschenverstand sollte beim Urlaubsantritt nicht abgegeben werden, und freundliche und grosszügige Gäste hat doch jeder gern!  🙂
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15 Gedanken zu “LIFESTYLE: WAS MAN IM HOTEL UNBEDINGT VERMEIDEN SOLLTE, DAMIT NICHT DIE HALBE BELEGSCHAFT ÜBER EINEN LÄSTERT

  1. Trinkgelder werden hier auch in der Gastronomie oder beim Friseur von den InhaberInnen einberechnet. Da ist dann leider die spätere Altersarmut vorprogrammiert.

    Und Grosszügigkeit schadet nie. Auch bei den „unsichtbaren“ Geistern. Die sehen es auch gerne, wenn mal ein Geldschein/Münze auf dem Kopfkissen liegt. Das Netteste, was wir mal erlebten: Bei unserer Rückkehr ins Zimmer lag ein Zettel mit „Danke“ und einem gemalten Herzchen auf dem Kopfkissen.

    ich hoffe also, die haben nett über uns geredet.

  2. Puh ich hatte schon Angst. 😅 Ich habe da so eine kleine Marotte entwickelt … mich macht es nervös, wenn ich tagelang im Speisesaal auf ein Bild schaue das schief hängt. Ich gestehe ich habe es heimlich, ganz früh morgens, als ich mich alleine wähnte, dann mal gerade gerückt. 🤭

    Aber ich sehe sonst machen wir das Goldrichtig und sogar gerne noch etwas mehr. Wir unterhalten uns sehr gerne mit den Angestellten, schätzen sie dankbar und geben ordentlich Trinkgeld. Liegen reservieren finde ich auch furchtbar, zumal da oft stundenlang niemand kommt und liegt. Die Angestellten helfen sehr gerne eine Liege zu finden, oder stellen welche auf, wenn sie dann benötigt werden. Da gab es noch nie Probleme.

    Liebe Grüße auf die Insel, Tina

    1. Das mit dem Bild ist doch liebenswert. 🙂 Mit den Unterhaltungen mit Angestellten kann ich noch sagen, dass ich es als Kundenpflege ansehe, Zeit mit den Gästen zu verbringen, mit ihnen spreche und ihnen ein gutes Gefühl gebe. Alle Gäste wollen ja auch „gesehen“ werden.
      Doch das kommt für uns mit einem Preis. Chefs sehen das gar nicht gerne, die wollen meist, dass man stets in bewegung ist. Quatschen mit Gästen ist eigentlich verpönt, es sei denn, man sitzt an der Rezeption, und da bilden sich ja auch schnell Schlangen. Wenn man dann noch beliebt bei den Gästen ist, diese schon nach einem fragen, dann wird es brenzlig, denn im Hotel- und Gastgewerbe ist am besten jeder bedingungslos austauschbar. Hier in spanien werden die Servicemitarbeiterinnen und Mitarbeiter schonungslos gehetzt. wer ohne Glas oder Teller im Arm erwischt wird, erntet gleich ein scharfes Vamos, vamos! Venga! Leider kriegen das auch manchmal Gäste mit, und ich selbst finde das höchst kontraproduktiv.
      Trotzdem sind bei uns immer die nettesten Gäste, die ein paar freundliche Worte für uns übrig haben, auch mal lächeln, und die uns hier und da auch schon mal kleine Dinge abnehmen, wie zB. die Teller am Buffet nicht übervoll zu machen, und dann die Lebensmittel ungegessen auf dem Tisch liegen lassen.
      Viele liebe Grüße
      KK

      1. 😅

        Nein, nein kein ewiges Gequatsche, dafür hat wirklich niemand Zeit denke ich. Eher höfliches wertschätzendes Verhalten. Wie soll ich es ausdrücken, ich bin gern unkompliziert, habe keine Krone aus der mir Zacken brechen, wenn ich mich entgegenkommend verhalte. Es gibt ja Menschen…. wenn ich die beobachte denke ich das ist mindestens die Prinzessin auf der Erbse oder der König von China. 🤭

        Die Sache mit den übervollgeladenen Tellern am Büffet müsste wirklich nicht sein. Und hey, im Urlaub kann man doch lächeln, wenn nicht da, wann dann?

        Finde den Post echt interessant, gerade auch mit den Kommentaren.

  3. Guten Morgen,

    es soll schon Hotels geben die die Handtuch Unsitte verbieten. Wunderbar, das sollten alle machen. Blöd nur, das es wegen der Dämlichkeit anderer unzählige, unnötige Verbote geben muss.

    In der Reha hatte niemand den Reinigungskräften Trinkgeld gegeben. „Zahlt ja die Krankenkasse alles“. Ich habe der netten, schon alten, Italienerin immer was zugesteckt. Die hat sich überschlagen, ich hatte in meinem Apartment täglich neues, schön gefaltetes Toilettenpapier. Über das Wochenende mindestens 4 Ersatzrollen, es war zum piepen. Wenn Sonntags nur das Nötigste gemacht wurde, war bei mir extra aufgeräumt. Einfach schön für beide Seiten, hoffe ich. In der Reha sind die Patienten geizig, ohne Worte.

    @liebe Cara „Trinkgelder werden hier auch in der Gastronomie oder beim Friseur von den InhaberInnen einberechnet. Da ist dann leider die spätere Altersarmut vorprogrammiert“. Meinst Du damit Spanien? Oder ist das in D. schon so??? Dann fasse ich es nicht.

    Liebe Grüße

    Christiane

    1. Liebe Christiane, ich meine damit die Gastronomie oder den Friseurbereich in Deutschland. Da arbeiten viele im Mindestlohn, leider. Der Handwerker, dem man mal 10 € in die Hand drückt, der ist nicht gemeint, aber der arbeitet auch nicht zum Mindestlohn.
      Ich hoffe, es geht dir besser.

      Grüsse

      1. Liebe Cara, in Deutschland?? Hier schließen Gaststätten und oder haben öfters Ruhetage und kürzere Öffnungszeiten wegen Personalmangel. An jedem Friseur hängen zettel an den Scheiben, das die Personal suchen. Da würde ich gar nicht zum Mindestlohn arbeiten. Aber so lange sich noch Leute ausbeuten lassen, wird das Spiel endlos betrieben.

        Wenn man hier eine neue Putzfrau sucht, weil die alte nicht mehr will, hat man die A…..Karte gezogen. Da kommen junge aufgestylte Frauen mit roten Fingernägeln und wollen 25€ auf die Hand, angemeldet 28€ zuzüglich Fahrgeld. Aber meistens bekommt man ja gar keine mehr.

        Unser ganzes System ist kaputt. Fachkräfte braucht man sowieso nicht. Da läßt sich die Politik von der Wirtschaft vorführen. Hier werden nur noch billige Leute gesucht, die für den Mindestlohn ihren Chef anhimmeln. Kapitalismus pur. Hier sollen viele Einwanderer her, wo es gar keinen Wohnraum für gibt, um die Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen. Ich kenne genug hochqualifizierte Leute, wenn die sich bewerben sind sie Überqualifiziert. Ich übringends auch.

        Danke für die Nachfrage, alles bestens.

        LG Christiane

        1. Da hast du Recht, liebe Christiane. Noch schlimmer sieht es aber in der Pflege aus. Viele Heime gingen in die Insolvenz, weil der Mindestlohn erhöht wurde. Es war alles dort knapp berechnet. Und wenn ich sehe, welche Arbeit die MitarbeiterInnen in diesem sensiblen Bereich leisten müssen, wäre das Doppelte an Gehalt angemessen. Das sehe ich immer, habe da leider mit Verwandten Erfahrung. Und versuche mal, hier in D einen Pflegeplatz, eventuell sogar für eine demente Person, zu bekommen. Ich habe fast geweint.

          Grüsse

      2. Leider gibts im Handwerk sehr wohl Mindestlohn, zb Malergesellen die nach zig Berufsjahren Westtarif mit 13,60€ brutto abgespeist werden. Malermindestlohn zum brüllen wenig. Kein Wunder das so viel nebenbei sich hier und da etwas dazu verdienen müssen. Ich kenne einige Maler die sich wahnsinnig über nen 10er freuen oder wenn es aufwändig war über 20 auch mal. Oder die sehr begeistert sind, wenn ein Teller mit Schnittchen und kalten Getränken gereicht werden wenn ein Auftrag den ganzen Tag dauert.

        1. Tja, wie war das noch? Deutschland schafft sich ab. Es ist so viel von dem eingetroffen, was Herr S. damals geschrieben hat und was ist der gehatet worden.

          Die Leute mit dem Mindestlohn sind doch selber schuld, wenn sie im Alter die Miete nicht zahlen können, hätten ja einen Riester Vertrag abschließen können………….ich übergebe mich gleich.

    2. Ja, diese Hotels gibt es! Es sind beinahe fast alle, die das „verbieten“, und dennoch wird es gemacht, und es schert echt niemanden. Die Hotels lassen die Gäste dann meist doch gewähren, da es sonst zu unschönen Diskussionen kommt, die den Hausfrieden massiv stören können.
      Trinkgelder sind hier eine Form der Wertschätzung. In den USA ufert das aber mittlerweile aus. das kann sich kaum noch jemand leisten, denn das Gehalt der Angestellten wird ja tatsächlich vom Trinkgeld bestimmt, und da wächst der „Bedarf“ natürlich ebenfalls. Unter 20% macht man es kaum noch, mehr ist beinahe schon üblich in Großstädten, und in den Bezahlgeräten, wo man seine Credit Card dranhält, ist das Feld Tipp manchmal schon vorausgefüllt. Wenn man weniger TG geben möchte, muss man aktiv eingreifen und die Zahl ändern, was natürlich ziemlich peinlich ist. Aber unter Zwang Trinkgeld zu geben, ist wohl die schlechteste Lösung.
      Liebe Grüße und ich hoffe, Dir geht es wieder gut
      KK

  4. Hallo zusammen, ich bin immer wieder erschrocken über diese Respekt- und Empathielosigkeit. Jeder sollte sich mal vor Augen führen, wie es wäre Zimmermädchen, Kellner……was auch immer zu sein und mit diesem kleinen Lohn eine Familie zu ernähren und sich dann auch noch mies behandelt zu fühlen. Auf meiner ersten New York Reise mit meiner Tochter haben wir jeden Tage ein Trinkgeld mit einer kleinen Nachricht im Zimmer gelassen. In diesen 9 Tagen haben wir immer auf diesem Zettel eine Nachricht von dem „guten Geist“ des Tages zurückbekommen. Diese Zettel sind für uns eine sehr schöne Erinnerung. Schöne Sonntag allerseits

  5. Ich habe gerade nachgerechnet: vor 29 Jahren war ich das erste und letzte mal im Urlaub gewesen ! Trinkgeld geben war für mich selbstverständlich , denn ich weiß wie es ist für wenig Geld arbeiten zu müssen . Auch wenn es viele nicht glauben können aber ich arbeite in einer Werbeagentur für 5 € Brutto die Stunde ! Mache die gleiche Arbeit, wie die es gelernt haben . In meiner Region Arbeit zu bekommen , die gut bezahlt wird ist schwer .

    Allen noch einen schönen Sonntag, liebe Grüße Trixi

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