In unserer Gesellschaft gibt es immer noch so einige Tabus, und über die spricht man nur ungern bis gar nicht. Mittlerweile ist zwar selbst der Tod eine Sache, die nicht mehr totgeschwiegen wird, nur über das Altwerden, also das so „richtig“ Altwerden, gibt es viel zu wenig Informationen. Wollen wir es auch gar nicht so genau wissen?
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Die Situation mit meiner Mutter hat mir in letzter Zeit in allerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Wenn Menschen alt werden, geht das mit vielen Dingen einher, über die man sich vorher noch nie so richtig Gedanken gemacht hat.
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Klar, wir wissen, dass man im Alter abbaut, körperlich und geistig, oftmals auch krankhaft, sodass man zum Pflegefall wird.
Doch wie sehr das das Umfeld tangiert, und wie sich überhaupt die Alten dabei fühlen, wird nur selten erörtert.
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Die Alten selbst haben in der Öffentlichkeit kaum noch eine Stimme, und im Zweifelsfall können sie diese auch nicht mehr erheben, denn sie sind womöglich geistig nicht mehr dazu in der Lage, oder leben abgeschieden in Heimen, die wir alle oftmals nur mit sehr gemischten Gefühlen betreten.
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Die einstmals so starken Elternteile schwach und zerbrechlich zu erleben, kann für viele ein Zustand sein, den man nur schwer erträgt. Der sichtbare und fühlbare Verfall erinnert an die eigene Vergänglichkeit, und an den zu erwartenden Verlust der geliebten Menschen. Alles Dinge, über die es irgendwie dann doch normal scheint, dass man sie in jüngeren Jahren noch von sich weg schieben möchte.
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Geht es aber langsam los, also man bemerkt die ersten geistigen Ausfälle der geliebten Menschen, sie brauchen immer mehr Hilfe, sie verändern sich in ihrem Wesen, dann kommt eine Zeit, in der man sich manchmal von heute auf morgen der harten Realität stellen muss.
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Aus meiner Erfahrung heraus ist das WICHTIGSTE, was man am besten heute noch tun sollte, eine Vorsorgevollmacht (und eventuelle Untervollmachten, sowie für Geldgeschäfte und Behörden) anzufertigen! In mehrfacher Ausführung, und die dann zu Hause, beim Hausarzt oder Hausärztin, vertrauten Personen und/oder vielleicht bei Notar, Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin zu hinterlegen.
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Aufpassen! Bei Unterzeichnung muss die Person um die es geht noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sein. Ist bereits eine Demenzerkrankung diagnostiziert, kann es womöglich Schwierigkeiten geben. Dann sollte man besser wasserdicht arbeiten, also gleich mit Rechtsanwalt oder Notar.
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Ist der geistige Verfall bereits stark vorangeschritten, werden die alten Menschen meist in Pflegeheimen versorgt, manchmal auch nur verwahrt, im schlimmsten Fall nicht einmal das.
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Natürlich möchte man die Person so lange wie möglich eigenbestimmt durchs Leben gehen lassen, eine Vormundschaft für Eltern/einen Elternteil zu beantragen ist auch eine Situation, die man sich nicht wünscht.
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Es ist aber mitunter unvermeidbar, wenn die Person nicht einsieht, bzw. nicht mehr versteht, wie es um sie steht. Vergesslichkeit bemerken die Menschen oft, aber weitere Veränderungen (und deren Konsequenzen) werden oft gar nicht realisiert.
Weigert sich dann die Person an weitergehenden Untersuchungen teilzunehmen, kann man manchmal nichts anderes tun, als darauf zu warten, dass ein Notfall eintritt, sodass Gefahr für Leib und Leben besteht, und die (zwangsweise) Einweisung ins Krankenhaus unumgänglich ist.
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Wohl dem, der dann auf eine geriatrische Station kommt, die die Diagnostik kompetent bewältigen kann. Spätestens (!) hier muss die Pflegestufe beantragt werden, denn nun wird vieles in Gang gesetzt.
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Doch was man immer wieder sieht: Fast alle alte Menschen mit Formen einer Demenz haben mehr oder weniger klare Momente, in denen sie ihre Situation ziemlich klar erkennen, und dann auch dementsprechend zutiefst erschrocken, verängstigt oder todtraurig sind.
Es wird viel geweint, depressive Veränderungen der Persönlichkeit sind auch zu nennen, und über all das wird in unserer Gesellschaft so gut wie nie gesprochen.
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Niemand will hier einen Vorwurf machen, wir würden die Alten nur abschieden wollen um ein ruhigeres Leben führen zu können. Unser Gesellschaftssystem ist nun mal so wie es ist, und die Großfamilie ist (leider) ein Modell von vorgestern. Utopische Modelle, wie Mehrgenerationenhäuser, Alten-Kommunen, usw. funktionieren meist nur, wenn alle noch gesund und wenig pflegebedürftig sind. Wird Opa oder Oma erst „komisch“, stört das dann womöglich doch die noch fitten Mitglieder. Man kann es ihnen nicht übel nehmen, wir sind so gestrickt.
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Doch seit ich mich (ebenfalls notgedrungen und ebenfalls zu spät) mit diesem Thema auseinandersetzen musste, wird mir immer bewusster, wie nahezu „pervers“ diese Situation ist. Das Totschweigen, das Verharmlosen, das sich selbst in die Tasche lügen. Niemand redet Tacheles, alle Welt umschifft das „Problem“ so gut es geht. Es macht mich immer trauriger, wenn man sich vorstellt, wie es uns eines Tages ergehen wird. Besonders, wenn man eben nicht gut betucht ist, wenn man keine Verwandtschaft oder Kinder mehr hat.
Und die Menschen, die uns während der verbleibenden Tage in dieser Welt noch helfen und unterstützen, werden bezahlt wie die letzten Penner.
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Wie wird man enden? Sicherlich hat man sich noch keine echten Vorstellungen zum letzten Stündlein gemacht, oder nur mal eben kurz, mit einem Schauer, der über den Rücken läuft. Aber die Informationslage ist doch auch ziemlich dünn, man muss schon aktiv suchen.
Und das Bild, was den Menschen nach aussen vermittelt wird, ist oftmals nicht deckungsgleich mit der Realität, in der überforderte Pflegekräfte am Rande der Belastbarkeit stehen, zusammen mit alten Menschen, die hochspezielle Zuwendung benötigen, aber mitunter nur eine minutenweise Abfertigung bekommen.
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Was zählen Alte in unserer Gesellschaft? Nichts. Die gehen nicht mehr wählen, sie sind unsichtbar, sie haben keine Lobby. Und selbst die noch aktiven Alten, halten sich da raus, wollen und/oder können sich nicht stark machen.
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In meinen Augen braucht es dringend mehr Ehrlichkeit über den letzten Abschnitt unseres Lebens. Nur wenigen ist es vergönnt bis ins hohe Alter geistig und körperlich top fit zu sein, und alles ist auch eine Frage des Geldes. Man kann es sich in jedem Alter noch lebenswert schön machen, aber dafür braucht es viel, viel Geld, was sich die allermeisten Menschen kaum noch leisten können. Die Boomer waren noch zu grossen Teilen dazu in der Lage. Die Generation X (meine Generation) bereits deutlich weniger, und bei Millennials und Gen Z sehe ich schwarz, denn der vielbeschworene Generationenvertrag ist schon längst in Schieflage geraten.
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Es wird also Zeit, sich in vielerlei Hinsicht den Realitäten zu stellen, nur so entgeht man schlimmen Überraschungen. Sicher ist eins: Wir alle kommen einmal in die Phase, wenn wir uns von dieser Welt verabschieden, und wie das dann vonstatten geht, haben wir alles zu kleinen Teilen mit zu verantworten.
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(Foto: Pixabay)
Sehr sehr gut und mitfühlend geschrieben. Wir haben das Gleiche hinter uns. Die Vorsorgevollmachten sind ganz wichtig, die Ämter werfen einem Knüppel zwischen die Beine. Auch einen Heimplatz zu bekommen war nicht einfach, 1 Woche täglich telefoniert. Ins Heim darf man sowieso nur ab Pflegestufe 2… Wir sind immer noch dabei, alles abzuarbeiten. Und das seit Monaten. Wir sind fertig und ich heule oft. Wo ist unser Leben? Angst vor dem nächsten Telefonanruf aus dem Heim habe ich auch. Nun ja. Danke, dass du dich des Themas angenommen hast.
Meine Schwiegermutter ist mit ca. 90 Jahren und mit Pflegestufe 1 in ein evangelisches Heim gekommen. Fast wäre sie 100 geworden und ist in unserem Beisein friedlich eingeschlafen. Meine Schwägerin hatte da gearbeitet und wie sie in Rente war auch noch ehrenamtlich. Das war so schön, ich wäre da sofort eingezogen. Sie hatte ein kleines Apartment mit Terasse trotz durchschnittlicher Rente. Von sowas werde ich nur träumen können.
Meine Mutter war auch an Demenz erkrankt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nur mit Menschen offen über das Thema sprechen, deren Eltern/Partner auch betroffen sind.
Als Außenstehender kann man sich nicht vorstellen, welche Probleme mit Demenz/Alzheimer einhergehen (Wesensänderungen, irrationales Verhalten, Wahnvorstellungen, Inkontinenz, …).
In meinem Freundeskreis (alle Babyboomer) hat jede/r Zweite ein erkranktes Elternteil! Die Gruppe derer, die über das Thema reden können, wird immer größer. Ich habe die Hoffnung, dass das Thema „Hilfsbedürftige Alte“ zukünftig offener diskutiert wird.
Ich wünsche dir viel Kraft!
Vielen Dank, und was Du schreibst stimmt genau zu 100 Prozent. Ich hoffe auch, dass sich da bald etwas ändert, aber ich fürchte, dass das Thema zu belastend ist. Man kann wirklich nur mit Leidensgenossen darüber reden, und ich frage mich auch, wie wir jetzt, da wir ja nun wissen wohin die Reise geht, etwas verändern könnten? Mir graut vor der Vorstellung, und ich merke bereits, dass ich lieber wieder an was anderes denken würde. Schrecklich.
Ganz liebe Grüße
KK
Ich bin gerade dabei meine Patientenverfügung zu erneuern, das passt ins Thema. Die Vorsorgevollmacht ist wichtig, nutzt aber nichts, wenn niemand mehr da ist, den ich einsetzen kann oder will (ich möchte die Bürde meinen Freunden nicht auferlegen, die haben das oft mit den Eltern/Ehepartnern schon durch – wie ich auch – und den ein oder anderen Schaden im Kampf mit dem System davongetragen). Aber ob meine Patientenverfügung im Notfall jemanden interessiert?
Stimmt, das ist die denkbar schlechteste Ausgangssituation. Machen wir uns nichts vor, es wird wahrscheinlich niemanden interessieren. Ich hoffe dann immer noch auf weise Entscheidungen der Personen, die dann eben entscheiden müssen. Eine Vormundschaft (von einer fremden Person ausgeführt) muss ja auch nicht zwingend von einem raffgierigen Betrüger übernommen werden.
Ich habe in letzter Zeit so viele tolle Leute getroffen und gesprochen, die tatsächlich noch sowas wie Enthusiasmus für ihren Job verspüren. Und das TROTZ der schlechten Bezahlung und fehlender gesellschaftlicher Achtung. Auf diese Menschen hoffe ich, und schäme mich gleichzeitig, dass ich die Kraft nicht aufbringe mich selbst da mit einzubringen – heute schon.
Bleib stark! Viele Grüße
KK
Lieber KK,
so wahr!! Ich bin immer noch so froh, dass meine Eltern alles früh geregelt und besprochen haben. Auch wenn es für mich sehr traurig war, als ich diese Mappe das erste Mal in die Hand genommen habe. Da war ich Anfang 30 und meine Eltern waren „nur“ in den Urlaub gefahren. Es ist nichts passiert – aber zur Vorsicht hatte mein Vater das rausgelegt. Ich wurde erstmals direkt mit dem Thema Tod der Eltern konfrontiert.
Als mein Vater vor nun 7 Jahren und meine Mutter vor 2 Jahren verstarben, war alles bis ins kleinste Detail geregelt. Mein Vater verstarb leider im Krankenhaus, war gar nicht im Heim. Meine Mutter musste leider nach dem Tod meines Vaters in ein Heim, da sie eben wegen Demenz nicht mehr alleine leben konnte.
Ja, wenn dann Geld da ist, kann ein gutes Heim (hier auch ein christliches) sehr hilfreich sein. Aber diese Plätze sind sehr wenige. Auch ich habe es nur durch Hilfe einer dort arbeitenden Schwester bekommen, die gleichzeitig bei meinem Onkologen arbeitete, bei dem ich damals ja jede Woche war.
Aus meiner Erfahrung wird in der Altenpflege zu wenig Wertschätzung der Gesellschaft gezeigt und auf der anderen Seite versucht viel Profit zu erhalten. Bei uns machen grade viele Heime dicht, weil sie insolvent sind 😮
Danke für Deine Worte 👏 und Dir viel Kraft
Liebe Grüße Karen
Es geht mir genau so. Irgendeine*r wird überbleiben. Und davor habe ich Angst. Wir sind kinderlos.
Bei uns gibt es Hilfegruppen für Alzheimerangehörige. Aber die wenden sich fast nur an die, die ihre Angehörigen zu hause pflegen. Hilfsmittel etc. Meine Schwiemu ist im Heim, ein Zuhauseleben war unmöglich. Trotzdem fürchten wir uns vor den Besuchen. In dieser Wohngruppe sind alle so.
Stimmt, ich hatte bei meiner Mutter eine gesetzliche Betreuerin mit ins Boot geholt, sonst hätte ich allein da gestanden. Und das war eine wirklich gute Entscheidung. Wir hatten Arbeitsteilung – ich das persönliche kümmern um meine Mutter – soweit meine Mutter dies zugelassen hat- , die Betreuerin alles Drumherum. Wie schnell sie mit ihrer Erfahrung und dem entsprechenden Biss Sachen umsetzten konnte war bewundernswert und dafür bin ich ihr noch sehr dankbar. Übrigens, bei meiner Schwiegermutter habe ich die Vollmacht abgelehnt – aber dafür gesorgt, dass ihre Patientenverfügung beachtet wurde…. Meine Schwiegermutter wohnte in einer anderen Stadt und damit haben wir sichergestellt, dass sie, solange sie selbst entscheiden konnte auch gefragt wurde, sonst werden die Menschen um die es geht oft übergangen und alles über den Bevollmächtigten geklärt. Vielen Dank, bleibt alle stark und gesund.
Bitte wie hast du das gemacht ?
Ich denke an assistierten Suizid, vielleicht auch mit meinem Partner, bevor es so weit ist. Wir haben keinen, der sich um uns kümmern könnte.
Gleiche Situation leider auch bei mir !
Daran dachten wir auch mal. In der Schweiz geht das, hier nicht. Und die Schweiz macht das nur für Schweizer.
Nein, stimmt nicht. Guck bei exit.ch
Exit nur für uns Schweizer,Dignitas für Deutsche die in die Schweiz reisen müssen.
Aber in Deutschland sind jetzt die Möglichkeiten deutlich vergrößert,im Netz schauen.
Liebe Cora, meintest Du mich? Falls ja, was meintest Du genau?
Wie konntest du das teilen? Wir konnten es nur alleine machen. Gerne hätten wir jemand ins Boot geholt. Und das wäre mir wichtig, da meine Mutter wohl auch ansteht. Danke
Liebe Cora, ich glaube das war Glück. Ich hatte schon früh Kontakt zum Sozialpsychiatrischen Dienst um mich beraten zu lassen, und der Mitarbeiter hat sogar Hausbesuche bei meiner Mutter gemacht und sie kennengelernt. Als es dann zu Betreuung kam, hatte ich der Mitarbeiterin der Betreuungsstelle geschildert, dass ich mich um meine Mutter weiter kümmern möchte, sie aber meine Entscheidungen nicht akzeptiert und ich deshalb eine unterstützende Instanz brauche. Fremden gegenüber war meine Mutter immer kooperativer eingestellt. Und mit dieser Info wurde eine Betreuungsperson gesucht. Und so haben wir uns abgestimmt – immer mit dem gemeinsamen Blick auf das Wohl meiner Mutter. Der Mitarbeiter des SPD musste lachen, als ich ihm den Namen sagte, er hat sie als ‚altes Schlachtross‘ betitelt, was ich im Umgang mit Vermietern oder Heimen auch erleben durfte. Deshalb wünsche ich allen auch Glück auf Eurem Weg.
Danke für die Tipps – ich habe sie mir tatsächlich in den „Mutter“-Verwaltungsordner gelegt und werde die nächsten Tage mal schauen, welches Büro dafür zuständig sein könnte.
Die unterstützende Instanz werde ich wohl auch brauchen (hahaha, „altes Schlachtross“…🙈).
Ein wichtiges und zugleich sehr unschönes Thema, dass Du da anschneidest. Mit meiner Schwiegermutter haben wir die traurige Demenz bis zum Tod schon durch (wie sie es wünschte, wurde sie zuhause sehr gut gepflegt, das war teuer – wir sind nicht in der Nähe), und die nächste wird wohl meine Mutter sein, mit der ich kein so gutes Verhältnis pflege und die ich daher eher auf Distanz halte. Zwar ist alles Rechtliche gelöst – das Schlimmste wird aber wohl sein, dass sie mir bei allem, was ich tun werde, letztlich Vorwürfe machen wird, so wie jetzt schon. Sie wird wohl Pflege durch andere auch in ihrer Wohnung verweigern (alle schmutzig oder böse), und fordern, dass ich dies übernehme und zu ihr ziehe. In ihrer Nähe lebe ich nicht und ich bin, wie viele, beruflich eingespannt; das ist keine Ausrede. Mir graust es jetzt schon vor dem Eiertanz, sie in einem Heim unterzubringen, wo sie nicht hinwollen wird, auch wenn sie darüber im Allgemeinen eher positiv redet, aber nur, um zu betonen, dass sie eigentlich will, dass ich zu ihr komme und sie pflege. Um jede Kleinigkeit gibt es jetzt schon einen Riesenaufstand. Dazu kommt, dass sie recht glaubhaft lügen kann, weil sie es so gewohnt ist, nur um an ihre Ziele zu kommen. Das darf gar nicht genau so laufen, wie sie es will, weil es mich komplett auffressen würde.
Ein Aspekt, den man in der Öffentlichkeit gerne verdrängt, ist der Umgang mit jemandem im Alter, zu dem das Verhältnis definitiv belastet ist, so dass es für ihn/sie passt, aber auch für einen selbst. Nicht nur, aber auch aus Selbstachtung würde ich ein gutes Heim für meine Mutter aussuchen, und schauen, dass alles dort okay läuft – und eigentlich lieber früher als später.
Für mich habe ich – trotz Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung – noch keinen guten Ansatz gefunden, wie man verhindert, dass man im Alter Leuten in die Hände fällt, die sich denken, dass man diese (dann wohl verwitwete) kinderlose Person mit geldgieriger Familie im Hintergrund auch ganz gut ausnehmen und dabei in ihrer Windel mal einfach so vor sich hin dehydrieren lassen könnte.
Selbst jüngere Freunde sind dann vielleicht in ähnlichen Situationen (so war es zumindest bei meiner Schwiegermutter).
Wie sichert man sich ab? Mit einem Team aus Juristen, Ärzten und einer Art Finanzverwalter vielleicht, bei dem im besten Fall die eine dem anderen auf die Finger schaut. Aber wie ist das zu bewerkstelligen?
Wollen wir einen Verein gründen, damit wir im Alter kollektiv nach dem Rechten sehen? 😁
Ja! Eine Instanz, die für die Alten nach dem Rechten schaut. Das wäre toll. Eine Stimme, die auch die Belange der Alten im Auge behält, daran erinnert, dass das auch Menschen mit sämtlichen Grundrechten sind. Die grauen Panther haben es ja dereinst vergeigt. Was oder wer könnte das ersetzen? Gaaanz schwierig, ohne die Gesellschaft verändern zu wollen. Und das klappt eh nicht so wie man es sich vorstellt. Im Zeitalter der totalen Oberflächlichkeit ist das wohl aussichtslos?
Liebe Grüße
KK
Da bin ich dabei – das erste mal im Verein 😄
Okay, dann sind wir schon einmal zu dritt, das reicht für einen Verein… 🤩
Unser engster Freundeskreis funktioniert da sehr gut, solange es geht natürlich. Die Damen sind inzwischen alle verwitwet. Sie wohnen mehr oder weniger im selben Stadtteil. Jeder hat einen Schlüssel von der anderen. Ist einer krank, kauft die andere ein oder kocht für zwei, bringt essen vorbei. Dann telefonieren sie sich jeden Abend ab um sich zu erkundigen. Die größte Angst ist zu Hause zu stürzen. So wird da keine alleine lange liegen. Tolles Modell. Wenn ich mal alleine bin, muß ich hier auch weg. Alleine und ländlich, nicht mehr Auto fahren können wie soll das gehen?
Das man kinderlos ist, ist nebesächlich. Im Bekanntenkreis habe ich ein Ehepaar, beide Ärzte. Es gibt 6 Kinder, davon sind 5 im Ausland. Haben zum Teil da studiert, weil sie hier keinen Studienplatz bekommen konnten. Dann promoviert, geheiratet und da geblieben. Denen geht es in der Schweiz, AT, USA überall besser als hier. Zurück will niemand. Die Jüngste geht wohl bald nach Südamerika. Also, was soll`s ? Wie viel Kinder muss man denn so bekommen, das einer vor Ort ist? Das klappt ja auch in D nicht mehr. Ein Kind studiert in Hamburg, das nächste in München, dort wird ein Partner gefunden und die jungen Leute bleiben gleich da. Haben ja auch Recht, insbesondere wenn die Eltern ländlich wohnen. Wir haben unsere Oma mit schwerster Alzmeimer 13 Jahre in der Familie gepflegt, dann meinen Vater. Das kann man keinem zumuten, am Ende gibt es dafür noch nicht mal eine Zulage bei der Rente wo man dem System Tausende oder Millionen gespart hat. Nein, nicht nachmachen.
Wenn man keine Kinder hat, ist es zumindest erst einmal offensichtlich, dass zumindest diese theoretisch vertrauenswürdigere Instanz wegfällt.
Hier im Umfeld ist es ja auch so, dass etliche erst viele Jahre jemanden grossziehen, oft auch ein wenig in der insgeheimen Hoffnung, dass sie später mal nicht alleine sind. Das haut nicht hin, wenn die Kinder auf andere Kontinente ziehen, was ich sehr oft beobachte. Also ‚hat‘ man im Alter oft nichts davon.
Für meine Schwiegermutter wäre es ungut gewesen, wenn da das andere Kind (Ärztin, also quasi die Kompetenz in Person) alleine etwas zu sagen gehabt hätte – das gar nicht mal so gute Heim wäre sicher gewesen, das baldige Einstellen von Behandlungen wohl auch, wie man an den zahlreichen Versuchen in die Richtung mitbekam. Am Ende lebte sie zuhause individualbetreut und recht zufrieden mit ihrer Demenz über zehn Jahre und starb im Lehnstuhl auf der Terrasse.
Am Ende kommt es anders, als man denkt.
Der Verein (o.ä.) wird mir immer sympathischer.
Der Verein ist mir auch sympathisch. Oder erst mal eine Gruppe. Wie ginge das?
Okay, notiere – Vierergruppe. 👍 😃
Der einzige Trost ist mein PS starker Sportwagen. Bäume gibt es auch genug. Aber kann ich da noch selber fahren? Zumal die Benziner dann zwangsenteignet sind. Klappt dann auch nicht. Also vor der Enteignung.
Solch einen Wagen, liebe Christiane BVB, haben wir auch. Auch an diese Lösung gedacht. Aber ob die sicher ist? Ebenso Tabletten etc. Und ob man es dann noch weiss…
Andere können es auch nicht nachvollziehen. Ich höre immer, dass es gut ist, was man für die Eltern noch tun kann. Ja mei, wenn man dieses Verhältnis nicht hatte, wird es schwer. Und Viele glauben auch, dass Demenz heilbar ist. Mit den Worten „wird schon wieder!“. Nein, nichts wird wieder. Und hier im Ruhrgebiet gehen viele Pflegeheime insolvent. Was dann mit den Leutchen?
Neiiinnnn, liebe Cara, keine Tabletten!! Meine Freundin hat es versucht, ging nicht. Im Krankenhaus hat uns der Arzt erklärt des das nicht mehr geht. Die Pharmaindustrie wurde per Gesetz verdonnert die entsprechenden Medikamente zu „kastrieren“. Man kann natürlich schwerbehindert werden und dann in seinem Dreck in einem Heim aufbewahrt werden. Leben um das Leben willen, aber sterben geht so nicht mehr.
Pflegeheime gehen überall insolvent. Die Schere zwischen arm und reich geht auch immer weiter auf. In keinem anderen Land wird Arbeitseinkommen so stark und Kapitalvermögen so niedrig besteuert. Ich kann das Politikergelabere nicht mehr hören……..
Das ist ja Quatsch. Ich habe beruflich damit zu tun und kann sagen, dass es natürlich möglich ist, sich in Deutschland mit Medikamenten zu suizidieren und zwar auf vielfältige Art und Weise. Wenn man das denn möchte. Wer sterben will und sich vorbereitet, kann sterben. Suizidversuche scheitern in der Regel, weil sie im Affekt passieren und dann nicht durchdacht sind.
Ich behandele manchmal auch Hinterbliebene, Sanitäter, Zugführer usw, die ungewollt mit in Suizide einbezogen werden und kann Birgitt nur zustimmen, dass man mit seinem Sterben nicht unbedingt andere traumatisieren muss. Wir schreiben hier heute und gestern ja eher über einen Ausweg im kranken Alter und den kann man dann so planen, das nicht andere belastet werden, finde ich. LG
Dann dürfen die Notärzte und Sanitäter sie vom Baum kratzen-fein wenn nur bis zum Baum gedacht wird
Das Thema hatten wir schon. Einfach einen besseren Vorschlag machen, statt sinnfrei zu kommentieren. Immerhin habe ich schon genug Steuern gezahlt und spare durch mein Ableben tausende an Pflegekosten und Rente. Davon kann ich ja wohl beseitigt werden, wozu ich auch keinen zwinge. Schlimm genug wenn man sonst keine Alternative hat. Danke für`s Gespräch. Kann ich drauf verzichten.
Das Schlimmste an der Situation ist ,die früher so selbstständige,stolze,tolerante und eloquente Mutter in die Gebrechlichkeit,geistig wie körperlich ,abgleiten zu sehen.Meine Mutter wohnte,nach dem Tod meines Vaters 7 gute Jahre bei uns,sie konnte noch Auto fahren und lebte ihr eigenes,selbstbestimmtes Leben .Nach 2 Jahren leichter Pflegebedürftigkeit (durch mich und meine Familie versorgt,trotz Vollzeitarbeit)wurde sie zunehmend aggressiver,ließ sich kaum helfen,dadurch kam es oft zu Stürzen.Ich habe x Pflegedienste abtelefoniert“keine Kapazitäten“.Schweren Herzens haben wir sie in ein Heim gegeben,wo versucht wurde,ihr ein würdevolles Leben zu ermöglichen,aber der Pflegenotstand ließ grüßen.Die Mitarbeiter haben ihr Möglichstes getan,aber unter den heutigen Bedingungen geht das nicht!Sie ist relativ schnell mit 94 dort gestorben.Meine Mutter wollte schon längere Zeit nicht mehr leben,ich hätte ihr einen friedlichen Tod bei uns gewünscht.Und zum Thema Selbstbestimmung:sind wir dann noch in der Lage,das alleine durchzuziehen?
Sind wir nicht.
Ich nehme nicht einmal an, dass ein Abtreten so einfach möglich ist – abgesehen von der mangelnden Umsetzungsfähigkeit (Exit weigert sich; kein Bolide mehr vorhanden; keine Kraft, um über das Brückengeländer zu steigen usw.), will man ja i.d.R. leben. Wie ich erleben durfte, kann man selbst auf Sparflamme im Rahmen der Möglichkeiten noch ganz glücklich sein, eher wie ein Kind (dem man das auch nicht abspricht), wenn z. B. die Sonne scheint und der Kuchen noch schmeckt.
Die Aggressivität hängt oft mit der Demenz zusammen, genauso wie Traurigkeit; persönlich ist das nicht gemeint, aber das macht es nicht besser, wenn Scheren oder Messer fliegen (hat meine Schwiegermutter bei den Pflegerinnen auch eine Weile gemacht, aber die kannten das schon).
Der Lebenswille ist sicherlich ganz schnell geknickt, wenn man erst einmal eine Weile in seiner Windel verfault, kein Trinken bekommt (s. Windel), die Klingel ausser Reichweite gesteckt wurde und es schon ein paar Ohrfeigen oder Beschimpfungen gab, nachdem man kritisiert hat, dass sich da jemand am Taschengeld oder an den Ohrringen in der Schublade vergriffen hat.
Dabei kommt auf unsere Generation ein heftiger Fachkräftemangel in dem Bereich zu. Man kann fast nur auf Roboter setzen und hoffen, dass die nicht so herumzicken wie manche App (zwei Stunden Guten Tag sagen, dreimal hintereinander Kuchenverfütterung oder es wird einem die Bettpfanne zum Abendessen gereicht und wehe, man isst nicht auf).
Man will ja auch leben, wenn man alt ist, nur eben anders, und auch nicht als Störfaktor. So wie man es selbst gestalten würde, wie man es sich für Freunde wünschen würde.
Dankeschön lieber Konsumkaiser für das Thema. Ich bin stille Mitleserin hier im Blog, Trau mich jetzt aber mal raus.
Meine Mutter ist vor 2 Jahren verstorben und ziemlich schnell haben wir meinen Vater ( jetzt 87, Pflegegrad 4) in einer Seniorenresidenz untergebracht. Es gibt gute Tage, er ist zufrieden es gibt schlechte Tage und da fliegt schon mal der Feuerlöscher oder sein Stuhl aus dem Fenster.
Meine Frage an Euch, wie kann ich mich beim Pflegepersonal erkenntlich zeigen?
Konfekt und Blumen – gibts da auf jeder Station, Geld zustecken – ich denke es ist nicht gewünscht?? Bin mir aber wirklich unsicher. Ich bedanke mich immer beim Personal, aber was kann man noch gutes tun?
Liebe Grüße Susanne aus Berlin
Das würde mich auch sehr interessieren! Danke fürs Kommentieren, toll dass Du dich aus der „Deckung“ gewagt hast.
Liebe Grüße
KK
Hallo Susanne,
wir haben z.B. einen Umschlag als Annerkennung und Dankeschön zu Weihnachten oder bei anderen Gelegenheiten hinterlassen und auch ein paar dankende Worte geschrieben. Darüber wurde sich immer gefreut und herzlich bedankt.
Liebe Susanne,
Geld geben ist immer das Beste, jeder kann damit was anfangen.
Der Arbeitgeber erlaubt es nicht, aber man kann die Scheine ja in einer Pralinenschachtel verstecken oder sonstwie diskret und freundlich verpackt übergeben .
Krankenhaus, Pflegeheim, Pflegedienst und Rettungssanitäter – bisher hat mir noch keiner was abgelehnt und sie haben sich über die Anerkennung gefreut.
Die Arbeitgeber wissen das auch und drücken ein Auge zu.
Aber immer mehreren Personen übergeben, nicht der Stationsleitung o.ä. , damit es auch wirklich alle erreicht.
Viele Grüße Klara
(7 Jahre Pflege liegen hinter mir)
Ich habe immer Geld gegeben, denn diese Einkommensgruppe kann sich dadurch einen Wunsch erfüllen der sonst vielleicht Winsch bleibt.
Man sollte aber immer im Hinterkopf haben, dass ein noch so gut gemeintes Geldgeschenk die Pflegekräfte in Schwierigkeiten bringen kann. Es ist ihnen grundsätzlich nicht erlaubt, Geld anzunehmen und kann ein Kündigungsgrund sei.
Ich bin auch stille Mitleserin,
möchte Dir aber sagen, dass eine Bekannte von mir, deren Mutter mit schwerster Demenz im Heim untergebracht war, jeden Tag dort vorbeischaute, die Schwester auch energisch ansprach, wenn es was zu bemängeln gab und andererseits aber auch oft und zu Feiertagen den Schwestern gut Geld zugesteckt hat. Ob gewünscht oder nicht, die Schwestern freuten sich sehr.
Was für ein aufwühlendes, emotionales und doch so wichtiges Thema!
Wir haben das in unserer Familie auch schon mehrfach bewältigen müssen und sind auch gewaltig an unsere Grenzen geraten. Eigensinn, Uneinsichtigkeit und Aggression waren an der Tagesordnung. Teilweise wurde auch auf Therapien bestanden ( von Angehörigen ) die mehr quälend waren als hilfreich.
Durch diese umfangreichen Erfahrungen ( auch im Bekanntenkreis) haben wir uns schon vor langer Zeit gekümmert und sowohl eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht verfassen lassen. Die entlasten natürlich auch unsere Kinder, die uns sehr liebevoll verbunden sind. Aber…. wie werden wir uns im Alter verändern? Kein Mensch kann es absehen und unsere Kinder sollen wenigstens wissen, was die Eltern sich wünschen und was nicht! Unsere älteste Tochter hat dazu ein Master Studium und die entsprechende Expertise und trotzdem ist es bei den eigenen Eltern nochmal anders.
Da unsere jüngste Tochter an einer besonders aggressiven Form der MS leidet, werden wir unsere Wohnungsorte alle in die Nähe verlegen, so dass wir uns gegenseitig unterstützen können!
Allen Betroffenen viel Kraft und vergesst Euch und Eure Bedürfnisse nicht!
Liebe Grüße
Wir haben keinen Fachkräftemangel! Wir haben einen Mangel an Personen die sich noch gerne für eine Armutsrente ausbeuten lassen wollen. Oder so wenig verdienen das sie die Miete nicht mehr bezahlen können. Wir haben einen Mangel an Billiglöhnern. Die Politik läßt sich auch jeden Mist erzählen. Gut ausgebildete Fachkräfte ab einem gewissen Alter sind arbeitslos, weil zu teuer. Die will niemand. Selbst erlebt vor meinem Umzug, das wurde mir auch direkt vom Arbeitsamt und Arbeitgebern so bestätigt. Was ich mich freuen könnte, das die schlecht bezahlten Frauenberufe, Gott sei Dank aussterben. Die Generation Z ist nicht so blöd wie wir. Da werden wir alle drunter leiden, aber es ist gut so.
Ich habe mit dem Beginn der Pandemie ein „Testament“ gemacht (Dokument für meinen Mann/die Familie, in dem alles verteilt wird, das reicht in meinem Fall), obwohl ich erst Anfang 30 war. Nachdem alle lautstark riefen, die Alten und Vulnerablen könnten ja eh weg (über Tod sprechen wir schon, nur eben euphemistisch und wenn wir denken, es würde nicht uns selbst betreffen), habe ich ziemlich Angst bekommen, und letztes Jahr war ich dann krank genug, um zu denken, dass das Testament eventuell bald nötig werden könnte. Mit meiner Oma (stolze 101) habe ich auch schon vor Jahren darüber gesprochen, was sie will.
Ich habe aber auch das Gefühl, dass meine Hausärztin mich für paranoid erklären würde, wenn ich sie nach einer Patientenverfügung frage. Ums Alter mache ich mir schon etwas Sorgen, aber so langsam denke ich fast, meine Generation wird eventuell vorher mit dem Verscheiden unseres Planetens zu tun haben…
Die Patientenverfügung habe ich bei der Notarin gemacht; sie kostet natürlich etwas. Der Hausärztin könnte man damit beikommen, indem man argumentiert, dass Unfälle zumeist plötzlich passieren. Covid würde ich mal gar nicht nennen, denn darauf reagieren mittlerweile viele Hausärzte allergisch; aber sie sind es auch gewohnter, Sterben der anderen zu sehen.
Zu Anfang der Pandemie hatte ich das Testament erst handschriftlich neu verfasst und etwas später zusammen mit der PatVerf auch durch die Notarin nach meinen Wünschen formulieren lassen.
Danke Dir, dass Du aussprichst, was sonst überall totgeschwiegen wird (von wegen Aufarbeitung):
Der teilweise laut formulierte Gedanke, die Alten und Vulnerablen könnten weg – das hat mich auch erschreckt; ich empfinde das als zutiefst eugenisches Gedankengut. Erschreckt hat mich auch (und tut es noch immer bzw. zunehmend) die Wurstigkeit ganz vieler, denen es egal zu sein scheint, ob sie jemanden anstecken, der vielleicht keine so gute Immunität auf die Impfungen entwickelt; jedenfalls tun sie nichts dagegen.
Auch im so genannten Gesundheitswesen. Im Umfeld musste sich jemand Liebes wegen Blinddarm ins Krankenhaus; wurde dort angesteckt, frühzeitig entlassen und starb zuhause. Schlaganfall. Und wieder einmal kein unnötiger Todesfall durch Covid.
Ich bin es so leid.
Ich danke dir für deine nette Antwort. Ich selbst muss ich aufgrund einer Autoimmunerkrankung besonders schützen, werde aber ständig vom medizinischen Personal doof angeguckt, weil ich noch Maske trage. Meine Zahnärztin, die mir hoch und heilig meine Sicherheit versprochen hatte, hat während der Behandlung ihre Maske abgenommen und mich angesteckt, und nachdem ich dann ein halbes Jahr elendig krank war und massive Einkommensausfälle hatte (bin selbstständig), geht es mir wieder halbwegs, aber ich kann nicht mehr zum Zahnarzt oder zur Magenspiegelung etc. gehen, ohne Angst haben zu müssen. (Und ja, ich hatte wenige Monate davor erst noch einen Booster.)
Muss mal gucken, ob ich das beim Notar machen lasse, wenn es hier geht.
Schön, dann bin ich wenigstens nicht die einzige mit Maske (macht übrigens glatt fünfzehn Jahre jünger, wenn ich mir die Flirts der letzten Jahre so ansehe).
So ein paar gesundheitliche Beeinträchtigungen, die im Zusammenhang mit Covid Risikofaktoren sind, habe ich wie so viele auch, dazu ist mein Mann schwer herzkrank. Deswegen tragen wir beide seit Anbeginn gute und dichtsitzende FFP3 – und waren seither keinen Tag krank. Wir testen uns noch und wissen daher, dass wir nie infiziert wurden.
Im Gegensatz zu Kollegen und Freunden; viele haben eher neuerdings und eher in jüngerem Alter als ihre Eltern Herzprobleme (echt viele unter 50 mit Vorhofflimmern, Infarkten) oder Konzentrationsprobleme usw. Covid ist eine Gefässkrankheit, es gibt Hinweise auf Persistenz, und ich brauche meine Gefäße noch, offensichtlich im Gegensatz zu anderen.
Ich kann es mir auch nicht leisten, auszufallen, weil es welche gibt, die gerne meine Position hätten; aber jetzt sind die irgendwie dauernd angekränkelt und gar nicht mehr so auf Zack, also eher keine echte Konkurrenz mehr. Well.
Was mich wirklich wundert, bei all der fast schon grundsätzlichen Kritik an Regierungen – wenn die signalisieren, die Pandemie sei vorbei (nicht laut WHO), dann wird das plötzlich geglaubt, weil es dem Faulpelz in einem in den Kram passt. Der Klimawandel ist ja de facto genauso egal.
Die Pandemie schadet der Wirtschaft, aber anders als gedacht, gar nicht einmal so sehr unmittelbar sichtbar beim Konsum oder in der Gastro (man könnte das alles auch safe organisieren, wenn man nur wollte), sondern über Umwege durch Arbeitsausfälle und Personalmangel, und das wiederum befeuert die Rezession. In GB (da weiss man die Zahlen, weil die unabhängigen Behörden sie dort noch erheben, im Gegensatz zu anderen Ländern) sind jetzt schon viele zu junge wegen Krankheiten aus dem Arbeitsmarkt geflogen.
Aber Politik ist auf Kurzfristigkeit und möglichst wenig Arbeit angelegt, schön populistisch mit Blick auf die Wahlen.
Unglaublich, dass Dich die Zahnärztin trotz aller Zusagen angesteckt hat! Das tut mir so leid; und erst die Folgen, die das Ausziehen der Schutzmaske für Dich hatte. Das war in der Klinik auch so, denen war das komplett egal; mit noch schlimmeren Folgen.
Was ist nur aus dem Lippenbekenntnis, dass man Patienten vor Schaden bewahren will, geworden. Nur Worte, keine Taten.
Das kommt davon, wenn sie die Mittel und Erkenntnisse, die wir haben, nicht anwenden; so doof kann man doch eigentlich gar nicht sein.
Der Semmelweis-Reflex lässt herzlich grüßen.
Wir haben auch gute und ausreichend grosse Luftfilter gekauft (helfen auch prima bei Feinstaub und Pollen), für zuhause und das Büro, und kleine zum Mitnehmen. Das können Ärzte auch, denn teuer sind sie nicht mehr. Wenn ausgerechnet der HA klagt, dass sie jetzt dauernd krank sind und teuren Arbeitsausfall haben, dann liegt das am ausgesteckten Luftfilter (eh zu klein) und daran, dass sie keine Masken tragen; er hat gerade ruhmreich Runde 5 hinter sich, eine echt nette, aber offensichtlich gar nicht mal so kluge MFA hat jetzt Long Covid, trägt aber keine Maske – finde den Fehler.
Nie hätte ich gedacht, dass ich mal den Spruch loslassen würde: wo sind wir nur hingekommen. Es muss erst weh tun, bevor man auch selbst („eigen“-)verantwortlich handelt (Konzept ‚Lernen durch Schmerzen‘).
Dir alles Gute, Du bist nicht alleine.
Danke dir. Leider wissen du und ich, dass Covid eine Gefäßkrankheit ist, immer noch gefährlich, man nach einer Runde nicht immun ist, die Impfung (die bei vielen ja eh ewig her ist) nicht vor Ansteckung schützt usw. usw. Aber wenn unsere Ärzt:innen es nicht wissen oder nicht wissen wollen, dann geht es halt oft nicht weiter. Ich war nach der Ansteckung wie gesagt extrem krank, und man hat sich zwar überall bemüht, aber mich a) trotzdem wegen der Maske belächelt und b) nicht viel tun können, da man ja die Langzeitfolgen von Covid noch nicht therapieren kann, höchstens Symptome behandeln. Ich darf jetzt auch mit 34 Betablocker nehmen und habe nächsten Monat eine Kipptischuntersuchung. Es ist echt zum Heulen, wenn ich vor jedem Arztbesuch überlegen muss, ob es die eventuelle Ansteckung wert ist (Zahnarzt und HNO gehen ja schlecht mit Maske, und Luftfilter mitschleppen, wenn überhaupt möglich/erlaubt, reicht halt auch nicht bei hoher Virenlast.) Ich müsste dringend einen Zahn machen lassen und überlege hin und her, wo und wann es am ungefährlichsten sein könnte…
Das klingt gar nicht gut. Mit 34 Betablocker! Das ist doch eigentlich viel zu früh. Hast Du manchmal Herzrasen?
Zum Zahnarzt war ich leider auch länger nicht mehr, aber versuche doch vielleicht einen ganz frühen Termin zu bekommen, bestehe auf voriges Lüften und das Tragen von Masken im Raum, und kleine Luftfilter (ToGo-Filter) kannst Du Dir ins Gesicht halten, dazu Algovir oder Virx. Noch besser wäre BioBlock aus Estland, ist aber teuer. Danach Rachenspray Repha Os. Vielleicht findest Du einen Zahnarzt, der mit „Clean Air“ wirbt – der dürfte für Dein berechtigtes Anliegen Verständnis haben, und nicht unverschämterweise die Maske belächeln.
Wer sich nicht aus eigenem Antrieb weiterbildet, hat bei Neuerungen oft auch wenig Ahnung; das ist wie in jedem Beruf. Viele Dinge, wie aktuellste Impfungen (gegen ganz anderes), muss man selbst anregen.
Die angepasste Impfung gegen Covid ist in dieser Saison sogar ziemlich gut (XBB), deutlich besser als der Schutz bei der Grippeimpfung; gemeint ist ja der Schutz vor schweren Verläufen, zu Anfang etwas vor Ansteckung, plus Risikoreduktion für Long Covid.
Gross kommuniziert wird das komischerweise aber nicht, lieber wird Impfstoff weggeworfen, was m.E. total schräg ist.
Ohne angepassten Booster gibt es diesen besseren Schutz dann eben nicht mehr. Die Übersterblichkeit in D beträgt allein im Januar 2024 im Vgl. zu den Jahren vor der Pandemie satte 12 % (Destatis).
Wie sehr auch Omikron reinhaut, konnte man an der gleich hohen Sterblichkeit der ungeimpften älteren Bevölkerung in Hong Kong sehen. Das, was uns als mildes Virus verkauft wird, liegt an der gewissen Immunität durch Infektion u/o durch Impfungen.
Nach ein paar Covidinfektionen haben einige ziemliche Gesundheitsschäden angehäuft, logisch; logisch ist auch, dass man sich danach auch mehr andere Infektionen einfängt, die auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig sind. Kollegen halten Dauerkrankheit mittlerweile aus unerfindlichen Gründen für völlig normal, jammern aber trotzdem herum; so viel Gehuste und Ausfälle um mich herum habe ich in all den Jahren noch nie erlebt, und ich Maskenträgerin darf das dann auffangen. Toll. Wenigstens fängt jetzt ein Kollege nach der wohl dritten Infektion ab und zu auch mit dem Maskentragen an.
Paxlovid wird demnächst auch vernichtet (Ich kenne einige Risikopatienten, die es nicht bekamen, weil wegen is nich; Behandler wussten wohl nicht, wie damit umgehen). Das wird die Nachricht werden, und nicht der fahrlässige Nichtgebrauch von Mitteln.
Auf alle Fälle macht sich die Politik sehr wenig Arbeit – keine Infokampagnen, weniger künftige Ausgaben, wenig Gegenwind durch Schwurbler, einfach weiter so.
Wenn durch die schiere Masse an Infektionen viele viel und früher krank werden, gibt das weniger Wertschöpfung, damit Rezession (sehen wir derzeit in D), mehr Krankenkassenausgaben (seit 2022 mehr Krankheitstage), weniger Rentenzahlungen (wenn, dann eher in Jahrzehnten sichtbar). Wir hätten ja die Mittel, aber man will sie offensichtlich nicht einsetzen. Hochkulturen sehen irgendwie anders aus.
Ich wünsche Dir gute Besserung und dass Dir wirklich geholfen werden kann, von ganzem Herzen! Bleib stark!
Ich finde, dass eine gesellschaftliche Kehrtwende stattfinden muss, und dass die Menschen, die sich um unsere Alten, Kranken und Kinder angemessen, also gut bis sehr gut, bezahlt werden und sorgfältig ausgebildet gehören. Ich bin da mit meinen beiden Eltern schon „durch“ sozusagen, und wie Du auch beschreibst betritt man die Heime jedes Mal mit dem Herz, das einem in die Hose rutscht. Ich bin familiär in Afrika verbandelt, und im Prinzip wäre ich im hohen Alter lieber dort. Mit steigendem Alter gehen dort bemerkenswerte Privilegien einher und alter Menschen werden liebevoller und respektvoller behandelt. Nur leider… ist die konkrete medizinische Versorgung, die ja im Alter auch manchmal massiv werden kann, sehr teuer und nur den Reichen vorbehalten. Auch nicht optimal.