LIFESTYLE: SCHAU NICHT SO BLÖD AUS DER WÄSCHE! RESTING-BITCH-FACE

„Naa, schlechte Laune?“ Man ahnt nichts Böses, ist in Gedanken vertieft, und schon kommen die Kommentare: „Guck nicht so böse!“ „Bist Du krank?“ „Miesen Tag gehabt, was?“ Verdammt, Resting-Bitch-Face!

 

Seit ein paar Jahren trendet der Hashtag #RBF – also Resting-Bitch-Face – in aller Welt, und auf vielen Millionen Gesichtern. Ist doch lustig, dass man für den übellaunigen Look, inklusive runterhängender Mundwinkel und dämmrigem Blick, gleich auch schon einen praktischen Namen gefunden hat.

Die Königin aller Resting-Bitch-Faces ist unangefochten Schauspielerin Kristen Stewart, die ständig in Interviews betont, dass sie verdammt nochmal eine echt nette Person sei, aber die Pressebilder sprechen eine andere Sprache. Oft. Sehr oft. Aber hey, Victoria Beckham ist ihr echt dicht auf den Fersen!

Ein klein wenig arrogant, bitchy, etwas schlecht gelaunt, streng. Das ist niemand, den man nach dem Weg zur nächsten Toilette fragen würde, nicht wahr?

 

Oder man steht zum Beispiel vor der Kaffeemaschine, wartet, dass die braune Brühe einen endlich wieder zum Leben erweckt, denkt sich nichts Böses, denkt wahrscheinlich gar nichts, und dann kommen Kollegen um die Ecke und fragen spitz, ob was mit Oma sei. Einfach mal die Gesichtszüge hängen lassen, entspannen, nicht den Strahlekasper mimen, und schon fällt man (unangenehm) auf.

Ja, scheinbar gibt es Menschen, die in jeder (also wirklich JEDER) Lebenslage den Blick eines Models drauf haben, welches gerade an einem karibischen Strand einen Millionen Dollar Vertrag unterschreibt, nachdem es kurz zuvor noch dem Dalai Lama einen echt lustigen Witz erzählt hatte. Ich gehöre nicht dazu.

OK, bei Männern nennt sich das übrigens Resting-Asshole-Face, was ich deutlich gemeiner finde. Trotzdem kann ich nicht 24/7 meine Gesichtszüge kontrollieren. Das war schon früher so, mit dem Unterschied, dass man Anfang der 90er Jahre mit dem übellaunigen Look noch problemlos als „geheimnisvoll“ durchgehen konnte:

KK 1992

 

Heute ist es noch schwieriger Fotos zu finden, auf denen man einfach mal so schaut, wie man sich tatsächlich fühlt. Dank Instagram und Co. werden eigentlich nur noch Beauty-Pics akzeptiert. Gerne mal platt, müde und ausgelaugt? No way! Aber so sieht man doch nun mal aus, wenn man zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag auch noch eine fette Sporteinheit absolviert hat:

KK 2019

 

Manche Leute finden es ja sogar unhöflich, wenn man nicht permanent lacht. Kann ich teilweise sogar verstehen, denn in vielen Jobs braucht es dann schon eine gewisse professionell-freundliche Grundhaltung. Aber privat ist privat, und wenn man dann nicht mal einfach seinen Gesichtszügen Ausgang gewähren darf, dann weiß ich auch nicht weiter. Lachen ist bestimmt nicht überbewertet, aber es ist so wie mit dem schönen Wetter: Das kann man auch nur schätzen, wenn man auch mal das Donnerwetter erlebt hat.

Besonders schwierig wird die RBF-Situation, wenn man dazu auch noch gerne mal ein wenig sarkastisch ist. So wird man schnell als unsympathisch, schroff und streng wahrgenommen. Blöd nur, wenn eigentlich ein ganz netter Zeitgenosse dahinter steckt. Aber gerade eine flapsige und eher unkonventionelle Art gerät immer mehr aus der Mode.

Man hat beinahe den Eindruck, die Menschen verlieren völlig ihre Empathie. Sie spüren nicht, sie analysieren und ziehen ihre Schlüsse. Kein Wunder, dass man heutzutage kaum noch ohne hunderte von Emojis auskommt. Mittlerweile muss man die Dinger ja schon in der Offline-Welt als kleine Täfelchen zum Hochhalten mit sich führen, damit man ja nicht falsch verstanden wird. Und wehe, die Mundwinkel zeigen dabei nicht mindestens 45 Grad nach oben…

 

 

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(Fotos: Konsumkaiser, Wiki Commons   Keinerlei Sponsoring)

 

 


12 Gedanken zu “LIFESTYLE: SCHAU NICHT SO BLÖD AUS DER WÄSCHE! RESTING-BITCH-FACE

  1. Guten Morgen,
    den Ausdruck resting bitch face habe ich noch nie gehört. Ich scheine es aber auch zu machen, wenn ich in Gedanken bin. Meine Kinder fragen mich ab und an, ob ich etwas habe, und mein Ex hat regelmäßig gesagt, ich soll mal ein anderes Gesicht machen. Ich kann meine Gesichtszüge generell sehr schlecht kontrollieren, zum Pokerspielen bin ich gänzlich ungeeignet. 😉
    Laut meiner Familie und Arbeitskollegen kann man mir alles am Gesicht ablesen.
    Nach dem Lesen deines Beitrages stelle ich mir die Frage, wer den Ausdruck resting bitch face etabliert hat und ob die Leute sonst nichts zu tun haben. Den Ausdruck für Männer finde ich ganz schlimm.

    1. Hallo Anja, „erfunden“ hat die Bezeichnung die US Journalistin Taylor Orci, die es auch satt hatte, immer und überall auf ihr trauriges Gesicht angesprochen zu werden.
      Es ist ja auch tatsächlich was dran.
      Der heutige Blogpost wirkt durch mein Bild vorne so depressiv und traurig, dabei soll er ja auch ein klein wenig witzig sein. Der Gesichtsausdruck ist eine enorme (unbewusste) Informationsquelle für unser Gegenüber.
      Bleib so wie du bist. Die, die dich kennen, kennen ja deinen wahren Charakter. 🙂
      Liebe Grüße
      KK

  2. Guten Morgen,

    ich höre von dem Ausdruck heute auch zum ersten Mal. Dazu fällt mir folgender Spruch ein, der vor einigen Jahren als Meme rumging.

    “„Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen, wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.“

    Einen schönen Sonntag euch allen.

    Aline

  3. Guten Morgen.
    Den Ausdruck habe ich auch noch nie gehört, aber so ein Gesicht mache ich auch immer wieder. Ist mir auch schon öfter gesagt worden, dummerweise meistens beim Tanzen, wo das ja auch so gar nicht hinpasst. Aber wenn ich mich da auf meinen Gesichtsausdruck konzentriere „vergesse“ ich leider die Schritte und das ist doof wenn man Choreographien tanzt…
    Mein Mann kann diesen Gesichtsausdruck übrigens auch; ich habe schon öfter nachgefragt, was denn los sei, weil er so komisch guckt…
    Tja, jetzt sehe ich doch auf einmal den positiven Nebeneffekt der aktuellen Mundschutzpflicht! ;-p
    In diesem Sinne: Habt einen schönen Tag mit lachender Sonne, Steffi

  4. Guten Morgen,

    ja, heute muss alles einen Namen haben. Diesen höre ich auch zum ersten Mal ☹️

    Mein Mann sagt mir häufig, vor allem, wenn ich mich auf eine „feine Arbeit“ konzentriere (ich sach nur: Nadelöhr 😉), ich solle nicht so eine Schnute ziehen. Das hört sich viel netter an 😘

    Schönen sonnigen Herbstsonntag 😊

    Karen

  5. Oh ja, die Sonne soll bitte gerne lachen.
    Ansonsten kenne ich Sprüche, dass ich böse gucke nur zu gut. Auch den Begriff hat ich schon wahrgenommen, aber nicht gewusst, dass es genau das heißt. Wieder was gelernt- KK lesen bildet.
    Für mich selbst hab ich schon vor Jahren beschlossen, dass ich mich für niemanden verstellen will. Wer mich kennt, weiß wie ich bin. Die wahren B….s und Ass… sind doch die, die einen abstempeln, weil man keinen Clown gefrühstückt hat.
    Ich finde, dass die Masken teils praktisch sind (Gähnen sieht keiner), aber auch die Kommunikation behindern. Da ich viel weniger zurückgegrüßt werde, hab ich angefangen mehr Augenkontakt zu halten und meinem Gegenüber beim Grüßen zuzunicken.
    Gerade fällt mir noch ein, dass ich übermäßigen Gebrauch von Emojis auch nicht mag, selber und bei anderen, da fühl ich mich unter Zugzwang. Sie können zwar helfen, aber generell machen sich nicht viele einen Kopf, wie ihre Botschaft gesprochen oder geschrieben ankommt ( Sender-Empfänger, Kommunikationsebenen…).

    LG und schönes Wochenende 🌞

  6. Sehr schön. Hab diese Seite auf der Suche nach Retinal gefunden und mir gleich Absorica bestellt. Mir gefallen die Beiträge sehr gut, besonders die Art und Weise der Berichterstattung. Entspricht meinem Humor. Warum guckst du denn so böse… Alltags frage die an mich gerichtet wird… Wenn ich mich konzentriere, nachdenke, fotografiert werde etc. Etc. Und wenn ich dann noch einen Spruch raushaue (leicht sarkastisch) bin ich eine böse Hexe. Gefällt mir mittlerweile ganz gut und dann antworte ich schon mal auf die Frage :Ich gucke gerne so und grinse dabei ;-). Damit ist das Thema erledigt.
    Habt einen schönen Sonntag

  7. Da hast Du meine Mundwinkel doch gleich nach oben gebogen, vielen Dank!
    Schafft es irgend jemand, permanent everybody’s darling und strahlend gut gelaunt zu sein oder zumindest so auszusehen? Oder sieht das mal wieder nur auf den gestellten Instagram Selfies so aus?
    Dauerkontrolle über sein Gesicht auszuüben ist bestimmt anstrengend und macht mal so richtig üble Laune, die man vorher gar nicht hatte. Auch wenn man so aussah, obwohl man vielleicht einfach nur müde, nachdenklich, konzentriert oder wirklich mal traurig war. Und wenn das nicht den momentan herrschenden Erwartungen entspricht, hat man ja noch den Trost, dass man auch mit hängenden Mundwinkeln immer noch Bundeskanzler/in werden kann!
    Allen einen gut gelaunten Sonntag

  8. Vielen Dank dafür, ich finde es furchtbar, dass nur noch als gut gelaunt gilt, wer dauerhaft strahlt!
    Ich bin ein herzlicher Mensch, der sehr viel lacht – aber wenn ich etwas lese (und mich natürlich darauf konzentriere, weil ich sehr oft Sachbücher lese), werde ich auch so oft angesprochen, warum ich böse gucke… Und ich bin es so leid zu erklären, dass ich nicht böse gucke, sondern mich nur auf etwas konzentriere.

    In Zukunft sage ich „Das ist mein RBF: reading bitch face!“

  9. Lieber KK,
    vielen Dank, dass du auch einmal eine Lanze fürs nicht ständig Gutgelauntsein brichst. Gerade Social media macht mich da verrückt, denn ich möchte durchaus unterhalten werden, möchte Produkte, Mode und Schminktipps bekommen, ertrage auch die Werbung stoisch, aber wenn mich die Bloggerinnen dann ständig feist angrinsen, dann komme ich mir so verarscht vor, weil es ja eben so nicht ist!!!
    All die Blogger und Influencer sprechen doch immer von Authentizität, die sie dann aber überhaupt nicht leben. Ich habe da so ein paar Kandidatinnen, deren Berichte ich durchaus schätze, die aber fast zu Grimassen verkommen sind, weil sie so krampfhaft auf jung, hip und gutgelaunt machen. Sicher müssen sie das, damit auch die Umsätze stimmen. Warum da auch gerade die Schmink….. so extrem geworden ist? Ich mochte ihren Blog, bis sie plötzlich völlig verändert vom Influencervirus gebissen wurde. Da kann ich es eher verstehen, dass andere ihre Blogs aufgegeben haben, das ist ehrlicher.
    Jetzt ziehe ich meine Mundwinkel wieder etwas höher und freue mich auf den Beitrag morgen auf KK!! 🙂 😉 🙂

  10. Oh ja! Das kenne ich auch nur zu gut. Ich bin schon seit der Kindheit kurzsichtig und schaue dadurch meist auch noch mit etwas zusammen gezogenen Augenbrauen, wenn ich mich konzentrieren muss. Das schaut dann besonders grimmig aus :-))
    Im Übrigen finde ich die immer gleichen Dauergrinsgesichter (Abkürzung von mir = FSF = frozen smile faces) wie z.B. Frau Meis überhaupt nicht authentisch. Der Mensch ist Mensch und keine Grinsekatze

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