LIFESTYLE: DAS TELEFON STIRBT AUS!

Telefonierst du noch? Oder gehörst du zu den Menschen, die nur noch Textnachrichten per Handy verschicken, die den Festnetzanschluss zuhause gekündigt haben, und die allerhöchstens mal zu Weihnachten die Eltern anrufen? Dann liegst du voll im Trend, denn das gute alte Telefonat liegt in den letzten Zügen. Schade eigentlich, oder doch nicht…?

 

 

Vom Viel-Telefonierer zum Message-Maniac

Die „älteren“ Leserinnen und Leser werden sich noch an eine wundersame Einrichtung erinnern, mit der man als Pubertant seine Privatsphäre vor den Eltern schützen konnte, und trotzdem stundenlang geheime Treffen, den letzten Tratsch oder immer währende Liebesschwüre austauschen konnte: Die Telefonzelle. Glücklich waren die, die ein Telefon im Kinderzimmer hatten, oder wenigstens ein Familientelefon mit echt langer Schnur (und gut dämmende Türen).

Der gelbe Kasten ist ja nun so gut wie fast überall verschwunden, kein Wunder, haben wir doch alle ein Mobiltelefon in der Jackentasche. Aber Moment, ein Mobiltelefon? Müsste das nicht eigentlich Mobiltextsender oder Instamessage heissen?

Wir verschicken Texte, Bilder, Videos, Standorte und was weiß ich denn noch so alles…nur das Telefonieren haben viele von uns eingestellt.

Was saß man früher lange, mit Kaffee oder Tee ausgestattet, bequem auf dem Sofa und brabbelte manchmal die ganze Nacht lang. Ganze Beziehungen haben sich so entwickelt, und die beste Freundin, der beste Freund, halfen auch um Mitternacht noch mit tröstenden Worten bei Liebeskummer. „Der/Die hat dich gar nicht verdient!“ war wohl einer der meist gesprochenen Sätze über die Telefonleitungen unserer Welt.

Wie das heute meist aussieht, kann man sich denken. Piingg….Textnachricht: „XY hat mit mir Schluss gemacht!“ Antwort: „WTF??!!“  Nicht gerade erbaulich und irgendwie traurig.

 

Aber woran liegt das?

Experten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sind sich da einig: Am Stress, den Telefonate verursachen. Man muss nämlich die ganze Zeit über (mehr oder weniger) aufmerksam sein, im richtigen Moment auch Antworten geben, das dann noch möglichst eloquent und mit ansprechender Stimme, denn man hat ja nur einen „Versuch“. Eine Textnachricht kann ich „stylen“, korrigieren, mit Emojis verzieren, und selbst eine Voicemail kann ich mir vorher zurechtlegen, mich räuspern und in prima passender Tonlage vortragen.

Junge Leute kriegen mittlerweile Schweißausbrüche, wenn sich ihr Telefon meldet. Erst überlegen sie, was da wohl so komisch klingeln könnte (Gott sei dank gibt es die Jamba-Klingeltöne nicht mehr). Bis das dann im Kopf ankommt, können sie das Telefonat wegdrücken (sehr beliebt), und nur im Notfall nimmt man halt das Gespräch an. Bäh, wie nervig! „Einstiegsdroge“ war da übrigens der Anrufbeantworter, den in den 90er Jahren wohl jeder hatte.

Telefonate, wenn sie denn geführt werden, sind durchschnittlich auch deutlich kürzer als früher. Grund: Man hat heute Angst vor der langen Pause, dass also die Themen ausgehen. Ausserdem muss man tatsächlich auch ein wenig Schlagfertigkeit mitbringen. In Zeiten, in denen Instagram Scheinwelten vorspiegelt, die eigentlich gar nicht existent sind, ist ein Telefonat ein Ding der Unmöglichkeit. Wie gesagt, es gibt keinen zweiten Versuch, und man kann auch keinen schicken Filter darüber legen. Die Angst davor etwas zu sagen, das man nicht mehr korrigieren kann, ist heute allgegenwärtig.

 

Ich schränke mein Telefonverhalten ein, obwohl es mich eigentlich froh macht

Auch ich persönlich merke es ganz deutlich, dass ich viel weniger telefoniere. Manchmal frage ich mich, wozu ich noch eine Telefon-Flatrate besitze, die 10 Gigabyte Datenvolumen sind mir mittlerweile viel wichtiger geworden. Wenn ich aber mal wieder ein Telefonat mit Freunden oder Verwandten (auch sogar schon mal mit einer Behörde) geführt habe, fühle ich mich froh und beschwingt. Ein schönes Gespräch kann beflügeln, befreien und die Seele trösten. Das werden ein paar Buchstaben auf dem Handydisplay niemals können, da kann man auch noch so viele grinsende Glubschgesichter dazu packen. (Ausser der Kackhaufen, der hat vollste Daseinsberechtigung!)

Ein anderes (mögliches) Problem sehe ich in der Gehirnentwicklung. Mittlerweile weiß man ja, dass Kinder durch handschriftliches Schreiben wichtige Impulse für die Entwicklung ihres Gehirns bekommen. Schreibe ich einen Satz mit dem Stift auf Papier, dann ist das ein ganzheitliches und durchaus auch sinnliches Erlebnis. In der Kombination mit Emotionen (nein, ich meine nicht Emojis!) lernen selbst Erwachsene schneller und leichter.

Ähnlich sehe ich es bei Worten, die nur noch auf Tatsturen in die weite Welt geschickt, und nicht mehr ausgesprochen werden. Als schlimmste Konsequenz befürchte ich Auswirkungen auf die innerste Gefühlswelt, aber vielleicht bin ich auch nur zu ängstlich, und die kommenden Generationen müssen so gestrickt sein, damit sie die rasanten Neuerungen die auf uns zukommen verarbeiten können?

 

 

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(Fotos: Pixabay   Keinerlei Sponsoring)

 

 

35 Kommentare

  1. Lieber KK, Massage Maniac gefällt mit ganz besonders 🙂
    Wo kann ich mich zur Massage anmelden? Schickst du mir eine Message?
    Herzliche Grüße aus Köln

  2. bei uns existiert ein schnurloses Telefon, das auch ausgieb8g belabert wird. Klar, ich habe ein Smartphon, aber viele ältere Bekannte sind nicht so begeistert, vom Mobilstream. Ich telefoniere auch mit Freundinnen meist über Festnetz. WA sehr selten.Mag ich nicht, obwohlich(leider) doch viel mit dem Mobil rumdaddel..
    schönen Tag

  3. Ich telefoniere äußerst ungerne und wenn, dann eher… ähem… effizient. Ich frage, was ich wissen will oder sage, was ich zu sagen habe. Aus. Gut, bissel Smalltalk noch, aber meine Telefonate sind grundsätzlich schnell erledigt. Das kommt wohl gelegentlich ein bisschen unhöflich oder ungehobelt rüber.^^

    @Anrufbeantworter: Ab einem bestimmten Alter sollten die Dinger Pflicht werden, wenn noch ein Festnetzanschluss existiert. Ich sehe es jetzt im Bekanntenkreis. Vorher mehrmals wöchentlich Abzockeranrufe der Kategorie „Hallo Oma, ich bin’s, dein Enkel“ etc., das war schon beängstigend viel und färbt natürlich auch auf die angerufene Person ab, die sich einfach unsicher fühlt. Nun haben wir den alten AB aus dem Keller gekramt, nach viiiiiel Überredungsarbeit anscließen dürfen, et volá: Jetzt rufen nur noch echte Enkel an. 😉

  4. Gerne und lang telefoniert hab ich nur eine kurze Zeit als verliebter Teenager. Vorzugsweise in der Kellerbar meiner Eltern 🙂 Da war ich ungestört.
    Seit ich im Berufsleben bin und schon immer viel mit Menschen zu tun hatte, sei es beruflich oder als Trainer, hab ich eine Abneigung gegen das telefonieren. Wenn man den ganzen Tag mit Menschen reden MUSS, Telefonate führen MUSS, ist man froh im Privatleben davon verschont zu bleiben. Da brauch ich Ruhe und Stille. Das gilt für mich auch für Textnachrichten. Schreib ich auch nicht gerne. Mmmhh….irgendwie komme ich mir grade selbst seltsam vor 😀
    Aber mein Traum von einem perfekten Leben war, schon als Kind, und ist es noch immer, an einem einsamen, Menschenleeren Ort mitten in der Natur zu leben, umringt von Tieren, und Zeit zu haben zum Schreiben von Büchern (2 hab ich schon angefangen), zum Fotografieren und zu Malen.
    Das Telefon brauch ich nicht. Mein Handy nutze ich zu 90% als „immer-dabei“-Kamera.
    Im Grunde meines Herzens bin ich eine Wölfin die am liebsten alleine auf Streifzüge geht……oder halt ein Einsiedlerkrebs 🙂

  5. Ich fühle mich heute regelrecht „ertappt“, denn genauso denke ich über das Telefonieren. Es stresst mich und ich schreibe viel lieber Texte. Deine Beschreibung trifft auf mich zu 100% zu.
    Allerdings bin ich von meinen Kindern genervt, die mir auch nur noch Texte schicken, seit sie aus dem Haus sind. Ich würde sie schon lieber hören. So ist das…

  6. … oh ja, der Kackhaufen hat durchaus seine Berechtigung …zustimm zustimm

    Ich fühle mich auch ertappt, lieber eine mail geschrieben oder eine Textnachricht. Da kann ich auch den Zeitpunkt bestimmen, wann ich die Information /den Text loswerden will.
    Telefonate kommen doch oft zu ungünstigen Zeitpunkten oder man erwischt jemanden zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

    1. Und die Mails und Nachrichten bilden die Zwischentöne nicht ab und zack ist man falsch verstanden oder gar beleidigt.
      Ich erledige in einem kurzen Telefonat – keine 3 Minuten – das was meine Arbeitskollegin in 9 Mails verteilt auf zwei Tage auch erledigt. Und dann verkracht sie sich noch, da etwas sehr leicht missverstanden wird und die Mail – in Eile geschrieben – sehr forsch sich anhört. Bei uns bei der Arbeit sind die Anhänger der Mail Methode nicht sehr effizient bei der Arbeit.

  7. Ich schreibe zwar auch sehr gerne Messages, leider kommen „Zwischentöne“ bei kritischeren Themen nicht immer durch – trotz Emojis
    Ich erinnere mich an ein paar „Message-Gespräche“ mit eher unschönem Ausgang, was man durch ein Telefonat hätte vermieden werden können.
    So etwas stresst mich persönlich mehr als ein Telefonat.
    Und oftmals ist ein kurzes Telefonat auch einfach zielführender. Häufiges Zitat: ich rufe mal eben kurz an, das geht schneller als das getippe 🙂

    Bin aber zum Glück auch keine jüngere Generation mehr, sondern ziemlich oldschool und das ist auch gut so:)

    1. sorry- Satzbau mangelhaft – was man durch ein kurzes Telefonat hätte vermieden werden können sollte das natürlich heißen 🙂

      1. @Neska: Da bin ich ganz bei dir. Ich telefoniere zwar auch ungerne, aber dieses Hin und Her via Kurznachricht, was dann – abhängig von der zu klärenden Sache – durchaus mal ein paar Stunden oder sogar Tage dauern kann… das würde mich fertigmachen und die Geduld hätte ich auch nicht. Auf die Frage, warum man denn da nicht einfach mal kurz telefonieren könne, gibt’s allerdings völlig entgeisterte Blicke, in denen so ein mitleidiges „das verstehst du nicht“ mitschwingt. Da merke ich echt, dass ich doch schon älter bin.^^

  8. Volltreffer, KK. Immer mal wieder fällt mein Blick auf das kleine Schwarze im Wohnzimmer, das etwa zwei- bis dreimal jährlich klingelt. Der einzige Mensch, den ich noch unregelmäßig anrufe, ist meine Mama. Die Tochter kommuniziert ausschließlich und rund um die Uhr schriftlich mit dem Smartphone. Weil ich zwei (wissenschaftliche) Studien zuviel über die Strahlenbelastung nahe des Hirns gelesen habe, telefoniere ich mit dem Handy extrem ungern. Und wenn ich eine neue Bekanntschaft nach ihrer Festnetznummer frage…, komm ich mir vor wie meine eigene Omma ;-D

    Ja, es gibt zahlreiche Untersuchungen zur Auswirkung von Tastenschreiben vs. Handschreiben auf unser Gehirn. Mit unguten Ergebnissen. Was das Lernen betrifft zum Beispiel. Neues Wissen etwa gelangt über die schreibende Hand anders und nachhaltiger ins Gehirn. Und sich sprechend artikulieren zu können (nicht nur am Fon, auch vis-à-vis), ist noch mal eine ganz andere Fähigkeit.

    Warten wir den nächsten großen Stromausfall ab. Dann stehen Leute, die mit der Hand schreiben und rechnen, Karten lesen und direkt kommunizieren können, ganz hoch im Kurs.

    1. Leider hat uns Telekom auf VoIP umgestellt. Für sie billig, für uns nicht. Will heißen, wenn Internet ausfällt, kann man nicht mal die Zeit überbrücken und lange telefonieren. Dann ist alles tot. TV auch.
      Übrigens, von zu Hause aus telefoniere ich – egal ob Festnetzt oder Mobil – in dem ich es auf laut stelle. Evtl. besser wenn das Handy nicht direkt am Ohr ist?

  9. Also es geht doch nichts über einen schönen ausgiebigen Tratsch mit Mutti oder der Freundin! Bei mir wird das Telefonat nicht aussterben

  10. Ach, was bin ich doch für eine altmodische Frau, ich telefoniere oft und lange mit genauso altmodischen Freundinnen und meine armen Söhne müssen das auch aushalten😊, scheint ihnen aber ganz gut zu bekommen.

    Lediglich mit einer sehr entfernt wohnenden Freundin (hallo, liebe Ursula) pflege ich den Schriftverkehr, in dem Fall allerdings per Mail und nicht per WA. Und auch unsere Mails sind oft lang und ausführlich und können fast mit dem persönlichen Gespräch mithalten, aber nur fast.

    Ich erinnere mich an Zeiten, in denen Menschen, die keinen Festnetzanschluss hatten, etwas unseriöses anhaftete, so nach dem Motto: hat wohl seine Rechnung nicht bezahlt.

    Allen einen schönen Tag mit einem angenehmen, persönlichen Gespräch, egal, durch welches Medium, liebe Grüße, Irene

  11. „. Piingg….Textnachricht: „XY hat mit mir Schluss gemacht!“ Antwort: „WTF??!!““

    Großartig! Und so treffend!

    „Ausser der Kackhaufen, der hat vollste Daseinsberechtigung!)“

    Meine Worte! 🙂

    Bei uns in der Stadt gibt es in jedem Stadtteil magentafarbene Telefonzellen und ich finde es gut.

    Ich bin aber in der Tat einer von wenigen die einen Festnetzanschluss haben und auch ein Festnetztelefon nutzen. Zugegeben damit ich günstig mit Ausland telefonieren kann, denn meine Mama und ihre Generation nutzen weder Skype noch Laptop. Smartphone hat sie, ist aber oft damit überfordert – was habe ich wieder falsch gedrückt?!
    Ich bekomme so gut wie keine Anrufe auf den Festnetz und viele Freunde wissen nicht mal das sich so ein Gerät in meiner Wohnung befindet. Auf meiner Bewerbung stand immer Festnetz und Mobil und alle haben nur Mobil gewählt. Obwohl die vom Festnetzanschluss angerufen haben.
    Meine Freunde wollen nicht die Gebühren für Festnetz zahlen, kein Bedarf, heißt es.
    Und viele Hotlines – Shops, Behörden usw. erheben einen viel teureren Satz wenn man sie von Handy anruft. Da steht dann meist, für Festnetzanrufe kostenlos, für Anrufe aus dem Mobilfunknetz 1,00 pro Anruf.
    Ich telefoniere gerne und lang mit meinen Freunden die weit weg wohnen. Wir wollen unsere Stimmen und unser Lachen hören und miteinander lachen und nicht durch die Nachrichten, zeitverzögert. Und es ist viel intimer zu telefonieren als Kurznachrichten zu verschicken. Aber, wir sind für die Jugend von heute eher schon alt und damit rechtfertigen sie unsere seltsame Aktionen wie Telefonate. FaceTime ist ja zeitgemäß.

    Übrigens hasse ich Audionachrichten von WhatsApp und einige Freunde schicken mehrere 2-3 Minuten lange Nachrichten hintereinander. Ich sitze in einer vollen Bahn und verstehe nichts und soll jetzt erfahren ob wir uns gleich treffen oder doch nicht.

  12. Klar „stresst“ Telefonieren viele Leute, weil sie einfach keinerlei soziale Fähigkeiten mehr besitzen.

    Gewisse Dinge sind per Telefon einfach wesentlich schneller zu regeln, Missverständnisse ausgeschlossen. Es findet ein echter DIALOG statt.

    Auf dem Handy ruf ich aber auch keine Leute mehr an, weil die ja immer mit irgendwas beschäftigt (wichtig natürlich!) sind, nicht wirklich zuhören und die Gesprächsqualität unter aller Kanone ist.

    1. Oh ja, das stört mich auch ungemein. Ähnliches beim Autofahren mit der Freisprecheinrichtung. Man hat immer das Gefühl, es wir überhaupt nicht zugehört. Und die ständigen Abbrüche. Es nervt!

  13. Sehr fein beobachtet ! Auf dem Festnetz rufen bei uns fast nur noch Umfrage-Fuzzis an, oder Leute, die mir Spenden abschwatzen wollen oder „die Winzer von Bordeaux“, die mir Kistenweise Wein andrehen wollen. Irgendwo muss mir mal eine Akte als Suffski angelegt worden sein 🙂 Ich selbst schreibe auch lieber, als dass ich telefoniere, tue dies nur noch mit mit meiner Mutter und mit meinem Mann, Sohn und einer älteren Freundin, die gerne old school stundenlang am Telefon ratscht. Aber mein Sohn, den ich tatsächlich auch gerne selber mal höre, finde meine Anruferei auch ziemlich übergriffig, geht einfach nicht ran, und wenn ich dann schimpfe, fragt er „können wir uns nicht schreiben auf Messenger, müssen wir deswegen extra telefonieren?“
    Die Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten, denke ich.

  14. Gute Nachricht Hylamide von Deciem ist ab sofort und für immer reduziert.
    Vielleicht hat jemand Hyalmide glow getestet? Wird als Alternative to self tan beworben. Booster mit Peptiden und Aox.

  15. Ich denke auch, dass es sich ändert. Ich selbst telefoniere nicht gern und noch ungünstiger sind bei mir Anrufe zur falschen Zeit, ich stehe da mit Vorliebe genau an der Kasse zum Bezahlen, bin in der Bahn oder bin beim Kochen in der kritischen Phase. 😀

    Entweder telefoniere ich ganz kurz oder sehr lange. Festnetz braucht nur noch mein Mann für die Arbeit, obwohl er dafür auch ein Handy hat. Wir beide schreiben lieber und kriegen gern geschrieben. Am Übergriffigen ist schon was dran, wir empfinden das inzwischen auch so, wenn es nicht nur um eine kurze Antwort geht. Längere Telefonate kündigen wir per WhatsApp an, damit man dafür auch Zeit und Aufmerksamkeit hat.

    Sprachnachrichten haben mich auch immer genervt, bis ich las, dass man die sich auch einfach am Ohr anhören kann wie einen Anruf und keiner sonst hört was. Wenn es aber laut um dich herum ist, ist Schrift wieder mal sicherer. Ich hab mein Handy zudem nur auf Vibration und hinten im Rucksack. Nachrichten kann ich immer nachlesen, Anrufe verpasse ich öfter mal.

    Mir ist bei vielen alten Leuten aufgefallen, dass sie auch nur noch den AB anhaben und selbst nicht mehr ans Telefon gehen. Ich gehe auch nur ran, wenn ich wirklich gerade reden kann, sonst auch AB.

    In den meisten Fällen finde ich auch gut, wenn man sich überlegen kann, was man schreiben will oder auch geschrieben bekommt. Nicht immer ist der erste Impuls das Beste, was man übermitteln will oder bekommt.

  16. Huhu
    Ich telefoniere jeden Tag auf dem Rückweg von der Arbeit und melde mich wie der Tag war.
    Aber ansonsten unter Freunden geht es doch schon rasant zurück das stimmt.

    Schade ist es schon geworden. Früher hat man sich darum gestritten , wer wie lange telefonieren darf und die Einzelverbindungen gecheckt wer für die hohen Kosten verantwortlich ist 🤣 das waren noch Zeiten.

  17. Was für ein Thema!!!!
    Ich arbeite am Telefon und bekomme den ganzen Tag Fragen und Probleme von Kunden
    geschildert, die kaum noch in der Lage sind, einen Sachverhalt in Worte zu fassen.
    Den Namen nennt man scheinbar nicht mehr, wenn man irgendwo anruft….. dann diese
    schlechten Handyverbindungen. Muss man bei Windstärke 10 mit dem Handy am Deich
    stehen und seine Bank anrufen, um zu fragen, ob das Geld vom Amt schon drauf ist?
    Ich verstehe oft nur pschtpschtpscht…..oder mit dem Handy aus dem fahrenden Auto anrufen
    und bei Nachfragen meinerseits dann erzählen, daß man die Kontonummer auf der Karte
    jetzt nicht ablesen kann, da man ja Auto fährt.
    Kein Wunder, daß so viele Unfälle passieren, die scheinbar unerklärlich sind.

    Ich denke, sprechen und sein Anliegen klar formulieren, ist heute nicht mehr notwendig.
    Und sich hinterher dann beschweren, daß der Service in Deutschland den Bach runter geht,
    da man nicht versteht, was die Tussi am Telefon einem versucht zu erklären.

    Dazu kommt dann noch die verschärfte Problematik der oftmals fremden Sprache.
    Das Telefon ist ein Medium der Sprache, wenn ich dieser nicht im Ansatz mächtig bin,
    kann ich nicht anrufen. Wird aber dennoch viel und gerne gemacht und dann natürlich mit
    einer knackenden Handyverbindung.

    Da meint man doch, das müßte im Chat dann besser sein, da doch keiner mehr gerne telefoniert und man viel lieber schreibt. Aber auch das stellt sich als Problem heraus.
    Denn dafür müßte man es auch schaffen, sein Ansinnen in einen Satz zu bringen.

    Mein bestes Beispiel dafür ist immer die Frage:

    Pischtanfleischalter.

    Sollte heißen: push tan freischalten.

    Bis ich das raus hatte, waren mehr als 10 Minuten vergangen und ich hoffe, der Mensch
    hatte eine schlechte Übersetzungsapp.

    Nein, ich telefoniere privat auch nicht mehr gerne, da ich die Überdosis Mensch am Telefon habe täglich. Und wenn, dann nur und zwar ausschließlich über Festnetz, denn die Sprachqualität ist einfach besser.

    Trotzdem mache ich mir Gedanken, woher es kommt, daß viele, vor allem junge Menschen,
    sich nicht mehr ausdrücken können. Weder in Schriftform, noch in Sprache.
    Liegt es daran, daß heute keine Aufsätze mehr geschrieben werden in der Schule?
    Wenn wir damals unschlüssiges Zeugs geschrieben hatten, bekamen wir vom Lehrer
    ein rotes, großes „A“ für Ausdruck an den Rand geschrieben.

    Schade ist es und es macht das Leben auch nicht einfacher.

    1. Doch doch, die schreiben Aufsätze und essays in der Schule, noch und nöcher. Aber vielleicht werden sie es abschaffen, wenn sie mal am Ruder sind. Unsere Welt wird sich immer schneller verändern, denke ich.

    2. Autsch! Ja, Kommunikation wird heutzutage immer schwieriger, weil die wenigsten Leute noch ihre Anliegen artikulieren können. Fehlende Höflichkeit (in mehrfacher Hinsicht) kommt noch dazu. Selbst in Berufen, in denen es wirklich drauf ankommt (zB. Ärzte, Lehrer, oder meinetwegen auch Coaches, wie bei mir) findet man das immer öfter. Schrecklich, wenn man selbst ganz anders gestrickt ist, zum Verzweifeln.
      Meine letzte Bestellung im Callcenter eines großen Telekommunikationsunternehmens endete mit einer freundlichen Verabschiedung durch die Mitarbeiterin: „Herzlichen Dank für das nette und freundliche Gespräch mit Ihnen!“ Und ich konnte das nur zurückgeben. Deine Beschreibungen lassen mich fürchten, dass sowas wohl nicht mehr so oft passiert.
      Liebe Grüße!
      KK

  18. Hallo ihr Lieben,
    also ich gehöre zu den Leuten, die gerne telefonieren. Habe erst heute mit meiner Mutter telefoniert. Habe auch ein Festnetzanschluss. Die guten alten Telefonzellen kenne ich auch noch von eigener Benutzung. Als ich für 5 Jahre in Soest gelebt habe (vor über 20 Jahren), war es so, das vor dem Grundstück von meinem Wohnheim bzw. Internat (war in beidem) eine gelbe Telefonzelle stand. Man konnte zwar von der Gruppe aus telefonieren aber da hatte man ja immer Mithörer und dann wollten evtl. alle auch telefonieren. Also bin ich immer zur Zelle und hatte auch eine Telefonkarte, dass war besser. An der nächsten Straßenecke gab es auch eine Zelle, aber die nahm nur Münzen. Stolz war, wer damals schon ein Handy hattte (die wenigsten) und dann auf den Service nicht mehr angewiesen war. Es gab mal im Freundeskreis eine Situation, in der wir anderen Mädels die Telefonseelensorte brauchten. Wir sind dann in die Stadt gegangen und haben eine Telefonzelle mit Karte gesucht. Ich kannte danach wirklich jede Telefonzelle in Soest. So lernt man auch eine Stadt kennen. 🙂

    1. Meine Mutter hatte lange in ihrem Wochenendhaus an der Küste keinen Anschluss. Niemand hatte es. Aber es gab eine Telefonzelle. Die habe ich dann angerufen und meine Mutter war zu vereinbarter Zeit dort. Einmal hat sie es aber vergessen. Lange klingelte es und eine sehr ängstliche mir unbekannte Stimme sagte gaaaanz vorsichtig – hallo? :-))) Diese Person wusste nicht das man jede Telefonzelle anrufen kann. das kam ihr sicher alles sehr suspekt vor.

  19. iIh denke manchmal, ich bin irgendwie aus der Zeit gefallen.. Ich telefoniere sehr gerne, finde Kommunikation über whatsapp oder andere Messsager total ätzend (nutze sie aber gezwungenermaßen, da Freundeskreis natürlich alle dabei sind..) und vermisse dabei das, was ein Gespräch ausmacht. Kein Wunder habe ich inzwischen mehr PatientInnen, die nicht mehr in der Lage sind, Gefühle im Gesicht gegenüber zu erkennen und zuzuorden, die nicht aushalten, in einer Gesprächsgruppe mal eine Stunde das Handy auszuschalten und treffe im Urlaub an einem der schönsten Flecken der Erde auf Paare, die nicht mehr miteinander sprechen, sondern beide in ihr Handy starren und darauf tippen. Nein, das ist viel mehr als „die moderne Zeit“. Elementare Fähigkeiten für zwischenmenschliche Kommunikation scheinen auf der Strecke zu bleiben. Ich sehe natürlich die Vorteile der modernen Medien, keine Frage, aber auch die Nachteile.
    Telefongespräche sind anstrengend, weil man sich auf das Gegenüber konzentrieren muss? Meine Güte, so ist das, wenn man nicht Monologe halten möchte. Claudias Schilderungen, dass sie erstaunt ist, wenn sie jemanden in der Leitung hat, der angemessen und verständlich sein Anliegen äußert, erschüttert mich. Echt. Was läuft da schief?
    @KK: ich handhabe das ganz ähnlich nach Anruf bei einer Hotline oder ähnlichem.. wenn ich da auf jemanden treffe, mit dem ich gerne telefoniere, dann äußere ich das auch sehr offen. Die Rückmeldungen sind teilweise so was von herzlich und erstaunlich. Mag mir nicht ausmalen, was Menschen, die in einem Call-In-Center arbeiten, sich jeden Tag anhören müssen.
    Viele Grüße
    Roland

  20. Also wir im Freundeskreis telefonieren gerne lange miteinander. Wir sehen uns aber auch nicht so oft. Wenn wir es schaffen, dann alle 4 einmal im Jahr zusammen ein Wochenende.
    Letztes Jahr hatte ich mit einer Freundin mal knapp 4 1/2 Stunden bis also nach 1 Uhr nachts telefoniert – in der Woche. Oh wir waren beide auf der Arbeit etwas müde…

    Ich habe 2 Freundinnen (mit einer hatte ich das ellenlange Telefonat) arbeiten auch am Telefon. Die eine Freundin in der Telefonzentrale vom LKA in Düsseldorf und die andere als Hörerberaterin in der Blindenhörbücherei Münster. Ich selber mache auch überwiegend Telefondienst bei mir in der Arbeit. Ich muss den Leuten echt aus der Nase ziehen, was sie wollen. Vor allem Leute, die deutlich älter sind (also so ca. 70-80), sind am Telefon sehr umständlich und brauchen lange, um zu sagen was sie wollen. Ich arbeite im Bereich Rehasport und bin dafür zuständig, die Leute den richtigen Gruppen zuzuweisen. Ich weiß nicht, wie ich es mache, aber ich kann an der Stimme erkennen, wo Leute gut aufgehoben sind. Wir haben unsere Angebote nach Schwirigkeitsgrad eingeteilt. Also Leute, die sportlich absolut Null was können in eine Gruppe oder Leute, welche sportlich vorerfahren sind, aber jetzt nichts leisten können auf Grund der Krankheit etc. Meine Kollegin hat mal gefragt, wie es kommt, dass die Leute immer harmonisch in einer Gruppe zusammen passen. Tja, da bin ich drauf gekommen, dass man über das Telefon auch sehr viel über einen Menschen erfährt, auch wenn man die Person nicht vor sich sitzen hat.

    Ich selber habe bisher mit Callcentern gute Erfahrung gemacht. Bisher wurde ich immer gut und kompetent beraten. Aber ich kenne es auch anders. Ich habe mal bei einem Callcenter gearbeitet. Nicht hinter dem Telefon, aber in dem Büro und habe die Aufträge meinen Kollegen zugeteilt. Damals war das für verschiedene Versicherungen. Meine Kollegen mussten die Leute anrufen, die im Telefonbuch standen. Es ging um Selbstständige und private Versicherungen. Würde heute so nicht mehr machbar sein.

  21. Ich gestehe: ich hasse telefonieren. Hab es auch schon immer gehasst. Privat telefoniere ich deshalb so gut wie gar nicht, das läuft alles per Whatsapp. Wenn wir in größerer Runde einen Termin für ein gemeinsames Treffen finden wollen – z.B. mein Bruder und seine Freundin, dazu die jeweiligen Eltern – ist es auch viel einfacher, dass in eine Whatsapp-Gruppe zu schreiben. Da telefoniert man sich ja sonst dumm und dämlich.
    Auch im Beruf läuft mittlerweile fast alles über Mail. Ich arbeite im öffentlichen Dienst in einem sensiblen Bereich in der IT, da ist das schon aus Gründen der Nachvollziehbarkeit sehr sinnvoll. Aber es war auch oft so, dass wir gerade mal konzentriert am Programmieren waren und mitten in einem Gedankengang klingelt das Telefon. Klar, jeder braucht „nur ganz schnell was, dauert auch nicht lange“, aber durch solche Unterbrechungen geht einfach nichts weiter und noch schlimmer, es schleichen sich gravierende Fehler ein. Vor 6 Monaten haben wir es so eingerichtet, dass wir nur noch 1 Stunde in der Früh und eine Stunde am Nachmittag telefonisch erreichbar sind und auch nur während dieser Zeit E-Mails lesen und beantworten. Die restlichen 6 Stunden des Arbeitstages widmen wir ohne Ablenkungen unserer eigentlich wichtigen Entwicklungsarbeit und, ganz ehrlich: es ist unfassbar, wie produktiv wir seitdem sind. In 2 Wochen schaffen wir teilweise so viel wie sonst in 2 Monaten nicht. Für richtige Notfälle sind wir immer noch über Pager erreichbar,

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