LIFESTYLE: KLAPPRIG, RAUSCHEND UND VOLLER CHARME – MIXTAPES

Letzte Woche stellte ich mit Schrecken fest: All meine alten Audio-Kassetten sind verschwunden. Irgendwer (vielleicht sogar ich selbst) hat sie in einem Marie Kondo´schen Aufräumwahn beseitigt. Unauffindbar. Im Müll. Das mag für viele Leute nicht erwähnenswert klingen, für mich waren diese Tapes jedoch der Soundtrack meiner Jugend…und ein paar Jährchen mehr. Erinnerungen werden wach.

 

 

Glaubt man den Trendforschern, sind Kassettenspieler das nächste große Ding, nach dem Plattenspieler. Retro ist weiterhin ziemlich angesagt, und so ist es nur logisch, dass die Millennials nach einem neuen, seltsamen und gleichzeitig faszinierenden Spielzeug suchen, das wir alle längst kennen: Die Kassette und das dazugehörige Abspielgerät.

Ist ja auch klar: Eine Spotify Playlist hat ein Halbwertszeit von 2,5 Stunden. Im besten Fall hört man sie einmal durch, wenn man nicht eh weiter springt und springt und springt und…

Ein altes Mixtape hingegen, hat eine Lebensdauer von Jahrzehnten! Ich habe, nein ich hatte, noch ca. 200 Kassetten in weit entfernten Winkeln meiner Behausung versteckt. Dazu einen sehr gut gepflegten und teuren Sony Walkman. Den Klassiker mit dem schicken Design.

Alle Jubeljahre habe ich eine Kassette herausgeholt, den Walkman feierlich geöffnet und vorsichtig das klappernde Plastikteil mit den lustigen „Zahnradaugen“ und dem kostbaren Magnetband eingelegt. Kopfhörer auf, die Play Taste gedrückt, und schon beginnt die Zeitreise. Egal welchen Teil des Bandes man erwischt, man weiss sofort um welches Lied es sich handelt, was als nächstes Lied kommt und wo die peinlichen Sprünge auf der Platte sind, als man eben diese auf das Band kopierte. Wenn nur die schauerliche Qualität nicht wäre. Leiernde Songs, übles Rauschen und mangelhafter Stereosound lassen die heutigen Ohren fast schon bluten. Aber wir zeigen ja guten Willen.

Jede Strophe kann man mitsingen, jedes damalige Gefühl wird wach, und plötzlich sitzt man wieder in seinem Jugendzimmer vor dem Stereotower, mit einem Berg Platten vor sich. Stundenlang wurde damals überlegt, aufgelegt, verworfen, gehört, überspielt…bis endlich DER perfekte Mix beisammen war. Das dauerte Stunden, liebe Millennials!

Die Mischung machte es: Es durfte nicht eintönig werden, es sollte abwechslungsreich klingen. Gute alte Songs, aber auch überraschend Neues, damit die Freunde ehrfürchtig dem erlesenen Musikgeschmack des jugendlichen Mixtapehelden lauschen konnten. Es musste immer besser sein als die Sendung „Formel Eins“ es machte, die mit ihrer Tendenz zu schrammeliger Rockmusik meist nicht so richtig meinen Geschmack traf. Für mich musste es High Energy sein, elektronisch, bloß keine Gitarren, gerne düster und monoton.

So gewagte Kombinationen wie zB. Propagandas „Dr. Mabuse“ gepaart mit „Alphabet Street“ von Prince. Dazu noch ein Priese Guesch Patti und ihr herzzerreissendes „Etienne“, gefolgt von Ofra Haza, die „Im Nin´alu“ beisteuern durfte. Um die Verwirrung komplett zu machen, folgte bei mir dann immer DER Bruch, und die Münchner Freiheit konnte mit „Ohne dich“ auftrumpfen. Pure Gefühle, komprimiert auf zweimal 30 Minuten, vielleicht auch 45.

Zig Kassetten folgten meinem Muster, in meinem Auto herrschte immer gute Laune, die Stereoanlage taumelte von Bewährungsprobe zu Bewährungsprobe, nur Bandsalat konnte meine Euphorie stoppen. Bandsalat war das, was Millennials heute empfinden, wenn sie ihr Handy verlieren: Eine Katastrophe! Meist war der gute alte Bleistift die Rettung.

 

 

Doppelt bis dreifach Katastrophal wurde es, wenn es sich um ein geschenktes Mixtape mit Bandschaden handelte! „Willst du mir gehen?“ war ja so 70er, langweilig. In meiner Jugend schenkte man sich ein mit Schweiß, Blut und endloser Liebe getränktes Mixtape und die Sache war klar. Großes Kreuzchen bei „JA“, keins bei „Nein“ und „Vielleicht“. 😉

Was auf dem kleinen weißen Klebeschildchen mitten auf der Kassette stand, das galt! Höhepunkt des hormonellen Rausches war eine von mir geklöppelte Kassette mit der Aufschrift „Je t´adore Mix“, die ich an eine ganz besondere Person vergab, die damals einen großen Eindruck auf mich gemacht hatte. Übrigens sehe ich diese Person heute noch öfter im TV und prompt muss ich immer an diese unfassbar tolle Kassette denken. Ob es den Je t´adore Mix wohl noch gibt?

Jede Jahreszeit hatte ihre Mixtapes, und man kann sich vorstellen, dass mir die Sommermixe immer besonders am Herz lagen. Das heiße Wetter, die scheinbar unendliche Jugend, die Wildheit, das Gefühl der Unsterblichkeit in uns. Erste Nächte ausser Haus, im Urlaub das erste eigene Hotelzimmer, man war fast erwachsen und das Leben schickte die ersten verführerischen Kostproben der Freiheit. Immer im Schlepptau: Die Musik der Zeit.

Im Winter wurde es ruhiger, da überwogen gerne mal die Balladen. Man hatte aber auch mehr Zeit, saß öfter in seinem Zimmer und stellte sich die „Best of“ Kassetten des jeweiligen Jahres zusammen. Schaut man sich heute seine Jahrescharts an, hat man den perfekten Überblick über die Gemütslage eines Teenagers im Laufe eines Jahres. Von gellendem Glück bis hin zu tropfenden Tränen, es war alles dabei.

 

Und nun sind sie weg!

 

Ich finde sie nicht mehr, kann mich aber auch nicht erinnern, dass ich sie weggeschmissen habe. Wie kann man sich an den heiligen Mixtapes vergreifen? Wer wirft sowas weg? Hätten die Kassetten die Motten verspeist, ich hätte es eingesehen. Aber dermaßen sang und klanglos, einfach verschwinden, ohne Good Bye?

Mir schmerzt das Herz, und ich fühle mich beraubt. Es ist, als wäre ein Teil meiner Jugend für immer von mir genommen worden. Die Zeitmaschine, der ich so viele schöne Momente der Nostalgie und tiefen Erinnerungen verdankt habe, ist nicht mehr da.

„Schau nach vorne, in Erinnerungen schwelgen nur alte Leute!“ Na und? Was ist schlimm an alten Erinnerungen? Ich habe eh das Gefühl, es täte vielen Menschen in meinem Alter gut, sich an das Gefühl ihrer Jugend zu erinnern. Erwachsen sein, vernünftig sein, Verantwortung haben, Kinder haben, Enkel haben. Gut und schön, aber stirbt dadurch der wilde und junge Mensch, der einst in diesem Körper lebte? Nein, der ist immer noch da, irgendwo, in einem kleinen Eckchen hat ein Teil davon überlebt. Und wir täten alle gut daran, diesen Teil in uns ab und an wiederzufinden. Wenn Musik dabei hilft, wie wunderbar…

.

 

 

(Fotos: Konsumkaiser, Pixabay    Keinerlei Sponsoring)

32 Kommentare

  1. Guten Morgen, vielen Dank für die schöne Zeitreise. Ich habe meinen ersten Radiokassettenrecorder zu meinem 6. Geburtstag bekommen und ab da Lieder aus dem Radio und TV aufgenommen.
    Mein großes Vorbild war mein Vater, er hatte ein gutes, mehrspuriges Tonbandgerät und war auch Musik begeistert.

    Vom TV habe ich die ersten Jahre mit einem Micro, das ich vor den Lautsprecher hielt, aufgenommen. Natürlich kam meine Mutter ständig ins Zimmer und sprach mit mir, was dann auch auf der Aufnahme zu hören war.

    Telefongespräche mit Freunden habe meine Freundin und ich auch aufgenommen. Ja, heute ist es ganz unkompliziert, aber damals musste man mitunter kreativ sein.

    1. Aus dem Radio habe ich auch gern aufgenommen. Welch schöne Erinnerungen, wenn man auch noch die Stimmen seiner Lieben hört. 🤗
      Damals hat es genervt, heute ist es ein Schatz.
      Liebe Grüße!
      KK

  2. Guten Morgen! Ach wie schön – ich habe auch noch Mixtapes 🙂 allerdings nur noch 5 oder 6 (ih weiß aber, wo sie sind… ORDNUNGSFANATIKER). U.a. ein Tape, dass mir mein Exmann 1988 geschenkt hat und die Musik ist immer noch gut, eher Independent (als es noch Independent war). Und *räusper* eine Kassette mit den eigenen Musikversuchen zusammen mit einem Freund, singen gehört nicht zu meinen herausragenden Eigenschaften…

    Und Spotify: ich habe mir meine eigenen Playlists angelegt, einiges alte, aber auch viel neues und bei Spotify gibt es auch viel ungewöhnliches Zeugs. Ansonsten bin ich wieder zu SWR3 übergegangen…

    Einen wunderbaren Sonntag wünsche ich dir!

    LG Irit

    1. Ordnung täte mir wohl tatsächlich gut. 😉
      Auf den Kassetten finden sich ja oft auch Sachen, B Seiten und so, die kriegt man im digitalen Musikshop gar nicht mehr. Dann ist der Verlust besonders groß.
      Und ja, haben wir nicht alle mal Gesangsversuche aufgenommen? Huuuuh, da habe ich auch weeenig Talent!
      Herzliche Grüße!
      KK

  3. Guten Morgen!

    .Wie schön beschrieben … und wie wahr 🙂 , ich empfinde das ganz genauso.

    Meine alten Schätze – teils selbst aufgenommen von Schallplatten, oder quasi auf der Lauer liegend beim Radiohören (großes Ärgernis, wenn der Radiosprecher in die Musik hineinquatschte ;-)), teils Kaufkassetten wie z.B. FGTH’s geniales „Welcome to the Pleasuredome“ oder auch der Soundtrack der Fernsehserie Miami Vice mit „Crockett’s Theme“ – bescheren mir jedes Mal eine emotionale Zeitreise.

    Unnötig zu erwähnen, wie sehr mir fast alle Titel heute noch gefallen 🙂 ….

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Deine musikalischen Jugenderinnerungen doch noch irgendwo auftauchen und vielleicht nur ganz besonders gut umgeräumt und verstaut wurden.

    Liebe Grüße, Ursula

  4. ja, so war’s. habe auch viel mit meinem Sony Kassettendeck aufgenommen.Das wurde in einer grossen Aufräumaktion entsorgt.. Nur meine Plattensammlung lebt noch und diese werden auch noch abgenudelt. Danke für die Erinnerung. 🥰Mit Spotify und Co habe ich nix, laufe mit Stöpsel im Ohr nicht durch die Gegend, dafür ist im Ohr ein Hörgerät.. toller Wechsel, oder?
    geniesst das Wetter,heute noch sehr erträglich

    1. Es gibt ja jetzt Hörgeräte, die man per Bluetooth mit der Stereoanlage (oder Handy) koppeln kann. Dann werden die zu Kopfhörern. Wäre das was?
      Liebe Grüße!
      KK

      1. Guten Abend, das ist technisch tatsächlich möglich und auch ziemlich cool, wenn man ohne Kabel und via App agieren kann, aber leider lässt die Qualität in Bezug auf Musik zu wünschen übrig. Also lieber Hörhilfen raus und ‚normal’ Musik hören. Nichtsdestotrotz, die kleinen Geräte im Ohr erhöhen die Lebensqualität immens!!

      2. Ich habe auch ein Hörgerät, welches mit Bluetooth mit meinem Smarphone verbunden werden kann, Ich habe so ein kleines Gerät, welches diese Übertragung möglich macht und kann auch als Freisprecheinrichtung zum telefonieren genutzt werden (habe ich zu meinem Hörgerät dazu gekauft). Gute Sache.

  5. Ich suche eine Möglichkeit meine Kassetten in elektronische Form zu bringen. Das sind Konzerte darauf oder Mix hon Songs von lieben Menschen die teilweise nicht mehr leben.
    Hätte jemand hier Tipp für die Umsetzung?
    Vielen Dank!

    1. Liebe Ombia, es gibt Kassetten-Digitalisiergeräte (Kassette einlegen, USB-Stick einstecken, beim Abspielen wird alles auf den Stick gespeichert) oder Dienstleister, die das für einen übernehmen. Eine deutsche Freundin hat das z.B. mal über Medienrettung.de machen lassen. Wird aber sicher noch andere Anbieter geben.

      LG Ursula

      1. Bei solchen Geräten gibt es aber Qualitätsunterschiede. Ich habe in meinem Beitrag weiter unten davon geschrieben, dass mein Freund für mich Kassetten digitalisiert hat. Das Ergebnis war in meinem Fall grottenschlecht, bis düster nicht hörbar…. Kommt eben auf das Digitalisierungsgerät an und in welchem Datenformat man eine Kassettenaufnahme konventiert.

    2. Hallo Ombia,
      dafür gibt es auch externe Dienstleister, aber die nehmen natürlich ordentlich Geld.

      Wenn es sich um mehre Aufnahmen handelt, dann lohnt es sich, ein paar Euro in die Hand zu nehmen und sich ein Gerät wie folgende anzuschaffen.
      https://www.pearl.de/a-ZX1762-1240.shtml
      Gibt es z.B. auch nur für Kassetten. Wenn Du bei Amazon „Kassetten digitalisieren“ eingibst, dann werden jede Menge Geräte aufgelistet, die wie ein Walkman aussehen von damals und teilweise unter 30 Euro kosten. Die meisten benötigen allerdings eine PC, den hat heute ja nicht mehr jeder. Gibt aber auch welche als Stand alone Geräte. Die codieren Dir die Kassetten gleich auf USB Stick oder Karte in digitaler Form.

  6. Schöner Text. Ich hab auch keine Tapes mehr, vermisse sie aber auch nicht. Dafür finde ich heute sogar digital Songs aus meiner frühen Kindheit, die ewig verloren schienen und mein Vater auf dem Spulentonbandgerät hatte, der Musik sehr liebte, ich hab das von ihm. Ab und zu mache ich eine Zeitreise und höre mir intensiv Musik von früher an.

    Wenn ich an meine Jugend denke, denke ich jetzt auch an Leidenschaften, die mir nicht wirklich gut taten, ich mochte auch Zerstörerisches und Destruktives, das Gefühl, mit meiner Art völlig allein zu sein, und wenn ich das jetzt höre, tut mir mein jüngeres Ich schrecklich leid. Ich bin deswegen überhaupt nicht nostalgisch und glaube, ich hatte nie bessere Zeiten als jetzt. Ich hab eher mal vergessen geglaubte Stimmungen und kann mich für kurze Zeit intensiv rein begeben. Aber von der Reihenfolge abgesehen, gibt es nichts, was es nicht noch geben würde.
    Youtube ist da toll. Hörst du dir einen alten Schinken an, werden dir daneben noch andere angezeigt und so gucke ich mir ab und zu über Stunden Musik von früher an und was Sänger und Bands noch gemacht haben.

    Ich hab neulich „Bohemian Rhapsody“ gesehen, obwohl ich kein großer Fan von Queen und ihrer Richtung war, aber ich liebe Rami Malek, den Hauptdarsteller. Danach hab ich mir mal viel von Queen auf youtube angesehen, u.a. den direkten Vergleich des Beitrages bei „Life Aid“ Film und echtes Konzert und u.a. ein Duett von Freddy Mercury und Celine Dion von „The Show must go on“, das ich bemerkenswert fand. Aber das Beeindruckendste war ein Clip von Bohemian Rhapsody gesungen von Zuschauern im Hyde Park London, vor einem Green Day Konzert. Es war eigentlich Musikuntermalung, bevor das Konzert losging, aber alle sagen mit. Ich hab selten so etwas Magisches gesehen. Aufgenommen ein Jahr, bevor der Film heraus kam. https://youtu.be/cZnBNuqqz5g

    1. Was für ein Youtube-Video…. Wer schneidet denn um diese Uhrzeit schon Zwiebeln! 😉
      Absolute Gänsehaut…..

      Bin Jahrgang ´83 und damit ein wenig zu jung, um die Ära Queen bewusst miterlebt zu haben. Das war eher die Musik meiner Eltern. Wenn man musikalisch nicht komplett weltfremd aufgewachsen ist, kennt man aber selbstverständlich trotzdem sehr viele Stücke. Bohemian Rhapsody ist ein verrücktes, zeitloses Meisterwerk und mit Freddy Mercury hat die Welt eine Ikone verloren. Ich weiß nicht wieso, aber solche Musiker gibt es heute einfach nicht mehr. Von den ganz, ganz Großen gibt es wahrscheinlich einfach nur eine Handvoll pro Jahrhundert.

    2. Von YT lasse ich mich auch zu gerne inspirieren.
      Queen war ja so gar nicht mein Ding, und in meiner Wahrnehmung fanden genau die falschen Leute die Gruppe gut. 🤣
      Erst mit dem Älterwerden habe die ch einen neuen Blick auf so viele Bands bekommen. Auch schön, wenn man merkt, dass es noch so viel zu entdecken gibt. Besonders wenn man das Gefühl hat, dass vieles von den neuen Sachen einem nichts mehr gibt.
      Liebe Grüße!
      KK

      1. Hast du das Gefühl? Ich höre früher wie heute aktuelle Musik, aber natürlich fehlt auch Zeit, in der man es weiter gut findet, also bis es ein Klassiker wird. Aber wie früher finde ich echte Perlen, die mich packen.
        Da mich früher wie heute die Kombination Musik und Video packt, werde ich auf youtube oft fündig, mitunter sind die Songs schon paar Jahre alt. Wenn mir ein Song gefällt, suche ich sofort das Video. Allerdings ist es mitunter enttäuschend. Der Klassiker: Bikinifrau tanzt, was sie so Tanz nennt.

        Inzwischen ist der größte Teil, der mir angezeigt wird, Musik und Tanzvideos mit tollen Choreografien.

        Ich höre mir auf Apple-Music auch freitags gern die Neuerscheinungen an und höre internationales Radio. Meine Vorliebe: Frankreich. Durch die jahrzehntelange Quote ist deren Musikszene unfassbar gut. Manchmal wechseln meine Vorlieben und ich suche mir einen neuen Sender. Ich hab zwar das Gefühl, dass sich früher die Masse eher auf paar Hits einigen konnte, aber heute gibt es für mich ebenso gute Musik, nur nicht mehr so einfach zu entdecken und mein Geschmack ist auch sehr komplex. Von simplen Beats, über emotionale Songs zu Spartenmusik. Manchmal höre ich einen Namen und suche die Musik dazu.
        Mir ist aufgefallen, dass du auch manchmal Videos verlinkst. Findest du erst die Musik oder das Video? Wie kommst du auf neue Musik?

        Auch liebe Grüße!

        1. Mir fehlt derzeit hauptsächlich eine gute Melodiestruktur. Der refrain ist nicht mehr so wichtig, meist wird auf einen Klimax hin gearbeitet, der dann in einem stumpfen Breakbeat Gewitter gipfelt, aber nix mit Hook, kein erhebender Moment.
          Damit arbeite ich zwar, die harten Beats sind beim Sport meist motivierend, privat kann ich es aber gar nicht leiden.
          Dagegen klingen viele Dinge weichgespült, besonders Remakes. „Aint nobody“ ist heute eine elfenhafte Zumutung mit dem säuselnden Stimmchen, wenn man das Original kennt. Aber der Trend zur Feel Good Music ist ja noch ungebrochen.
          Natürlich gibt es auch andere Beispiele, aber find die mal, wenn du nicht ganz so viel Zeit hast.
          Da ist die YT Empfehlung an der Seite manchmal tatsächlich Gold wert.

          Welche Musik und Videos ich verlinke ist völlig unterschiedlich. Manchmal habe ich das Video gesehen, manchmal zuerst das Lied gehört. manchmal machen mich Musikagenturen auf ihre Acts aufmerksam. Da ist in der Vergangenheit öfter mal was dabei gewesen. Die bieten mir auch Interviews live vor Ort an, leider kann ich da meist nicht. Interessant wäre es allemal.

          Bei den Choreos bin ich derzeit auch eher raus, denn der Style ist mir momentan zu gleichförmig, egal welche Musik interpretiert wird. Immer staccato Bewegungen, gefolgt von weichen, fliessenden Moves. Und immer diese Battle Attitude dazu. Für mich als jemand, der ganz einfach Choreos für Laienkurse entwickelt hat, ist es immer wichtig, dass es zur Musik und Musikbogen passt. Das scheint aber im Mainstream Videodancing nicht mehr gefragt zu sein. da sitzen nur die Akzente.
          Aber ich lehen es nicht vollständig ab, es gibt immer wieder Musik, Videos, Choreos, die mich sofort berühren. bei denen ich etwas spüre, was mich erhebt, etwas klingen lässt. Leider habe ich das Gefühl (oder ist es meine Filterblase), dass ich das früher öfter zu mir passende finden konnte.

          1. Toller Tanz und Choreografien gehen bei mir sehr selten zusammen mit neuer, toller Musik. Ich bin Fan modernen Tanzes an sich und sehe immer wieder Neues, recht wenig allerdings bei kommerzieller Musik. Ein Beispiel ist die Choreografin Janelle Ginestra, hier bei James Arthur, Recovery:
            https://youtu.be/b9snGgsLBtE. Es gibt auch Sänger, die begnadete Tänzer sind, wie Michael Jackson einer war, aber auch Justin Timberlake oder Christine and the Queens https://youtu.be/9RBzsjga73s oder Intraquillité https://youtu.be/9NxBvBC9fKU oder Loik Nottet hier mit Million Eyes https://youtu.be/68EnJITH-5Q
            Selbst wenn mir die Musik nicht immer gleich gefällt, spricht mich das sofort an wie auch ein Musikvideo einen ganz anderen Zugang zu Musik geben kann. Vermutlich bin ich musikalisch auch einfach sehr körperlich veranlagt, war früher so ist heute auch noch so.

            Außer der Hook gab es früher, so scheint mir, auch legendäre Intros, die den ganzen Song bestimmt haben, was mir auch ziemlich fehlt bzw. Ich vermutlich einfach weniger finde.

            Ich höre sehr viel Elektro, was daran liegt, dass ich laufe und dazu immer neue Musik in bestimmten Rhythmen brauche, weil sie mich „fliegen“ lassen. Da sind auch Balladen dabei, aber ich höre sofort, ob etwas funktioniert oder nicht. Der Wert besteht dann nicht in der musikalischen Finesse, sondern darin, dass mein Körper diese Musik sofort in Bewegung umsetzen will. Früher hätte ich gesagt: sie animiert mich zum Tanzen, aber das ist auch noch was anderes.

  7. Was für ein schöner Text! Hier im Süden saß man Sonntags vor dem Radio und hat Ö3 gehört mit der Top 100.. und versucht, den Moment abzupassen, in dem das Lied losging und der Moderator aufhörte zu quatschen.. und wehe, der hat am Ende vom Song reingeredet!
    Bandsalat war schlimm aber noch schlimmer wenn das Band gerissen ist.
    Und alleine das Lesen der Testberichte wegen der optimalen Kassette.. Chrom II und wie die alle hießen 😀.
    Ich drücke die Daumen, dass die Schätze wieder auftauchen!

    1. Oh ja, ich habe viel Geld in die teuren Metal Kassetten gesteckt, habe aber nie einen Unterschied hören können.
      Dolby Rauschunterdrückung fand ich immer ne Mogelpackung, es klang in meinen Ohren nur dumpfer, weniger Rauschen konnte ich kaum feststellen.
      Umd Radiomoderatoren (und DJs), die ins Lied quatschen sind unerträglich! 😉🤣
      Liebe Grüße!
      KK

  8. Herrlicher Text…😍….bin ich voll bei Dir. Habe keine Kassetten mehr und die Platten sind auch nicht mehr da. Aber ich habe noch zwei Stereoanlagen mit Plattenspieler und Doppelkassettendecks😉.

    Schlimm war Bandsalat, der sich um diese Spitze wickelte und dann von dort runtergewickelt werden musste🤦🏻‍♀️🙄

    Ps: die gerissenen Kassettenbänder konnte man auch flicken, in dem man ein Stück Tesa auf die Rückseite des Bandes klebte😉….ja lang ists her.

    Lg

    1. Jawohl, Tesa auf das gerissene Band! Und wenn ich das noch richtig erinnere, dann konnte man doch auf der dem Band gegenüberliegenden Seite so eine kleine Lasche rausbrechen und die Kassette war vor versehentlichem Überspielen geschützt. Kann mich noch an das Seelendrama erinnern, als ich aus Versehen meine Lieblingsmixkassette mit den neusten Top 10 Liedern ruiniert habe.. war noch in der Stereoanlage und unabsichtlich mit neuem Material bespielt.

      Da ist die heutige Sonosanlage natürlich deutlich komfortabler aber ganz im Hinterkopf habe ich immer die Angst, was passiert eigentlich wenn einer das Internet abstellt.. dann ist sie futsch, meine digitalisierte Musiksammlung. Aus dem Grund habe ich noch alle CDs im Keller für den Notfall😬.

  9. Hach ist das schöööön – vielen Dank für die Erinnerungen lieber KK!

    Ich liebe auch heute noch alle Sachen von damals, also High Energy, diesen ganzen Discokram und dann D.A.F., Ideal etc. und dann war ja Wolfman Jack auf AFN, da habe ich auch immer aufgenommen und genau zugehört. Mit seinem Gequatsche auf dem Tape war ich aber echt die Chefin, weil bis dahin noch keiner in meinem Umfeld auf Funk und so nen Sound stand, den W.J. gespielt hat.

    Queen mochte ich erst viel viel später. Und ich fand die Leute, die Queen mögen irgendwie komisch damals. Ich liebte ABBA und tu es immernoch, aber mitsingen muss ich eh bei allem.

    Ich höre nicht oft Musik, weil ich keine Lust auf den organisatorischen Aufwand habe, aber wenn ich mal bei You Tube anfange mit den alten Songs, bin ich Stunden beschäftigt, weil mir gleich wieder so viele Lieder einfallen. Die singe ich alle mit und mein Mann, der 5 Jahre jünger ist als ich, verdreht die Augen – er war damals schon Queen Fan! 😎

  10. Hallo ihr lieben Leute,
    ich habe mich ja schon länger nicht hier gemeldet (lese aber immer fleißig mit). Anlässlich dieses Beitrages muss ich mich auch zu meiner Kasetten-Geschichte äußern.
    Ich habe letztes Jahr vor Weihnachten leider sämtliche noch vorhandenen Kasetten, so ca. 30-40 Stück entsorgen müssen. Ich hatte im letzten Jahr angefangen, alles aufzuräumen (ja ja Marie Kondo auch bei mir….) und dabei habe ich eine Kiste mit Kasetten gefunden. Das meiste davon war tatsächlich selbst aufgenommen oder von Freunden (erste Liebe….) geschenkt worden mit Lieblingssongs. Aber es waren auch Hörbriefe dabei (haben meine Freundinnen und ich früher oft gemacht, weil ich nicht so gut Braile schreiben konnte). Wie gesagt, vor Weihnachten dachte ich, ach ein neuer Kassettenrekorder müsste her. Ich habe bei A….n geschaut und da sollte ein Rekorder fast baugleich mit dem, welchen ich damals wirklich hatte, ca. 60 Euro kosten. Was ? So viel ??? !!!!!
    Egal, ich dachte, den setze ich auf meinen Weihnachtswunschzettel. Als ich das meinen Eltern erzählt habe, meinte mein Vater, probiere erst mal aus, ob deine alten Kassetten noch hörbar sind…. Tja, genau das habe ich dann mit dem CD-Kassettenrekorder meiner Eltern getestet. Nee, wie traurig, man konnte auf den Kassetten nichts mehr hören, selbt mit volle Pulle aufgedreht nix zu machen. Die Kassetten waren hinüber. Ich hatte schon Jahre vorher mal versucht, einige Kassetten zu retten, in dem ich sie von meinem Freund in mühevoller Kleinarbeit digitalisieren lies. Die Qualität war leider mies. Für mich war kaum etwas wirklich gut zu verstehen. Ich bin schwerhörig und da ist es noch mal was anderes.
    Also habe ich meine Kassetten wieder eingepackt und bin nach Hause gefahren. Dort habe ich dann eine Woche gebraucht, bis ich mich dazu durchgerungen habe, meine Kassetten zu zerstören, ja richtig gelesen. Ich wollte sie nicht einfach in die Mülltonne werfen. Hätte ja sein können, das irgend jemand die Dinger möglicheweise aus den Müll fischt und sich denkt, da kann man noch was mit machen… Nee. Ich habe jede einzelne Kassette in die Hand genommen, an die Zeit gedacht, wo ich sie gehört (oder erstelt habe) und dann ordentlich Bandsalat produziert. Ich habe das komplette Band aus der Kassette gezogen und dann zerschnitten und die Reste in den Müllsack gesteckt. Ich sage euch, mir hat das Herz geblutet bei den vielen Erinnerungen und ich hätte echt weinen können. Die Erinnerungen sind mir geblieben, die kleinen Erinnerungshelferlein aber nicht…
    Das war jetzt ein langer Bericht von mir.
    Ich wünsche euch allen eine gute Woche. Ich hoffe, ihr kommt mit der Hitze gut klar. Ich leider nciht so.
    Liebe Grüße
    RuhrCat

  11. Deine Mischung ist aber kühn – „Dr.Mabuse“ und „Ohne Dich“ ! Das kann es nur auf einem handgefertigeten Tape geben !

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